Hrvatsko revolucionarno bratstvo

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Die Hrvatsko revolucionarno bratstvo (HRB, Kroatische Revolutionäre Bruderschaft) war eine von Exilkroaten gebildete terroristische Vereinigung. Sie entstand in den 1950er Jahren in Australien, wo sie Terroristen ausbildete, die dann 1963 und 1972 nach Jugoslawien eingeschleust wurden.[1]

Die HRB galt als verantwortlich für den von dem Asylbewerber Franjo Goreta am 30. August 1966 ausgeführten Mordanschlag auf den jugoslawischen Konsul in Stuttgart, Sava Milovanović.[2] Der deutsche Ableger des HRB, der seinen Sitz in Stuttgart hatte, wurde am 24. Juni 1968 von Bundesinnenminister Ernst Benda verboten.[3]

Am 1. August 1972 versuchten drei jugoslawische Asylbewerber, in Ravensburg einen Richter zu entführen, der im Frühjahr 1970 fünf Mitglieder der verbotenen HRB wegen Mordversuchs, Anstiftung zum Mord und unerlaubten Waffenbesitzes zu Haftstrafen zwischen fünf und zwölf Jahren verurteilt hatte.

Die rechten Brüder, die nach 1945 als Anhänger der faschistischen Kroaten-Organisation Ustascha in den Westen geflohen waren, hatten, als harmlose Bürger getarnt, auf eigene Faust versucht, den bewaffneten Kampf gegen das Jugoslawien Titos zu führen. So stapelte der Schankwirt Dane Sarac im Keller seiner Kneipe zwischen Überlingen und Friedrichshafen zeitweilig Sprengstoff im Wert von 300 000 Mark. Einer der am Bodensee ausgerüsteten Einzelkämpfer, der Bosnier Ivan Jelic, wurde 1968 von der jugoslawischen Geheimpolizei Udba auf dem Weg nach Zagreb gefaßt. Im Verhör gab er zu, am Belgrader Hauptbahnhof zwei Zeitbomben deponiert zu haben, die am 23. Mai, zwei Tage vor Titos Geburtstag, explodierten und zwölf Menschen verletzten.

(Der Spiegel, 18. September 1972)

Die Zahl der HRB-Mitglieder in Deutschland werde auf 20 bis 50 gut ausgebildete und entschlossene Einzelkämpfer geschätzt.[4]

Nach dem Verbot in der Bundesrepublik Deutschland wurde die HRB, die weltweit aktiv war, von Australien aus gesteuert. Dort beging sie mehrere Anschläge gegen jugoslawische Einrichtungen. Sie soll auch einen Anschlag auf den jugoslawischen Ministerpräsidenten Džemal Bijedić geplant haben, als dieser im März 1973 Australien besuchte.[5]

Im Juli 1972 drangen 19 im Exil lebende kroatische Terroristen nach Jugoslawien ein mit dem Ziel, in der Gegend von Bugojno (SR Bosnien und Herzegowina) einen Volksaufstand zu entfachen. Sieben der 19 Terroristen hatten zuvor in der BRD gelebt, die meisten von ihnen waren Angehörige der HRB.[6]

Auch die Ermordung des jugoslawischen Botschafters in Schweden Vladimir Rolović 1971, die Flugzeugentführung 1972 mittels derer Rolovićs Mörder freigepresst wurden, die Ermordung des uruguayischen Botschafters in Paraguay Carlos Abdala 1976 (letzteren hatten die Attentäter irrtümlich für einen jugoslawischen Diplomaten gehalten) sowie die Geiselnahme im deutschen Generalkonsulat in Chicago 1978, mit dem der in der BRD inhaftierte Terrorist Stjepan Bilandžić freigepresst werden sollte, wurden mit der HRB in Verbindung gebracht.[7]

Nach Erkenntnissen des Bundesamt für Verfassungsschutz verfügte die HRB noch Jahre nach dem Verbot über einen Kernbestand fanatischer Anhänger, die ihre Untergrundarbeit auf deutschem Boden fortsetzen. Sie wird dabei von den Führungsstellen der Organisation außerhalb der Bundesrepublik mit Geld und Propagandamaterial unterstützt.[8]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jochen Waldmann, Exilkroaten in der Bundesrepublik, in: Minderheiten in der Bundesrepublik, hrsg. v. Bernhard Doerdelmann, 1969
  • Tony Griffiths, Contemporary Australia, 1977, ISBN 0-85664-427-7, S. 138f
  • Peter Janke, Richard Sim, Guerilla and terrorist organisations. A world directory and bibliography, 1983, ISBN 0-7108-0013-4, S. 113
  • Bundesamt für Verfassungsschutz (Hrsg.): Verfassungsschutzbericht (bis 1982: Verfassungsschutz. Linksextremismus, deutscher linksextremistischer Terrorismus, Rechtsextremismus, sicherheitsgefährdende und extremistische Bestrebungen von Ausländern, Spionageabwehr), ISSN 0343-690x, diverse Jahrgänge, siehe Einzelnachweise

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Janke/Sim
  2. Janke/Sim; Schüsse in Stuttgart, in: Die Zeit vom 9. September 1966; Bruderkampf, in: Die Zeit, 5. Mai 1967.
  3. Verbotserlass
  4. Der Araber - dem ist nicht zu trauen, in: Der Spiegel, 18. September 1972; zu Ivan Jelić und Dane Sarac siehe auch Waldmann S. 210 u. 216f
  5. Griffiths; Janke/Sim
  6. Verfassungsschutzbericht, Jg. 1975, S. 133
  7. Janke/Sim
  8. Verfassungsschutzbericht, Jg. 1975, S. 132