Hugh Thompson junior

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Warrant Officer Hugh Thompson

Hugh C. Thompson junior (* 15. April 1943 in Atlanta, Georgia; † 6. Januar 2006 in Alexandria, Louisiana) war ein Soldat der US Army, der als Hubschrauberpilot im Vietnamkrieg diente. Bekannt wurde er durch seine aktive Rolle bei der Beendigung des Massakers von My Lai, für die ihm 1998 die Soldiers Medal sowie 1999 der Peace Abbey Courage of Conscience Award verliehen wurde.

Biografie[Bearbeiten]

Thompson meldete sich 1961 als Freiwilliger für die US Navy und diente dort bis 1964 bei den SeaBees in einer Pioniereinheit. Er trat 1966 in die US Army ein und erhielt eine Ausbildung zum Hubschrauberpiloten. Er meldete sich freiwillig für die Aerial Scout Unit (Luftaufklärung). Dort wurde er der Task Force Barker zugewiesen, die für die Truppenaufklärung in Vietnam zuständig war.

Das Massaker von My Lai[Bearbeiten]

Hauptartikel: Massaker von My Lai

Zur Besatzung des von Thompson gesteuerten Hubschraubers Hiller H-23 gehörten die beiden Bordschützen Glenn Andreotta und Lawrence Colburn, die jeweils die Maschinengewehre in den beiden Türöffnungen bedienten.

Bei einem Aufklärungsflug für die Operation der Task Force Barker am 16. März 1968 in der Nähe des südvietnamesischen Dorfes My Lai wurde Thompsons Aufmerksamkeit durch am Boden liegende tote Zivilisten geweckt. Später sahen sie, dass Captain Ernest Medina eine am Boden liegende Zivilistin trat und dann erschoss. Der Helikopter landete und Thompson sprach mit Second Lieutenant William Calley:[1]

Thompson: „What's going on here, Lieutenant?“ (Was ist hier los, Lieutenant?)
Calley: „This is my business.“ (Das ist meine Angelegenheit.)
Thompson: „What is this? Who are these people?“ (Was ist das? Wer sind diese Leute?)
Calley: „Just following orders.“ (Ich befolge bloß Befehle.)
Thompson: „Orders? Whose orders?“ (Befehle? Wessen Befehle?)
Calley: „Just following...“ (Befolge bloß ...)
Thompson: „But, these are human beings, unarmed civilians, Sir!“ (Aber das sind Menschen, unbewaffnete Zivilisten, Sir!)
Calley: „Look Thompson, this is my show. I'm in charge here. It ain't your concern.“ (Pass auf Thompson, das ist meine Angelegenheit hier. Ich habe hier das Kommando. Das geht dich nichts an.)
Thompson: „Yeah, great job!“ (Ja, tolle Arbeit)
Calley: „You better get back in that chopper and mind your own business.“ (Du gehst jetzt mal lieber zurück in deinen Hubschrauber und kümmerst dich um deinen eigenen Kram)
Thompson: „You ain't heard the last of this!“ (Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen!)

Thompson hob ab und Andreotta berichtete, dass der Soldat Mitchell weiter Menschen exekutierte. Thompson bemerkte eine Gruppe Zivilisten, die in Panik flohen und sich in einem Bunker versteckten. Sie wurden von amerikanischen Soldaten verfolgt. Thompson landete zwischen Verfolgern und Gejagten und sagte Colburn und Andreotta, dass sie das Feuer auf die US-Soldaten eröffnen sollen, wenn diese versuchen sollten, die Zivilisten zu ermorden.[2] Thompson stieg aus und sprach mit dem Zugführer Stephen Brooks. Er sagte ihm, dass er die Zivilisten aus dem Bunker holen wolle.[2] Brooks schlug ihm vor, eine Handgranate in den Bunker zu werfen. Thompson, der rangniedriger als Brooks war, versuchte mit diesem zu diskutieren. Es gelang ihm insgesamt elf Vietnamesen zum Verlassen des Bunkers zu überreden und diese mit Hilfe zweier Flüge eines Bell UH-1 Helikopters, der seinen Hubschrauber als Geleitschutz begleitete, zu evakuieren. Während ihres Abflugs entdeckte Andreotta Bewegungen in einem Bewässerungsgraben, woraufhin sie erneut landeten und Andreotta ein Kind zwischen den Toten barg. Das Kind wurde mit Thompsons Hubschrauber in ein Hospital in Quảng Ngãi gebracht. [3]

Nach dem Massaker[Bearbeiten]

Thompson flog auch nach dem Massaker lange Zeit Hubschrauber-Einsätze in Vietnam, wobei er fünf Mal abgeschossen wurde. Beim letzten Abschuss erlitt er einen Bruch seiner Wirbelsäule. Hiermit verbunden waren psychische Schäden, unter denen er bis zu seinem Lebensende litt.

1998 kehrten Thompson und Colburn noch einmal nach My Lai zurück, um die damals von ihnen geretteten Menschen zu treffen. Unter diesen befand sich auch der zum Zeitpunkt des Massakers acht Jahre alte Do Hoa. Thompson arbeitete später als Berater im Department of Veterans Affairs in Louisiana und hielt ab dem Jahr 2003 Vorträge an der US-Marineakademie zum Thema Professional Military Ethics.

In einem 2004 aufgenommenen Interview des Fernsehmagazins „60 Minutes“, sagte Thompson „I mean, I wish I was a big enough man to say I forgive them, but I swear to God, I can't.“ (deutsch: „Ich wünschte, ich hätte genug menschliche Größe zu sagen, dass ich ihnen vergebe, aber ich schwöre bei Gott, ich kann es nicht.“)

Später erkrankte Thompson an Krebs. Am 6. Januar 2006 wurden die lebenserhaltenden Maßnahmen im Kriegsveteranen-Krankenhaus in Alexandria eingestellt. Er wurde in Lafayette (Louisiana) mit allen militärischen Ehren beigesetzt.

Ehrungen[Bearbeiten]

Thompson, Andreotta und Colburn erhielten exakt 30 Jahre nach dem Massaker die Soldier's Medal for Heroism (Andreotta postum), die höchste Auszeichnung der US-Armee für besonderen Mut in Situationen ohne direkten Feindkontakt.[4] 1999 wurde Thompson und Colburn der Peace Abbey Courage of Conscience Award verliehen.[5]

Im Jahre 2010 wurde die Hugh Thompson Foundation gegründet, die sich den Anliegen von Kriegsveteranen widmet, insbesondere Soldaten, die für ihre richtigen Entscheidungen schikaniert oder bestraft wurden.[6]

Literatur[Bearbeiten]

  • Trent Angers: The Forgotten Hero of My Lai Acadian House Publishing, Lafayette, Louisiana, 1999, ISBN 0925417335, 248 Seiten (mit einer detaillierten Beschreibung von Thompsons Verhalten)

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. The Forgotten Hero of My Lai: The Hugh Thompson Story, Seiten 119–120, Angers, 1999
  2. a b The Forgotten Hero of My Lai: The Hugh Thompson Story, Seite 124, Angers, 1999
  3. Moral Courage In Combat: The My Lai Story. (PDF) In: USNA Lecture. .
  4. My Lai Pilot Hugh Thompson National Public Radio
  5. Hero of My Lai dies at 62
  6. About the Hugh Thompson Foundation. http://www.hughthompson.org/about.htm (abgerufen am 28. Oktober 2012)