Ibn Warraq

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Ibn Warraq (arabisch ‏ابن وراق‎, DMG Ibn Warrāq; * 1946 in Rajkot, Indien) ist ein Pseudonym, das traditionellerweise von kritischen Denkern im Islam angenommen wurde. Heute arbeitet unter diesem Pseudonym ein Autor, der 1946 in Rajkot in Indien als Muslim geboren wurde, aber sich später als Apostat vom Islam abgewandt hat. Bekanntheit erreicht er mit seiner Forderung nach einem „Kalten Krieg“ der „Aufgeklärten“ gegen den Islam.

Leben[Bearbeiten]

Ibn Warraq wurde in seiner Kindheit nicht religiös erzogen. Sein Vater wäre gerne Schriftsteller geworden, musste jedoch Kaufmann werden.[1]

Zwar fühlte Ibn Warraq sich stets als Skeptiker, hatte jedoch als junger Mann eine Identitätskrise, in der er sich kurzzeitig dem Islam öffnete. Schließlich jedoch obsiegte der Skeptizismus und er wandte sich Philosophen wie Spinoza, Kant, Leibniz und Hume zu.[1]

Ibn Warraq studierte an der Universität Edinburgh bei dem Orientalisten William Montgomery Watt.

Im Jahre 1993 begann er, entsetzt über die Reaktionen westlicher Intellektueller auf die Todes-Fatwa des Ajatollah Khomeini gegen den Schriftsteller Salman Rushdie, mit den Arbeiten an seinem Buch Warum ich kein Muslim bin (der Titel lehnt sich an Bertrand Russells Buch Warum ich kein Christ bin an). Als es 1995 erschien, war er Professor für britische und amerikanische Kultur in Toulouse. Aus Angst, ein zweiter Salman Rushdie zu werden, legte er sich das Pseudonym Ibn Warraq zu und verheimlichte dies sogar seiner Familie.[1]

Wirken[Bearbeiten]

In seinen Büchern kritisiert Ibn Warraq offen den Islam und die Reaktionen der westlichen Welt auf islamisch legitimierte und menschenrechtswidrige Gepflogenheiten. Er wirft westlichen Intellektuellen vor, nicht in der Lage zu sein, „das kostbare Gut der Freiheit zu verteidigen“.[1]

Eine Kernforderung Ibn Warraqs ist der Kalte Krieg der Aufgeklärten gegen den Islam, dessen Unterscheidung vom Islamismus er für irreführend hält, weil der Islam keine friedliche Religion sei (im Gegensatz zu Muslimen). So enthalte der Koran etwa Forderungen, wonach Männer ihre Frauen schlagen dürften. Dies sei Ausdruck dafür, dass er nicht liberal ausgelegt werden könne, sondern an sich in Frage gestellt werden müsse. Ein „heißer Krieg“ gegen den Islam könne nicht gewonnen werden.[1]

Ibn Warraq unterscheidet drei "Schichten des Islam": Koran, Auslegung durch die Theologen und die tägliche Praxis - "die war meistens liberaler und toleranter als das, was die Schriftgelehrten uns vermitteln wollten"[1].

Er wird vom amerikanischen Autor Robert Spencer öfters zitiert.

Er gehört zu den Unterzeichnern des Manifestes der 12 gegen den Islamismus als "neue totalitäre Bedrohung".

Werke[Bearbeiten]

  • Which Koran?: Variants, Manuscripts, And the Influence of Pre-islamic Poetry

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikiquote: Ibn Warraq – Zitate

Quellen[Bearbeiten]

  1. a b c d e f "Dieser Kalte Krieg kann 100 Jahre dauern": Interview mit Ibn Warraq im SPIEGEL (Spiegel-Online, 12. August 2007)