Isaac Deutscher

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Isaac Deutscher (auch: Isaak Deutscher; * 3. April 1907 in Chrzanów, Galizien, Österreich-Ungarn; † 19. August 1967 in Rom) war ein trotzkistischer Schriftsteller, Journalist und Historiker des Kommunismus.

Leben[Bearbeiten]

Isaac Deutscher entstammte einem jüdisch-orthodoxen Elternhaus. Seine Vorfahren waren im 16. Jahrhundert von Fürth nach Galizien ausgewandert.

Der junge Deutscher wurde nach den Grundsätzen des orthodoxen Judentums erzogen, erlernte Tora, Talmud und die hebräische Sprache und zeigte zunächst auch Interesse für den Zionismus. Um die Zeit seiner Bar Mizwa verlor er jedoch seinen Glauben, als er, um "Gott zu prüfen", am Grabe eines Zaddik unkoscheres Essen aß und in der Folge, als nichts passierte, zum Atheisten wurde. Mit 16 Jahren veröffentlichte er in einer polnischen literarischen Zeitschrift jiddische und polnische Verse meist mystischen Inhalts und übersetzte hebräische, lateinische, deutsche und jiddische Beiträge ins Polnische. Seinen Lebensunterhalt verdiente er bis 1939 vor allem als Korrektor. 1926 schloss er sich der Kommunistischen Partei Polens an, die unter Pilsudskis Militärdiktatur in den Untergrund gedrängt worden war. Auch während seiner Militärdienstzeit in den Jahren 1929/30 agitierte er für die Partei. Er gab eine jiddisch-sozialistische Zeitung heraus und schrieb für die kommunistische Presse. 1932 wurde er aus der Partei ausgeschlossen, weil er aus deren Sicht „die Gefahr des Nazismus“ übertrieb und „Panik in den Reihen der Kommunisten“ verbreitete. [1]

Im August 1936 schrieb Deutscher eine Broschüre über den ersten Moskauer Prozess, in der er Methoden und Inhalt des Schauprozesses aufdeckte. Im April 1939 konnte er Polen verlassen und ging als Korrespondent einer polnischen Zeitung nach London. Deutscher begann dort, politische Kommentare zu schreiben, in denen er die Stalinsche Außenpolitik und dessen Kriegsziele aus einer sozialistischen Position kritisierte. Ab 1942 arbeitete er als Journalist bei den führenden englischen Wochenzeitungen The Observer (1942–1947) und The Economist (1942–1949). Im Zweiten Weltkrieg wurden seine Eltern und zwei seiner Geschwister von den Nationalsozialisten nach Auschwitz deportiert und dort umgebracht.

1947 heiratete er die Journalistin und Sekretärin der polnischen Journalisten-Union, Tamara Frimer. Mit Beginn des Kalten Krieges (1946) wandte sich Deutscher vom Tagesjournalismus weitgehend ab und begann mit größeren historischen Forschungsarbeiten. 1949 veröffentlichte er seine Stalin-Biographie, die in 12 Sprachen übersetzt wurde. 1954 bis 1963 erschien sein Hauptwerk, die dreibändige Biographie Trotzkis.

Mitte der 1960er Jahre engagierte sich Deutscher auf seiten der „Neuen Linken“ gegen den Vietnamkrieg und beteiligte sich an der Arbeit des „Russell-Tribunals“. Er war Gastprofessor an mehreren US-amerikanischen Universitäten sowie nach dem Beginn des Vietnamkriegs einer der prominenten Vertreter der sogenannten Teach-in-Bewegung.

Werke (Erstausgaben in deutscher Sprache)[Bearbeiten]

  • Stalin. Die Geschichte des modernen Russland, Zürich 1951
  • Stalin. Eine politische Biographie, Stuttgart 1962 (Original: Stalin, a Political Biography (1949)), vollständige, um ein Kapitel erweiterte Neuausgabe, 2 Bände, Berlin 1978, ISBN 3-88395-401-2
  • Trotzki, Stuttgart 1962–1963 (3 Bände) (Original: The Prophet Armed" (1954), The Prophet Unarmed (1959) und The Prophet Outcast (1963))
  • Die unvollendete Revolution. 1917–1967, Frankfurt/Main 1967 (Original: The Unfinished Revolution: Russia 1917–1967 (1967))
  • Lenins Kindheit, Frankfurt/Main 1973
  • Marxismus und die UdSSR, Frankfurt/Main, 1974
  • Die ungelöste Judenfrage. Zur Dialektik von Antisemitismus und Zionismus, Berlin 1977
  • Reportagen aus Nachkriegsdeutschland, Hamburg 1981
  • Unabhängige Kommunisten. Der Briefwechsel zwischen Heinrich Brandler und Isaac Deutscher 1949 bis 1967, Berlin 1981, herausgegeben von Hermann Weber
  • Zwischen den Blöcken. Der Westen und die UdSSR nach Stalin, Hamburg 1982
  • Der nichtjüdische Jude. Essays, Berlin 1988

Weitere Werke[Bearbeiten]

  • The Moscow Trial, 1936
  • Russia and the West, 1960

Literatur[Bearbeiten]

  • Ludger Syré: Isaac Deutscher. Marxist, Publizist, Historiker. Sein Leben und Werk 1907–1967. Junius-Verlag, Hamburg 1984, ISBN 3-88506-130-9 (Reihe Forschungsberichte).
  • David Caute: Isaac & Isaiah: The Covert Punishment of a Cold War Heretic. Yale University Press, New Haven 2013. ISBN 978-0-300-19209-4 (über Isaiah Berlin und Isaac Deutscher)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Tamara Deutscher: Isaac Deutscher 1907 – 1967. In: Isaac Deutscher: The Non-Jewish Jew and other essays, London 1981, S. VIII.