Islamische Weltliga

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Die Islamische Weltliga (arabisch ‏رابطة العالم الإسلامي‎, DMG Rābiṭat al-ʿālam al-islāmī) ist eine 1962 gegründete internationale islamische Nichtregierungsorganisation, die vom Königreich Saudi-Arabien finanziert wird. Sie sieht sich als kulturelle und religiöse Vertretung der islamischen Völker.

Zur Islamischen Weltliga gehören die International Islamic Relief Organization, der „Islamische Rechtsrat“ sowie der Weltmoscheenrat. Der Generalsekretär muss Saudi-Araber sein, zurzeit ist es Abdullah Al-Turki. Deshalb wird auch von einer regierungsgesteuerten Nichtregierungsorganisation (GONGO, Government-operated Non-governmental organization)[1] gesprochen.[2] Nach einer Schätzung hat Saudi-Arabien die Islamische Weltliga seit Mitte der 1970er Jahre mit ca. 90 Milliarden Dollar unterstützt.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Islamische Weltliga wurde am 18. Mai 1962 auf einer Islamischen Konferenz in Mekka von islamischen Gelehrten aus 22 Ländern gegründet. Die zweite Weltkonferenz, an der der 266 Delegierte teilnahmen, fand 1965 ebenfalls in Mekka statt.[4] Den Ambitionen des saudischen Regimes, die Organisation als Instrument seiner Außenpolitik zu verwenden, widersetzte sich der Generalsekretär der Liga, Muhammad Surūr as-Sabbān, der 1967 erklärte, dass seine Organisation niemals missionarische Institutionen unterhalten werde, die unmittelbar dem Saudischen Außenministerium unterstellt sind. Die Liga rekrutierte ihre Duʿāt anfangs aus den Absolventen der Islamischen Universität Medina. Echte missionarische Aktivitäten entfaltete die Liga aber erst ab 1973/74.[5]

Im September 1975 wurde in Mekka die "Konferenz zur Wiederbelebung der Botschaft der Moschee" (muʾtamar iḥyāʾ risālat al-masǧid) abgehalten, auf der als neues Netzwerk der Mitgliederorganisationen der Liga der Weltmoscheenrat geschaffen wurde.

Im April 1974 hat die Islamische Weltliga eine Fatwa herausgebracht, wonach die Ahmadiyya aus der islamischen Gemeinschaft auszuschließen sei.[6] Von 1979 bis 1982 erörterte und schließlich 1983 verdammte sie Muammar al-Gaddafis Islambild als „Unglauben“. Allerdings stimmte die Organisation 1985 im Grundsatz zur al-Azhar-Auffassung von der teilweisen Wiederöffnung des Tors zum Idschtihād zu.[7]

1979 beschloss der Konstitutivrat der Liga, eine neue Struktur zu schaffen, die Daʿwa und humanitäre Hilfe für Flüchtlinge, Kriegsopfer und Notleidende miteinander verbinden sollte. Das Ergebnis war die Internationale Islamische Hilfsorganisation in Mekka. Im März 1988 berief die Liga zusammen mit der Azhar-Universität in Kairo einen Daʿwa-Kongress ein, bei dem der "Internationale Islamische Rat für Daʿwa und Hilfe" (al-maǧlis al-islāmī al-ʿālamī li-d-daʿwa wa-l-iġāṯa) geschaffen wurde.[8]

Nach Grundmann[9] flossen in die internationalen Aktivitäten 48 Milliarden Dollar von 1975 bis 1987 und 70 Milliarden Dollar zwischen 1988 und 2002.

Aktivitäten in Schwarzafrika[Bearbeiten]

Schon an der Gründungsversammlung der Islamischen Weltliga nahmen zwei bedeutende Persönlichkeiten des westafrikanischen Islams teil, Ahmadu Bello, Führer der "Gesellschaft des Sieges des Islams" (ǧamāʿat naṣr al-Islām) in Nord-Nigeria, und der Tidschānīya-Scheich Ibrahim Baye Niass.[10] Ahmadu Bello beklagte 1964 in einem Interview, dass der afrikanische Islam in der Organisation unterrepräsentiert sei, und gab seiner Sorge Ausdruck, dass sich die Liga in eine rein arabische Organisation verwandeln könnte. An der Zweiten Konferenz in Mekka 1965 nahmen aber immerhin 78 Delegierte aus Schwarzafrika teil.[11] Neben Ahmadu Bello und Ibrahim Niass war der schwarzafrikanische Islam bis 1975 durch drei Personen in der Organisation vertreten: Abdelwahhab Doukouré, dem Botschafter Malis in Riyad (1965), Oumar Ahmad Galo aus Niger (1970) und Ahmad Khalifa Koutouku aus Kamerun (1974). Ein erstes Glanzstück der Missionsaktivitäten der Liga in Schwarzafrika war 1973 die Konversion von Bernard-Albert Bongo zum Islam. Omar Bongo, wie er sich fortan nannte, unterstützte 1974 auch das Projekt der Eröffnung eines Büros der Liga in Libreville. 1975 und 1977 wurden weitere Büros in Brazzaville bzw. Dakar eröffnet.[12]

Um die Zusammenarbeit mit den lokalen Organisationen in Westafrika besser zu organisieren, berief die Weltliga im Juni 1976 in Nouakchott eine islamisch-afrikanische Konferenz ein, bei der aus 20 Mitlgiedern bestehende Afrikanische Rat der Islamischen Koordination geschaffen wurde.[13] 1984 wurden sechs andere afrikanische Persönlichkeiten in die Organisation hinein gewählt.[14] 1978 gründete der Gelehrte Abu Bakar Gumi mit Hilfe mit Unterstützung der Weltliga in Nordnigeria seine „Gesellschaft zur Beseitigung der Ketzerei und Aufrichtung der Sunna“ (Ǧamāʿat Izālat al-bidʿa wa-iqāmat as-sunna, Hausa: Yan Izala).[15] In der Zeit von 1973 bis 1985 steigerte sich die Zahl der in Westafrika tätigen Missionare der Weltliga von 49 auf 473.[16]

Literatur[Bearbeiten]

  • Johannes Grundmann: Islamische Internationalisten. Strukturen und Aktivitäten der Muslimbruderschaft und der islamischen Weltliga. Reichert Verlag, Wiesbaden, 2005, ISBN 3-89500-447-2 (Rezension von I. Küpeli)
  • Reinhard Schulze: Islamischer Internationalismus. Untersuchungen zur Geschichte der islamischen Weltliga. Leiden 1990.
  • Reinhard Schulze: "La da'wa saoudienne en Afrique de l'Ouest" in René Otayek: Le radicalisme islamique au sud du Sahara. Da'wa, arabisation et critique de l'Occident. Karthala, Paris, 1993. S. 21-35.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. What Is a Gongo? By Moisés Naím, Foreign Policy May/June 2007
  2. Saudi Arabia's Dubious Denials of Involvement in International Terrorism Dore Gold, Research Institute for European and American Studies (RIEAS), 4. Oktober 2003
  3. Saudi Government Propaganda in the United States: Avowed Ally or Secret Enemy? CIA Direktor R. James Woolsey beim American Enterprise Institute, February 16, 2005 laut „The World Muslim League: Agent of Wahhabi Propagation in Europe?“ By Evgenii Novikov, Terrorism Monitor der Jamestown Foundation Volume 3, Issue 9 (May 06, 2005)
  4. Vgl. Schulze 1993, 28.
  5. Vgl. Schulze 1993, 29.
  6. Fatwas and Statements of Islamic Scholars about Ahmadiyya
  7. Günter Kettermann: Atlas zur Geschichte des Islam, Seite 167. Darmstadt 2001
  8. Vgl. Schulze 1993, 34.
  9. Grundmann laut Weltweit vernetzter politischer Islam: Muslimbrüder und islamische Weltliga B. Schmalenberger, sicherheit-heute, 22. Juni 2006
  10. Vgl. Schulze 1993, 26.
  11. Vgl. Schulze 1993, 27f.
  12. Vgl. Schulze 1993 32.
  13. Vgl. Schulze 1993, 31f.
  14. Vgl. Schulze 1993, 28.
  15. Vgl. Roman Loimeier: Islamic Reform and Political Change in Northern Nigeria. Evanston 1997. S. 148.
  16. Vgl. Schulze 1993, 31.