Iwan Michajlow

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Iwan Michajlow Gawrilow (1930er-Jahre)

Iwan Michajlow Gawrilow (auch Ivan Michailov Gavrilov geschrieben, bulgarisch Иван Михайлов Гаврилов; * 26. August 1896, Nowo Selo bei Štip, in der heutigen Republik Mazedonien; † 5. September 1990 in Rom, Italien) war ein bulgarischer[1][2] Widerstandskämpfer in Makedonien und langjähriger Anführer der IMRO (Inneren Mazedonischen Revolutionären Organisation).[3]

Leben[Bearbeiten]

Iwan Michajlow wurde am 26. August 1896 im Dorf Nowo Selo in der nähe der Stadt Štip im damaligen Osmanischem Reich geboren (heute Republik Mazedonien). Er besuchte das bulgarische Gymnasium für Männer in Thessaloniki. Nach dem Ende des Zweiten Balkankrieges (1913) und der darauf folgenden Annexion der makedonischen Ägäis durch Griechenland und der Wardar Makedoniens durch Serbien, beendete er seine schulische Ausbildung im serbischen Gymnasium von Skopje. Dort traf er zum ersten Mal auf den serbischen Thronfolger und späteren König Jugoslawiens Alexander Karađorđević. Nach der Beendigung seiner schulischen Ausbildung im Jahr 1915 mit Auszeichnung, bot ihm das serbische Bildungsministerium ein Stipendium an, um in jeder beliebigen Universität Europas seine Ausbildung abzuschließen. Iwan Michajlow lehnte dies ab und trat 1918 in die bulgarische Armee ein. Während des Ersten Weltkrieges diente er in der bulgarischen Armee. Nach dem Waffenstillstand von Solun (1918) verließ er die Armee und immatrikulierte als Jurastudent in der juristischen Fakultät der St.-Kliment-Ohridski-Universität in Sofia. Zu diesem Zeitpunkt lud ihn Todor Alexandrow, der damalige Führer der IMRO ein, sein persönlicher Sekretär in der Vertretung der IMRO in Sofia zu werden. Zwischenzeitlich beschloss Iwan Michajlow zusammen mit Jordan Tschkatrow aus Prilep und Kristo Weljanow aus Kruševo die Gründung einer Makedonischen Studentenvereinigung in Bulgarien. Michajlow wurde zu einem der Mitbegründer und zum ersten Vorsitzenden der Studentenvereinigung „Wardar“ in Sofia.

Führer der IMRO[Bearbeiten]

Todor Alexandrov mit seiner Tscheta

Nach der Ermordung seines Mentors und Freundes, des damaligen Führers der IMRO, Todor Alexandrow, am 31. August 1924, wurde Iwan Mihailow zum Mitglied des ZK der IMRO gewählt und begann mit der Bestrafung der Mörder Todor Alexandrows unter den Anhängern einer linken Abspaltung der IMRO (IMRO-Obedinena; deutsch: Vereinigte IMRO). Bekannt sind diese Vorfälle als die „Geschehnisse von Gorna-Dschumaja“ (heute Blagoewgrad, Bulgarien). In den nächsten Jahren wurde er zum De-facto-Anführer der IMRO. Er war Anhänger der Taktik des individuellen Terrors. In den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts waren Aktivisten unter der Führung von Iwan Mihailow an einer Reihe politischer Morde inner- und außerhalb Bulgariens beteiligt. Darunter war seine spätere Ehefrau Mentscha Karnitschewa, die durch die Ermordung von Todor Panitza, einem Anhänger des linken Flügels der IMRO, im Wiener Burgtheater am 8. Mai 1925 bekannt wurde. Der Anschlag wurde aufgrund seiner Morde an den IMRO-Aktivisten Boris Sarafow und Iwan Garwanow sowie der Kollaboration mit äußeren Mächten[4] von der IMRO unter Führung Mihailows befohlen. Das Hauptziel Mihailows war die Bekämpfung und Neutralisierung des sowjetischen Einflusses auf die makedonischen Unabhängigkeitsbestrebungen, manifestiert in Form der IMRO-Obedinena. Im Jahr 1926 heiratete er Mentscha Karnitschewa, mit der er bis zu seinem Lebensende zusammen blieb. Im darauf folgenden Jahr ließ die Serbische Regierung den Vater und den älteren Bruder Mihailows ermorden, die zu jener Zeit im Königreich Jugoslawien lebten.

Als Antwort plante die IMRO einen Anschlag auf den jugoslawischen König Alexander, der im Jahr 1934 von Wlado Tschernosemski in Marseille erfolgreich ausgeführt wurde.

In Makedonien[Bearbeiten]

Nachdem Michajlow es geschafft hatte, sich als Führer der IMRO zu behaupten, wurde er zur wichtigsten Figur im Streben zur makedonischen Unabhängigkeit. In ganz Makedonien erneuerte sich der Kampf gegen die jugoslawische (serbische) und an der Ägäis gegen die griechische Regierung. Er plante und führte persönlich Anschläge auf Polizeistationen, Armeestützpunkte, Brücken, Gendarmeriestationen, Sprengungen von Eisenbahnlinien sowie Attentate gegen Regierungsmitglieder. Aufgrund der Aktionen der IMRO, stationiert das Jugoslawische Königreich eine 35.000 Mann starke Armee in Wardar. Zu diesen Soldaten kamen noch Polizisten und Spezielle Grenztruppen zum Einsatz. Dies verwandelte das gesamte Territorium Makedoniens, speziell Wardar, in ein Kampfgebiet. Die Grenze zwischen Jugoslawien und Bulgarien wurde von der jugoslawischen Regierung stark befestigt. Michajlow änderte daraufhin seine Taktik. Für Attentate wurden sogenannte „Revolutionäre Dreier“ gebildet, deren Aktionen sich gegen lokale Kollaborateure der Serben richteten. Zu den bekanntesten zählen Traitscho Tschundew, Ipokrat Rawigorow, Ilija Lilinkow, Mara Bunewa und Iwan Momtschilow.

Bündnis mit der kroatischen Unabhängigkeitsbewegung[Bearbeiten]

1929 ließ König Alexander die alte Konstitution des Königreiches der Serben, Kroaten und Slowenen, die sogenannte Vidovdan (Sankt-Veits-Tag) Konstitution, durch die Konstitution des neuen Königreichs Jugoslawien ersetzen. Im Gegensatz zur alten Konstitution, die zumindest formell die Rechte der Kroaten, Slowenen und anderen Bevölkerungsgruppen anerkannte (makedonische Bulgaren wurden allerdings als Südserben angesehen), erkannte die neue Konstitution nur noch die neu geschaffene jugoslawische Ethnie an. Diese Umstände führten zur Deklaration von Sofia, dem strategischen Bündnis Iwan Michajlows mit der kroatischen Unabhängigkeitsbewegung

Gedenkstatue in Sofia

Nach dem Staatsstreich am 19. Mai 1934 in Bulgarien durch die pro-serbische Sweno[5] und der einhergehenden Verfolgung der IMRO in Bulgarien flieht Michajlow aus Bulgarien Richtung Türkei und später Polen. Die erste bedeutende Zusammenarbeit zwischen IMRO und der kroatischen Ustascha unter Ante Pavelic, ist das Attentat in Marseille 1934 bei dem König Alexander, der französische Außenminister Louis Barthou sowie der Attentäter Wlado Tschernosemski ums Leben kamen. Mit der Schaffung des „Unabhängigen Kroatiens“, eines Vasallenstaats der Achsenmächte, ließ sich Michajlow 1941 in der kroatischen Hauptstadt Zagreb nieder.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Als überzeugter Antikommunist nimmt Michajlow während des Zweiten Weltkrieges Kontakt zum Reichsführer der SS Heinrich Himmler auf und erhält dessen Zustimmung zur Schaffung eines Bataillons von ehemaligen IMRO-Aktivisten unter deutscher Führung. Das geplante Ziel dieser Einheiten sollte der aktive Kampf gegen kommunistische Partisanen auf dem Gebiet Jugoslawiens und Griechenlands im Dreieck Solun (heute: Thessaloniki)Kostur/ LerinLarisa[6] sein. Die Kampfstärke sollte 5000 bis 8000 Mann umfassen. Ab März 1943 begann die Formierung solcher Bataillone in Kostur, Lerin und Pella unter den Namen "Ohrana"[7]. Kurz vor der Machtübernahme der Kommunisten in Bulgarien am 9. September 1944 reist Iwan Michajlow auf Bitten Adolf Hitlers nach Skopje, um dort einen unabhängigen Makedonischen Staat zu errichten. Weil Iwan Michajlow allerdings sieht, dass das Schicksal Makedoniens erneut besiegelt ist und Deutschland den Krieg verliert, verzichtet er auf den Ausruf eines unabhängigen Makedoniens, um nach seiner Sicht ein weiteres sinnloses Blutvergießen der Bevölkerung in Makedonien zu ersparen[8]. Kurz danach verlässt er Makedonien für immer und lässt sich kurzzeitig nacheinander in Ungarn, Deutschland und Spanien nieder, bis er mit Zustimmung der italienischen Regierung seinen Wohnsitz in Rom nimmt, wo er 1990 in hohem Alter stirbt.

Im Exil[Bearbeiten]

Im Exil schreibt Iwan Michajlow viele Broschüren, als auch einige Bücher. Er ist Autor der 4 Bände von „Erinnerungen“, „Makedonien – die Schweiz des Balkans“, „Stalin und die Makedonische Frage“ und anderer Werke indem er den Makedonischen Unabhängigkeitskampf beschreibt. Zwischenzeitlich findet hinter dem Eisernen Vorhang im Kommunistischen Bulgarien seit 1948 auf Beschluss der Kominternen der Prozess der Zwangsweisen Denationalisierung und Mazedonisierung der bulgarischen Bevölkerung in Pirin-Mazedonien statt, als Vorbereitung zur Schaffung eines Sozialistischen Föderativen Balkanstaates unter Einschluss Bulgariens. Einzig der Streit zwischen Stalin und Tito setzte diesem Prozess ein Ende.

Ende[Bearbeiten]

Das gemeinsame Grab von Iwan Michajlow und Mentscha Karnitschewa in Rom, Italien

Iwan Michajlow stirbt am 5. September 1990, fast genau ein Jahr vor der Erklärung der Unabhängigkeit der Republik Mazedonien, am 8. September 1991 und 16 Jahre vor dem endgültigen Verschwinden Jugoslawiens von der politischen Weltkarte, am 3. Juni 2006.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ivan Mihaylov: Ich bin ein Bulgare aus Makedonien, Interview, September 1989. (auf Bulgarisch)
  2. Video Interview mit Michajlow in Rom, 1989 (auf Bulgarisch)
  3.  Stefan Troebst: Das makedonische Jahrhundert. Von den Anfängen der nationalrevolutionären Bewegung zum Abkommen von Ohrid 1893-2001. In: Südosteuropäische Arbeiten. Band 140, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2007, ISBN 9783486580501.
  4. Gemeint war die Zusammenarbeit des linken Flügels der IMRO mit den Bolschewisten Russlands und der 1922 gegründeten UdSSR, deren Ziel es war, auf dem Balkan einen sozialistische Föderationsstaat mit Trennung der makedonischen von der bulgarischen Ethnie zu schaffen.
  5. Quo vadis, Bulgaria; 1937 Iwan Michailow
  6. Offizielles Dokument der SS übersetzt ins russische, РГВА. Ф.1372к «Документы управлений войск СС по пенсионному обеспечению германских военнослужащих, служащих войск СС и добровольцев иностранных легионов войск СС и их семей». Оп.3 Д.446 Л.61-63
  7. Zeitung der Makedonischen Emigranten Kanadas (auf englisch) (MS Word; 1,8 MB)
  8. nicht veröffentlichtes Interview des mazedonischen Journalisten Boris Vishinski vom 1. Oktober 1, 1989 publiziert in der Zeitun 'Demokratsia', Sofia, 8. Januar, 2001, S. 10–11 (übersetzt ins englische)