Jakob Ignaz Hittorff

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Porträt von Jakob Ignaz Hittdorf, gezeichnet von Jean-Auguste-Dominique Ingres 1829

Jakob Ignaz Hittorff (* 20. August 1792 in Köln; † 25. März 1867 in Paris) war ein französischer Architekt und Archäologe deutscher Herkunft. Seine Hauptwerke sind die Kirche St-Vincent-de-Paul in Paris, die er gemeinsam mit seinem Schwiegervater, dem französischen Architekten Jean-Baptiste Lepère baute und der Pariser Nordbahnhof (Gare du Nord). Als Architekt der Gründerzeit folgt das repräsentative Erscheinungsbild seiner Werke dem im 19. Jahrhundert vorherrschenden Historismus.

Leben[Bearbeiten]

Hittorff, einziger Sohn eines Blechnermeisters, wurde infolge der Annektierung der linken Rheinlande durch Frankreich von 1801 bis 1814 französischer Staatsbürger. In dieser Zeit begann er 1810 sein Studium in Paris und ließ sich dort auch in der Folge nieder. Er heiratete die Tochter des französischen Architekten Jean-Baptiste Lepère und erhielt 1842 durch einen Erlass des Königs Louis-Philippe endgültig die französische Staatsangehörigkeit, um die er sich wegen seiner Kandidatur zur Aufnahme in die Académie des Beaux-Arts bemüht hatte. Er wirkte maßgeblich bei der Erstellung der Empfangsbauten für die 1814 erfolgte Restitution der Bourbonen mit und wurde dafür mit dem Titel ,Inspecteur du Roi pour les fetes et ceremonies' belohnt. Von 1818 bis 1848 war er Hofarchitekt als Nachfolger Belangers. Am 24. Januar 1854 wurde er in den preußischen Orden pour le merite für Wissenschaft und Künste als ausländisches Mitglied aufgenommen.[1]

1811 schrieb er sich in der École nationale supérieure des beaux-arts de Paris ein und arbeitete gleichzeitig für Charles Percier. Von seinem Lehrer François-Joseph Bélanger gefördert erlebte er als dessen Assistent die Errichtung der Halle aux Blés im Hallenviertel.

Mit dem Bau des Gare du Nord leistete er einen wesentlichen Beitrag auf dem Gebiet des damals noch jungen Eisenkonstruktionsbaues. Die Fassadengestaltung wurde dadurch von statischen Aufgaben entbunden und ermöglichte neue Formsprachen.

Seine Forschungen auf archäologischem Gebiet brachten den Nachweis, dass die griechische Baukunst mit Farben (Polychromie) arbeitete.

Der größte Teil des Nachlasses Hittorffs befindet sich in der Graphischen Sammlung des Wallraf-Richartz-Museums & Fondation Corboud Köln. Die knapp 8000 graphischen Werke und Dokumente aus diesem Nachlass sind ein Panorama der internationalen Altertumsforschung, Baukunst und Stadtgestaltung des 19. Jahrhunderts. Hierin befinden sich ferner Werkgruppen weiterer bedeutender Künstler der Zeit (so etwa Louis François Cassas (1756–1827), Jean-Baptiste Lepère, Jean-François-Joseph Lecointe (1783–1858)).

1893 wurde eine kleine Straße, die Rue Hittorf, im 10. Arrondissement von Paris nach ihm benannt.

Brunnen an der Place de la Concorde

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten]

  • De l’architecture polychrôme chez les Grecs, ou restitution complète du temple d’Empédocles dans l’acropolis de Sélinunte. In: Annali dell'Instituto di Corrispondenza Archeologica, Jg. 2, 1830, S. 263–284. Digitalisat (Arachne); (google - University of Michigan)
  • Restitution du temple d’Empédocle à Sélinonte, ou L’architecture polychrome chez les Grecs (1851), Textband (HEIDI), Tafelband (HEIDI)
  • mit L. Zanth: Architecture antique de la Sicile, ou, Recueil des plus intéressans monumens d’architecture des villes et des lieux les plus remarquables de la Sicile ancienne mesurés et dessinés par J. Hittorff et L. Zanth, 3 Bände, 1826–1830 Tafelband (ARACHNE); 2. Auflage 1866–1867.
  • Recueil des Monuments de Ségeste et de Sélinonte mesurés et dessinés par J. Hittorff et L. Zanth, suivi de recherches sur l’origine et le développement de l’architecture religieuse chez les Grecs, Paris 1870 Textband (HEIDI), Tafelband (HEIDI)
  • Architecture moderne de la Sicile (1826–1835) (Gallica)

Literatur[Bearbeiten]

  • Jakob Ignaz Hittorff. Ein Architekt aus Köln im Paris des 19. Jahrhunderts. Wallraf-Richartz-Museum Köln. Graphische Sammlung 21. Januar bis 22. März 1987. Locher, Köln 1987
  • Leonard EnnenHittorf, Jakob Ignaz. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 12, Duncker & Humblot, Leipzig 1880, S. 504–506.
  • Karl Hammer: Jakob Ignaz Hittorff. Ein Pariser Baumeister 1792–1867. Anton Hiersemann Verlag, Stuttgart 1968 (Digitalisat)
  • Karl Hammer: Hittorff, Jakob Ignaz. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 9, Duncker & Humblot, Berlin 1972, ISBN 3-428-00190-7, S. 270 f. (Digitalisat).
  • Erich Schild: Der Nachlass des Architekten Hittorff. Dissertation, RWTH Aachen, Aachen 1957.
  • Donald David Schneider: The Works and Doctrine of Jacques Ignace Hittorff 1792–1867. Dissertation Princeton 1060, New York, London, 1977, 2 Bände

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jakob Ignaz Hittorff – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Orden pour le merite für Wissenschaft und Künst, Die Mitglieder des Ordens, Band I (1842–1881), Gebr. Mann-Verlag, Berlin, 1975, S. 180