Jan Swammerdam

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Es gibt kein authentisches Porträt Swammerdams. Das hier Gezeigte basiert auf einer Fehlinterpretation einer Person in Rembrandts "Anatomie des Dr Tulp".

Jan Swammerdam (* 12. Februar 1637 in Amsterdam; † 17. Februar 1680 ebenda) war ein niederländischer Anatom und Naturforscher und gilt als Begründer der Präformationslehre.

Leben[Bearbeiten]

Jan Swammerdams Vater war Apotheker in Amsterdam und beschäftigte sich dem Sammeln von Münzen, Mineralien und Fossilien. Seine Mutter starb 1661. In ihrem Todesjahr begann Jan das Medizinstudium an der Universität Leiden bei Franciscus Sylvius. Seine Kommilitonen waren u.a. Reinier de Graaf und Niels Steensen. 1664 ging er nach Paris, wo er Kontakte zu den wohlhabenden Universalgelehrten Tanneguy Le Fèvre und Melchisédech Thévenot knüpfte, kehrte ein Jahr später zurück nach Leiden und Amsterdam und wurde 1667 mit De respiratione, einer Abhandlung über die Atmung, zum Dr. med. promoviert. Seinen Beruf als Arzt übte er jedoch nur aus, um damit seine Leidenschaft, die Insektenforschung, zu finanzieren. Als Arzt nahm er häufig Autopsien vor, wobei die Erkenntnisse daraus in seine anatomischen Forschungen einflossen.

Von 1667 bis 1675 veröffentlichte er drei Abhandlungen zur Naturgeschichte der Insekten, die ihm hohes Ansehen einbrachten, jedoch auch Neid erweckte. Swammerdam führte mehrere Prozesse gegen ehemalige Studienfreunde, so stritt er mit Graaf um die Frage, wer die Ovarialfollikel zuerst entdeckte. Etwa zur selben Zeit erkrankte er an Malaria. Der Ausbruch des Französisch-niederländischen Krieges 1672 führte auch zum wirtschaftlichen Ruin der Familie Swammerdam.

Schon länger verfolgten Swammerdam Zweifel, die sich aus Widersprüchen seiner Forschungsergebnisse zur Bibel ergaben. 1675 reiste er zu der flämischen Mystikerin Antoinette Bourignon nach Schleswig und vernachlässigte eine Zeitlang seine Forschungsarbeit zugunsten spiritueller Erkenntnis. Selbst eine von seinem Studienfreund Niels Steensen vermittelte Einladung zu Herzog Cosimo III. nach Florenz, der ihm 12000 Gulden bot, um dort seine Insektensammlung auszustellen und zu komplettieren, schlug er dafür aus. Seine Forschungen setzte er jedoch fort mit dem Ziel, in den kleinen Lebewesen den göttlichen Schöpfungsplan zu entdecken.[1] Er starb mit 43 Jahren. Erst 1737-38 erschienen seine hinterlassenen Papiere, von Hermann Boerhaave ins Lateinische übersetzt unter dem Titel Biblia naturae.

Forschung[Bearbeiten]

Swammerdam gehörte zu den ersten Forschern, die das Mikroskop verwendeten. Er stand dabei im Austausch mit seinen Landsmännern Antoni van Leeuwenhoek und Christiaan Huygens. Bereits 1658 beschrieb er als erster Mensch die von ihm unter dem Mikroskop entdeckten roten Blutkörperchen.

Bis zur Erfindung der Mikroskope galten Insekten als zu unwichtig um klassifiziert zu werden. Ein Großteil seiner entomologischen Arbeit besteht daher in einer Systematik, womit er die Grundlage für weitere Forscher legte. Swammerdams mikroskopische Untersuchungen von Insekten zeigten auch, dass Insekten anders als bis dahin angenommen nicht aus Schlamm o.Ä. entstanden, sondern sich wie alle anderen Tiere auch entwickeln. Er erkannte, dass die Königin das einzige fortpflanzungsfähige Weibchen des Bienenvolkes ist und stellte fest, dass die Metamorphose der Insekten nichts anderes ist als Entfaltung und Wachstum bereits vorhandener Anlagen.

Weitere wichtige Studien befassen sich mit dem Lebenszyklus der Frösche und mit dem Bau der weiblichen Geschlechtsorgane des Menschen. Dabei konnte Swammerdam nachweisen, dass alles Leben aus einem Ei kommt. Er will die Präformation nachweisen, die Lehre von der Vorherbestimmtheit aller Lebensformen, die im Keim schon im ersten Ei vorhanden war.

Swammerdam gilt auch als der Erste, der das Phänomen beschrieb, dass Muskeln bei der Kontraktion nicht an Volumen zunehmen. Dabei glaubte er jedoch nicht dem Augenschein, sondern Descartes' Hypothese eines "Nervenspiritus", der vom Gehirn in die Muskeln fließe und diese weite.[2] Seine dafür entwickelte Methode, einzelne Froschmuskeln zu isolieren, wurde noch Jahrhunderte später angewandt.

Werke[Bearbeiten]

  • Johannis Swammerdami Amstelædamensis, Med. D. Miracvlvm Natvræ Sive Uteri Muliebris Fabrica : notis in D. Joh. van Horne prodromum illustrata, & tabulis ... adumbrata. Adjecta est nova methodus, cavitates corporis ita præparandi, ut suam semper genuinam faciem servent ... - Lugduni Batavorum : Matthaeus, 1672. Digitalisierte Ausgabe der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf

Benennungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Swammerdam: Bibel der Natur, Tafel 39 (Objekt des Monats Dezember 2007 der Wissenschaftlichen Sammlungen der Humboldt-Universität Berlin)
  2. Matthew Cobb: Swammerdam on muscles: right without realizing it