Jane Digby

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Jane Digby 1831 (Lady Jane Ellenborough) , gemalt von Joseph Karl Stieler für die Schönheitengalerie

Jane Elizabeth Digby (* 3. April 1807 in Forston House, Minterne Magna, Dorset; † 11. August 1881 in Damaskus) war die Tochter von Admiral Henry Digby und Lady Jane Elizabeth Digby, geborene Coke, und wurde bekannt als Mätresse und Ehefrau mehrerer bekannter Persönlichkeiten.

Leben[Bearbeiten]

Ihr Großvater mütterlicherseits war Thomas Coke, 1. Earl of Leicester, der reichste Grundbesitzer in Norfolk. Auf seinem Herrensitz verbrachte sie ihre Jugendjahre; und er arrangierte ihre erste Ehe[1]. Am 15. Oktober 1824 heiratete Jane Digby Edward Law, 2. Baron Ellenborough, den späteren Vizekönig von Indien. Mit diesem hatte sie einen Sohn, Arthur Dudley, der jedoch schon im Alter von 2 Jahren starb.

Schon während der Ehe begann Jane Digby ein freizügiges Liebesleben. Sie hatte mehrere Affären, unter anderem mit ihrem Cousin George Anson, dem Bibliothekar Frederick Madden sowie 1828 mit dem jungen österreichischen Diplomaten und späteren Ministerpräsidenten Fürst Felix zu Schwarzenberg[2].

1830 ließ sich Lord Ellenborough von Jane Digby scheiden. Sie ging nach Paris, wo sie mit Felix Schwarzenberg, der sich dort in einer politischen Angelegenheit aufhielt, zusammenlebte. Aus der Liebesbeziehung zu Schwarzenberg gingen die Tochter Mathilde Selden (* 1829) sowie ein Sohn, der schon nach wenigen Wochen starb, hervor. Jane Digby hoffte jedoch vergebens auf eine Heirat mit Schwarzenberg. Vielmehr ließ sie dieser in Paris zurück, nahm jedoch die gemeinsame Tochter mit nach Österreich. Jane Digby sah ihre Tochter nie wieder.

Nach der Trennung von Schwarzenberg begab sich Jane Digby nach München, wo sie die Mätresse von König Ludwig I. von Bayern wurde. Ludwig ließ sie von Joseph Karl Stieler malen; sie soll den König bei seinen Kunst-Einrichtungen (Pinakothek, Glyptothek, Propyläen und Walhalla) beraten haben[1]. Ludwig kommt als Vater der Kinder Felipo Antonio Herberto (* 27. Januar 1833) und Bertha (* September 1834) in Frage. Andererseits könnte auch Karl Theodor von Venningen-Ullner (1805–1879), den Jane am 16. November 1833 heiratete, der Vater sein.

Während der Ehe mit von Venningen lernte Digby den griechischen Grafen Spyridon Theotokis kennen und verliebte sich in diesen. Nachdem Karl von Venningen von dieser Affäre erfuhr, forderte er Theotokis zu einem Duell heraus, bei dem er seinen Widersacher verwundete. Von Venningen ließ sich später auf den Wunsch Jane Digbys hin von dieser scheiden.

Jane Digby heiratete Theotokis im Jahre 1841. Gemeinsam zogen sie nach Griechenland. Aus dieser Ehe stammt der am 21. März 1840 geborene John Henry. Aber auch die Ehe mit Theotokis hielt nicht lange, da Digby unter anderem ein Verhältnis mit Otto I. von Griechenland, einem Sohn von Ludwig I. von Bayern, hatte. John Henry starb bereits im Alter von 6 Jahren bei einem Unfall.

Sie verließ Theotokis und Otto für den Klephtenhauptmann Christos Chatzipetros (auch: Cristos Hadji-Petros[1]), einen Albaner-Griechen, der eine Armee von Briganten aufgebaut hatte. Digby war für kurze Zeit die Königin dieser Truppe und verließ den Hauptmann, als er ihr untreu wurde und versuchte, ihr Vermögen anzutasten[1]. Ein weiterer Liebhaber war ein Beduine namens Saleh.

Im Alter von 46 Jahren reiste Jane Digby nach Syrien, um archäologische Studien zu betreiben. Hier lernte sie den 26 Jahre alten Scheich Medjuel el Mezrab kennen und lieben. 1854 heiratete Digby den Scheich und nahm den Namen Jane Elizabeth Digby el Mezrab an. Sie lernte Arabisch als ihre neunte Sprache. Mit dem Scheich lebte sie in einer Jahreshälfte in dessen Nomadenzelt und in der anderen in einem Palast in Damaskus, den Digby von ihren Ersparnissen (aus der Abfindung für die Scheidung von Lord Ellenborough) bauen ließ. Sie lernte unter anderem Richard Francis Burton, seine Frau Isabel und Abd el-Kader in Syrien kennen. Sie blieb bis zu ihrem Tode am 11. August 1881 Gemahlin des Medjuel el Mezrab. Jane Digby wurde auf dem protestantischen Friedhof von Damaskus bestattet; ihr Grabstein besteht aus rotem palmyrischem Kalkstein.

Literatur[Bearbeiten]

  • Lesley Blanch: Nomadin des Herzens. Jane Digby – ein Porträt. Deutsch von Kyra Stromberg. Edition Ebersbach, Berlin 2005, ISBN 3-934703-96-8 (Blue Notes 25).
  • Lesley Blanch: Sie folgten ihrem Stern. Frauenschicksale im Orient. Ullstein, Frankfurt am Main u. a. 1984, ISBN 3-548-30157-6 (Ullstein-Buch. Die Frau in der Literatur 30157).
  • Julia von Brencken: Die Wüstenschwalbe. Biographischer Roman. Salzer, Heilbronn 1993, ISBN 3-7936-0316-4.
  • Mary S. Lovell: A Scandalous Life. A Biography of Jane Digby. 2. Auflage. Fourth Estate, Hammersmith 2003, ISBN 1-85702-469-9 (englisch).
  • Cornelia Oelwein: Lady Jane Ellenborough. Eine Frau beeindruckt ihr Jahrhundert. Ehrenwirth, München 1996, ISBN 3-431-03434-9.
  • Alan Savage: Die letzte Königin. (Historischer Roman). Lübbe, Bergisch Gladbach 2004, ISBN 3-404-15221-2 (Bastei Lübbe. Allgemeine Reihe 15221).
  • John Ure: In Search of Nomads. An English obsession from Hester Stanhope to Bruce Chatwin. Constable and Robinson, London 2004, ISBN 1-84529-082-8 (englisch).
  • Eva Verma: Der „anstößige Gotha“. In: Eva Verma: „...wo du auch herkommst“. Bi-nationale Paare durch die Jahrtausende. Dipa, Frankfurt am Main 1993, ISBN 3-7638-0196-0, S. 81–88.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jane Digby – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Antonius Lux (Hrsg.): Große Frauen der Weltgeschichte. Tausend Biographien in Wort und Bild. Sebastian Lux Verlag, München 1963, S. 131.
  2. Vgl. Stefan Lippert: Felix Fürst zu Schwarzenberg. Stuttgart, Steiner 1998, S. 78 ff.