Jeremy Silman

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Jeremy Silman, 2002

Jeremy Silman (* 28. August 1954 in Del Rio, Texas)[1] ist ein amerikanischer Schachspieler, -lehrer und -autor. Er trägt den Titel eines Internationalen Meisters und gewann unter anderem mit dem U.S. Open, dem National Open sowie dem American Open die drei traditionsreichsten offenen Schachturniere in den Vereinigten Staaten. Darüber hinaus hat er bisher mehr als 35 Schachbücher publiziert, von denen sich die meisten an Amateurspieler richten. Er gilt aufgrund seines Schaffens als einer der führenden Schachautoren der Gegenwart und erhielt für mehrere seiner Werke Auszeichnungen als „Schachbuch des Jahres“.

Laufbahn als Spieler[Bearbeiten]

Jeremy Silman begann im Alter von 12 Jahren mit dem Schachspielen und erlangte 1988 den vom Weltschachbund FIDE vergebenen Titel eines Internationalen Meisters.[2] Außerdem trägt er den von der United States Chess Federation verliehenen Titel Original Life Master.[3] Er gewann unter anderem 1981 gemeinsam mit vier anderen Spielern das in Palo Alto ausgetragene U.S. Open[4] und belegte auch 1990 beim National Open in Las Vegas zusammen mit sechs anderen Spielern[4] sowie 1992 beim American Open in Santa Monica gemeinsam mit vier anderen Spielern[5] jeweils einen geteilten ersten Platz.

Darüber hinaus wurde er 1982 Staatsmeister von Kalifornien und 1985 Staatsmeister von Washington[6] sowie 1974 Stadtmeister von San Francisco[7] und 1987 Meister der Southern California Chess Federation.[8] In den Jahren 1975,[9] 1976[10] und 1979[11] nahm er am Louis D. Statham Masters in Lone Pine teil, das in den 1970er Jahren zu den wichtigsten und am stärksten besetzten Rundenturnieren in den Vereinigten Staaten zählte. Mit vier Siegen und drei Niederlagen in sieben Runden und dem 21. Platz unter 57 Teilnehmern erzielte er dabei 1976 sein bestes Ergebnis.

Silmans Elo-Zahl beträgt 2383 (Stand: Dezember 2014), er wird jedoch als inaktiv geführt, da er seit 1999 keine gewertete Partie mehr gespielt hat. Seine höchste Elo-Zahl von 2420 erreichte Silman im Januar 1995.[12]

Wirken als Autor[Bearbeiten]

Seit seinem Rückzug vom aktiven Wettkampfschach im Jahr 1999 ist Jeremy Silman vor allem als Autor und Schachlehrer tätig. Er veröffentlichte bisher mehr als 35 Schachbücher, von denen die erfolgreichsten bereits in mehreren Neuauflagen sowie in übersetzten Ausgaben erschienen sind. Zu seinen Co-Autoren zählten dabei beispielsweise Larry Christiansen, John Donaldson, Larry Evans, John Grefe und Yasser Seirawan. Sein Schaffen umfasst unter anderem Bücher zu verschiedenen Schacheröffnungen, zur Schachstrategie und zum positionellen Spiel, in Zusammenarbeit mit Yasser Seirawan ein Buch über Schachtaktik sowie mit „Silmans Endspielkurs“ ein Buch über Endspiele, das anders als die meisten Veröffentlichungen zu diesem Thema nach aufsteigender Spielstärke gegliedert ist.

Zur positionellen Bewertung einer Stellung vermittelt Jeremy Silman in seinen Werken ein von ihm als „Störungen des Gleichgewichts“ beziehungsweise als „Ungleichgewichte“ bezeichnetes System. Dieses basiert auf einer vergleichenden Analyse der relativen Stärke der Leichtfiguren, der Bauernstruktur, der Raumvorteile, der Materialverteilung, der Beherrschung offener Linien, Diagonalen und einzelner Felder, der Entwicklung, der Initiative sowie der Königssicherheit beider Spieler. Ziel eines Spielers sollte nach diesem Konzept sein, statische und dynamische Ungleichgewichte in diesen Faktoren zu erkennen und sein Spiel an ihnen auszurichten. Ein Spieler sollte also bestrebt sein, nachteilige Ungleichgewichte zu beseitigen und positive Ungleichgewichte zu seinen Gunsten zu nutzen.

Der Ausarbeitung und Darstellung dieses Konzepts hat er neben dem Buch „Schach, aber richtig!“ insbesondere sein Hauptwerk gewidmet, das seit 1993 in bisher vier englischen Ausgaben veröffentlichte „How to Reassess your Chess“. Von diesem Buch sind neben der englischen Originalausgabe auch deutsche („Schach mit neuem Schwung“) und italienische („Teoria e pratica degli squilibri“) Fassungen erschienen. Die deutsche Übersetzung wurde dabei vom Verlag New in Chess zusammen mit „Schach, aber richtig!“ und „Silmans Endspielkurs“ in einer Reihe unter dem Titel „Silmans Schachschule“ zusammengefasst. Kennzeichnend für seine Werke, von denen sich die meisten an Amateurspieler richten, ist ein lockerer und teilweise humorvoller Sprachstil.

Neben seinen Schachbüchern hat Jeremy Silman im Jahr 2013 einen Roman mit dem Titel „Autobiography of a Goat“ veröffentlicht.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Zu den Preisen, die Jeremy Silman für seine Bücher erhielt, zählten unter anderem im Jahr 2004 für „Pal Benko: My Life, Games, and Compositions“ die Auswahl als „Buch des Jahres“ durch die Website ChessCafe.com,[13] durch die English Chess Federation[14] und durch die Vereinigung Chess Journalists of America gemeinsam mit dem Fred Cramer Awards Committee,[15] im Jahr 2007 für „Silman's Complete Endgame Course“ die Auswahl als „Buch des Jahres“ durch die Website ChessCafe.com[13] sowie im Jahr 2011 für die vierte Ausgabe von „How to Reassess your Chess“ die Auswahl als „Schachbuch des Jahres“ durch die britische Tageszeitung The Guardian.[16]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Winning with the Sicilian Defense: A Complete Repertoire Against 1 e4. Dallas 1991 (deutsche Ausgabe: Gewinnen mit der sizilianischen Verteidigung. Mit dem beschleunigten Fianchetto gegen e4. Hamburg 1992)
  • Winning with the Caro-Kann Defense. Dallas 1993
  • The Complete Book of Chess Strategy: Grandmaster Techniques from A to Z. Los Angeles 1998
  • The Amateur's Mind: Turning Chess Misconceptions into Chess Mastery. Zweite Auflage. Los Angeles 1999 (deutsche Ausgabe: Schach, aber richtig! Die Überwindung des amateurhaften Denkens. Alkmaar 2008)
  • Pal Benko: My Life, Games, and Compositions. Los Angeles 2003 (gemeinsam mit Pál Benkő)
  • Winning Chess Tactics. London 2005 (gemeinsam mit Yasser Seirawan)
  • Silman's Complete Endgame Course: From Beginner To Master. Los Angeles 2007 (deutsche Ausgabe: Silmans Endspielkurs: Vom Anfänger zum Meister. Alkmaar 2008)
  • How to Reassess your Chess: Chess Mastery through Chess Imbalances. Vierte Auflage. Los Angeles 2010 (deutsche Ausgabe: Schach mit neuem Schwung: Besser spielen durch das Verstehen von Ungleichgewichten. Alkmaar 2012)
  • Autobiography of a Goat. Los Angeles 2013

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jeremy Silman. Biografische Angaben in: Larry Evans, Jeremy Silman, Betty Roberts: How to Get Better at Chess: Chess Masters on Their Art. Summit Publishing, Los Angeles 1991, ISBN 0-94-580605-1, S. 235
  2. Our Heritage. 2012 U.S. Chess Federation Yearbook. In: Chess Life. Ausgabe vom April 2013. United States Chess Federation, S. 8, ISSN 0197-260X
  3. Our Heritage. 2012 U.S. Chess Federation Yearbook. In: Chess Life. Ausgabe vom April 2013. United States Chess Federation, S. 7, ISSN 0197-260X
  4. a b Our Heritage. 2012 U.S. Chess Federation Yearbook. In: Chess Life. Ausgabe vom April 2013. United States Chess Federation, S. 1, ISSN 0197-260X
  5. Our Heritage. 2012 U.S. Chess Federation Yearbook. In: Chess Life. Ausgabe vom April 2013. United States Chess Federation, S. 6, ISSN 0197-260X
  6. John Donaldson, Jeremy Silman: Semi-Slav Defense: Non-Meran Variations. Summit Publishing, Los Angeles 1988, ISBN 0-94-580600-0, Klappentext
  7. Bill Wall: California Chess History (Zuletzt abgerufen am 13. April 2014)
  8. Southern California Chess Federation State Champions (Zuletzt abgerufen am 13. April 2014)
  9. chessgames.com historical chess event: Lone Pine (1975) (Zuletzt abgerufen am 23. April 2014)
  10. chessgames.com historical chess event: Lone Pine (1976) (Zuletzt abgerufen am 23. April 2014)
  11. chessgames.com historical chess event: Lone Pine (1979) (Zuletzt abgerufen am 23. April 2014)
  12. Elo-Historie bei olimpbase.org (englisch)
  13. a b ChessCafe.com Book of the Year (zuletzt abgerufen am 13. April 2014)
  14. The English Chess Federation - Book of the Year (zuletzt abgerufen am 13. April 2014)
  15. 2004 Chess Journalists of America/ Fred Cramer Awards Committee for Excellence in Chess Journalism Joint Announcement (zuletzt abgerufen am 13. April 2014)
  16. Ronan Bennett and Daniel King: And our chess book of the year is… In: The Guardian. Ausgabe vom 21. November 2011

Weblinks[Bearbeiten]