Yasser Seirawan

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Yasser Seirawan bei der US-Meisterschaft in Seattle, Washington, 2003

Yasser Seirawan (* 24. März 1960 in Damaskus/Syrien) ist ein US-amerikanischer Schachmeister syrischer Abstammung; sein Vater war Syrer, seine Mutter Engländerin.

Leben[Bearbeiten]

1967 wanderte Seirawans Familie in die USA aus, zuerst nach Virginia Beach und 1972 nach Seattle. Der viermalige Meister der USA (1981, 1986, 1989 und 2000), der das Schachspiel mit 12 Jahren erlernte, wurde 1979 in Skien Juniorenweltmeister U20 und erhielt 1980 den Großmeistertitel.[1] Er entwickelte sich in den 1980er-Jahren zu einem der stärksten Spieler der Welt. Er war Sekundant Viktor Kortschnois bei dessen Weltmeisterschaftskampf 1981 gegen Anatoli Karpow.

Schacholympiade 1980 auf Malta UdSSR-USA: Anatoli Karpow, Michail Tal, Yasser Seirawan

Seirawan gewann in den 1980er-Jahren eine Vielzahl von Turnieren, darunter zweimal (1983 und 1987) das bedeutende Open-Turnier von Lugano und das New York-Open (1985 und 1987). 1990 siegte er in Haninge vor dem Ex-Weltmeister Anatoli Karpow. Auf der Schacholympiade in Dubai 1986 besiegte er den damals amtierenden Weltmeister Garri Kasparow.

Zweimal gelang es ihm, sich für das Kandidatenturnier zu qualifizieren: 1985 wurde er beim Interzonenturnier von Biel Zweiter, 1987 beim Interzonenturnier von Subotica ebenfalls. Beim Kandidatenturnier von Montpellier 1985 wurde Seirawan Zehnter, bei den Kandidatenkämpfen 1988 schied er bereits im Achtelfinale gegen Jonathan Speelman (mit 1-4) aus. Seirawan besiegte 1992 in São Paulo den überraschend zum aktiven Schach zurückgekehrten Brasilianer Henrique da Costa Mecking mit 3,5:2,5 (+1, -0, =5). Ende der 1980er-Jahre brachte er eine Schachzeitung heraus, das Inside Chess-Magazin, das aber Ende der 1990er-Jahre sein Erscheinen wieder einstellte. Daneben publizierte Seirawan eine Reihe Schachbücher. Er ist auch ein beliebter Kommentator bei Schachturnieren. 2004 erhielt er den Titel FIDE Senior Trainer.

Yasser Seirawan im Pressezentrum der Dortmunder Schachtage 2004.[2]

Seirawan war Initiator der Übereinkunft von Prag 2002, einem inzwischen gescheiterten Versuch die beiden konkurrierenden Weltmeistertitel wieder zu vereinen. Im September 2003 erklärte Seirawan zwar seinen Rücktritt vom Schach, besuchte aber 2004 die Dortmunder Schachtage und nahm weiterhin regelmäßig an der Niederländischen Mannschaftsmeisterschaft, zuletzt 2006, teil. Seirawan ist mit der niederländischen Schachspielerin Yvette Nagel (WFM), der Tochter des ehemaligen niederländischen Politikers Jan Nagel, verheiratet und wohnt in Amsterdam.

Seirawans Elo-Zahl beträgt 2620 (Stand: Dezember 2014). Damit läge er auf dem neunten Rang der Elo-Liste der Vereinigten Staaten sowie auf Rang 188 der Weltrangliste, er wird jedoch als inaktiv geführt, da er seit im August 2012 in Vancouver (Washington) ausgetragenen Annual US Open keine gewertete Partie mehr gespielt hat. Seine bisher höchste Elo-Zahl lag bei 2658 im November 2011. Zuletzt war er unter den besten 40 der Welt im Jahre 2001.

Zusammen mit Bruce Harper hat Yasser Seirawan im Jahr 2007 eine eigene Schachvariante, Seirawan-Schach, herausgebracht.

Nationalmannschaft[Bearbeiten]

Mit der Mannschaft der Vereinigten Staaten nahm Seirawan an den Schacholympiaden 1980, 1982, 1986, 1988, 1990, 1992, 1994, 1998, 2000 und 2002 teil. Mit der Mannschaft erreichte er zwei zweite (1990 und 1998) und zwei dritte (1982 und 1986) Plätze, in der Einzelwertung gelang ihm 1994 am vierten Brett das beste Ergebnis, 1980 und 2002 jeweils am zweiten Brett das zweitbeste Ergebnis.[3] Außerdem nahm er an den Mannschaftsweltmeisterschaften 1989 und 2011 teil. [4]

Vereine[Bearbeiten]

In der niederländischen Meesterklasse spielte Seirawan von 2000 bis 2012 für die Hilversums Schaakgenootschap, mit der er 2008, 2009, 2010 und 2011 niederländischer Mannschaftsmeister wurde.

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Vincent McCambridge: The games of Yasser Seirawan. Players Press, Los Angeles 1984, ISBN 0-941426-12-2

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Willy Iclicki: FIDE Golden book 1924-2002. Euroadria, Slovenia, 2002, S. 77
  2. Dortmunder Sparkassen Chess Meeting 2004, Besuch im Pressezentrum am 24. Juli 2004 auf Teleschach
  3. Yasser Seirawans Ergebnisse bei Schacholympiaden auf olimpbase.org (englisch)
  4. Yasser Seirawans Ergebnisse bei Mannschaftsweltmeisterschaften auf olimpbase.org (englisch)