Larry Evans

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Larry Evans, 1964

Larry Melvyn Evans (* 22. März 1932 in New York; † 15. November 2010 in Reno) war ein US-amerikanischer Schachspieler und Schachjournalist.

Leben[Bearbeiten]

Larry Evans wuchs in Manhattan auf und zeigte schon als Jugendlicher großes Schachtalent. Er spielte auf der Straße Schach um kleine Geldbeträge und gewann dreimal die Meisterschaft des Marshall Chess Club. 1949 wurde er, geteilt mit Arthur Bisguier, Jugendmeister der USA. 1950 nahm er als Reservespieler in Dubrovnik an seiner ersten Schacholympiade teil und erzielte dort mit 9 Punkten aus 11 Partien ein überragendes Ergebnis, für das er mit einer Goldmedaille ausgezeichnet wurde. 1951 wurde er Landesmeister der USA und ließ dabei unter anderen Samuel Reshevsky hinter sich. 1952 wurde er Internationaler Meister.[1] In den prestigeträchtigen Länderkämpfen USA - UdSSR siegte er 1954 gegen Mark Taimanow (2:1 bei einem Remis), verlor jedoch ein Jahr später gegen David Bronstein (1 Niederlage, 3 Remis). 1957 erhielt er den Großmeistertitel[2] und wurde vom US-Außenministerium zum Schachbotschafter ernannt. 1961/62 und 1968 gewann er, jeweils in Abwesenheit von Bobby Fischer, erneut die USA-Meisterschaft. In internationalen Turnieren erzielte er weniger bedeutende Erfolge, so kam er beim Interzonenturnier in Amsterdam 1964 nur auf Platz 14. Evans gab daraufhin seine eigenen Ambitionen auf den Weltmeistertitel auf, unterstützte aber seinen Landsmann Fischer als Sekundant. Er arbeitete auch an dessen Buch My sixty memorable games mit. Evans blieb bis 1976 Mitglied der Nationalmannschaft; er nahm an insgesamt acht Schacholympiaden teil und wurde 1976 in Haifa Olympiasieger[3]. 1980 kam Evans noch einmal auf den 1. Platz bei der Landesmeisterschaft, geteilt mit Walter Browne und Larry Christiansen. Die United States Chess Federation nahm ihn 1994 in die US Chess Hall of Fame auf.

Am 15. November 2010 gegen 15 Uhr verstarb er im Washoe Hospital in Reno, Nevada, durch Komplikationen nach einer Gallenblasenoperation.[4]

Seine beste Historische Elo-Zahl betrug 2673 im August 1952, damit zählte er zu den zwanzig besten Spielern der Welt. Seine beste Elo-Zahl von 2555 erreichte Evans 1977. Evans' letzte Elo-Zahl betrug 2470, er wurde aber schon längere Zeit vor seinem Tod als inaktiv geführt, da er zuletzt 1988 gewertete Partien gespielt hatte.[5][6]

Schriftstellerische Tätigkeit[Bearbeiten]

Evans entfaltete schon früh eine rege journalistische und schriftstellerische Tätigkeit. Bereits 1950 gab er, in einer limierten Auflage von 500 Exemplaren, die Partiesammlung David Bronstein's best games of chess, 1944-1949 heraus. 1958 veröffentlichte er das Buch New ideas in chess, das ein großer Verkaufserfolg wurde. Seit 1960 hatte er eine regelmäßige Kolumne in der auflagenstärksten amerikanischen Schachzeitschrift Chess life & review, in der er Leseranfragen zu schachlichen Themen beantwortete. Zwischen 1961 und 1965 arbeitete er auch an der Zeitschrift American chess quarterly mit. 1965 bearbeitete er die 10. Auflage von Modern Chess Openings, einem Standardwerk über Eröffnungstheorie. Insgesamt schrieb er über zwanzig Schachbücher.

Ab 1973 arbeitete er als Journalist für die Washington Post und andere Zeitungen; eine Auswahl von 300 seiner Artikel erschien 1982 unter dem Titel The chess beat (ISBN 0-08-026926-5). Außerdem berichtete er für Zeitschriften wie das TIME Magazine über bedeutende Schachereignisse, unter anderem das Match des Jahrhunderts bei der Schachweltmeisterschaft 1972 zwischen Fischer und Spasski.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Willy Iclicki: FIDE Golden book 1924-2002. Euroadria, Slovenia, 2002, S. 88
  2. Willy Iclicki: FIDE Golden book 1924-2002. Euroadria, Slovenia, 2002, S. 74
  3. Larry Evans' Ergebnisse bei Schacholympiaden auf olimpbase.org (englisch)
  4. Larry Parr / USCF: GM Larry Evans (1932-2010), American Chess Legend, Dies. Abgerufen am 16. November 2010
  5. Larry Evans' Elo-Historie ab 1990 bei benoni.de
  6. Larry Evans' Elo-Entwicklung bis 2001 bei olimpbase.org (englisch)