Joachimstaler

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Joachimstaler oder Joachimsthaler ist die Bezeichnung für einen Guldengroschen aus Sankt Joachimsthal (heute Jáchymov/Tschechien) in Böhmen. Ihren Namen erhielten die Joachimstaler nach dem Prägeort. Die eine Seite der Joachimstaler zeigt den heiligen Joachim und das Wappen der Grafen Schlick; die andere zeigt einen doppelt geschwänzten und gekrönten böhmischen Löwen. Eine mögliche Auflösung der Umschrift auf der Vorderseite lautet: Arma Dominorum Slickorum Stephani et Fratrum Comitum de Bassano[1].

Die Bedeutung des Joachimstalers, im Deutschen zum Taler verkürzt, zeigt sich besonders gut an der Übernahme des Wortes in andere Sprachen. Dabei wurde jeweils nur die eine Hälfte des Wortes übernommen. Aus dem zweiten Bestandteil des Wortes leiten sich ab tschechisch dolary, polnisch talar, italienisch tallero und englisch dollar. Aus dem ersten Wortbestandteil Joachim leiten sich ab italienisch Joachimico, französisch Jocondales, polnisch Joachimik, russisch Jefimok.

Geschichte[Bearbeiten]

Joachimstaler, 1525
A  Sankt Joachim
AR(gento) : DOM(i) : SLI(c) : STE(phanus) : E(t) : 7 : FRA(tres) : COM(es)[2] : D(ominus) : BA(ssani)
R  Doppelschwänziger böhmischer Löwe
LVDOVICVS • PRIM(vs) D(ei): GRACIA REX BO(hemiae)

Die Prägung der Joachimstaler wurde durch die Grafen Schlick veranlasst. Sie wussten, dass sich aus gemünztem Silber ein bedeutend höherer Gewinn erzielen ließ als mit ungemünztem Silber, denn zuvor hatten die Grafen ihr Silber in die mittelfränkische Stadt Nürnberg exportiert.

Die ersten Joachimstaler sollen (noch ohne offizielle Genehmigung) Ende 1519 in den Kellergewölben der Burg Freudenstein (südwestlich von Joachimsthal) geschlagen worden sein. In diesem Zusammenhang werden die Münzmeister Stephan Gemisch, Nürnberg, und Utz Gebhart, Leipzig, genannt.

Johannes Mathesius, Theologe und Lateinlehrer in Joachimsthal, vermerkte in seiner Chronica der Keyserlichen freyen Bergstadt Sanct Joachimsthal ... für das Jahr 1519:

„Diß Jahr hat man hie erstlich die alten Joachimsthaler gemüntzet.“[2]

Auch Georgius Agricola und Johannes Miesel sprachen sich für das Jahr 1519 als Prägebeginn aus. Der Arbeit Miesels aus dem 18. Jahrhundert gebührt besonderes Gewicht, da der Autor die damals noch vorhandene handgeschriebene Chronik des Berghauptmanns Heinrich von Könritz verwenden konnte. So schreibt Miesel beispielsweise, dass die erste Schlicksche Münzstätte von Heinrich von Könritz im Hause eines Kunz Eirolt in Joachimsthal eingerichtet wurde.

Offiziell erlaubte erst ein böhmischer Landtagsbeschluss vom 9. Januar 1520 den Grafen Schlick die Prägung „größerer Groschen im Wert des rheinischen Goldguldens, seiner Hälfte und seines Viertels“.

Die sächsischen Herzöge waren bereits frühzeitig über die Pläne der Grafen Schlick informiert. So heißt es in einem Schreiben vom 28. Februar 1520: „... und die Slicken eine newe Muntz ufzurichten und zu muntzen zu lassen bedacht, nemlich Groschen, die Gulden, halbe Gulden und ein Ort gelden sollen.“ Der Umbau des Eirolt´schen Hauses zur Münze war jedenfalls schon vor dem 21. Juni 1520 abgeschlossen, denn mit diesem Datum schreibt Stephan Schlick den sächsischen Fürsten: „Und nachdem ich Stephan Schlick fur mich, meine lieben Bruder, mein und ir Erben und Nachkommen itzunder aigene Muntz zu schlahen angehoben ...“ In weiteren Verlauf dieses Schreibens bittet er den sächsischen Kurfürsten darum, dass die Joachimstaler auch in Sachsen „ganghaftig“ sein sollen, und zwar mit dem Verweis, dass sie „uf der Fursten von Sachsen Schrot und Korn“ geprägt seien. Friedrich der Weise entspricht am 3. Juli 1520 dieser Bitte.

Viertel und halbe Taler waren und sind selten. 1520 wurden auch wenige Doppel- und sogar Dreifachtaler geprägt. Im Jahre 1526 auch zu 1 ½ Gulden (43,27 g). Ein solches Stück wurde im Mai 2012 in Prag (AUREA Numismatika Praha) versteigert[3].

Vorbild für den Joachimstaler sowohl im Gewicht als auch im Feingewicht war der sächsische Guldengroschen (später auch Klappmützentaler genannt), welcher erstmals im Jahre 1500 geprägt wurde. Im Gegensatz zu diesem finden sich auf dem Joachimstaler bereits die Jahreszahlen 1520, 1525, 1526, 1527 und 1528.

Ab 1526 wurden Joachimstaler auch in einer zweiten Münzstätte geprägt; wahrscheinlich in Schlaggenwald (Horní Slavkov). Die These von einer Dislokation der Joachimsthaler Münzstätte wird nicht von allen Numismatikern geteilt. Sie stützt sich auf die Anwesenheit von vier Münzmeistern im Jahre 1526.

Aus dem Jahre 1526 kennen wir zwei Typen, die bis zum heutigen Tage Rätsel aufgeben. Bei einem Typ ist statt des Münzmeisterzeichens ein Reichsapfel zu sehen. Bei dem anderen Typ ist zwar das Münzmeisterzeichen des Wolf Sturz zu sehen, statt der Trennungszeichen zwischen den Wörtern sind hier vier Wappen zu sehen. Ein Exemplar dieses Typs wurde Ende Januar 1982 in Basel versteigert (Schweizerischer Bankverein, Münzen und Medaillen, 11. Auktion, Nr. 1140).[4]

Münzmeisterzeichen auf Joachimstalern (1519/20 bis 1528):[4]

  • Kreuz auf liegendem Halbmond: Utz (Ulrich) Gebhart – ohne Jahr, 1520, 1526, 1527, 1528
  • Sechsstrahliger Stern: Hans Weizelmann – ohne Jahr, 1525, 1526
  • Arabeske: Wolf Sturz – ohne Jahr, 1525, 1526, 1527
  • Lilie: Kaspar Mergenthal – 1526, 1527

Anzahl der Joachimstaler[Bearbeiten]

In der Literatur wird behauptet, dass mehr als 2 Millionen Joachimstaler geprägt worden seien. Das dürfte zutreffend sein. So sollen von Mai 1520 bis April 1528 2,1 Millionen Joachimstaler (einschließlich der Teilstücke) geschlagen worden sein. Sollte diese Angabe zutreffend sein, kann man für den gesamten Prägezeitraum (Ende 1519 bis Frühjahr 1528) mit knapp 2,2 Millionen Joachimstaler (einschließlich der Teilstücke) rechnen.

1519 sind mit Sicherheit nur wenige Joachimstaler geschlagen worden, da die Prägung erst Ende des Jahres begann. 1525 kam es wegen eines Aufstandes der Joachimsthaler Knappschaft zu negativen Auswirkungen auf die Prägetätigkeit.

Die Prägung der Joachimstaler wurde im Frühjahr 1528 auf Betreiben des böhmischen Königs und späteren Kaisers Ferdinand I. eingestellt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Interaktiver Katalog des Münzkabinett Berlin: Schlick: Grafschaft 1525, abgerufen am 19. November 2014.
  2. Johannes Mathesius: Sarepta oder Bergpostill/ Sampt der Joachimßthalischen kurtzen Chroniken. Nürnberg 1562, S. CLXVII. (Digitalisat).
  3.  Gerd-Volker Weege (Hrsg.): money trend. Internationales Magazin für Münzen und Papiergeld. Nr. 5/2012, money trend Verlag Ges.m.b.H., Purkersdorf 2012, S. 45.
  4. a b  Lubomir Nemeskal: Neue Erkenntnisse zur Geschichte der Joachimstaler Münzstätte in der Schlickschen Ära. In: Österreichische Numismatische Gesellschaft (Hrsg.): Numismatische Zeitschrift Bernhard Koch- Gedächtnisschrift. 103, Wien 1995, ISSN 0250-7838, S. 75–80.