Rheinischer Gulden

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Goldgulden: Mainz, Erzbischof Johann II. von Nassau (1397–1419), geprägt zwischen 1399 und 1402 in Frankfurt-Höchst
Avers: Johannes der Täufer mit Kreuzzepter, die Rechte zum Segen erhoben; zwischen den Füßen ein Johanniterkreuz. Umschrift: IOH(ann)IS AR(chi)EP(iscop)VSMAGV(n)T(inus)
Revers: Vierpass; in der Mitte das nassauische Wappen, in den Bögen die Schilde von Kurmainz, Kurköln, Kurtrier, und von Bayern für Kurpfalz. Umschrift: MONETA OP(p)IDI IN HOIESTEN

Der Rheinische Gulden war im Spätmittelalter die regionale Goldwährung im Geltungsbereich des Rheinischen Münzvereins. Das einzige Münznominal dieser Währung war der rheinische Gulden (lat. florenus rheni), Abkürzung: fl. (rh.).[1]

Entstehung[Bearbeiten]

Am 8. Juni 1386 gründeten die vier rheinischen Kurfürsten Kuno von Trier, Friedrich von Köln, Adolf von Mainz und Ruprecht von der Pfalz, den ersten rheinischen Münzverein, dem bis in die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts weitere folgten.[2][3] Der Rheinische Münzverein ließ als gemeinsame Goldmünze den rheinischen Gulden prägen und setzte ihn in seinem Geltungsbereich in Umlauf.[3] Der Währungsraum des Rheinischen Münzvereins erstreckte sich rheinabwärts bis Neuß, moselaufwärts bis Kochem, rheinaufwärts und mainabwärts bis Worms und Höchst.[3]

Die Erzbischöfe von Trier und Köln hatten schon 1372 einen Münzverein zur Vereinheitlichung des Münzwesens und Gewährleistung der Münzqualität gebildet und Gold– und Silbermünzen mit festgelegten Feingehalt prägen lassen.[4][5][2] Als Goldmünze ließen sie einen Gulden mit dem Heiligen Petrus auf der Vorderseite und als gemeinsame Silbermünze den Weißpfennig prägen. Den Erzbischöfen von Trier und Köln war das Goldmünzprivileg bereits 1346 von Karl IV. bei dessen Krönung als Belohnung für ihre Unterstützung zu seiner Wahl zum römisch-deutschen König verliehen worden, während Kurmainz dieses Privileg erst 1354 erhielt.[6]

Nach den Bestimmungen der Goldene Bulle von Karl IV. besaßen ab 1356 alle Kurfürsten des Heiligen Römischen Reiches das uneingeschränkte Münzrecht und damit das Privileg Goldmünzen prägen zu lassen – das Goldmünzprivileg.[7] Ursprünglich hatten die Stände nur das Recht Pfennige zu prägen, nicht aber größere Silbermünzen oder Goldmünzen.[8]Die Ausgabe von Goldmünzen war seit der Antike das alleinige Recht des römischen Kaisers, dessen Münzregal bei den römisch–deutschen Kaisern verblieben war.[8] Nur von diesen konnte das Goldmünzprivileg verliehen werden.[8] Als erster Kaiser des Heiligen Römischen Reiches hatte Kaiser Ludwig ein Goldmünzprivileg verliehen.[8]

Bedeutung[Bearbeiten]

Der Rheinische Münzverein war für das Münzwesen des Rheinlandes und für das gesamte Heilige Römische Reich Deutscher Nation von größter Bedeutung.[3] Die Goldgulden des Rheinischen Münzvereins wurden überall als Handelsmünze akzeptiert und bis ins 17. Jh. als Rechnungsmünze verwendet.[9] Der Rheinische Gulden war Basis für viele regionale Währungen im gesamten Heiligen Römischen Reich und auf finanzieller Ebene das „einigende Band“ des Reiches.[3] Nicht nur Gold-, sondern auch Silbermünzen wurden in ihrem Wert nach Rheinischen Gulden bewertet und damit ihr Wechselkurs festgesetzt; in der Mark Brandenburg wurden z.B. 1426 „drey gute rheinische gulden für ein schock groschen“ gerechnet.[3]

Die Währungsangleichung des Meißner Groschen an den Rheinischen Gulden als Basis für die regionale Groschenwährung der Markgrafschaft Meißen erfolgte von 1368 bis 1369. In dieser Zeit wurden die Groschen vom Typ Breite Groschen in der Landeshauptmünzstätte Freiberg und der Zwickauer Münze geprägt.[10] Seit Mitte des 15. Jhd. wurde ein fester Wechselkurs zwischen Meißner Groschen und Rheinischen Gulden hergestellt.[11] Anfangs im Verhältnis 1/20 bzw. 1/21 zum rheinischen Goldgulden geprägt, musste dieser als „Oberwähr“ bezeichnete Groschen bei allen Zahlungen in der Markgrafschaft Meißen angenommen werden.[11] Später wurde der Meißner Groschen dann im Verhältnis 1/26 zum Goldgulden geprägt und als „Beiwähr“ bezeichnet.[11]

Die seit 1498 aus dem Silber der Gruben des Schreckenbergs ausgebrachten und zunächst in der Frohnauer Münze geprägten Schreckenberger Groschen nach der sächsischen Münzordnung vom 18. August 1498 im Feingehalt 861/1000 waren zu sieben Stück auf den rheinischen Goldgulden zu rechnen.[12]

Wechselkurs[Bearbeiten]

Ablösung[Bearbeiten]

Der rheinische Gulden wurde bis zum Ende des ersten Viertels des 17. Jahrhunderts vom Rheinischen Münzverein geprägt.[13][9] Wegen des Mangels an Gold sank sein Feingehalt von anfänglich 23 auf 19 Karat (1425–1444).[3] Im ausgehenden 15. und im 16. Jahrhundert verknappte sich die Prägung des Goldguldens.[9] In den Augsburger Reichsmünzordnungen wurde deshalb das Silberäquivalent des Goldguldens zum Münznominal bestimmt.[9] Im 16. Jh. wurde der rheinische Guldgulden als Goldmünze durch den Dukat abgelöst, jedoch bis ins 17. Jh. weiter als Rechnungsmünze verwendet.[9]

Literatur[Bearbeiten]

  • Arthur Suhle: „Die Groschen- und Goldmünzprägung im 14. und 15. Jahrhundert“ In: „Deutsche Münz-und Geldgeschichte von den Anfängen bis zum 15. Jahrhundert.“ Berlin 1974.
  • Erik Eybl: Von der Eule zum Euro. Nicht nur eine österreichische Geldgeschichte. Verlag Hermagoras, Klagenfurt, 2005, ISBN 3-7086-0166-1.
  • Michael North: Kleine Geschichte des Geldes. Vom Mittelalter bis heute. Beck, München, 2009, ISBN 978-3-406-58451-0.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Abkürzungen von Münzen (gefunden in GenWiki am 28. November 2012); vgl. Markus Wenninger: Man bedarf keiner Juden mehr. 1981, ISBN 3205071522, Abkürzungsverzeichnis: „fl(rh) = (florenus)= Gulden(rheinisch)“.
  2. a b Heinz Fengler, Gerhard Gierow, Willy Unger: Transpress Lexikon Numismatik. Berlin 1976, S.408.
  3. a b c d e f g h Arthur Suhle: Die Groschen– und Goldmünzenprägung im 14.und 15. Jahrhundert in: „Deutsche Münz-und Geldgeschichte von den Anfängen bis zum 15. Jahrhundert.“ Berlin 1974, S.175f.
  4. Arthur Suhle: Deutsche Geldgeschichte von den Anfängen bis zum 15. Jahrhundert. S. 174.
  5. Heinz Fengler, Gerhard Gierow, Willy Unger: Transpress Lexikon Numismatik. Berlin 1976, S.316.
  6. Arthur Suhle: Deutsche Geldgeschichte von den Anfängen bis zum 15. Jahrhundert. S. 167.
  7. Heinz Fengler:„Einleitung“ In: 700 Jahre Münzprägung in Berlin., Berlin 1976, S.20. vgl. Neuhochdeutsche Übersetzung der Goldene Bulle von 1713, X. Kapitel – „Von der Müntz.“ Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, Volltext und Kommentar von Karl Zeumer: Die Goldene Bulle Kaiser Karls IV. (Teil 1). Weimar: Hermann Böhlaus Nachfolger, 1908, Seite 51 f.. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, Volltext (Version vom 5. Mai 2011)
  8. a b c d Arthur Suhle: Deutsche Geldgeschichte von den Anfängen bis zum 15. Jahrhundert. S. 166.
  9. a b c d e Rheinischer Gulden - Eine Goldmünze der Rheinischen Kurfürsten (gefunden in: http://www.muenzwissen.com/ am 29. November 2012)
  10. Gerhard Krug: Die meißnisch sächsischen Groschen 1338–1500, Berlin 1974, S. 114
  11. a b c Heinz Fengler, Gerhard Gierow, Willy Unger: Transpress Lexikon Numismatik. Berlin 1976, S.281.
  12. Walter Haupt: Sächsische Münzkunde. Dt. Verl. d. Wiss., Berlin 1974, S. 90. (Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege. 10)
  13. a b Heinz Fengler, Gerhard Gierow, Willy Unger: Transpress Lexikon Numismatik. Berlin 1976, S.408.
  14. Heinz Fengler, Gerhard Gierow, Willy Unger: Transpress Lexikon Numismatik. Berlin 1976, S.268.