Johann Andreas Cramer (Theologe)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Johann Andreas Cramer, zeitgenössischer Kupferstich

Johann Andreas Cramer (* 27. Januar 1723 in Jöhstadt; † 12. Juni 1788 in Kiel) war ein deutscher Schriftsteller und Theologe.

Leben[Bearbeiten]

Der Pfarrerssohn besuchte zunächst die Fürstenschule in Grimma und studierte nach dem Tod seines Vaters 1742 an der Universität Leipzig. Er gehörte zu den Mitbegründern der literarischen Zeitschrift Bremer Beiträge. Seit 1745 hielt er als Magister Vorlesungen in Leipzig. 1748 wurde er Pfarrer in Kröllwitz bei Merseburg und kam 1750 als Oberhofprediger und Konsistorialrat nach Quedlinburg, wo sein Sohn Carl Friedrich Cramer geboren wurde. Auf Empfehlung Klopstocks und Bernstorffs berief der dänische König Friedrich V. Cramer 1754 als Hofprediger nach Kopenhagen, wo er gemeinsam mit Klopstock die Moralische Wochenschrift Der nordische Aufseher herausgab. An der dortigen Universität erhielt er 1765 die theologische Professur und amtierte 1766/67 als Rektor[1]. Sein Gönner Bernstorff wurde jedoch 1770 unter dem neuen labilen König Christian VII. entlassen. Durch den Einfluss des Kabinettsministers und königlichen Leibarztes Johann Friedrich Struensee wurde Cramer 1771 seines Amtes enthoben und des Landes verwiesen. Im gleichen Jahr nahm er einen Ruf als Superintendent nach Lübeck an. Nach dem Sturz und der Hinrichtung Graf Struensees wurde er vom dänischen König aber wieder zurückberufen, indem er 1774 in Kiel eine Professur der Theologie und 1784 das Kanzleramt der Universität erhielt. Cramer starb am 12. Juni 1788 in Kiel.

Wirken[Bearbeiten]

Cramer stand als Gelehrter, Prediger und Dichter der Aufklärungszeit in hohem Ansehen. Seine schriftstellerische Tätigkeit begann er mit einer kommentierten Übersetzung der allgemeinen Weltgeschichte Bossuets, sowie der Predigten und kleinen Schriften des Kirchenvaters Johannes Chrysostomus (10 Bände, 1748-1751). Seine Predigten wurden in mehr als 20 Bänden veröffentlicht. Das von ihm redigierte Gesangbuch für Schleswig-Holstein von 1780 enthielt neben Liedern zeitgenössischer Dichter umfangreiche Bearbeitungen von älteren Liedern im Sinne der Aufklärungstheologie und des Rationalismus. Cramer selbst dichtete über 400 geistliche Lieder, die zu seiner Zeit in großer Zahl in den Gesangbüchern zu finden waren. Davon ist heute jedoch nur noch das (umgearbeitete) Abendmahlslied Das sollt ihr, Jesu Jünger, nie vergessen im Evangelischen Gesangbuch (EG 221) vorhanden. Im Mennonitischen Gesangbuch findet sich neben dem genannten Abendmahlslied Cramers (MG 166) auch das Lied Herr, dir ist niemand zu vergleichen (MG 38). Das Gesangbuch der Neuapostolischen Kirche enthält ebenfalls zwei Cramer-Lieder.

Als Professor der Kieler Christian-Albrechts-Universität gründete er 1775 das homiletische Seminar und 1781 das Schullehrerseminar, die erste Lehrerausbildungsstätte für Volkslehrer in den Herzogtümern Schleswig und Holstein. 1785 wurde der von ihm verfasste neue Katechismus in Schleswig-Holstein eingeführt, der im Sinne der Aufklärungstheologie Pontoppidans sehr ausführliche, der Orthodoxie verhafteten Erklärung von Martin Luthers Kleinem Katechismus ersetzen sollte. Der Cramersche Landeskatechismus bediente sich der in der damaligen Pädagogik häufig angewandten Sokratischen Methode. Wie auch das Gesangbuch blieb Cramers Katechismus etwa 100 Jahre in Benutzung.

Werkauswahl[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Liste der Rektoren auf der Website der Universität Kopenhagen
Vorgänger Amt Nachfolger
Johann Gottlob Carpzov Superintendent der Lübecker Kirche
1771 - 1774
Johann Adolph Schinmeier