C/1910 A1 (Großer Januarkomet)

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C/1910 A1 (Großer Januarkomet)
Comet 1910 A1.jpg
Eigenschaften des Orbits (Animation)
Epoche: 9. Januar 1910 (JD 2.418.680,5)
Orbittyp langperiodisch
Numerische Exzentrizität 0,999995
Perihel 0,129 AE
Aphel 51590 AE
Große Halbachse 25795 AE
Siderische Umlaufzeit > 4 Mio. a
Neigung der Bahnebene 138,8°
Periheldurchgang 17. Januar 1910
Bahngeschwindigkeit im Perihel 117,3 km/s
Geschichte
Entdecker
Datum der Entdeckung 12. Januar 1910
Ältere Bezeichnung 1910 I, 1910a
Quelle: Wenn nicht einzeln anders angegeben, stammen die Daten von JPL Small-Body Database Browser. Bitte auch den Hinweis zu Kometenartikeln beachten.

C/1910 A1 (Großer Januarkomet) (auch Tageslichtkomet genannt) war ein Komet, der im Jahr 1910 auch am Tag mit dem bloßen Auge gesehen werden konnte. Er wird aufgrund seiner außerordentlichen Helligkeit zu den „Großen Kometen“ gezählt.

Entdeckung und Beobachtung[Bearbeiten]

Zu Beginn des Jahres 1910 bereiteten sich die Astronomen auf der ganzen Welt eifrig auf die vorhergesagte Wiederkehr des Halleyschen Kometen vor, zuvor erschien jedoch ein anderer Komet, der jenen weit in den Schatten stellen sollte.

Die ersten, die diesen Kometen erblickten, waren drei Arbeiter einer Diamantmine in Transvaal in der Morgendämmerung des 12. Januar 1910, als er bereits eine Helligkeit von –1 mag hatte. Sie meldeten ihre Entdeckung aber nicht weiter, wahrscheinlich weil sie dachten, dass die Behörden bereits darüber Bescheid wüssten. Drei Tage später konnten mehrere Eisenbahnarbeiter in Copier Junction im Oranje-Freistaat den Kometen für 20 Minuten beobachten. Sie hielten ihn fälschlicherweise für den erwarteten Halleyschen Kometen und der Bahnhofsvorsteher meldete das Ereignis an eine Zeitung. Erst durch einen Telefonanruf von dieser Zeitungsredaktion erfuhr der Direktor des Transvaal Observatory Robert Innes als erster Astronom von diesem Kometen. Innes gelang es erst am Morgen des 17. Januar selbst den Kometen zu sehen, danach verbreitete sich die Meldung über einen neu erschienenen hellen Kometen rasch weltweit.

Innes konnte bereits am Mittag desselben Tag den Kometen am hellen Himmel mit bloßem Auge 4,5° neben der Sonne beobachten, zu der Zeit hatte er eine Helligkeit von –4 mag. Er beschrieb ihn als schneeweißes Objekt von etwa 1° Länge und heller als Venus im größten Glanz. Am folgenden Tag gab es weitere Tagesbeobachtungen des Kometen in Wien, Algier und Rom, und am 19. Januar wurde der Komet von Astronomen des Observatoriums in Santiago de Chile sieben Stunden lang von vormittags bis abends beobachtet, als er etwa 8° von der Sonne entfernt stand. Auch in Cambridge, dem Lick-Observatorium und in Mailand wurde der Komet am Tage beobachtet.

Nach dem Vorbeigang des Kometen an der Sonne am 17. Januar bewegte er sich am Himmel nordwärts und wurde dadurch für Beobachter auf der Nordhalbkugel gut sichtbar. In Europa und Nordamerika wurde er von der Öffentlichkeit in großem Umfang beobachtet. Viele Beobachter, die sich später daran erinnerten, den Halleyschen Kometen gesehen zu haben, beschrieben in Wirklichkeit den Januarkometen. Am 22. Januar erschien der Komet einem Beobachter in Schweden mit einem gekrümmten Schweif von 25° Länge und 5° Breite in der Abenddämmerung, und bis Ende des Monats wurden sogar Schweiflängen von 30 bis 50° geschätzt.

Der Komet verblasste nach und nach, als er sich von Sonne und Erde entfernte, am 12. Februar wurden noch 6 mag erreicht, Anfang März 8 mag und Anfang April 11 mag. Die letzte Beobachtung erfolgte am 9. Juli, als er wahrscheinlich gerade noch 14 mag erreichte.[1][2]

Der Komet erreichte am 30. Januar eine Helligkeit von 1 bis 2 mag.[3] Nach anderen Angaben erreichte die maximale Helligkeit –4 mag.[4]

Auswirkungen auf den Zeitgeist[Bearbeiten]

Insbesondere in der Erwartung des Halleyschen Kometen im selben Jahr (der allerdings erst einige Monate später erscheinen sollte), war die Öffentlichkeit in Europa und Nordamerika an allem zum Thema „Kometen“ interessiert. Der Große Januarkomet wurde daher von vielen Menschen beobachtet (und oft mit dem Halleyschen Kometen verwechselt).

Nicht alle Beobachter nahmen die plötzliche Kometenerscheinung allerdings mit Gemütsruhe hin. An der Küste von Portugal versammelten sich die Menschen bei Sonnenuntergang, um sein Auftauchen aus der schwindenden Dämmerung zu beobachten – nicht alle aus Bewunderung, viele bekreuzigten sich auch aus Furcht.

Ein Zeitungsbericht vom 27. Januar schob die Schuld für einen strengen Winter, der zu der Zeit in Teilen Europas herrschte, auf den Kometen und sagte für die nahe Zukunft weitere schlimme Konsequenzen voraus.[1]

Nach einem Bericht der New York Times löste das Erscheinen des Kometen extreme Furcht unter der Landbevölkerung in Russland aus, die ihn als Vorzeichen für einen großen Krieg im Fernen Osten oder für das Ende der Welt hielt. Auch die Bevölkerung in Nordafrika und Indien wurde als anfällig für ähnliche Befürchtungen angesehen.[2]

Wissenschaftliche Auswertung[Bearbeiten]

Der Januarkomet von 1910 war extrem reich an Staub. Spektrogramme zeigten ein kontinuierliches Spektrum durch gestreutes Sonnenlicht nicht nur um den Kern, sondern auch bis weit hinaus in den Schweif. Keine der sonst üblichen Emissionslinien konnten festgestellt werden. Allerdings wurden wahrscheinlich zum ersten Mal an einem Kometen starke Natrium-Emissionslinien beobachtet. Dieses Phänomen eines Schweifs aus neutralem Natrium konnte erst viel später am Kometen C/1995 O1 (Hale-Bopp) analysiert werden. Das Vorkommen von Natrium zusammen mit dem starken gestreuten Sonnenlicht erklärt auch die Beschreibung der Farbe des Kometen als gelb oder sogar rot, wie mehrere Beobachter berichteten.

Der starke Staubgehalt des Kometenschweifs führte auch zu quer angeordneten Streifen (Striae) in dem wie ein geschwungenes Horn geformten Schweif. Am 27. Januar war neben dem gekrümmten Schweif noch ein kürzerer, gerader Schweif zu sehen, der aber wahrscheinlich auch ein Staubschweif war. Ein Plasmaschweif bildete sich erst aus, als die Natrium-Emissionslinien verschwanden, und nach dem 26. Januar waren dann auch die üblichen Kometenbänder im Spektrum festzustellen. Anfang Februar war auch ein kleiner Gegenschweif auf einer Photographie zu erkennen.[1]

Umlaufbahn[Bearbeiten]

Für den Kometen konnte 1982 aus etwa 400 Beobachtungsdaten über einen Zeitraum von 180 Tagen durch Manoel Soares de Mello e Simas eine extrem langgestreckte elliptische Umlaufbahn bestimmt werden, die um rund 139° gegen die Ekliptik geneigt ist.[5] Der Komet läuft damit im gegenläufigen Sinn (retrograd) wie die Planeten durch seine Bahn. Im sonnennächsten Punkt der Bahn (Perihel), den der Komet am 17. Januar durchlaufen hat, befand er sich mit etwa 19,3 Mio. km Sonnenabstand im Bereich weit innerhalb der Umlaufbahn des Merkur. Bereits am nächsten Tag, dem 18. Januar, erreichte er mit 0,86 AE/128,4 Mio. km die größte Annäherung an die Erde. Wiederum einen Tag später, am 19. Januar, ging er zunächst in 86,5 Mio. km Abstand an der Venus und dann in 22,5 Mio. km Abstand am Merkur vorbei.

Die Erscheinung des Kometen im Jahr 1910 war möglicherweise der erste Besuch dieses „dynamisch neuen“ Kometen aus der Oortschen Wolke in das innere Sonnensystem. Nach den mit einer gewissen Unsicherheit behafteten Bahnelementen wurde dabei durch die Anziehungskraft der Planeten seine Bahnexzentrizität auf etwa 0,999913 verringert und seine Große Halbachse auf etwa 1500 AE verkürzt, so dass sich seine Umlaufzeit deutlich verkürzte. Er wird möglicherweise bereits nach 50.000–60.000 Jahren wiederkehren.[6]

Weblinks[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c D. A. J. Seargent: The Greatest Comets in History: Broom Stars and Celestial Scimitars. Springer, New York 2009, ISBN 978-0-387-09512-7, S. 142–146.
  2. a b Peter Grego: Blazing a Ghostly Trail: ISON and Great Comets of the Past and Future. Springer, Cham 2013, ISBN 978-3-319-01774-7, S. 124–128.
  3. Donald K. Yeomans: NASA JPL Solar System Dynamics: Great Comets in History. Abgerufen am 19. September 2014 (englisch).
  4. P. Moore, R. Rees: Patrick Moore’s Data Book of Astronomy. Cambridge University Press, Cambridge 2011, ISBN 978-0-521-89935-2, S. 271.
  5. NASA JPL Small-Body Database Browser: C/1910 A1. Abgerufen am 22. September 2014 (englisch).
  6. SOLEX 11.0 von A. Vitagliano. Abgerufen am 2. Mai 2014 (englisch).