Jon Hiseman

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Jon Hiseman mit Colosseum, am 25. April 2007 im Tollhaus in Karlsruhe

Philip John „Jon“ Hiseman (* 21. Juni 1944 in Blackheath, London) ist ein britischer Rock- und Jazz-Schlagzeuger. Er gilt als eine „Galionsfigur der britischen Szene“.[1] Legendär sind seine bis zu 15 Minuten andauernden Schlagzeugsoli mit einem Doublebassdrumset.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Hiseman hatte als Kind Klavier- und Violinenunterricht und hatte erste Auftritte in einem Kinderballett; seine wahre Leidenschaft fand er in der Percussion. Er lernte als Autodidakt Schlagzeug. Auftritten mit kleinen Tanz-Orchestern und einem Jazztrio mit Dave Greenslade und Bassist Tony Reeves ab 1958 folgte 1962 der Einstieg in die Londoner Musik-Szene, wo er als semi-professioneller Schlagzeuger mit zahlreichen Rhythm and Blues- und Jazzbands auftrat. Er arbeitete mit dem Pianisten Mike Taylor und gehörte 1964 zu den Mitbegründern des New Jazz Orchestra. Die Mixtur aus Rhythm and Blues und innovativem Modern Jazz hatte großen Einfluss auf seinen späteren Stil und seine Spieldynamik.

Jon Hiseman 2010

Hiseman spielte in zahlreichen bekannten Bands. So war er Nachfolger von Ginger Baker bei der Graham Bond Organization, wo er u. a. mit Jack Bruce und Dick Heckstall-Smith zusammen spielte. Diese drei wechselten nacheinander zu John Mayalls Bluesbreakers. Zwischenzeitlich hatte Hiseman 1967/68 für die Blue Flames von Georgie Fame gearbeitet.

1968 gründeten Hiseman und Heckstall-Smith die Band Colosseum, die mit ihrer Fusion von Rock, Jazz und Blues große Erfolge erzielte. Nach der Auflösung von Colosseum hob Hiseman 1972 Tempest aus der Taufe, ohne jedoch an den Erfolg von Colosseum anknüpfen zu können. Daneben spielte er im Trio mit Jack Bruce und John Surman.

1975 entstand Colosseum II mit Gary Moore an der Gitarre und bald darauf mit Don Airey an den Keyboards. Nach drei Jahren mit drei fast ausschließlich instrumentalen Alben zerbrach die Band, auch am geringen kommerziellem Erfolg.

Danach spielte Hiseman bei vielen Gelegenheiten als Gastmusiker. Regelmäßig arbeitete er in der Band seiner Ehefrau Barbara Thompson (Saxophon). Gemeinsam mit Wolfgang Dauner, Volker Kriegel, Albert Mangelsdorff, Eberhard Weber, Ian Carr, Charlie Mariano und Ack van Rooyen gründeten die beiden 1976 das United Jazz and Rock Ensemble.

Seit 1994 war Hiseman wieder mit Colosseum erfolgreich unterwegs. Daneben war er auch als Produzent und Toningenieur tätig, beispielsweise für die Fusionband Nucleus, den Pianisten Keith Tippett oder Andrew Lloyd Webber.

Als Schlagzeuger ist Hiseman Vertreter eines Legato-Sounds, den er wie folgt kennzeichnet: „Es ist meine persönliche Spielweise, dass ich Jazz- und Rock-Rhythmen miteinander verbinde. Ich spiele nie auf dem Beat, sondern es ist immer eine fließende, schwebende Bewegung in meinen Trommeln.“

Instrumente[Bearbeiten]

Hiseman gehört zu jenen Schlagzeugern, die das Spielen mit einem Doppelschlagzeug - die Verwendung von zwei Bassdrums, zwei Hängetoms und zwei Standtoms - populär machten. Zu Zeiten der ersten Formation von Colosseum spielte er Schlagzeuge in der Konfiguration mit zwei Bass Drums, zwei Hänge-Toms, zwei Stand-Toms und Snare. Er benutzte auch ein Doppelschlagzeug der Marke Hayman, welches ihm, auf seine Bitte wegen einer Studioaufnahme, von Ivor Arbiter, dem Besitzer von Drum City zur Verfügung gestellt wurde.

Heute bespielt er Schlagzeuge der Firma Pearl, wobei er sich zu einem bequemer zu spielenden Set entschied. Zwei Bass-Drums spielt er nur noch bei Liveauftritten, ansonsten benutzt er eine Doppelfußmaschine. Anstelle des zweiten Stand-Toms positionierte er ein drittes Hänge-Tom, was nun die Lücke zwischen Hänge-Toms und Stand-Toms ausfüllt.

Diskografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Siehe Colosseum und United Jazz + Rock Ensemble

  • Pendulum, Mike Taylor (1964)
  • Western Reunion, New Jazz Orchestra (1965)
  • Trio, Mike Taylor (1966)
  • Discussions, Howard Riley (1967)
  • Bare Wires, John Mayall (1968)
  • Local Colour, Pete Lemer Quintet (1968)
  • Things We Like, Jack Bruce (1968)
  • Looking Back, John Mayall (1969)
  • Songs for a Tailor, Jack Bruce (1969)
  • Solid Bond, Graham Bond (1970)
  • Overdog, Keef Hartley Band (1971)
  • Thru the Years, John Mayall (1971)
  • A Story Ended, Dick Heckstall-Smith (1972)
  • Jack Bruce At His Best, Jack Bruce (1972)
  • Knirsch, Wolfgang Dauner Et Cetera (1972)
  • Symphony of Amaranths, Neil Ardley (1972)
  • Two Weeks Last Summer, Dave Cousins (1972)
  • Tempest, Tempest (1973)
  • Living in Fear, Tempest (1974)
  • Snake Hips Etcetera, Nucleus (1975)
  • Peter und der Wolf, Lumley/Lancaster (1975)
  • Heavenly Bodies, Barbara Thompson (1976)
  • Primal Solos, John Mayall (1977, Compilation)
  • Variations, Andrew Lloyd Webber (1978)
  • The Best Of Strawbs, Strawbs (1978)
  • Tell Me On A Sunday, Marti Webb (1979)
  • Wilde Tales, Barbara Thompson's Paraphernalia (1979)
  • Samba Solstice, Marcio Montarroyos (1981, Compilation)
  • A Night In The Sun, Jon Hiseman (1982)
  • Pure Fantasy, Barbara Thompson's Paraphernalia (1984)
  • Ganz schon heiss, Mann!, Jon Hiseman (1986)
  • A Cry From The Heart, Barbara Thompson's Paraphernalia (1988)
  • Everlasting Flame, Barbara Thompson's Paraphernalia (1993)
  • Rage of the Heart, Rage Of The Heart (1993)
  • As It All Began, John Mayall's Bluesbreakers (1997)
  • Halcyon Days, Strawbs (1997)

Literatur[Bearbeiten]

  • Martyn Hanson: Jon Hiseman. Playing The Band. The Musical Life Of Jon Hiseman. (Temple Music, 2010)

Lexigraphische Einträge[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Reclams Jazzlexikon