José Bonifácio de Andrada e Silva

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José Bonifácio de Andrada e Silva

José Bonifácio de Andrada e Silva (auch … Andrade …; * 13. Juni 1763 in Santos; † 6. April 1838 in Niterói) war ein brasilianischer Mineraloge und Staatsmann.

Leben[Bearbeiten]

Andrada e Silva studierte im portugiesischen Coimbra Jura und Naturwissenschaften. Ab 1790 unternahm er mit einem königlichen Stipendium eine zehnjährige Bildungs- und Forschungsreise durch Europa. Er bildete sich, unter anderem unter Abraham Gottlob Werner in Freiberg, zum Bergbeamten aus, machte Bekanntschaft mit Alexander von Humboldt, hörte in Pavia Vorlesungen von Alessandro Volta. Auf einer Schwedenreise entdeckte er mehrere Mineralien, die er im Jahr 1800 als erster beschrieb,[1] darunter den Petalit,[2] in dem der schwedische Chemiker Johan August Arfwedson 1817 das Element Lithium entdecken sollte, den von ihm Wernerit genannten Skapolith und den von ihm Coccolit genannten Diopsid. Zurück an der Universität Coimbra erhielt er 1801 den für ihn geschaffenen Lehrstuhl der Geognosie[3] und wurde zum Generalintendanten des portugiesischen Bergwesens ernannt.

Nachdem er zur Zeit der französischen Invasion in den Reihen der portugiesischen Patrioten kämpfte, siedelte er 1819 nach Brasilien über. Hier stellte er sich 1821 an die Spitze der Unabhängigkeitsbewegung in São Paulo, wurde Vizepräsident und überreichte am 1. Januar 1822 an der Spitze einer Deputation die von ihm verfasste Adresse, welche den Prinzen Pedro aufforderte, in Brasilien zu bleiben. Darauf trat er am 16. Januar als Innenminister an die Spitze der Verwaltung, geriet aber bei Beratung der neuen Grundverfassung in Kampf mit der republikanischen Partei und reichte infolgedessen mit seinen Kollegen 25. Oktober seinen Rücktritt ein.

Schon am 30. Oktober wurde er nach Forderungen aus dem Volk wieder ins Ministerium berufen. 1823 erhielt er auch in den versammelten Ständen Sitz und Stimme und setzte es hier durch, dass die geheimen Gesellschaften verboten und strenge Maßregeln gegen die republikanischen Parteigänger ergriffen wurden.

Von seinen Gegnern genötigt, am 17. Juli 1823 abermals zurückzutreten, bekämpfte er in den Kammern das neue Ministerium und protestierte gegen die gewaltsame Auflösung der Generalversammlung am 12. November. Er wurde deshalb mit seinen Brüdern verhaftet und nach Europa eingeschifft. Während erstere nach Bordeaux gingen und bis zu ihrer späteren Rückkehr daselbst den Wissenschaften lebten, gewann er von neuem das Vertrauen des Kaisers, so dass ihn dieser, als er am 7. April 1831 zugunsten seines Sohns Dom Peter II. auf den Thron Brasiliens verzichtete, zum Vormund des letztern ernannte. Im Jahr 1834 infolge eines Volkstumults durch die Regentschaft der Vormundschaft enthoben, zog sich Andrada e Silva ins Privatleben zurück. Er starb am 5. April 1838 in Rio de Janeiro. Er war Mitglied des Bundes der Freimaurer.[4]

Sein jünger Bruder Antonio Carlo war ebenfalls Politiker. Der dritte Bruder, Martim Francisco de Andrada e Silva, war Innenminister und starb am 23. Februar 1844 in Santos. Die beiden Söhne des letztern, José Bonifácio de Andrada e Silva und Martim Francisco de Andrada e Silva, haben sich als Dichter bekannt gemacht, ersterer durch Rosas e goivos (São Paulo, 1849), letzterer durch Lagrimas e sorrisos (Rio de Janeiro, 1847) und ein Drama: Januario Garcia (Rio de Janeiro, 1849).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. N. Figurowski, Die Entdeckung der chemischen Elemente und der Ursprung ihrer Namen, übersetzt v. Leo Korniljev/Ernst Lemke, Aulis-Verlag Deubner, Köln 1981, ISBN 3-7614-0561-8, p. 135
  2. http://www.musee.ensmp.fr/gm//mineralPETALITE.html; http://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/MineralData?mineral=Petalit
  3. Laut portugiesischer Wikipedia jedoch den Lehrstuhl für Metallurgie -- bleibt zu überprüfen!
  4. Eugen Lennhoff, Oskar Posner, Dieter A. Binder: Internationales Freimaurer Lexikon. 5. Auflage 2006, Herbig Verlag, ISBN 978-3-7766-2478-6, S. 75

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: José Bonifácio de Andrada e Silva – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Meyers Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888–1890.
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