KZ Sajmište

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Mahnmal am Rand des ehemaligen KZs

Das KZ Sajmište, auch Judenlager und später Anhaltelager Semlin genannt, war während des Zweiten Weltkriegs neben dem KZ Banjica ein Konzentrationslager nahe Belgrad.

Es befand sich administrativ auf dem Gebiet des Unabhängigen Staates Kroatien (NDH). Heute gehört das Gebiet zu Novi Beograd, Serbien. Anfänglich wurde das Lager für serbische Juden errichtet. Die Zahl der Lagerinsassen wird auf insgesamt etwa 40.000 Menschen geschätzt, von denen über 10.000 ums Leben kamen.[1] Das Lager bestand von Oktober 1941 bis Juli 1944.[2]

Errichtung[Bearbeiten]

Serbien unter deutscher Militärverwaltung 1941–1944

Auf Beschluss des deutschen Militärverwaltungschefs wurde von den deutschen Besatzern am 28. Oktober 1941, für die jüdischen Bewohner Belgrads und des Banats, ein Konzentrationslager auf dem ehemaligen Messegelände (Sajmište), in einer Halle des Pavillon Nr. 3, der Gemeinde Zemun eingerichtet.[2] Da das linksseitige Saveufer mit Zemun dem kroatischen NDH-Staat zugeschlagen worden war, wurden die kroatischen Behörden gebeten, das Messegelände (Sajmište serbisch für Messegelände) für die Errichtung eines Konzentrationslagers zu übergeben. Die Ustascha stellten als Bedingung, dass Wachen im Lager ausschließlich von Deutschen gestellt würden und der Unterhalt des Lagers vom serbischen Okkupations-Territorium bedient würde. So war für die Versorgung der Inhaftierten die Stadtverwaltung von Belgrad zuständig. Der erste Lagerkommandant war Edgar Enge welcher im Januar 1942 von Herbert Andorfer abgelöst wurde.[3][4] Die Lagerwachen Angehörige der Waffen-SS und die Verwaltung unterlag der Gestapo.[2] Die Gefangenen wurden von der serbischen Regierung der nationalen Rettung und den deutschen Besatzungstruppen ausgeliefert.

Deportation der Jüdischen Bevölkerung[Bearbeiten]

Die massenhafte Internierung der jüdischen Bevölkerung begann vom 8. Dezember 1941. Die Juden Belgrads wurden aufgerufen, sich bei der serbische Sonderpolizei zu melden und ihre Haus- und Wohnungsschlüssel auszuhändigen. Bis zum 15. Dezember 1941 befanden sich 5291 überwiegend Belgrader Juden im Lager. Die Zahl der Lagerinsassen wuchs durch Heranbringen der jüdischen Bevölkerung aus Šabac, Niš, Kragujevac und anderen Orte noch an. Ende Februar 1942 kamen die letzten Juden aus Kosovska Mitrovica und Novi Pazar hinzu. Insgesamt wurden 7500 Juden der Region in das Lager deportiert.[5]

Lagerbedingungen der Deportierten[Bearbeiten]

Das Lager Sajmiste war während der Bombenangriffe 1941 schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Die meisten der deportierten Juden, etwa 5000 Menschen, befanden sich im Pavillon 3. Der Pavillon war für diese Menschenzahl deutlich zu klein und im harten Winter 1941/42 starben viele der Insassen. Von 5000 inhaftierten blieben bis Mitte Mai 1942 nur noch sechs Frauen übrig.[6] Das Essen bestand aus minimalen Lebensmittelrationen. Nach Aussagen einer Lagerinsassin starben täglich im Durchschnitt 5 bis 6 Personen. Die Zahl der Toten vor der Anwendung von Gas betrug nach Schätzungen 10 %, die durch Hunger, Kälte oder Krankheit starben.[7]

Vergasung[Bearbeiten]

Nachdem die Massenerschießungen während des Feldzuges gegen die Sowjetunion im Sommer und Herbst 1941 sowie den Massenerschießungen in Serbien in Kragujevac und Kraljevo für die Ausführenden zu psychischen Defekten führten, wurde auch im KZ Sajmiste die Ermordung der Lagerinsassen mit Gas durchgeführt. Hierfür wurde ein Lastwagen der Marke Saurer mit einer Kabine von 5,8 m Länge und 1,7 m Breite, die 100 Häftlinge fassen konnte, eingesetzt.

Ergebnis der Vernichtung[Bearbeiten]

Die meisten der Juden Serbiens wurden im Lager Sajmište ermordet. Es wird geschätzt, dass im Lager etwa 8000 Menschen starben.

Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten 10.400 Juden in Belgrad und etwa 16.000 in ganz Serbien. Etwa 90 Prozent wurden während des Holocaust ermordet. Eine Vielzahl von Menschen starb an Hunger, Kälte und Epidemien. Eine unbekannte Anzahl von Männern wurde erschossen. Die Erschießungen wurden an denselben Orten, an denen auch Insassen des Lagers KZ Banjica umgebracht wurden, begangen. Ende Januar 1942 befanden sich 6500 Juden im Lager, Februar waren es 5503, April noch 2974 und im Mai waren es nur noch 491 jüdische Insassen. In den nachfolgenden Zehntagesmeldungen des kommandierenden Generals und Befehlshabers in Serbien wurden keine jüdischen Häftlinge mehr in Sajmište erwähnt.[2]

Im Jahr 1944 trafen Bomber der US Air Force bei einem Luftangriff das Lager, wobei 80 Lagerinsassen getötet und 170 verletzt wurden. Das eigentliche Ziel war der nahe gelegene Bahnhof.

Gedenken[Bearbeiten]

Am 21. April 1995 wurde an der Stelle des früheren KZ Sajmište eine zehn Meter hohe Statue im Gedenken an die Opfer eingeweiht, allerdings ohne besondere Erwähnung der ermordeten Juden.

Um das Andenken zu bewahren, entstand im Auftrag des Fernsehsenders TV B92 ein einstündiger Dokumentarfilm über das Lager. Dieser erlebte im Februar 2009 seine Erstausstrahlung und ist auf der Website des Senders abrufbar.[1]

Im Juli 2010 traf sich eine Gruppe von deutschen und serbischen Studierenden in Belgrad, um im Zusammenhang mit der Geschichtswerkstatt Europa von der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ eine Internetpräsenz zu erstellen.[8] Seit März 2011 kann hier die Geschichte des Lagers, der jeweiligen Gebäude sowie die Visionen von 15 während der Geschichtswerkstatt interviewten Personen eingesehen werden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Christopher Browning: The semlin gas van and the final solution in Serbia. In: Fateful months. Essays on the emergence of the final solution. New York, London 1985, S. 68–85

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Seiten zum Dokumentarfilm Sajmište - Istorija jednog logora (Sajmište - Geschichte eines Lagers) auf der Website von B92
  2. a b c d  Holm Sundhaussen: Serbien. In: Wolfgang Benz; Barbara Distel (Hrsg.): Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. 9, C.H.Beck oHG, München 2009, ISBN 978 3 406 52960 3. Seite 345 ff.
  3.  Saul S. Friedman: A history of the Holocaust. 2004, ISBN 9780853034353. Seite 238
  4.  Barry M. Lituchy: Jasenovac Research Institute, 2006. Seite xxxiii
  5. Jasa Almuli, Vecernje Novosti, 12. Jan. 2010 STRADANJA SRPSKIH JEVREJA
  6. ibid. Jasa Almuli, Vecernje Novosti, 12. Jan. 2010
  7. ibid. Jasa Almuli, Vecernje Novosti, 12. Jan. 2010
  8. Besuch auf Staro Sajmište

44.80805555555620.4425Koordinaten: 44° 48′ 29″ N, 20° 26′ 33″ O