Karbi Anglong

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Distrikt Karbi Anglong
কাৰ্বি আংলং জিলা
Lagekarte des Distrikts
Bundesstaat Assam
Verwaltungssitz: Diphu
Fläche: 10.434 km²
Einwohner: 965.280 (2011)
Bevölkerungsdichte: 93 Ew./km²
Website: karbianglong.gov.in

Karbi Anglong (Assamesisch: কাৰ্বি আংলং Kārbi Āṃlaṃ [ˈkarbi ˈaŋlɔŋ]; bis 1976 Mikir Hills) ist ein Distrikt im indischen Bundesstaat Assam. Verwaltungssitz ist die Stadt Diphu. Karbi Anglong gehört zu den von den sogenannten Stammesvölkern (tribals) besiedelten Teilen Assams: Mehr als die Hälfte der Einwohner des Distrikts sind Angehörige der indigenen Bevölkerung, hauptsächlich Karbi, daneben Dimasa und Garo. Aufgrund dessen besitzt Karbi Anglong den Status eines autonomen Distrikts.

Geografie[Bearbeiten]

Der Distrikt Karbi Anglong ist mit 10.434 Quadratkilometern der flächengrößte Distrikt Assams. Er umfasst die Berggebiete südlich der Brahmaputra-Ebene und besteht aus zwei nicht miteinander verbundenen Teilen: Einen größeren östlichen Teil bestehend aus den drei Kreisen (circles) Diphu, Phuloni und Silonjian sowie einen kleineren westlichen Teil bestehend aus dem Kreis Donka. Die beiden Teile des Distrikts werden durch die zum Distrikt Nagaon gehörige Flussebene des Kolong, eines Nebenflusses des Brahmaputra, voneinander getrennt.

Der gesamte Distrikt ist hügelig und zu großen Teilen dicht bewaldet, abgesehen von einigen Streifen flachen Landes entlang der Flüsse. Der höchste Berg ist der Singhason mit 1360 Metern über dem Meeresspiegel. 85 Prozent des Distriktgebiets werden von Wäldern bedeckt.[1] In und zwischen den Tälern der Flüsse Kopili, Jamuna und Dhansiri beträgt die Höhe 75-250 Meter. Die Hügel nördlich Zumding bilden die Wasserscheide zwischen diesen. Entwässert wird nach Norden in den Brahmaputra. Die größten Flüsse sind der Kopili und Dhansiri. Sie speisen sich aus den Abflüssen der Naga Hills und des Barail-Gebirgszuges.

Karbi Anglong grenzt an die Distrikte Dima Hasao im Südwesten, Nagaon im Westen, Golaghat im Osten und den Bundesstaat Nagaland (Distrikte Dimapur und Peren) im Südosten. Der westliche Teil grenzt zudem noch an den Distrikt Marigaon und den Nachbarbundesstaat Meghalaya (Distrikte Jaintia Hills und Ri Bhoi) im Südwesten.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Gebiet des Distrikts Karbi Anglong war in früheren Zeiten Teil des Kachari-Königreichs. Im 19. Jahrhundert kam der Nordteil des Königreichs mit dem heutigen Karbi Anglong unter die Herrschaft eines Usurpators namens Tularam. Nach seinem Tode 1854 wurde sein Territorium unter der „Doctrine of Lapse“ annektiert und dem Distrikt Nowgong (Nagaon) zugeschlagen. Nach der indischen Unabhängigkeit wurde das Gebiet 1951 aus dem Distrikt Nagaon gelöst und zusammen mit Teilen der Distrikte Cachar, Sivasagar (Distrikt), und Khasi and Jaintia Hills zum Distrikt United Mikir and North Cachar Hills zusammengelegt. Dieser wurde 1970 wiederum in die Distrikte Mikir Hills und North Cachar Hills (seit 2010 Dima Hasao) geteilt. 2010 wurde der Distrikt Mikir Hills nach der größten Volksgruppe der Karbi in Karbi Anglong umbenannt.

In dem Distrikt sind oder waren verschiedene separatistische Organisationen aktiv. Besonders die Stammesangehörigen der Karbi wollen ihre Autonomiebestrebungen bewaffnet durchsetzen. So ist die Karbi Longri North Cachar Hills Liberation Front (KLNLF), die sich 2004 von der seit 2000 bestehenden United Peoples Democratic Solidarity (UPDS) abspaltete, eine der aktivsten Gruppen. Bereits seit 1987 besteht die, wohl von der indischen Regierungsseite als Gegengewicht zur NSNC der Nagas gesponserte Kuki National Front (KNF). Ebenfalls für Sonderrechte der Eingeborenen tritt seit 2006 die All Adivasi National Liberation Army (AANLA) ein. Keine dieser Gruppen dürfte über mehr als 150 Mitglieder verfügen.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Nach der indischen Volkszählung 2011 hat der Distrikt Karbi Anglong 965.280 Einwohner. Der Distrikt ist recht dünn besiedelt: Die Bevölkerungsdichte ist mit 93 Einwohnern pro Quadratkilometer die zweitniedrigste aller Distrikte Assams und liegt deutlich unter dem Mittelwert des Bundesstaates (397 Einwohner pro Quadratkilometer). 11,8 Prozent der Einwohner Karbi Anglongs leben in Städten. Der Urbanisierungsgrad ist damit etwas niedriger als der Durchschnitt Assams (14,1 Prozent). Im Vergleich zur letzten Volkszählung 2001 war die Einwohnerzahl um 18,7 Prozent und somit etwas schneller als im Mittel Assams (16,9 Prozent) gewachsen. 73,5 Prozent der Einwohner des Distrikts können lesen und schreiben. Die Alphabetisierungsquote entspricht damit fast genau dem Durchschnitt des Bundesstaats (73,2 Prozent).[2]

Der Mehrheit der Einwohner des Distrikts Karbi Anglong gehört indigenen Völkern an, die in offiziellen Statistiken als „Stammesvölker“ klassifiziert werden. Nach der Volkszählung 2001 sind 55,7 Prozent der Einwohner des Distrikts Angehörige der Stammesbevölkerung (scheduled tribes). Neben Dima Hasao ist Karbi Anglong einer von zwei Distrikten Assams, in denen die Stammesvölker die Bevölkerungsmehrheit stellen. Die größte ethnische Gruppe im Distrikt Karbi Anglong sind die namensgebenden Karbi oder Mikir, die nach der Volkszählung über 40 Prozent der Gesamtbevölkerung und drei Viertel der Stammesbevölkerung stellen. Weitere Stammesvölker sind die Dimasa und Garo.[3] Die Stammesbevölkerung spricht verschiedene tibetobirmanische Sprachen. Amtssprache ist das Assamesische, die Hauptsprache Assams. Daneben ist auch Karbi als offizielle Sprache anerkannt, in der Verwaltung dominiert aber Englisch.

Unter den Einwohnern des Distrikts Karbi Anglong stellen Hindus nach der Volkszählung 2001 mit 82,4 Prozent die Mehrheit. Daneben gibt es eine größere Minderheit von Christen (14,5 Prozent) und eine kleine muslimische Minderheit (2,2 Prozent).[3]

Politik und Verwaltung[Bearbeiten]

Nach dem sechsten Anhang zur indischen Verfassung, der besondere Bestimmungen für die Stammesgebiete in den indischen Nordostbundesstaaten vorsieht, besitzt Karbi Anglong einen Autonomiestatus. Der Distrikt wird durch einen Autonomierat (Karbi Anglong Autonomous Council) selbstverwaltet. Dieser hat 30 Mitglieder, von denen 26 gewählt und die restlichen vier vom Gouverneur von Assam nominiert werden.

Städte[Bearbeiten]

Stadt Einwohner
(2001)[4]
Bokajan 14.938
Diphu 52.062
Dokmoka 4.670
Donkamokam 8.144
Hamren 8.278
Howraghat 4.659

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Website des Distrikts Karbi Anglong: Information on Forest Management of Karbi Anglong District.
  2. Census of India 2011: Provisional Population Totals. Paper 1 (PDF; 16,7 MB) und Paper 2 (MS Excel; 62 kB).
  3. a b Census of India 2001: Basic Data Sheet. District Karbi Anglong (19), Assam (18). (PDF; 55 kB)
  4. Census of India 2001: Population, population in the age group 0-6 and literates by sex - Cities/Towns (in alphabetic order) (Version vom 16. Juni 2004 im Internet Archive)

Literatur[Bearbeiten]

  • S. C. Bhatt (Hrsg.): The Encyclopædic District Gazetteers of India. Volume 10: North-Eastern Zone: Arunachal Pradesh. Assam. Gyan, New Delhi 1997, ISBN 81-212-0556-5.
  • Monirul Hussain: Tribal Movement for Autonomous State in Assam. In: Economic Political Weekly. Vol. 22, Nr. 32, 8. Aug. 1987, ISSN 0012-9976. S. 1329–1332.

Weblinks[Bearbeiten]