Karsten Kruschel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Karsten Kruschel (* 1959 in Havelberg) ist ein deutscher Schriftsteller und Publizist. Er veröffentlicht vorwiegend im Bereich der Science Fiction und wurde 2010 und 2012 mit dem Deutschen Science Fiction Preis ausgezeichnet.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Kruschel wuchs als Sohn des Schriftstellers Heinz Kruschel in Magdeburg auf, wo er auch Bühnenerfahrung als Kabarettist sammelte. Nach einer landwirtschaftlichen Lehre in Klein Wanzleben und einem abgebrochenen Studium der Pflanzenproduktion in Halle (Saale) arbeitete er als Hilfspfleger in einer neurologischen Klinik in Magdeburg. 1984 schloss er sein Lehrerstudium in Magdeburg mit einer Diplomarbeit über die Science-Fiction-Literatur in der DDR ab. Nach einer Tätigkeit als Lehrer für Deutsch und Geschichte in Leipzig-Grünau und dem Grundwehrdienst in Eilenburg und Dresden ging er als wissenschaftlicher Assistent an die Pädagogische Hochschule „Clara Zetkin“ in Leipzig, wo er 1991 mit einer Arbeit über die DDR-Science-Fiction-Literatur promovierte (überarbeitet und ergänzt 1995 beim EDFC erschienen). Nach der Wende arbeitete er in Leipzig und Berlin als Projektleiter im Institut für Bildungsreform und Medienerziehung, als Chefredakteur einer Baufachzeitschrift, als Public-Relations-Berater und einige Jahre in verschiedenen Call-Centern, ehe er sich 2010 als Redakteur und Autor selbständig machte und nun für den Verlag De Gruyter und andere Auftraggeber tätig ist.

Seit seiner Kindheit schreibt Kruschel Prosa, später auch Essays und Literaturkritiken. Er nahm mehrfach am Zentralen Poetenseminar der DDR in Schwerin teil. Nach ersten Science-Fiction-Erzählungen 1979 in der Zeitschrift Neues Leben erschien sein Debüt Raumsprünge (1985) in der Heftreihe Das neue Abenteuer. 1989 folgte der Erzählungsband Das kleinere Weltall im Verlag Das Neue Berlin. Seine Kurzgeschichten Herrliche Zeiten (1999[1]), Teufels Obliegenheiten (2012) und Ende der Jagdsaison auf Orange (2010[2]) wurden für den Kurd-Laßwitz-Preis nominiert; letztere 2011 ins Russische übersetzt[3].

Seit 1981 veröffentlichte Kruschel Besprechungen zu Werken der Science-Fiction-Literatur, die in Zeitungen, Zeitschriften und Sammelbänden erscheinen (Volksstimme Magdeburg, Leipziger Volkszeitung, Science Fiction Times, Das Heyne Science Fiction Jahr) sowie Aufsätze und Essays. Er verfasste eine Reihe von Beiträgen für die Nachschlagewerke Die Science Fiction der DDR. Autoren und Werke (hrsg. von Erik Simon und Olaf R. Spittel, 1988, ISBN 3-360-00185-0), das Biobibliographische Lexikon der utopisch-phantastischen Literatur, den Werkführer durch die utopisch-phantastische Literatur (beide Corian-Verlag) und den Abschnitt zur Science-Fiction im Handbuch zur Kinder- und Jugendliteratur (J. B. Metzler Verlag, 2006[4]).

2009 erschien der zweibändige Roman Vilm. Der Regenplanet und Vilm. Die Eingeborenen im Wurdack-Verlag. Das Buch wurde sowohl für den Kurd-Laßwitz-Preis[5] als auch den Deutschen Science Fiction Preis - den es gewann[6] - als bester Roman des Jahres nominiert. Vom Internetportal phantastik-couch.de wurde es ebenso zum „Buch des Monats“ erklärt wie der 2011 erschienene Nachfolger Galdäa. Der ungeschlagene Krieg[7]. Galdäa wurde dort außerdem im März 2012 zum "Phantastischen Buch des Jahres 2011" gekürt.

2010 beteiligte er sich an dem von Karla Schmidt herausgegebenen literarischen Experiment Hinterland, einer Anthologie im Wurdack-Verlag, für die 20 Autoren Science-Fiction-Erzählungen nach Musik von David Bowie schrieben.

2013 setzte er die erfolgreichen Vilm-Romane mit dem eigenständigen Roman Vilm. Das Dickicht fort.

Werke[Bearbeiten]

eigenständige Publikationen[Bearbeiten]

  • Raumsprünge, Erzählung (illustriert von Karl Fischer), Neues Leben, Berlin 1985
  • Das kleinere Weltall, Science-Fiction-Erzählungen (illustriert von Dieter Heidenreich), Das Neue Berlin, Berlin 1989, ISBN 978-3-360-00245-7
  • Bildschirm im Gegenlicht, Texte zur Medienerziehung, 1992 (mit Ralf Hickethier).
  • Spielwelten zwischen Wunschbild und Warnbild. Utopisches und Dystopisches in der SF-Literatur der DDR in den achtziger Jahren, Sachbuch, edfc, 1995, ISBN 3-924443-77-7 (2012 auch als E-Book)
  • Vilm. Der Regenplanet, Roman, Wurdack, 2009, ISBN 978-3-938065-36-5 (2012 auch als E-Book[8])
  • Vilm. Die Eingeborenen, Roman, Wurdack, 2009, ISBN 978-3-938065-54-9 (2012 auch als E-Book)
  • Galdäa. Der ungeschlagene Krieg, Roman, Wurdack, 2011, ISBN 978-3-938065-72-3 (2012 auch als E-Book)
  • Raumsprünge, das kleinere Weltall und andere fantastische Erzählungen, EditionDigital 2012, ISBN 978-3-86394-385-1
  • Armageddon mon amour - Fünf Visionen vom Ende (mit Michael Marrak, auf 99 Exemplare limitierte und signierte Novellensammlung, Schriftenreihe Maldoror 2012.) Enthält: Gebet für Sprengköpfe - ein lyrischer Prolog (Marrak), Die Stille nach dem Ton (Marrak), Schwarz:Netz:Schwarz (Kruschel), Das Concaliom (Marrak), Fragetechniken für ein aufschlussreiches Gespräch mit der Froschprinzessin (Kruschel), Quo vadis, Armageddon? (Marrak)
  • Vilm. Das Dickicht, Roman, Wurdack, 2013, ISBN 978-3-93806-593-8

Kurzgeschichten und Erzählungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Aussage des Assistenten, Neues Leben, 1979.
  • Theorie der Kugelblitze, Neues Leben, 1979.
  • Schach mit Otto, in Aus dem Tagebuch einer Ameise. Wissenschaftlich-phantastische Tiergeschichten, hrsg. von Michael Szameit, 1985.
  • ... und stets das Vernünftigste tun, in Lichtjahr 6. Ein Phantastik-Almanach, hrsg. von Erik Simon, 1989. ISBN 3-360-00183-4
  • Ein Fall von nächtlicher Lebensweise, in Der lange Weg zum blauen Stern, hrsg. von Michael Szameit, 1990. ISBN 3-355-01019-7
  • Großartige Party, wirklich großartig, in Johann Sebastian Bach Memorial Barbecue, hrsg. von Wolfgang Jeschke. 1990. ISBN 3-453-04279-4
  • Herrliche Zeiten, in Alexanders langes Leben, Stalins früher Tod und andere abwegige Geschichten. Erzählungen und Berichte aus Parallelwelten, hrsg. von Erik Simon, 1999. ISBN 3-453-14912-2
  • Regendrachen sterben, wenn die Sonne scheint, in Lichtjahr 7. Ein Phantastik-Almanach, hrsg. von Erik Simon, 1999. ISBN 3-00-005005-1
  • Barnabas oder Die Vorzüge kleiner Welten, in Lotus Effekt, hrsg. von Heidrun Jänchen und Armin Rößler, 2009. ISBN 3-938065-32-X
  • Ende der Jagdsaison auf Orange, in Die Audienz, hrsg. von Heidrun Jänchen und Armin Rößler, 2010. ISBN 978-3-938065-62-4
  • Vierte und Erste Sinfonie, oder: Müllerbrot, in Hinterland. 20 Erzählungen, inspiriert von der Musik David Bowies, hrsg. von Karla Schmidt, 2010. ISBN 978-3-938065-69-3
  • Violets Verlies, in Emotio, hrsg. von Heidrun Jänchen und Armin Rößler, 2011, ISBN 978-3-938065-75-4
  • Vom Ursprung der Regendrachen. In: Drachen! Drachen! Fiese Essenzen aus 23 Genres, hrsg. von Frank G. Gerigk und Petra Hartmann, 2012. ISBN 978-3-89840-339-9
  • Grün: Im Sternzeichen des Rasenmähers. In: 2012. T minus Null – Eine Sammlung von Weltuntergängen, herausgegeben von Uwe Post, Begedia-Verlag, Mülheim an der Ruhr 2012, ISBN 978-3-943795-17-2
  • Teufels Obliegenheiten, oder Der gewaltsame Frieden. In: Nova 20, herausgegeben von Olaf G. Hilscher und Michael K. Iwoleit, Nova Verlag, Bad Zwesten 2012, ISSN 1846-2829 (auch als Autorenlesung: Download)

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 2010 Deutscher Science Fiction Preis für Vilm. Der Regenplanet und Vilm. Die Eingeborenen
  • 2012 Phantastisches Buch des Jahres der Phantastik-Couch für Galdäa
  • 2012 Deutscher Science Fiction Preis für Galdäa

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nominierungen für den Kurd-Laßwitz-Preis 2000
  2. Nominierungen für den Kurd-Laßwitz-Preis 2011
  3. Webseite der russischen Zeitschrift ESLI, Moskau
  4. Metzlerverlag.de: Inhaltsverzeichnis Steinlein/Strobel/Kramer: „HB Kinder- und Jugendliteratur 1945-1990“. (PDF; 154 kB) ISBN 978-3-476-02177-9.
  5. Nominierungen für den Kurd-Laßwitz-Preis 2010
  6. Science Fiction Club Deutschland:DSFP 2010 – Die Gewinner und Platzierungen.
  7. Editorial der Phantastik-Couch Juni 2011
  8. Verlagsmeldung