Kartause Freiburg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Blick von der Dreisam auf die Gesamtanlage

Die Kartause Freiburg ist ein ehemaliges Kloster des Kartäuserordens im Stadtteil Waldsee der Stadt Freiburg im Breisgau. Die Freiburger Kartause trug den Namen „Sankt Johannis des Täufers Berg“ in Erinnerung an die Gründung der ersten Kartause Grande Chartreuse bei Grenoble am Johannistag, dem 24. Juni, sowie zu Ehren des Stifters Johannes Snewlin, genannt der Gresser.

Kartause in Freiburg, Innenhof

Geschichte[Bearbeiten]

Eingang zur Kartause
Garten der Kartause

Als Stiftung eines Privatmannes, des Freiburger Bürgermeisters und Ritters Johannes Snewlin, genannt der Gresser, wahrscheinlich im Jahr 1345, hatte die Kartause bei Freiburg zunächst nur bescheidene Ausmaße mit anfänglich lediglich zwei Mönchszellen. Snewlins Stiftung umfasste ein Grundstück am Mußbach unterhalb von Sankt Ottilien, welches der Rat der Stadt den Mönchen 1346 übereignete[1]. Nach dem Tod des Stifters 1347 erweiterten die Mönche die Anlage auf fünf Zellen.[2]. Der Ordensregel gemäß waren diese Zellen einzelne durch Mauern oder hohe Hecken getrennte Einzelbauten. Durch weitere Stiftungen erhöhte sich die Anzahl der Zellen auf zwölf. Im frühen 16. Jahrhundert wurde die Anlage durch Refektorium und Kirche erweitert. Das Kirchengebäude, im spätgotischen Stil mit Kreuzrippengewölbe und Strebepfeilern errichtet, besaß prachtvolle Fenster nach Entwürfen des schwäbischen Malers Hans Baldung Grien. Zu ihrer Blütezeit unterhielt die Kartause enge Kontakte zur Freiburger Universität. Von 1502 bis 1525 war Gregor Reisch, einer der bedeutenden Vertreter der Spätscholastik und Professor an der Freiburger Universität, Prior des Klosters. Das Kloster unterstützte bedürftige Studenten und erhielt zugleich finanzielle Zuwendungen und vermehrt Zuwachs an Novizen aus dem universitären Umfeld.

Im Laufe der Zeit, vor allem durch die enge Bindung der Kartause an die Freiburger Universität, entstand eine umfangreiche Klosterbibliothek, die sich vor allem aus Schenkungen von neu ins Kloster eingetretenen Mitgliedern, sowie aus testamentarischen Nachlässen von Universitätsprofessoren und dem Klerus der weiteren Umgebung des Klosters zusammensetzte; so erbte das Kloster beispielsweise 1537 die umfangreiche Bibliothek (etwa 390 Bücher) und den Besitz des Münsterpredigers Otmar Nachtgall, der auch auf dem Klosterfriedhof begraben wurde.[3]

Wappen an der Kirchenrückseite

Eine Zäsur bedeuteten die Verwüstungen durch schwedische Heere während des Dreißigjährigen Krieges. Die Mönche fanden, wie viele andere Kartäuser auch, in der Schweizer Kartause Ittingen Zuflucht. Danach wurde die Kartause von 1753 bis 1756 erweitert, indem man vor den mittelalterlichen Klausurtrakt eine barocke dreiflügelige Ehrenhofanlage zur Unterbringung von Prälatur und Gästetrakt setzte. Der Versuch des Priors, den Prälatenstand zu erreichen, führte zu einer innerklösterlichen Revolte, die 1781 beigelegt wurde. Als Kaiser Joseph II. die Aufhebung aller Kartäuserklöster anordnete, mussten nach Aufforderung vom 13. Februar 1782 auch die Freiburger Kartäuser binnen fünf Monaten ihr Kloster aufgeben. Gebäude und Grundbesitz fielen an den Staat und wurden 1783 an Franz Anton Freiherrn von Baden – den Präsidenten der Breisgauischen Ritterschaft – verkauft. Die Bibliothek wurde aufgelöst und zerstreut, nur wenige Inkunabeln sind heute noch in der Freiburger Universitätsbibliothek nachzuweisen.

Nach der Aufhebung wurde die Kartause zum Adels-Landsitz umfunktioniert, das schlossartige Priorat diente als Wohnhaus, der Kreuzgang mit den Zellen wurde zugunsten einer Parkanlage abgerissen, die Kirche blieb erhalten. Die kostbaren Glasfenster wurden an verschiedene Gemeinden verkauft. Nach dem Erwerb durch die Stiftungsverwaltung Freiburg im Jahr 1894 wurde die Anlage in ihrer neuen Funktion als Altersheim instand gehalten. Nach dem Umbau bot die Anlage 200 Pfründern Platz. Im Jahre 1897 bezog der Stadtpfarrer von Sankt Martin, Heinrich Hansjakob, durch die Vermittlung des Oberbürgermeisters und Stiftungsratvorsitzenden Otto Winterer drei Räume. Diese Räume waren als Gedenkstätte bis 2012 erhalten.

Nach der Umwandlung in ein Pflegeheim – ein neues Altenheim wurde unmittelbar neben den alten Klostergebäuden in der zweiten Hälfte des 20, Jahrhunderts erbaut – wäre nach dem Jahr 2000 eine Sanierung dringend erforderlich gewesen. Da diese wirtschaftlich nicht vertretbar war, wurde im Stadtteil Waldsee ein neues Heim für die Bewohner erbaut. Die letzten Bewohner zogen im Dezember 2008 aus. Seither wurden die Räumlichkeiten bis zur Fertigstellung des Zentralen Kunstdepots Freiburg im Mai 2012 als Zwischendepot für die Städtischen Museen Freiburg genutzt. Danach sollen die Gebäude für eine Nutzung durch das erste und einzige deutsche der dann 14 United World Colleges umgebaut werden. Die Robert Bosch Stiftung und die Robert Bosch GmbH stellen hierfür aus Anlass von Robert Boschs 150. Geburtstag etwa 40 Millionen Euro zur Verfügung. Robert Bosch war mit Kurt Hahn, dem Initiator der UWC befreundet. Nach der vorgesehenen Eröffnung der Internatsschule im Jahr 2014 sollen hier 200 Schüler aus 70 Nationen nach einem Schulbesuch von zwei Jahren einen internationalen Schulabschluss erwerben können.[4] Die Schule wird den Namen „Robert Bosch College“ tragen.[5]

Die beiden Tafeln links und rechts des Haupteingangs mit der Geschichte der Kartause
Kupferstich der Kartause von Peter Mayer aus dem Jahr 1771
Skizze der Kartause aus dem Tagebuch von Felix Mendelssohn Bartholdy, der 1837 auf seiner Hochzeitsreise Freiburg passierte
Tafeln am Haupteingang
  • Linke Tafel: Als Kartäuser-Kloster „St. Johannes des Täufers Berg“ 1346 v. Ritter J. Snewlin Gresser Bürgermeister v. Freiburg gegründet, am 13. Januar 1780 abgebrannt, und nothdürftig aufgebaut, am 14. Mai 1782 durch Kaiser Josef II aufgehoben, v. Ant. Freiherrn v.Baden erworben, 1830 durch Erbschaft an Bruno Freiherrn v. Türkheim 1879, d. Kauf a. Privatmann h. W. Lüps übergegangen.
  • Rechte Tafel: Am 30. April 1894 wurde dieses ehemalige Kloster mit allen Gebäuden Feldern u. Wald durch den Stadtrath u. Stiftungsrath der Stadt Freiburg i. Breisgau, unter Oberbürgermeister Dr. O. Winterer käuflich erworben, und nach Vertheilung unter Stadt, Beurbarung u. Spital zu einem zweiten heim für die Insassen des heiliggeist-Spitals umgebaut 1895–1897.

Literatur[Bearbeiten]

  • Paul Horster: Zur Geschichte der Kartause in Freiburg i. Br. Freiburg i. Br.: Preßverein Freiburg, 1920
  • Hans Georg Wehrens: Freiburg in der "Margarita Philosophica" von Gregor Reisch (1504). In: Freiburg im Breisgau 1504–1803, Holzschnitte und Kupferstiche. Herder, Freiburg 2004, S. 8-33. ISBN 3-451-20633-1.
  • Peter Kalchthaler: Kartause mit bewegter Geschichte, Kloster, Gutshof und Altenheim. In: Badische Zeitung. 17. Juni 2005.
  • Dieter Mertens: Zum Buchbesitz der Kartause Mons Sancti Johannis bei Freiburg im Breisgau. In: Bücher, Bibliotheken und Schriften der Kartäuser. Tübingen 2001.
  • Rüdiger Becksmann: Die mittelalterlichen Glasmalereien in Freiburg i. Br. Deutscher Verlag für Kunstwissenschaft, Berlin 2010, ISBN 978-3-87157-226-5 (Corpus Vitrearum Medii Aevi Deutschland II,2), S.563-598

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kartause Freiburg – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hermann Nehlsen: Die Freiburger Familie Snewlin. Freiburg im Breisgau 1967. (Veröffentlichungen aus dem Archiv der Stadt Freiburg im Breisgau) Seite 58
  2. H. Haumann, H. Schadek (Hg.), Geschichte der Stadt Freiburg, Bd. 1, Stuttgart 1996, S. 440
  3. Siegfried Risse: NACHTGALL, Otmar. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 23, Bautz, Nordhausen 2004, ISBN 3-88309-155-3, Sp. 997–1012.
  4. Badische Zeitung vom 27. April 2011 !--Webzugriff am 2. Mai 2011--
  5. Pressemitteilung Robert-Bosch-Stiftung

47.9944777.882749Koordinaten: 47° 59′ 40,1″ N, 7° 52′ 57,9″ O