Kazimierz Kutz

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Kazimierz Kutz (2011)

Kazimierz Julian Kutz (* 16. Februar 1929 in Katowice-Szopienice) ist ein polnischer Filmregisseur und Politiker. Sein Familienname wurde zu Zeiten der Volksrepublik Polen „Kuc‘‘ geschrieben. [1]. Er gilt als einer der geistigen Väter der oberschlesischen Autonomiebewegung. [2]

Jugend[Bearbeiten]

Der Sohn eines Eisenbahners, der auf Seiten der polnischen Verbände an den Schlesischen Aufständen 1919 bis 1921 teilgenommen hatte, besuchte während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg eine deutsche Volksschule. [3] Mit 14 Jahren wurde er zur Zwangsarbeit ins „Altreich" deportiert. [4]

Künstlerisches Schaffen[Bearbeiten]

Film[Bearbeiten]

Unter dem Namen „Kuc“ studierte er von 1949 bis 1954 an der Filmhochschule Lodz das Fach Regie. [5] Im letzten Studienjahr wirkte er als Regieassistent bei Andrzej Wajdas Film Pokolenia (Generationen) mit. Sein eigenes Regiedebüt stellte 1959 der Film Krzyż walecznych (Tapferkeitskreuz) dar. Es war der Auftakt zu 20 Spielfilmen, von denen sechs die Geschichte seiner Heimat Oberschlesien thematisieren. Als sein Hauptwerk gilt die in den zwanziger und dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts angesiedelte Schlesische Trilogie, bestehend aus den Filmen Sól ziemi czarnej (Salz der schwarzen Erde, 1970) [6], Perła w koronie (Die Perle in der Krone, 1972) [7] und Paciorki jednego różańca (Wie Perlen im Rosenkranz, 1979). Helden der drei Filme sind oberschlesische Bergarbeiter, die propolnisch gesinnt sind. Die Deutschen sind darin schematisch und eher negativ dargestellt. [8]

Nach der politischen Wende von 1989 setzte er sich in mehreren Filmen kritisch mit der kommunistischen Vergangenheit auseinander. In Śmierć jak kromka chleba (Tod ist wie eine Scheibe Brot, 1994) thematisierte er die Niederschlagung eines Streiks in der Zeche „Wujek” zu Beginn des Kriegsrechts in Polen im Dezember 1981. [9] In der Filmkomödie Pułkownik Kwiatkowski (Oberst Kwiatkowski, 1995) nahm er den kommunistisch kontrollierten Staatssicherheitsdienst SB aufs Korn. [10]

Theater[Bearbeiten]

Kutz hat 20 Theaterstücke inszeniert, darunter im Warschauer Nationaltheater (Teatr Narodowy) und im Alten Theater (Stary Teatr) in Krakau. Überdies hat er für das in Polen populäre „Theater im Fernsehen“ (Teatr Telewizji) wiederholt Regie geführt. [11]

Literatur[Bearbeiten]

1999 legte er den autobiografischen Band Klapsy i ścinki (Klapse und Schnitzel) vor, in dem er nicht nur Episoden aus seinem eigenen Werdegang schildert, sondern auch anekdotenreiche Porträts von Zeitgenossen zeichnet, darunter des Komponisten Wojciech Kilar, des Dichters Tadeusz Różewicz sowie seiner Berufskollegen Andrzej Wajda und Krzysztof Zanussi. [12]

2010 publizierte er den Roman Piąta strona świata (Die fünfte Seite der Welt). [13]

Kutz im Jahr 2006

Politische Tätigkeit[Bearbeiten]

Volksrepublik Polen bis 1989[Bearbeiten]

Ein von Kutz am 9. Juni 1968 in der Filmzeitschrift „Ekran” publizierter Essay, in dem er bürokratische Hürden für die Filmemacher beklagte, wurde von der Kulturabteilung der Arbeiterpartei genutzt, die künstlerische Elite Warschaus zu attackieren. Die Partei führte damals eine Kampagne vor allem gegen jüdische Intellektuelle, Kutz wurde als deren Opfer dargestellt. [14]

In den siebziger Jahren nahm er wiederholt an Beratungen der Kulturabteilung des Zentralkomitee der PVAP teil. Für seinen Film Linia (Linie, 1975) wurde er mit dem hohen Orden der Wiedergeburt Polens ausgezeichnet. 1976 wurde er zum Chefregisseur des Kattowitzer Studios des staatlichen Fernsehsenders TVP ernannt. [15]

Doch blieb den Behörden nicht verborgen, dass er zunehmend kritisch gegenüber dem Regime eingestellt war. Von Mitte der siebziger Jahre an wurde er systematisch vom SB überwacht. Als Beobachtungsobjekt bekam er den Codenamen „Reżyser“ (Regisseur). Es wurde registriert, dass Kutz Kontakt zum Komitee zur Verteidigung der Arbeiter (KOR) aufnahm. 1980 schloss er sich der Demokratiebewegung um die Gewerkschaft Solidarność an. [16] 1981 gehörte er zu den Organisatoren des I. Kongresses der Polnischen Kultur in Warschau, der Freiheit der Kunst und ein Ende der Zensur forderte. [17] Unter dem Kriegsrecht wurde er als Regimegegner interniert. Er kam dank der Fürsprache des Kattowitzer Bischofs Herbert Bednorz [18] nach einer Woche [19] frei.

Republik Polen seit 1989[Bearbeiten]

Nach der politischen Wende von 1989/90 wurde er für ein Jahr Direktor der Kattowitzer Abteilung der TVP. Von 2000 bis 2004 leitete er die Krakauer Abteilung des staatlichen Senders. [20]

1997 wurde er erstmals als unabhängiger Kandidat auf der Liste der liberal orientierten Freiheitsunion in den Senat gewählt. 2001 wurde er wiedergewählt, er übernahm für die Legislaturperiode das Amt des stellvertretenden Senatsmarschalls. Auch 2005 wurde er in den Senat gewählt. Im Präsidentschaftswahlkampf desselben Jahres gehörte er dem Wahlkomitee des sozialdemokratischen Kandidaten Włodzimierz Cimoszewicz an. [21] Bei den vorgezogenen Parlamentswahlen 2007 errang er ein Sejm-Mandat für die liberalkonservative Bürgerplattform (PO). Doch verließ er die PO-Fraktion 2010 aus Solidarität mit dem Abgeordneten Janusz Palikot, der eine eigene ultraliberale Gruppierung gründete. [22] 2011 zog er als Unabhängiger für den Wahlkreis Kattowitz erneut in den Senat ein. [23]

Als Abgeordneter fand er wiederholt mit Angriffen auf die katholische Kirche ein Echo in den Medien, er wurde deshalb von nationalkatholischen Kreisen heftig angegriffen. Er setzte sich für die Rechte von Frauen und homosexueller Paare ein. [24]

Wiederholt kritisierte er die Politik Warschaus gegenüber seiner Heimatregion Oberschlesien. [25] Offen unterstützte er die Bewegung für die Autonomie Schlesiens (RAŚ). [26]

Filmografie als Regisseur[Bearbeiten]

  • 1958 Krzyż Walecznych (Tapferkeitskreuz)
  • 1960 Nikt nie woła (Niemand ruft)
  • 1961 Ludzie z pociągu (Menschen im Zug)
  • 1961 Tarpany (Tarpane), auch Drehbuch
  • 1963 Milczenie (Das Schweigen), auch Drehbuch,
  • 1964 Upał (Hitze)
  • 1966 Ktokolwiek wie ... (Irgendeiner weiß es ...)
  • 1967 Skok (Sprung), auch Drehbuch
  • 1969 Sól ziemi czarnej (Das Salz der schwarzen Erde), auch Drehbuch
  • 1971 Perła w koronie (Eine Perle in der Krone), auch Drehbuch Dialoge
  • 1975 Linia (Die Linie), auch Drehbuch
  • 1975 Znikąd donikąd (Von Nirgendwo ins Nirgendwo)
  • 1979 Paciorki jednego różańca (Wie Perlen im Rosenkranz), auch Drehbuch Dialoge
  • 1983 Na Straży swej stać będę (Das Losungswort), auch Drehbuch Dialoge
  • 1985 Wkrótce nadejdą bracia (Die Brüder kommen bald), auch Drehbuch
  • 1993 Straszny sen Dzidziusia Górkiewicza (Der fürchterliche Traum des Säuglings Górkiewicz)
  • 1994 Śmierć jak kromka chleba (Der Tod ist wie eine Scheibe Brot), auch Drehbuch Dialoge
  • 1994 Zawrócony (Ein Wendehals), auch Drehbuch Dialoge
  • 1995 Pułkownik Kwiatkowski (Oberst Kwiatkowski)
  • 1997 Sława i Chwała (Ruhm und Ehre)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. [1] interia.pl, 12. Februar 2009.
  2. [2] Die Welt, 12. April 2011.
  3. http://www.filmlandpolen.de/index.php?id=155
  4. [3] Die Welt, 16. Februar 2009.
  5. [4] interia.pl, 12. Februar 2009.
  6. http://www.imdb.com/title/tt0066323/
  7. http://www.imdb.com/title/tt0069078/
  8. [5] Die Welt, 16. Februar 2009.
  9. http://www.filmpolski.pl/fp/index.php/125975X
  10. [6] Gazeta Wyborcza (Ausgabe Lublin), 29. April 2013.
  11. http://www.filmpolski.pl/fp/index.php/111641
  12. [7] Webseite des Verlags „Znak“
  13. [8] Dziennik Zachodni, 5. Februar 2013.
  14. Aleksandra Klich: Cały ten Kutz. Biografia niepokorna. Kraków 2009, S.60.
  15. [9] wiadomosci24.pl, 16. Februar 2009.
  16. [10] Internet-Bulletin des Instituts für Nationales Gedenken (IPN)
  17. [11] Webseite des Nationalen Kulturzentrums der Republik Polen (NCK)
  18. http://www.katolicy.eu/PRL/Bednorz.htm
  19. [12] Internet-Bulletin des Instituts für Nationales Gedenken (IPN)
  20. [13] Webseite des Senats der Republik Polen (VIII. Legislaturperiode)
  21. http://lewica.pl/index.php?id=3044
  22. [14] Polska Times, 8. Oktober 2010.
  23. [15] Webseite des Senats der Republik Polen (VIII. Legislaturperiode)
  24. [16] fronda.pl, 26. Februar 2012.
  25. [17] film.onet.pl, 13. Mai 2013.
  26. [18] Rzeczpospolita, 21. August 2011.