Włodzimierz Cimoszewicz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Włodzimierz Cimoszewicz, 2012

Włodzimierz Cimoszewicz ( Aussprache?/i) (* 13. September 1950 in Warschau) ist ein polnischer Politiker, Jurist und ehemaliger Ministerpräsident der Republik Polen.

Cimoszewicz war stellvertretender Ministerpräsident, Justizminister und Generalstaatsanwalt (26. Oktober 1993 bis 1. März 1995), stellvertretender Sejmmarschall (3. März 1995 bis 7. Februar 1996), Ministerpräsident (7. Februar 1996 bis 31. Oktober 1997), Vorsitzender des Komitees für die Europäische Integration (15. Oktober 1996 bis 31. Oktober 1997), Außenminister (19. Oktober 2001 bis 4. Januar 2005) sowie Sejmmarschall (5. Januar 2005 bis 18. Oktober 2005). In den Jahren 1989 bis 2005 war er des Weiteren Abgeordneter im Sejm und ist seit 2007 Abgeordneter im Senat.

Er ist Träger des Verdienstordens von Frankreich und Griechenland.

Ausbildung[Bearbeiten]

Cimoszewicz ist Absolvent des XIX. Allgemeinbildenden Lyzeums in Warschau und der Fakultät für Recht und Verwaltung der Universität Warschau (1972). Im Jahr 1978 erwarb er den Titel eines Dr. jur. und spezialisierte sich im Völkerrecht. In den Jahre 1972-1985 arbeitete er zuerst als Assistent und danach als Adjunkt im Institut für Völkerrecht der Universität Warschau[1]. Von 1980 bis 1981 war er Stipendiat des Fulbright-Programms an der Columbia University in New York. Er wurde mit dem Titel eines Doktor honoris causa zweier amerikanischer Universitäten ausgezeichnet.

Politische Tätigkeit in der Volksrepublik[Bearbeiten]

Cimoszewicz begann seine politische Karriere in der Volksrepublik als Funktionär in verschiedenen Jugendorganisationen. Er war unter anderem in den Jahren 1968 bis 1973 Mitglied des Sozialistischen Jugendverbands (Związek Młodzieży Socjalistycznej) und im Polnischen Studentenbund zu dessen Vorsitzender an der Universität Warschau er im Jahr 1972 gewählt wurde. Von 1971 bis zu ihrer Selbstauflösung im Januar 1990 gehörte er der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei (Polska Zjednoczona Partia Robotnicza, PZPR) an. Während seiner Arbeit an der Universität war er Sekretär der Hochschulkommission der Partei. Im Jahre 1985 zog er sich aus der Politik zurück und übersiedelte nach Kalinówka Kościelna in der heutigen Woiwodschaft Podlachien, wo er sich um den landwirtschaftlichen Betrieb seiner Schwiegereltern kümmerte.

Er kehrte nach den Änderungen, die der Runde Tisch ausgelöst hatte, zur Politik zurück und wurde in den Jahren 1989 und 1990 Abgeordneter für die PZPR im Sejm[2].

Politische Tätigkeit in der Dritten Republik[Bearbeiten]

1990 kandidierte er bei der Präsidentschaftswahl und erreichte mit 9,21 % der gültig abgegebenen Stimmen den vierten Platz. 1991 bis 1993 war er Vorsitzender im Wahlkomitee SLD.

1995 bis 1997 führte er als Ministerpräsident eine sozialdemokratische Regierung. Von 2001 bis 2005 war er in der Regierung Leszek Miller und Marek Belka Außenminister. Am 5. Januar 2005 wurde er vom Sejm zum Parlamentspräsidenten (Sejmmarschall) gewählt. Er löste damit Józef Oleksy ab. Sein Nachfolger als Außenminister wurde sein bisheriger Stellvertreter Adam Daniel Rotfeld.

Cimoszewicz war der SLD-Kandidat bei den Staatspräsidentschaftswahlen am 9. Oktober 2005 und galt gemäß den Meinungsumfragen zeitweise als der aussichtsreichste Bewerber für das höchste Amt des Staates.[3] Die Negativkampagne in den Massenmedien, die auf den Betrugsvorwürfen seitens seiner ehemaligen Assistentin Anna Jarucka basierte, verursachte jedoch einen Einsturz in den Meinungsumfragen. Daraufhin zog Cimoszewicz seine Kandidatur am 14. September in diesem Zusammenhang zurück.[4] Die Dokumente, die Cimoszewicz belasten sollten, haben sich jedoch als mithilfe eine Kopierers gefälscht erwiesen, dabei war eine angebliche Unterschrift Cimoszewiczs ein Faksimile. Jarucka wurde im Mai 2010 wegen Falschaussage, Urkundenunterdrückung und Urkundenfälschung zu anderthalb Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.[5]

Bei den Parlamentswahlen am 21. Oktober 2007 wurde er als einer von drei Vertretern des Wahlkreises Białystok sowie als einziger Unabhängiger neben 60 PO- und 39 PiS-Senatoren in den Senat gewählt. Bei den Wahlen 2011 hat er sein Mandat erfolgreich verteidigt.

Quellen[Bearbeiten]

  1. [1] Cimoszewicz Kurzbiographie onet.pl (auf Polnisch)
  2. [2] Kurzbiographie auf wprost.pl (auf Polnisch)
  3. TNS OBOP: Preferencje prezydenckie na trzy miesiące przed wyborami. In: tnsglobal.pl. 10. Juli 2005, abgerufen am 7. Januar 2013 (polnisch): „Liderem rankingu prezydenckiego jest Włodzimierz Cimoszewicz (...) Poparcie dla niego zadeklarowało 31% ogółu osób deklarujacych zamiar głosowania o sprecyzowanych preferencjach. (...) Lech Kaczynski 16, Andrzej Lepper 15, Zbigniew Religa 14, Donald Tusk 8“
  4. PAP: Cimoszewicz: wycofuję się z kandydowania! In: wp.pl. 14. September 2005, abgerufen am 7. Januar 2013 (polnisch).
  5. asl: Anna Jarucka skazana. In: tvp.info. 31. Mai 2010, abgerufen am 6. Januar 2013 (polnisch).

Siehe auch[Bearbeiten]