Kennzeichnung der Häftlinge in den Konzentrationslagern

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Niederländische Juden, die mit einem gelben Stern und N markiert wurden, auf dem Appellplatz im KZ Buchenwald (Februar 1941)

Die Kennzeichnung der Häftlinge in den Konzentrationslagern diente zur Gruppierung und Kenntlichmachung der Gefangenen in den Konzentrationslagern während der Zeit des Nationalsozialismus. Sie erleichterte dem Wachpersonal die Erkennung der von der SS verwendeten Gruppierung der KZ-Häftlinge nach Ländern, „Rasse“, Vorverurteilungen etc. Die Häftlingsnummer ersetzte im Lager den Namen der gefangenen Personen.

Kurzbeschreibung[Bearbeiten]

Die Kennzeichnung geschah mit Hilfe von farbigen Stoff-Dreiecken, deren Spitzen nach unten, oder unterlegt, nach oben zeigten. Die Abzeichen, auch „Winkel“ genannt, wurden auf die gestreifte KZ-Häftlingskleidung genäht (Jacken und Hemd), damit die Wächter den Grund ihrer Inhaftierung erkennen konnten.

Weitere Differenzierungen wurden nach Nationalitäten und den Aufgaben als Funktionshäftling (beispielsweise Kapos, Stubenältester bzw. Block- oder Barackenältester) vorgenommen. In den ersten KZ-Jahren und zum Teil auch später wurden die Häftlingsnummern auch auf der Kleidung angebracht.

Schautafel: „Kennzeichen für Schutzhäftlinge in den Konzentrationslagern“; Lehrmaterial für SS-Wachmannschaften

Die Prägung wurde entsprechend den Gefahrenschildern in Deutschland gewählt. Zusätzlich zur Farbkodierung wurden Häftlingsgruppen Buchstaben in dem Dreieck eingefügt, um ihr Herkunftsland anzuzeigen. Ein rotes Dreieck mit einem „F“ zum Beispiel wies auf einen politischen Gefangenen aus Frankreich hin.

Die häufigsten „Winkel“ waren:

Doppelte Dreiecke:

  • zwei gelbe Winkel, die aufeinander gesetzt waren und so den Judenstern bildeten
  • ein roter Winkel auf einem gelben – ein Jude, der als politischer Häftling inhaftiert war

Die verschiedenen Markierungen wurden von einem Häftling gleichzeitig getragen, gelegentlich sogar mehr als sechs: so die Anfangsbuchstaben des Herkunftslandes:

Form und Farbe der Markierung von Lagerhäftlingen in den Konzentrationslagern

Politisch Kriminell Emigrant
Bibelforscher Homosexuell Asozial
Einfache Winkel Red triangle.svg Green triangle.svg Blue triangle.svg Purple triangle.svg Pink triangle.svg Black triangle.svg
Wiederholte Insassen Red triangle repeater.svg Green triangle repeater.svg Blue triangle repeater.svg Purple triangle repeater.svg Pink triangle repeater.svg Black triangle repeater.svg
Angehörige einer Strafkompanie Red triangle penal.svg Green triangle penal.svg Blue triangle penal.svg Purple triangle penal.svg Pink triangle penal.svg Black triangle penal.svg
Markierungen für Juden Red triangle jew.svg Green triangle jew.svg Blue triangle jew.svg Purple triangle jew.svg Pink triangle jew.svg Black triangle jew.svg
Spezielle Markierungen Male race defiler.svg
„Jüd. Rasseschänder
Female race defiler.svg
„Rasseschänderin“
Escape suspect.svg
Fluchtgefahr
Inmate number.svg
Häftlingsnummer
Sleeve badges.svg

Die anwendbaren Markierungen wurden in folgender Reihenfolge getragen: Häftlingsnummer, Streifen für wiederholte Insassen, Winkel oder Stern, Mitglied einer Strafkompanie, Fluchtverdächtiger
Red triangle Pole.svg
Pole: „P“ auf einem roten Winkel
Red triangle Czech.svg
Tscheche: „T“ auf einem roten Winkel
Armed forces red triangle.svg
Wehrmachtsangehöriger: Umgedrehter roter Winkel
Special inmate.svg
Besonderer Häftling: Braunes Armband

Häftlingsnummern[Bearbeiten]

Jeder Häftling erhielt bei der Aufnahme in ein KZ-Stammlager eine Registrierungsnummer (Häftlingsnummer). Ab sofort hatte er im Lager keinen Namen mehr, sondern wurde mit dieser Nummer genannt und musste sich jedem ihm Vorgesetzten mit dieser Nummer melden (bei abgenommener Kappe und in strammer Hab-acht-Haltung).

Alex Deutsch, ehemaliger KZ-Häftling, zeigt seine eintätowierte KZ-Nummer (2006)
Tätowierte Nummer eines Auschwitz-Häftlings

Im Normalfall wurden die Häftlingsnummern an der Kleidung angebracht. Nur im Konzentrationslager Auschwitz wurden Häftlinge auch tätowiert. Einerseits um Verwechslungen von entkleideten Leichen auszuschließen und andererseits um geflohene Häftlinge leichter zu identifizieren. Normalerweise wurde die Häftlingsnummer auf den linken Unterarm tätowiert. Als Ausnahmen galten Kinder, die im Lager geboren worden waren. Da auf ihren Unterarmen nicht ausreichend Platz für eine Tätowierung war, wurden sie stattdessen auf anderen Stellen (z. B. Oberschenkel) tätowiert.

In Auschwitz gab es zusätzlich noch andere Einstufungen. Beispielsweise die "Z-Serie". Diese Nummern nutzte man ab dem 26. Februar 1943 für das Zigeuner-Lager. Die "R-Reihe" bekamen russische Kriegsgefangene ab 7. Oktober 1941. Weiterhin gab es dort von Mai bis August 1944 für Männer die "A-Serie" und anschließend bis November die "B-Serie". Außerdem führte man die "A- und B-Serie" ab Mai 1944 für so genannte "Transport-Juden" ein.[2]

Die Nummern der so erfassten Häftlinge wurden in einer Buchhaltung in jedem Lager erfasst und bei den zwei täglichen Appellen auf dem Appellplatz vorgelesen. Vor und nach dem Ausrücken zu Arbeitskommandos wurden Veränderungen (Tod, Übergang ins Revier, Entlassungen) anhand dieser Nummern kontrolliert. Sie dienten auch zur In-Rechnung-Stellung der Häftlingsarbeit an daran beteiligte Firmen, Kleinbetriebe oder Behörden.

Anhand der Nummern in den verschiedenen Lagerbuchhaltungen war in der Nachkriegszeit teilweise eine Verfolgung einzelner Gefangenentransporte zwischen den Konzentrationslagern auch dann möglich, wenn die Häftlinge später getötet wurden oder als vermisst galten. Besonders bei Gefangenentransporten aus den besetzten Ländern Europas war dies oft die einzige Möglichkeit, Todesort und wahrscheinlichen Todeszeitpunkt enger zu bestimmen.

Zum Teil enthielten die Nummern-Serien einzelner KZ-Lager Zusätze für einzelne Opfergruppen. Bei einer Verlegung in ein anderes Stammlager wurden zum Teil neue Nummern vergeben.

Literatur[Bearbeiten]

  • Eugen Kogon: Der SS-Staat. Das System der deutschen Konzentrationslager (= Heyne-Bücher## 19 = Heyne-Sachbuch 9). Genehmigte, ungekürzte Taschenbuchausgabe, 43. Auflage. Heyne, München 2006, ISBN 3-453-02978-X.
  • Christa Schikorra: Kontinuitäten der Ausgrenzung. „Asoziale“ Häftlinge im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück (= Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin. Reihe Dokumente, Texte, Materialien. Bd. 41). Metropol, Berlin 2001, ISBN 3-932482-60-3.
  • Helga Amesberger; Katrin Auer; Brigitte Halbmayr: Sexualisierte Gewalt. Weibliche Erfahrungen in NS-Konzentrationslagern, Mandelbaum Verlag, Wien 2004, ISBN 3-85476-118-X.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. zum Thema lesbische Frauen, die angeblich mit schwarzem Winkel gekennzeichnet wurden, siehe Homosexuelle während der Zeit des Nationalsozialismus
  2. GELSENZENTRUM - Portal für Stadt- und Zeitgeschichte