Klaus Wiesehügel

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Klaus Wiesehügel

Klaus Wiesehügel (* 1. Mai 1953 in Mülheim an der Ruhr) ist Bundesvorsitzender der IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) seit 7. November 1995. Zuletzt wurde er 2009 wiedergewählt.

Leben [Bearbeiten]

Wiesehügel wurde als Sohn eines Betonbauers geboren. Bis 1958 lebte er auf dem Bauernhof seines Großvaters. Nach dem Abschluss der Fachoberschule (FOS) erlernte er von 1969 bis 1972 den Beruf des Betonbauer. Anschließend arbeitete er bis 1974 beim Baukonzern Hochtief. 1974 wurde er Nachwuchssekretär der Industriegewerkschaft Bau-Steine-Erden (IG BSE). 1975 besuchte er für ein Jahr die Sozialakademie Dortmund (SAD). 1978 bis 1983 war er Sekretär der gewerkschaftlichen Bezirksverbände Mülheim/Oberhausen und Krefeld. [1]

1995 wurde Wiesehügel zum Bundesvorsitzenden der IG BAU gewählt, in der Nachfolge von Bruno Köbele. Seither steht er an der Spitze der viertgrößten Einzelgewerkschaft im DGB. 2002 hat Wiesehügel einen Arbeitskampf erfolgreich beendet – den ersten Bauarbeiterstreik seit dem Zweiten Weltkrieg überhaupt.[2] 2005 wurde Wiesehügel mit 94,1 Prozent der Stimmen bestätigt – sein bis dato bestes Ergebnis.[3]

Während seiner Amtszeit als IG BAU-Bundesvorsitzender sank die Zahl der Beschäftigten im Baugewerbe von 1,3 Mio. im Jahr 1996 auf 740 Tsd. im Jahr 2011. Die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder ging von 692.466 (1996) auf 297.763 (2012) zurück.[4][5]. In der Auseinandersetzung um die Übernahme der Aktienmehrheit des deutschen Baukonzerns Hochtief durch den spanischen Baukonzern Actividades de Construcción y Servicios im Jahr 2010 vereinbarte die IG BAU unter der Führung Wiesehügels, der auch Mitglied des Hochtief-Aufsichtsrats war, mit der ACS, dass Hochtief auch nach der Übernahme eine eigenständige Gesellschaft nach deutschem Aktienrecht bleiben werde, dass die deutschen Tarifverträge und die Betriebsvereinbarungen respektiert würden und dass die ACS als Mehrheitsaktionär gegenüber dem für das operative Geschäft allein verantwortlichen Vorstand nicht auf betriebsbedingte Kündigungen drängen werde.[6] Dafür wurde Wiesehügel von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitzer und dem Betriebsrat der Hochtief AG heftig kritisiert, der Wiesehügel vorwarf, durch die Vereinbarung mit ACS die Übernahme erst ermöglicht zu haben und somit die Interessen der Hochtief-Arbeiter verraten zu haben.[7]

Wiesehügel ist der erste Präsident der Bau- und Holzarbeiter Internationale (BHI), die im Dezember 2005 aus einer Fusion des Internationalen Bundes der Bau- und Holzarbeiter (IBBH) und des Weltverbandes der Bau- und Holzarbeiterorganisationen (WVBH) entstand. Auf dem 2. BHI-Kongress 2009 wurde er in diesem Amt bestätigt. Der BHI repräsentiert ca. 12 Millionen Gewerkschaftsmitglieder aus 130 Ländern.

In der 14. Wahlperiode (1998 bis 2002) war Wiesehügel Abgeordneter der SPD im Deutschen Bundestag und gehörte in dieser Zeit zu den schärfsten internen Kritikern des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder. Er gilt als einer der Hauptinitiatoren eines SPD-internen Gegenpapiers zum so genannten Schröder-Blair-Papier, dem Vorgänger der Agenda 2010. Die „Rente mit 67“ bekämpfte die IG BAU unter Wiesehügels Führung am heftigsten von allen DGB-Gewerkschaften. Als Mitglied der sogenannten Rürup-Kommission während der 15. Wahlperiode gab er gemeinsam mit anderen gewerkschaftlich orientierten Kommissionsmitgliedern ein Minderheitenvotum ab.

Im Mai 2013 holte Kanzlerkandidat Peer Steinbrück Wiesehügel als erstes Mitglied in sein Schattenkabinett, Wiesehügel übernahm die Bereiche Arbeit und Soziales.[8]

Beim nächsten Gewerkschaftstag der IG Bauen-Agrar-Umwelt im September 2013 steht Wiesehügel für eine weitere Amtszeit für den Vorsitzenden der Gewerkschaft IG Bauen-Agrar-Umwelt nicht mehr zur Verfügung. [9]

Klaus Wiesehügel ist Mitglied im Verwaltungsrat der Landwirtschaftlichen Rentenbank.

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Munzinger Online: Klaus Wiesehügel
  2. Klaus Wiesehügel im Porträt Arbeitskämpfer wider Willen, F.A.Z. 07. Juni 2007
  3. Klaus Wiesehügel im Porträt Arbeitskämpfer wider Willen, F.A.Z. 07. Juni 2007
  4. DGB-Mitgliederzahlen 1994-1999, Mitgliederzahlen IG BAU 1996, www.dgb.de
  5. DGB-Mitgliederzahlen 1994-1999, Mitgliederzahlen IG BAU 2012, www.dgb.de
  6. Pressemitteilung der IG BAU und Vereinbarungstext als pdf-datei
  7. Nach Deal mit ACS: Hochtief-Betriebsrat fordert Rücktritt von Gewerkschaftern, Spiegel online 29. Dezember 2010
  8. Steinbrück holt Gewerkschaftsboss ins Schattenkabinett, Spiegel online 10. Mai 2013
  9. http://www.igbau.de/Zwei_IG_BAU-Bundesvorstaende_erklaeren_Verzicht_auf_weitere_Amtsperiode.html, www.igbau.de

Weblinks [Bearbeiten]