Kleine Braunelle

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Kleine Braunelle
Kleine Braunelle (Prunella vulgaris)

Kleine Braunelle (Prunella vulgaris)

Systematik
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
Unterfamilie: Nepetoideae
Tribus: Mentheae
Untertribus: Nepetinae
Gattung: Braunellen (Prunella)
Art: Kleine Braunelle
Wissenschaftlicher Name
Prunella vulgaris
L.

Die Kleine Braunelle, auch Kleine Brunelle oder Gewöhnliche Braunelle (Prunella vulgaris) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Braunellen (Prunella) in der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae).

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Kleine Braunelle ist ein immergrüner, meist ausdauernder Hemikryptophyt. Sie bildet wurzelnde oberirdische Ausläufer aus, mit denen sie sich auch vegetativ vermehren kann. Die Stängel werden 5 bis 30 cm groß, sind aufsteigend und spärlich behaart. Die Blätter sind gestielt, ungeteilt, elliptisch oder eiförmig, mit ganzem oder gekerbtem Rand.

Der dicht gedrängte Blütenstand ist 1 bis 4 cm lang und sitzt meist unmittelbar oberhalb des obersten Laubblattpaares. Die Kelch-Oberlippe endet in drei sehr kurzen Zähnen, deren mittlerer viel breiter ist als die seitlichen, die Unterlippe in zwei lanzettlichen, spitzen Zähnen. Die etwa 7 bis 15 mm langen Kronblätter sind blauviolett, nur ganz selten weißlich gefärbt.

Selten kommen Pflanzen nur mit weiblichen Blüten vor, bei denen die Krone deutlich kleiner ist und den Kelch kaum überragt.

Zu der ähnlichen Großblütigen Braunelle sind folgende Merkmale verschieden: Das oberste Laubblattpaar befindet sich direkt am Grund des Blütenstandes. Die etwa 7 bis 15 mm lange Krone ist höchstens doppelt so lang wie der Kelch. [1]

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 28.[2]

Ökologie[Bearbeiten]

Die klebrigen Klausen-Früchte sind vom Fruchtkelch umschlossen, der sich bei feuchtem Wetter innerhalb einer Minute hydrochas öffnet und dann waagrecht absteht. Fallen Regentropfen auf diese verlängerte Kelchlippe, so werden die Klausen herausgeschleudert. Die Klausen werden also als Regenballist ausgebreitet; aber auch eine Ausbreitung als Klebhafter sowie eine Zufallsausbreitung durch Huftiere ist möglich. Fruchtreife erfolgt ab August. Die langlebigen Samen sind Lichtkeimer.[3]

Vorkommen[Bearbeiten]

Die Kleine Braunelle blüht von Juni bis Oktober auf Halbtrockenrasen, auf Kriech- und Trittrasen, auf feuchten Wiesen oder Weiden, oder an Rändern von Waldwegen. Die Pflanze ist vom mediterranen bis zum borealen Europa und West-Asien weit verbreitet und wurde in die gemäßigten Klimazonen der Nord- und Südhalbkugel weithin verschleppt. Sie ist in Mitteleuropa eine weit verbreitete, häufige Pflanze und kommt vom Flachland bis in das Hochgebirge bis etwa 2000 m Höhe vor. [1] Bestäubt werden ihre Blüten besonders von Hummeln und anderen Hautflüglern.

Pharmakologie und Ethnobotanik[Bearbeiten]

Die Kleine Braunelle wurde im Mittelalter zur Behandlung der Bräune-Krankheit, welche Hautverfärbungen hervorruft, verwendet. Junge, nichtblühende Pflanzenteile können auch als Salat oder als Gewürz verwendet werden.[4]

Die Pflanze enthält Gerbstoffe (Tannin), Flavonoide, Terpene (1,8-Cineol, Campher), Triterpene (Ursolsäure), Saponine und andere wirksame Bestandteile. Sie wird im asiatischen Raum als traditionelle Heilpflanze bei verschiedenen Beschwerden angewandt. In Europa ist sie mittlerweile weniger bekannt. Eventuelle adstringierende Anwendungen sind durch die enthaltenen Gerbstoffe erklärbar, und die bekannten Terpene wirken natürlich genauso wie in anderen ätherischen Ölen.[5][6][7]

Die in der Kleinen Braunelle enthaltene Rosmarinsäure ist die Ursache für ihre Anwendung in der Kosmetikindustrie, die sie in Präparaten zum Schutz der Haut vor Ultraviolett-Strahlung verarbeitet.[8] Zubereitungen aus der Fruchtähre sind bei Mäusen immunsuppressiv.[9] Andererseits konnte in einer Labor-Studie von 1986 einem Inhaltsstoff der Kleinen Braunelle, dem Polysaccharid Prunellin, eine gewisse Aktivität gegen das HI-Virus belegt werden[10] und in einer anderen Labor-Studie die Wirksamkeit gegen Herpes simplex-Stämme gezeigt werden, die gegen Aciclovir resistent waren.[11]

Illustration

Quellen[Bearbeiten]

  1. a b  Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. Pteridophyta, Spermatophyta. 2. Auflage. Band V. Teil 4: Angiospermae: Dicotyledones 3 (4) (Labiatae – Solanaceae), Carl Hanser bzw. Paul Parey, München bzw. Berlin/Hamburg 1964, ISBN 3-489-78021-3, S. 2380–2382 (unveränderter Nachdruck von 1927 mit Nachtrag).
  2.  Eckehart J. Jäger, Klaus Werner (Hrsg.): Exkursionsflora von Deutschland. Begründet von Werner Rothmaler. 10., bearbeitete Auflage. Band 4: Gefäßpflanzen: Kritischer Band, Elsevier, Spektrum Akademischer Verlag, München/Heidelberg 2005, ISBN 3-8274-1496-2.
  3.  Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Porträt. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.
  4.  Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands. Ein botanisch-ökologischer Exkursionsbegleiter zu den wichtigsten Arten. 6. völlig neu bearbeitete Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2005, ISBN 3-494-01397-7.
  5. T. Kimura et al. (Hrsg.): International Collation of Traditional and Folk Medicine: Northeast Asia. World Scientific 1996, ISBN 981-022589-X, S. 147.
  6. Eintrag bei Dr. Duke's Phytochemical and Ethnobotanical Databases
  7. J. K. Crellin: Reference Guide to Medicinal Plants. Duke University Press, 1990, ISBN 0-8223-1019-8, S. 386.
  8. Jitka Psotova, Alena Svobodova, Hana Kolarova, Daniela Walterova: Photoprotective properties of Prunella vulgaris and rosmarinic acid on human keratinocytes. In: Journal of Photochemistry and Photobiology B: Biology. Band 84, Nr. 3, 2006, S. 167–174, doi:10.1016/j.jphotobiol.2006.02.012, PMID 16631374.
  9. Hong-Xiang Sun, Feng Qin, Yuan-Jiang Pan: In vitro and in vivo immunosuppressive activity of Spica Prunellae ethanol extract on the immune responses in mice. In: Journal of Ethnopharmacology. Band 101, Nr. 1–3, 2005, S. 31–36, doi:10.1016/j.jep.2005.03.023, PMID 15919165.
  10. Hani D. Tabba, R. Shihman Chang, Kevin M. Smith: Isolation, purification, and partial characterization of prunellin, an anti-HIV component from aqueous extracts of Prunella vulgaris. In: Antiviral Research. Band 11, Nr. 5–6, 1989, S. 263–273, doi:10.1016/0166-3542(89)90036-3, PMID 2802570.
  11. Lawrence Chi-Ming Chiu, Wen Zhu, Vincent Eng-Choon Ooi: A polysaccharide fraction from medicinal herb Prunella vulgaris downregulates the expression of herpes simplex virus antigen in Vero cells. In: Journal of Ethnopharmacology. Band 93, Nr. 1, 2004, S. 63–68, doi:10.1016/j.jep.2004.03.024, PMID 15182906.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kleine Braunelle – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien