Kleiner Grenzverkehr

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Dieser Artikel behandelt den grenznahen Verkehr zwischen unterschiedlichen Staaten. Zur Liebesgeschichte von Erich Kästner siehe Der kleine Grenzverkehr.

Als Kleiner Grenzverkehr wird der besonderen Regeln unterworfene grenznahe Verkehr zwischen unterschiedlichen Staaten bezeichnet.

Er wird in der Regel auf einen in festgelegten Grenzzonen wohnhaften Personenkreis beschränkt und unterliegt besonderen Einschränkungen bei der Mitführung von Waren und Gegenständen. Durch bilaterale Vereinbarungen wird der genaue Umfang des Grenzverkehrs festgelegt. Nach deutschem Recht werden Grenzübertritte, die nur für den kleinen Grenzverkehr zugelassen sind, ebenso wie grenzüberschreitende Wanderwege nicht als Grenzübergang bezeichnet.

Beispiele für Kleinen Grenzverkehr sind Deutsches Reich und Österreich (1933–1938), die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratische Republik, Österreich und Jugoslawien bzw. Slowenien (1953–1993),[1][2] sowie Polen und Tschechien.

Grenznaher Verkehr zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik[Bearbeiten]

Bereiche des grenznahen Verkehrs mit Übergängen (Stand 1982)
Antragsformular zur Erteilung eines Mehrfach-Berechtigungssscheines
Mehrfach-Berechtigungsschein

1972 wurde ein Verkehrsabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik ratifiziert. Ein Zusatzprotokoll enthielt eine „Information der DDR zu Reiseerleichterungen“. Der am 26. Mai 1972 in Berlin unterzeichnete Vertrag trat am 17. Oktober 1972 in Kraft. Reiseberechtigt war jeder Einwohner der Bundesrepublik, der in den einzeln als „grenznah“ aufgeführten Städten und Landkreisen seine Hauptwohnung hatte. Besucht werden konnten wieder nur die Gebiete der DDR, die als „grenznahe Kreise der DDR (Stadt- und Landkreise)“ einzeln aufgeführt waren (siehe unten), wobei bestimmte in Grenznähe gelegene Gemeinden und Ortsteile ausgenommen waren. Es waren jährlich 30 Tagesaufenthalte, bei höchstens neun Besuchstagen im Vierteljahr, erlaubt. Es konnten sowohl Verwandte als auch Bekannte besucht werden, aber auch Reisen aus rein touristischen Gründen waren erlaubt. Die Einreise musste grundsätzlich an dem Übergang erfolgen, der dem Besuchsort am nächsten lag. Das Einreisevisum wurde an der Grenze erteilt. Der Reisepass und der „Mehrfach-Berechtigungsschein“, der vier bis sechs Wochen vorher beantragt werden musste, waren vorzuzeigen. Antragsformulare für Berechtigungsscheine erhielt der Einreisende bei seiner Kommunalbehörde. Jugendliche unter 16 Jahren durften grundsätzlich nur in Begleitung eines Erwachsenen einreisen. Für jeden Tagesaufenthalt wurde eine Visagebühr von 5,00 DM fällig. Zusätzlich war ein Mindestumtausch von 25,00 Deutsche Mark in 25,00 Mark der DDR (Stand 1980), der nicht rücktauschbar war, vorgeschrieben. Es durften bei der Ausreise lediglich Gegenstände im Wert von 20,00 Mark der DDR gebührenfrei mitgeführt werden.

Die Ausreise musste am gleichen Kalendertag wie die Einreise erfolgen.

Übergänge des grenznahen Verkehrs in der Bundesrepublik und der DDR[Bearbeiten]

Übergänge per Bahn[Bearbeiten]

Übergänge für Kraftfahrzeuge[Bearbeiten]

Omnibuspendelverkehr[Bearbeiten]

An den Straßenübergangsstellen für Kraftfahrzeuge (ausgenommen an den Autobahnübergängen Gudow/Zarrentin, Helmstedt/Marienborn und Rudolphstein/Hirschberg) war zusätzlich auf beiden Seiten der Grenze ein Omnibuspendelverkehr eingerichtet. Die Omnibusse der Verkehrsunternehmen aus dem Bundesgebiet durften nur bis zur Wendeschleife bzw. Service-Station hinter der jeweiligen Grenzübergangsstelle in der DDR fahren. In den westdeutschen Bussen wurde dann noch die Abfertigung vorgenommen. Danach fuhren von hier die Pendelbusse der DDR weiter. Die Weiterfahrt vom Grenzübergang per Taxi oder die Abholung durch Verwandte oder Bekannte war auch möglich.

Städte und Landkreise des deutsch-deutschen Grenzverkehrs[Bearbeiten]

In der Bundesrepublik[Bearbeiten]

  • 01. Bad Kissingen
  • 02. Stadt und Landkreis Bamberg
  • 03. Stadt und Landkreis Bayreuth
  • 04. Stadt Braunschweig
  • 05. Celle
  • 06. Stadt und Landkreis Coburg
  • 07. Forchheim
  • 08. Fulda
  • 09. Gifhorn
  • 10. Göttingen
  • 11. Goslar
  • 12. Hamburg
  • 13. Landkreis Hannover
  • 14. aus der Stadt Hannover: Gemeindeteil Isernhagen-NB-Süd
  • 15. Landkreis Harburg
  • 16. Haßberge
  • 17. Helmstedt
  • 18. Hersfeld-Rotenburg
  • 19. Herzogtum Lauenburg
  • 20. Hildesheim
  • 21. Stadt und Landkreis Hof
  • 22. Holzminden
  • 23. Stadt und Landkreis Kassel
  • 24. Kiel
  • 25. Kronach
  • 26. Kulmbach
  • 27. Lichtenfels
  • 28. Hansestadt Lübeck
  • 29. Lüchow-Dannenberg
  • 30. Lüneburg
  • 31. Main-Kinzig-Kreis
  • 32. Marburg-Biedenkopf
  • 33. Stadt Neumünster
  • 34. Northeim
  • 35. Osterode im Harz
  • 36. Ostholstein
  • 37. Peine
  • 38. Plön
  • 39. Rhön-Grabfeld
  • 40. Stadt Salzgitter
  • 41. Schwalm-Eder-Kreis
  • 42. Stadt und Landkreis Schweinfurt
  • 43. Segeberg
  • 44. Soltau-Fallingbostel
  • 45. Stormarn
  • 46. Tirschenreuth
  • 47. Uelzen
  • 48. Vogelsbergkreis
  • 49. Werra-Meißner-Kreis
  • 50. Wolfenbüttel
  • 51. Stadt Wolfsburg
  • 52. Wunsiedel im Fichtelgebirge

In der DDR[Bearbeiten]

  • 01. Wismar (Stadt und Landkreis)
  • 02. Grevesmühlen
  • 03. Gadebusch
  • 04. Schwerin (Stadt und Landkreis)
  • 05. Hagenow
  • 06. Ludwigslust
  • 07. Parchim
  • 08. Perleberg
  • 09. Seehausen
  • 10. Salzwedel
  • 11. Osterburg
  • 12. Kalbe
  • 13. Klötze
  • 14. Stendal
  • 15. Gardelegen
  • 16. Tangerhütte
  • 17. Haldensleben
  • 18. Wolmirstedt
  • 19. Wanzleben
  • 20. Oschersleben
  • 21. Staßfurt
  • 22. Halberstadt
  • 23. Aschersleben
  • 24. Wernigerode
  • 25. Quedlinburg
  • 26. Nordhausen
  • 27. Sangerhausen
  • 28. Worbis
  • 29. Heiligenstadt
  • 30. Sondershausen
  • 31. Mühlhausen
  • 32. Langensalza
  • 33. Eisenach
  • 34. Gotha
  • 35. Bad Salzungen
  • 36. Schmalkalden
  • 37. Meiningen
  • 38. Suhl
  • 39. Hildburghausen
  • 40. Ilmenau
  • 41. Neuhaus
  • 42. Sonneberg
  • 43. Rudolstadt
  • 44. Saalfeld
  • 45. Pößneck
  • 46. Lobenstein
  • 47. Schleiz
  • 48. Zeulenroda
  • 49. Greiz
  • 50. Plauen (Stadt und Landkreis)
  • 51. Oelsnitz
  • 52. Reichenbach
  • 53. Auerbach
  • 54. Klingenthal

(Stand: März 1989)

Die Großstädte Hamburg und Hannover wurden erst später in den Kleinen Grenzverkehr einbezogen, da die DDR offensichtlich einen zu starken Besucherandrang befürchtete.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/BgblPdf/1993_177_0/1993_177_0.html
  2. http://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/BgblPdf/1993_177_0/1993_177_0.html