Kloster Polling

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Kloster Polling auf einem Stich von Michael Wening
Die ehemalige Klosterkirche

Das Kloster Polling ist ein ehemaliges Benediktiner- und später Augustiner-Chorherrenstift in Polling in Oberbayern.

Geschichte[Bearbeiten]

Es wurde wohl nur der Legende nach von Herzog Tassilo III. von Bayern um 750 gegründet, vermutlich waren die Gründer Mitglieder der Huosi, einer einheimischen Adelsfamilie. Das Kloster Polling wirkte maßgeblich an der Finanzierung der vom Kloster Steingaden in den Jahren 1745 bis 1754 erbauten Wieskirche mit.

Das ursprünglich den Benediktinern zugerechnete Kloster musste Enteignungen unter Arnulf I. von Bayern hinnehmen und wurde in den Ungarnkriegen stark beschädigt. Ab 1010 lebten wieder Regularkanoniker in Polling, die nach Beginn des 12. Jahrhunderts nach den Regeln des Augustinus lebten. Eine neue Kirche wurde gebaut und 1160 durch den Bischof von Brixen geweiht. Etwa um diese Zeit werden auch erstmals Kanonissen erwähnt, die um 1300 die benediktinische Regel annahmen und nach Benediktbeuern wechselten. Im 13. Jahrhundert wurde Polling Ziel der Wallfahrten "Zum Kreuz".

Die Kirche brannte zu Beginn des 15. Jahrhunderts ab und wurde zwischen 1416 und 1420 in gotischem Stil neu errichtet. Propst Johannes Zinngießer ließ in seiner Wirkungszeit von 1499 bis 1523 die Präfektur, das Refektorium und die Bibliothek errichten, die Kirche wurde in spätgotischem Stil gestaltet. Aus dieser Zeit etwa um 1526 stammt auch die von Hans Leinberger geschnitzte Madonna. Johannes Eck soll sich um diese Zeit mehrfach in Polling aufgehalten haben.

1714 begann der Neubau des Klosters, ab 1721 wurde die Klosterschule erweitert und dort wurde fortan nach dem Lehrplan der Jesuiten gearbeitet. Eusebius Amort (1692–1775) war einer der Lehrer, er gab auch die Zeitschrift „Parnassus Boicus“ mit Artikeln zu Physik, Chemie, Astronomie, Meteorologie, Geschichte und Grammatik heraus und gehörte später zu den Gründern der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Einer seiner Schüler war Franz Töpsl, der als Propst in seiner Wirkungszeit von 1744 bis 1796 die Bibliothek ausbauen und die Kirche im Rokokostil umgestalten ließ. Er sorgte für naturwissenschaftliche Kabinette und ließ eine Sternwarte errichten. Zum Ansporn für seine Mitbrüder, wissenschaftlich tätig zu sein, ließ Töpsl gemalte Porträts gelehrter Augustiner-Chorherren fertigen und in den Gängen des Stifts aufhängen. Die Reste dieser einstmals mehr als 200 Porträts umfassenden Chorherrengalerie (Pollinger Pinakothek) befinden sich heute im Besitz des Archivs der Ludwig-Maximilians-Universität München, denn nach wechselvoller Geschichte wurde das Kloster 1803 säkularisiert.

Die verschleppte Klosterbibliothek umfasste 88.000 Bände, von denen etwa 20.000 in die Hofbibliothek nach München und 7.000 in die Universitätsbibliothek Ingolstadt gelangten. Die Mehrzahl der Bücher wurde zu Makulatur. Die Gebäude wurden in den Jahren von 1805 bis 1807 weitgehend abgebrochen.

Heutige Nutzung[Bearbeiten]

Die bedeutende spätgotische Klosterkirche mit frühbarocken Stuckaturen des Wessobrunners Georg Schmuzer ist jetzt Pfarrkirche. Ein Teil der erhaltenen Klostergebäude kam 1892 in den Besitz von Dominikanerinnen aus St. Ursula in Donauwörth, die - mit Unterbrechung durch den Zweiten Weltkrieg - dort bis 1972 eine Schule unterhielten. Apothekertrakt und Wirtschaftsgebäude gingen in Privatbesitz über.

Der einzigartige Pollinger Bibliotheksaal wurde von 1970–1975 restauriert und ist über den Verein der Freunde des Pollinger Bibliotheksaals e.V. zu besichtigen.

Heute ist in den noch erhaltenen Gebäudeteilen des Klosters auch ein Hospiz untergebracht.[1]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ludwig Hammermayer: Das Augustiner-Chorherrenstift Polling und sein Anteil an Entstehung und Entfaltung von Aufklärung und Akademie- und Sozietätsbewegung im süddeutsch-katholischen Raum (ca. 1717-1787), Paring 1997. ISBN 3-9805469-1-8
  • Roland Milisterfer: Das Kloster Polling im 18. Jahrhundert, Polling 2004.
  • Matthias Memmel, Claudius Stein (Hrsg.): "Ganz unbrauchbar..." Die Pollinger Pinakothek der Ludwig-Maximilians-Universität München, München 2011. ISBN 978-3-926163-72-1

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hospizverein im Pfaffenwinkel e.V.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kloster Polling – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

47.811711.1317Koordinaten: 47° 48′ 42″ N, 11° 7′ 54″ O