Kombinationsbus

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Dieser Artikel beschreibt eine Kombination aus Omnibus und Lastkraftwagen. Für einen Omnibus der sowohl im Linien- als auch im Gelegenheitsverkehr eingesetzt wird, siehe Kombibus.
Norwegischer Volvo-Kombinationbus der Norges Statsbaner

Ein Kombinationsbus ist ein Nutzfahrzeug, bei dem Elemente eines Omnibusses und eines Lastkraftwagens so miteinander verbunden sind, dass gleichzeitig oder abwechselnd Passagiere und Güter befördert werden können. Diese Fahrzeuge werden vorwiegend in dünn besiedelten Gegenden mit geringem Verkehrsaufkommen eingesetzt. Ebenfalls eine Kombination aus Omnibus und Lastkraftwagen stellen die sogenannten Sattelzugomnibusse dar, bei denen eine universell einsetzbare Zugmaschine mit einem speziellen Auflieger für die Personenbeförderung kombiniert wird.

Geschichte[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

Im Jahr 1907 bauten die Kässbohrer Fahrzeugwerke aus Ulm den weltweit ersten Kombinationsbus. Er konnte sowohl Personen als auch Güter befördern, indem die längs angebrachten Sitzreihen umgeklappt wurden. Für diese Mischung aus Omnibus und Lastkraftwagen besaß Kässbohrer ab 1910 ein Patent.[1][2][3]

Der Kombinationsbus hatte eine Holzkarosserie, die auf einem Lastkraftwagen-Fahrgestell des Schweizer Nutzfahrzeugherstellers Saurer aus Arbon basierte. Erstmals stand dem Fahrer eine geschlossene, abgeteilte Fahrerkabine zur Verfügung. Das Fahrzeug hatte 18 Sitz- und zehn Stehplätze. Der erste Kombinationsbus wurde von einem Gastwirt benutzt, um Bierfässer, bei Bedarf aber auch Personen zu transportieren. Ein Jahr später baute Kässbohrer einen Kombinationsbus mit einer Zwischenwand, bei dem die gepolsterten Einzelsitze im vorderen Abteil hochklappbar waren.[2][4]

In ländlichen Regionen wird aktuell versucht, das Konzept wiederzubeleben. Ein entsprechendes Pilotprojekt, allerdings mit konventionellen Bussen, wurde im September 2012 in der Uckermark gestartet.[5]

Österreich[Bearbeiten]

In Österreich verkehrten beim Oberleitungsbus Sankt Lambrecht speziell adaptierte Oberleitungslastkraftwagen, die auch der Personenbeförderung dienten. Hierzu besaßen sie eine geräumige Kabine mit sieben Sitzplätzen. Befördert wurden ausschließlich Werksangehörige der Dynamit Nobel AG.

Dänemark, Norwegen und Schweden[Bearbeiten]

Moderner Bus mit Frachtraum in Norwegen

In Dänemark, Norwegen und Schweden werden kombinierte Nutzfahrzeuge aus Omnibus und Lastkraftwagen als Kombibuss bezeichnet. In Schweden ist auch die vom gleichnamigen Fabeltier abgeleitete Bezeichnung Skvader gebräuchlich.

Skvader wurden nach dem Zweiten Weltkrieg von Herstellern wie Scania-Vabis, Volvo oder Mercedes-Benz hergestellt. Sie dienten vor allem für Post- sowie für Molkereitransporte. Skvader waren bis in die 1970er Jahre ein weit verbreitetes Beförderungsmittel in den ländlichen Gebieten Schwedens. Die Skvader wurden zumeist auf der Basis eines verlängerten Omnibus-Chassis gebaut und beförderten neben Milchkannen und anderen Gütern bis zu 17 (sitzende) Passagiere.

In den 1970er Jahren verschwanden die ursprünglichen Skvader zunehmend, nachdem die Molkereien begannen sie durch Tankwagen zu ersetzen.[6][7]

Später wurden Fahrzeuge mit geschlossenem Frachtabteil in Reisebuslänge gebaut. Sie sind von hinten betrachtet Lastkraftwagen und von vorne betrachtet Überlandbusse. Der Übergang zwischen der Buskarosserie zum gewöhnlichen bei Lastkraftwagen üblichen Kastenaufbau ist dabei nicht fließend, sondern gestaltet sich aus speziellen, aber zweckmäßigen Karosserieteilen auf einer Länge von nur wenigen Zentimetern. Die Länge des Frachtabteils beträgt je nach Typ zwischen wenigen Metern bis hin zur halben Fahrzeuglänge. Oft sind die Fahrzeuge mit einer Ladebordwand ausgestattet.

Australien[Bearbeiten]

Die Western Australian Government Railways setzte ab 1949 kombinierte Passagier-/Frachtbusse ein, die als Passenger-Freighter bezeichnet wurden.[8][9]

Vereinigte Staaten[Bearbeiten]

Die Great Northern Railway ließ beim Unternehmen Kenworth zwölf Kombinationsbusse bauen, um damit auf einer Nebenstrecke in Montana Triebwagen zu ersetzen. Diese wurden als Bruck, einem Kofferwort aus Bus und Truck, bezeichnet.[10][11]

Galerie[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bus and truck combinations – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Trucker: Fernfahrer-Magazin, Nr. 2 / 1994, S. 40, 41. ISSN 0946-3216
  2. a b Olaf v. Fersen (Hrsg.): Ein Jahrhundert Automobiltechnik: Nutzfahrzeuge, S. 301. VDI-Verlag, Düsseldorf 1987, ISBN 3-18-400656-6 (formal falsche ISBN)
  3. Otto-Peter A. Bühler: Omnibustechnik: historische Fahrzeuge und aktuelle Technik, Vieweg-Verlag, Braunschweig 2000, ISBN 3-528-03928-0 online auf google.books hier und hier
  4. Klaus Rabe: Aller Laster Anfang, S. 96, 97. Westermann-Verlag, Braunschweig 1985, ISBN 3-07-508991-5
  5. Nächster Halt Lebensqualität
  6. Svenska Spårvägssällskapet: Sverige - PS no K90, Kungliga Poststyrelsen, "skvader"
  7. Jemtlands veteranbilklubb: Volvo B 727 1953
  8. Australian Bus Fleet Lists - Western Australia: WA Government Railway Road Service / Westrail Disposals, Perthbus.info: Übersichtsseite Busse der WAGR
  9. Perthbus.info: Passenger-Freighter Foden PVSC6 und Hino RC320P
  10. The Gillig Transit Coach and Pacific Schoolcoach Online Museum: LYNNETTE HINTZE: Historic Great Northern bus-truck restoration now ready for the road, Der Kenworth Bruck
  11. The Gillig Transit Coach and Pacific Schoolcoach Online Museum: Fotos des Bruck (unten)