Gemischter Zug

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Personenzug mit Güterbeförderung im Bahnhof Floh-Seligenthal in Thüringen (1989)

Als Gemischter Zug werden Züge bei der Eisenbahn bezeichnet, die zugleich Personenwagen und Güterwagen befördern, also keine reinen Reise- oder Güterzüge sind.

Andere häufige Bezeichnungen für einen Gemischten Zug sind:

  • Güterzug mit Personenbeförderung
  • Personenzug mit Güterbeförderung

Güterzug mit Personenbeförderung[Bearbeiten]

Als Güterzug mit Personenbeförderung (GmP) wird ein Güterzug bezeichnet, der neben Güterwagen einen oder mehrere Personenwagen zur Reisendenbeförderung mitführte.[1] Gründe für diese früher auf Nebenbahnen nicht seltene Art der Bahnbetriebsabwicklung waren:

  • Geringe Zahl von Reisenden, die die Durchführung spezieller Reisezüge nicht rechtfertigt.
  • Mangel an Fahrzeugen und/oder Personal, um Güter- und Reisezüge getrennt durchzuführen.
  • Starke Belegung der Strecke, so dass Güter- und Personenbeförderung vereinigt werden müssen.

In der Heizperiode mussten die Personenwagen unmittelbar hinter der Lokomotive laufen, da Güterwagen normalerweise keine Heizleitung besitzen. Nachteilig für die Reisenden war die geringe Reisegeschwindigkeit eines GmP, der oft auf Unterwegsbahnhöfen längere Aufenthalte zum Absetzen und Aufnehmen der Güterwagen hatte. Dies war auch einer der entscheidenden Gründe für das Verschwinden dieser Zuggattung.

GmP gab es bei der Deutschen Bundesbahn und den Österreichischen Bundesbahnen vereinzelt bis in die 1980er Jahre. Heute sind sie in Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht mehr anzutreffen. Ihre Durchführung würde auch der heute bei den meisten Eisenbahngesellschaften üblichen Trennung in verschiedene Tochtergesellschaften für Personen- und Güterverkehr widersprechen. In Teilen Indiens, Asiens und Afrika sind dagegen solche Transporte auf wenig befahrenen Strecken noch üblich. In Nordamerika fuhren auf den meisten Nebenstrecken sogenannte „mixed trains“. Das waren Güterzüge, die in der Regel mit einem kombinierten Personen-, Post- und Gepäckwagen fuhren, selten auch mit mehreren Personenwagen. Diese Zuggattung verschwand mit der Einstellung des Personenverkehrs auf den Nebenstrecken.

Eine der wenigen übriggebliebenen Güterzüge mit Personenbeförderung sind (im entfernteren Sinne) die Züge der Rollenden Landstraße. Diese führen typischerweise einen Liegewagen mit, in dem sich die Fernfahrer während der Fahrt aufhalten. Primäres Transportgut sind Lastkraftwagen. Der Begleitwagen ist dabei nicht für reguläre Reisende zugänglich.

Personenzug mit Güterbeförderung[Bearbeiten]

MAN-Schienenbus mit Güterbeförderung auf der Hohenzollerischen Landesbahn, September 1985

Das Gegenstück zum GmP war der Personenzug mit Güterbeförderung (PmG), hierbei handelt es sich um einen hauptsächlich der Personenbeförderung dienenden Zug, der zusätzlich Güterwagen mitführt.

Bei Staatsbahnen existierte diese Zugart bis in die 1990er Jahre bei der Deutschen Reichsbahn, so zum Beispiel auf der Lößnitzgrundbahn. An den Personenzug wurden dabei hinten ein oder mehrere Güterwagen angehängt. Ein Rangieren auf Unterwegsbahnhöfen fand in der Endzeit des PmG nicht mehr statt.

Auf Privatbahnen und in anderen Ländern verkehren auch heute noch vereinzelt PmG, beispielsweise bei der Rhätischen Bahn in Graubünden und der Übelbacherbahn in der Steiermark. Um diese Züge langfristig zu sichern, wurden die neuen Allegra-Triebwagen dieser Bahn für eine Anhängelast von 160 Tonnen auf der bis zu 70 ‰ steilen Berninabahn ausgelegt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Michael Meinhold: Die Entdeckung der Langsamkeit: Güterzüge mit Personenbeförderung in MIBA report Zugbildung (2) Düsseldorf 1.A 1997 S. 92-97