Konstantin Eduardowitsch Ziolkowski

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Konstantin Eduardowitsch Ziolkowski.
Ziolkowski-Denkmal vor dem Kosmonautenmuseum in Moskau.
Krater Tsiolkovsky auf der Mondrückseite - aufgenommen von Apollo 13.

Konstantin Eduardowitsch Ziolkowski (russisch Константин Эдуардович Циолковский, wiss. transl. Konstantin Ėduardovič Ciolkovskij, polnisch Konstanty Edward Ciołkowski; * 5.jul./ 17. September 1857greg. in Ischewskoje; † 19. September 1935 in Kaluga) wird zu den Wegbereitern der Raumfahrt gezählt. Er war der Begründer der modernen Kosmonautik und gilt als bekanntester Amateurforscher auf diesem Gebiet. Sein technischer Weitblick wurde jedoch erst gegen Ende seines Lebens bekannt und zur Anregung für viele spätere Wissenschaftler und Techniker.

Leben[Bearbeiten]

Ziolkowski wurde 1857 in Ischewskoje im damaligen Gouvernement Rjasan als Sohn des polnischstämmigen orthodoxen Priesters Edward Ciołkowski und einer Russin tatarischer Herkunft namens Maria Jumaschowa geboren.[1] Im Alter von zehn Jahren wurde er durch eine Scharlacherkrankung nahezu taub und musste die Schule verlassen. Er bildete sich autodidaktisch weiter und wurde von seiner Familie zum Studium nach Moskau geschickt. Dort studierte er Physik, Astronomie, Mechanik und Geometrie.

Nach drei Jahren wurde Ziolkowski von seinem Vater nach Hause zurückgeholt. Danach gab er in seinem Heimatort Unterricht in Mathematik und Physik, bis er 1882 als Mathematiklehrer an die Kreisschule von Borowsk in der Provinz Kaluga berufen wurde. Inzwischen hatte er geheiratet und war Vater geworden. Während der russischen Revolution lebte er sehr zurückgezogen.

Von Science-Fiction-Literatur und den Erzählungen Jules Vernes angeregt, begann Ziolkowski selbst Geschichten über interplanetare Raumfahrt zu schreiben. Darin ließ er mehr und mehr physikalische und technische Probleme einfließen und entwickelte sich dabei zum Verfasser theoretischer Abhandlungen. Ab etwa 1885 stellte er eine Vielzahl von Überlegungen zur Realisierung von Raumflügen an, wandte sein Augenmerk dabei auch Ganzmetallluftschiffen zu.

1886 veröffentlichte Ziolkowski die Studie Theoria Aerostatika, der 1892 die Aerostat Metallitscheski (Theorie eines Ganzmetall-Luftschiffes) folgte. In den 1880er Jahren entwickelte er ein Konzept für Ganzmetallluftschiffe welches in den 1930er Jahren als ZMC-2 umgesetzt wurde. Bis zu seinem Tod veröffentlichte er 35 Bücher, Artikel und Schriften zur Luftschiffthematik.

1895 schlug er erstmals einen Weltraumturm und einen Weltraumlift vor.

In einem Zimmer seiner Wohnung baute er den ersten Windkanal Russlands und bestimmte die Luftwiderstände verschiedener Objekte. Zunehmend begann er sich der Raketenforschung zu widmen. Er erkannte, dass die bisher für Feuerwerke und militärische Zwecke verwendeten Feststoffraketen zu schwach sein würden, um den Weltraum zu erreichen. Daher schlug er die Verwendung von flüssigen Raketentreibstoffen (Wasserstoff, Sauerstoff und Kohlenwasserstoffen) vor.

Gipfelpunkt seiner Arbeit war die Raketengrundgleichung, die er 1903 in der russischen Zeitschrift Wissenschaftliche Rundschau unter dem Titel Erforschung des Weltraums mittels Reaktionsapparaten veröffentlichte. Neben Arbeiten zum Flüssigkeitsraketentriebwerk, der Kühlung der Brennkammer und der Steuerung der Rakete mittels Strahlruder und Kreiselsteuerung stellte er mit der Raketengrundgleichung auch das Prinzip der Mehrstufenrakete auf eine wissenschaftliche Basis. Er befasste sich auch mit Fragen des Betriebs von Raumstationen, der industriellen Nutzung des Weltraums und der Nutzung seiner Ressourcen.

Bedeutung und Würdigung[Bearbeiten]

Mit seinen Ideen war Ziolkowski in visionärer Weise seiner Zeit voraus und fand damit im zaristischen Russland nur geringe Beachtung.

Erst durch die Veröffentlichung von Hermann Oberths Buch Die Rakete zu den Planetenräumen von 1923, welches breite internationale Resonanz auslöste und als eigentliches Geburtsdatum einer nun stetig zunehmenden wissenschaftlichen Beschäftigung mit Raketentechnik und Weltraumfahrt gelten kann, erinnerte sich der russlanddeutsche Autor Friedrich Zander (oft auch Fridrik Tsander genannt) wieder eines Zeitschriftenartikels, den er einst gelesen hatte. Er trat in Kontakt zu Ziolkowski und veröffentlichte ein Buch über dessen Person und Arbeiten, wodurch Ziolkowski einem breiteren russischen und auch internationalen Publikum bekannt wurde.

Im politischen System der Sowjetunion fanden die Arbeiten Ziolkowskis nunmehr Anerkennung und Unterstützung. Sein Gedankengut wurde außerordentlich populär. So entspricht das Raumschiff im Roman Aëlita des Schriftstellers Alexei Tolstoi fast völlig den Vorstellungen Ziolkowskis.

1-Rubel-Münze von 1987

Zusammen mit Hermann Oberth und Robert Goddard gilt Ziolkowski als Vordenker und Pionier der Raumfahrt. Seine beiden letzten Veröffentlichungen sind das Album der kosmischen Reisen von 1932 und Die höchste Geschwindigkeit bei Raketen von 1935. Es war ihm jedoch nicht vergönnt, die praktische Umsetzung seiner Ideen zu erleben. Ziolkowski prognostizierte den Beginn der Raumfahrt für 1950 (tatsächlich 1957, siehe Sputnik) und den ersten Menschen im Weltall für 2000 (tatsächlich 1961, siehe Juri Gagarin).

Zu Ziolkowskis Ehren wurden ein Krater auf der erdabgewandten Seite des Mondes sowie der Asteroid (1590) Tsiolkovskaja nach ihm benannt. Sein früheres Wohnhaus in Kaluga dient heute als Museum. Die Sowjetunion prägte zudem 1987 zum Gedenken seines 130. Geburtstages aus einer Kupfer-Nickel-Legierung eine 1-Rubel-Münze mit einem Gewicht von ca. 17 Gramm und einem Durchmesser von 31 Millimetern.

Zitate[Bearbeiten]

  • Es stimmt, die Erde ist die Wiege der Menschheit, aber der Mensch kann nicht ewig in der Wiege bleiben. Das Sonnensystem wird unser Kindergarten.[2]

Werke[Bearbeiten]

Auf deutsch erschienene Science-Fiction-Werke:

  • Auf dem Monde. Verlag Neues Leben, Berlin/DDR 1956
  • Außerhalb der Erde. Heyne Verlag, München 1977
  • Leiden und Genie (1916), Die ideale Lebensordnung (1917), Das Genie unter den Menschen (1918), Das lebende Universum (1918), Die Organisation der Menschen auf der Erde (1918), Die Abstufung von Gesetzen für Gemeinschaften unterschiedlicher Kategorien (1919), Neue Erkenntnissphären (1931-1933), Die kosmische Philosophie (1935). In: Boris Groys, Michael Hagemeister (Hrsg.): Die Neue Menschheit. Biopolitische Utopien in Russland zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Frankfurt am Main: Suhrkamp 2005 (stw 1763), S. 236-390

Literatur[Bearbeiten]

  • Nikola Stilijanov Kalicin: Weltraumflüge von Ziolkowski bis Gagarin. VEB Fachbuchverlag, 1961.
  • Karl Rezac: Der verrückte Erfinder. Leben des Konstantin Eduardowitsch Ziolkowski. Der Kinderbuchverlag, Berlin (Ost) 1973.
  • A. A. Kosmodemjanski: Konstantin Eduardowitsch Ziolkowski. Verlag MIR, Moskau 1979.
  • Peter Stache: Sowjetische Raketen im Dienst von Wissenschaft und Verteidigung. Militärverlag der DDR, Berlin (Ost) 1987, ISBN 3-327-00302-5.
  • Thomas Bührke: Lift – off. Die Geschichte der Raumfahrt. Berlin-Verlag, 2008, ISBN 3-8270-5260-2.
Roman

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zdzisław Brodzki: Lotnictwo. Verlag WNT, Warschau 1979, ISBN 83-204-0005-8
  2. Markus Lütkemeyer: Fünf Minuten Philosophie: Die Kolumne. (PDF; 1,5 MB) Fliege, Ausgabe 8, WS 2007/2008, S. 20.