Kraal

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Ein südafrikanischer Viehkraal
Kraal im Ovamboland

Ein Kraal (oder Kral, afrikaans, von port. curral für ‚Viehpferch‘) war ursprünglich eine kreisförmige Siedlung mit einer streng geregelten sozialen Struktur. Kraale gab es vor allem im südlichen Afrika. Sie waren meist von einem palisadenartigen Dornenwall umgeben.

Heute wird als Kraal nur noch das Viehgehege bezeichnet, das sich früher inmitten der Siedlung befand. Allerdings findet man das Wort noch ab und zu in Ortsbezeichnungen in Südafrika.

Südliches Afrika[Bearbeiten]

Die soziale Struktur innerhalb eines Kraals war streng patriarchalisch aufgebaut, das heißt eine solche Siedlung wurde vom Familienvater geführt. Seine Frauen mit ihren Kindern bewohnten jeweils ihre eigene Hütte, die meist um den Rinder-Kraal angeordnet waren. Diese Anordnung war besonders bei den Zulu in Natal so üblich. Mit im Kraal konnten auch weitere Verwandte leben, die sich der Leitung des Familienoberhaupts unterstellen mussten, dessen Autorität durch die Tradition gesichert wurde. Die Wichtigkeit eines Kraals war abhängig vom Status des Vorstehers (siehe unten).

Diese Struktur kann auch als damaliger Grundstein der sozialen und wirtschaftlichen Ordnung gesehen werden. Mehrere Kraals bildeten unter einem Häuptling einen losen Zusammenschluss. Mehrere solcher Zusammenschlüsse unterstanden einem Oberhäuptling, über dem dann ein weiterer hoher Häuptling oder, in der Blütezeit eines afrikanischen Stammes, sogar der König stand.

Königskraal[Bearbeiten]

Im Gegensatz zu den rein zivilen Siedlungen war ein Königskraal eine militärische Einrichtung zum Schutz des Herrschers.

Solche Kraals waren meist oval und von einer Palisade aus starken Pfählen umgeben. Auf den Konflikt zwischen den indigenen Völkern und den weißen Einwanderern hatten diese allerdings kaum strategischen Einfluss. Umso wichtiger waren sie jedoch bei der Austragung von Stammesfehden.

Königskraale waren hauptsächlich bei den Zulu und Matabele üblich.

Fischkraal[Bearbeiten]

Eine weitere Verwendung findet das Wort als Bezeichnung für eine effiziente Fischfangmethode der Tsonga. Dabei handelt es sich um eine Art Reuse, jedoch mit größeren Ausmaßen. Mithilfe von Ästen wird ein Kanal gebaut, an dessen Ende sich ein Korb mit einem ventilartigen Eingang befindet. In diesen Korb können Fische zwar hinein-, aber nicht mehr hinausschwimmen.

Diese Art von Fischfang kommt in der Kosi-Bucht vor.

Ostafrika[Bearbeiten]

Bei den nomadisch lebenden Massai wird mit Kraal ebenfalls eine kleine Ansammlung von Hütten bezeichnet. Allerdings muss dies nicht so wie im südlichen Afrika eine feste Siedlung sein, sondern das Dorf kann auch aus mehr oder weniger leicht auf- und abbaubaren Hütten bestehen.

In einem Kraal lebt jeweils eine Großfamilie zusammen, der ein älteres männliches Familienoberhaupt vorsteht. Zu der Familie gehören neben den Frauen des Vaters auch die verheirateten Söhne. Die Frauen kümmern sich um den Aufbau der Hütten und auch um die anfallenden Reparaturen. Jede Frau hat hier ebenfalls ihre eigene Hütte.

Asien[Bearbeiten]

In Sri Lanka, Indien und Thailand werden auch Gehege für Elefanten als Kraale bezeichnet.

Andere Länder[Bearbeiten]

In der alten Schreibweise Kral bezeichnete das Nachrichtenmagazin Der Spiegel 1965 nach Rassenunruhen den New Yorker Stadtteil Harlem als „größten Neger-Kral der Welt“.[1] Die Verwendung des Wortes in diesem Zusammenhang lässt auf eine pejorativ gemeinte Konnotation schließen.

Literatur[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

 Commons: Kraals – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der häßliche Neger. Der Spiegel, 25. August 1965, abgerufen am 29. Januar 2013.