Kralice nad Oslavou

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Kralice nad Oslavou
Wappen von Kralice nad Oslavou
Kralice nad Oslavou (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Kraj Vysočina
Bezirk: Třebíč
Fläche: 1348 ha
Geographische Lage: 49° 12′ N, 16° 12′ O49.197516.203611111111370Koordinaten: 49° 11′ 51″ N, 16° 12′ 13″ O
Höhe: 370 m n.m.
Einwohner: 987 (1. Jan. 2014) [1]
Postleitzahl: 675 73
Verkehr
Straße: Brno - Třebíč
Bahnanschluss: Střelice–Okříšky
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 2
Verwaltung
Bürgermeister: Emil Dračka (Stand: 2007)
Adresse: Kralice nad Oslavou 78
675 73 Kralice nad Oslavou
Gemeindenummer: 590941
Website: www.kralicenosl.cz

Kralice nad Oslavou (deutsch Kralitz) ist eine Gemeinde in Tschechien. Sie liegt 29 Kilometer westlich des Stadtzentrums von Brno und gehört zum Okres Třebíč. Kralice war bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts ein wichtiges Zentrum der Mährischen Brüderbewegung, hier entstand die Kralitzer Bibel.

Geographie[Bearbeiten]

Kralice befindet sich im Jaispitzer Hügelland (Jevišovická pahorkatina) auf einer Hochfläche zwischen den Tälern der Oslava und der Chvojnice. Durch den Ort führt die Staatsstraße 23, südlich verläuft die Eisenbahnstrecke von Brno nach Třebíč.

Nachbarorte sind Otradice und Jinošov im Norden, Hluboké und Horní Lhotice im Nordosten, Lesní Jakubov und Rapotice im Osten, Sudice im Südosten, Březník im Süden sowie Velkopolský Dvůr und Náměšť nad Oslavou.

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung von Kralice erfolgte im Jahre 1310. Der Ort ist jedoch wesentlich älter. Der älteste der Teil der Kirche, eine halbkreisförmige Apsis wurde um 1100 errichtet. Es wird angenommen, dass die erste - hölzerne - Feste um 1200 angelegt wurde und zu Beginn des 14. Jahrhunderts durch einen steinernen Bau ersetzt wurde. Diese war der Sitz des Vladikengeschlechts der Kralický von Kralice. Seit 1378 ist auch Horní Lhotice nachweisbar.

Der Ritter Heinrich von Kralitz, der am Hofe Maria von Kastiliens in den Niederlanden gedient hatte, ließ 1542 die Feste zum Renaissanceschloss umgestalten. 1572 verkaufte Heinrich von Kralitz die Feste Kralitz an Johann den Älteren von Zierotin auf Náměšť nad Oslavou und zog sich auf das Schloss Dalešice zurück. Johann von Zierotin, der ein Förderer der Mährischen Brüderbewegung war, stellte den Brüdern die Feste als Versteck für die 1562 von Bischof Jan Blahoslav gegründete Brüderdruckerei zur Verfügung. Im Jahre 1578 erfolgte die Verlegung der geheimen Druckerei der Mährischen Brüder von Ivančice nach Kralice. Zwischen 1579 und 1594 erfolgte in 6 Teilen die Herausgabe der Kralitzer Bibel. In der Feste wurde 1580 eine Schule der Brüdergemeine eröffnet.

1616 wurde die Schule geschlossen. Vom Februar bis Oktober 1622 war Johann Amos Comenius bei der Gemeine zu Gast. Im selben Jahre erfolgte die Verlegung der Druckerei nach Náměšť nad Oslavou, von wo aus sie 1629 nach Lissa verbracht wurde. 1626 besuchte Comenius erneut Kralice. Die Kralitzer Bibliothek der Mährischen Brüder wurde am 9. Oktober 1628 nach Breslau verlagert. Im Juni 1643 zerstörten die Schweden die Feste. Bis 1848 gehörte der Ort zur Herrschaft Náměšť nad Oslavou.

Im Jahre 1885 erhielt der Ort einen Eisenbahnanschluss. 1909 war die Grundsteinlegung für das Denkmal der Kralitzer Bibel, an der 3.000 Menschen teilnahmen. Vollendet wurde das Denkmal 1936; im selben Jahre eröffnete auch ein Museum, das 1955 in die Trägerschaft des Mährischen Landesmuseum in Brno übergeben wurde. 1961 erfolgte die Aufnahme von Kralice in die Nationalen Kulturdenkmäler. Im Jahre 2000 erhielt der Ort ein Wappen sowie ein Banner verliehen.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Gemeinde Kralice nad Oslavou besteht aus den Ortsteilen Kralice nad Oslavou (Kralitz) und Horní Lhotice (Elhotitz).

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Ruine der Feste Kralice. Die in der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts errichtete Anlage wurde 1542 zum Renaissanceschloss umgebaut und im Dreißigjährigen Krieg zerstört.
  • Kirche St. Martin. Das vorromanische Bauwerk entstand zum Ende des 11. Jahrhunderts und ist seit 1345 schriftlich belegt. Es war die Grablege des Geschlechts von Kralitz.
  • Gedenkstätte Kralitzer Bibel und Brüderdruckerei. Das Museum entstand zwischen 1967 und 1969 nach Plänen des Architekten Bohuslav Fuchs.
  • Kapelle zum Hl. Geist in Horní Lhotice, erbaut 1723 und 1934 umgestaltet.
  • Denkmal des Buches. Das Übersetzern und Druckern der Kralitzer Bibel gewidmete Denkmal entstand zwischen 1909 und 1936. Die lange Zeit bis zur Vollendung war finanziellen Problemen geschuldet.
  • Reste der Festen Horní hrádek und Dolní hrádek über dem Tal der Chvojnice bei Horní Lhotice.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2014 (PDF; 504 KiB)