Kranzenziane

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Kranzenziane
Rauer Kranzenzian (Gentianella aspera)

Rauer Kranzenzian (Gentianella aspera)

Systematik
Euasteriden I
Ordnung: Enzianartige (Gentianales)
Familie: Enziangewächse (Gentianaceae)
Tribus: Gentianeae
Untertribus: Swertiinae
Gattung: Kranzenziane
Wissenschaftlicher Name
Gentianella
Moench

Die Pflanzengattung Kranzenziane (Gentianella) gehört zur Familie der Enziangewächse (Gentianaceae).

Beschreibung[Bearbeiten]

Gentianella-Arten wachsen als ein- bis zweijährige oder ausdauernde krautige Pflanzen. Die kreuzgegenständigen Laubblätter sind in grundständigen Blattrosetten oder am Stängel verteilt angeordnet. Die Blattspreiten sind einfach.

Die Blüten stehen endständig einzeln oder in zymösen Blütenständen zusammen. Die zwittrigen Blüten sind vier- oder fünfzählig. Die vier oder fünf Kelchblätter sind verwachsen. Die vier oder fünf Kronblätter sind röhrig verwachsen. Die Staubblätter ragen nicht aus der Kronröhre heraus. Der Griffel ist kurz bis fehlend. Die Narbe ist zweilappig.

Es wird eine zweiklappige Kapselfrucht mit vielen Samen gebildet.

Systematik und Verbreitung[Bearbeiten]

Die meisten Gentianella-Arten sind in Südamerika beheimatet. Außerdem kommen noch Arten in den Gemäßigten Zonen von Neuseeland, Australien, Asien, Europa, Nordamerika und im nordwestlichen Afrika vor.

Die Gattung Gentianella wurde 1794 durch Conrad Moench in Methodus Plantas Horti Botanici et Agri Marburgensis : a staminum situ describendi, S. 482 mit der Typusart Gentianella tetrandra Moench. aufgestellt. [1] Der Gattungsname Gentianella ist ein Diminutiv und bedeutet einfach direkt übersetzt der „Kleine Enzian“. Synonyme für Gentianella Moench sind: Aliopsis Omer & Qaiser, Aloitis Raf., Arctogentia Á.Löve, Chionogentias L.G.Adams, Parajaeschkea Burkill, Pitygentias Gilg, Selatium G.Don. [2]

Die Gattung Gentianella gehört zur Subtribus Swertiinae aus der Tribus Gentianeae innerhalb der Familie Gentianaceae. [2]

Gentianella antarctica

Früher wurden die Kranzenziane (Gentianella) zur Gattung der Enziane (Gentiana) hinzugerechnet, diese beiden Gattungen gehören aber heute in unterschiedliche Subtribus. Das deutlichste Unterscheidungsmerkmal ist, dass bei allen in Mitteleuropa heimischen Gentianella-Arten im Schlund der Blütenkrone eine gefranste und mit Leitbündeln versorgte Schuppe pro Kronzipfel vorhanden ist. Es wird dadurch eine Art Kranz gebildet (siehe Name „Kranzenzian“). Bei außereuropäischen Arten können diese Schlundschuppen auch fehlen. Von den Kranzenzianen wurden später noch die Fransenenziane (Gentianopsis) mit am Rand gefransten Kronzipfeln und die Haarschlünde (Comastoma) mit ebenfalls gefransten, aber anatomisch anders gebauten Schlundschuppen abgetrennt.

Es gibt (etwa 125 bis) etwa 250 Arten in der Gattung Kranzenziane (Gentianella). Hier eine Auswahl:

  • Gentianella acuta (Michaux) Hultén; sie kommt in Nordamerika, in Ostrussland, der Mongolei und in China in Höhenlagen von 0 bis 1500 Metern vor
  • Bitterer Fransenenzian (Gentianella amarella (L.) Börner): Heimat Nordamerika und Europa.
  • Kelch-Kranzenzian (Gentianella anisodonta (Borbás) Á. Löve & D. Löve)
  • Gentianella angustiflora Harry Smith; sie kommt in Kaschmir, Nepal und China (Xizang) in Höhenlagen zwischen 3400 und 3800 Metern vor
  • Gentianella anomala (C.Marquand) T.N.Ho; sie kommt in China (Sichuan, Yunnan) in Höhenlagen von 3400 bis 4200 Metern vor
  • Gentianella antarctica (Kirk) T.N.Ho & S.W.Liu; sie kommt in Neuseeland vor
  • Gentianella arenaria (Maximowicz) T.N.Ho; sie kommt in China (Gansu, Qinghai, Xizang) in Höhenlagen zwischen 3400 und 5400 Metern vor
  • Rauer Kranzenzian (Gentianella aspera (Hegetschw. & Heer) Skalický, Chrtek & J. Gill)
  • Österreichischer Kranzenzian (Gentianella austriaca (A. Kern. & Jos. Kern.) Holub)
  • Gentianella azurea (Bunge) Holub; sie kommt in Kasachstan, Kirgisistan, Bhutan, der Mongolei, Sibirien und in China in Höhenlagen zwischen 2200 und 4900 Metern vor
  • Feld-Kranzenzian (Gentianella campestris (L.) Börner)
  • Engadin-Kranzenzian (Gentianella engadinensis (Wettst.) Holub)
  • Gentianella gentianoides (Franchet) Harry Smith; sie kommt in China (Sichuan, Yunnan) in Höhenlagen zwischen 2700 und 4200 Metern vor
  • Deutscher Fransenenzian (Gentianella germanica (Willd.) Börner)
  • Karpaten-Kranzenzian (Gentianella lutescens (Velen.) Holub)
  • Gentianella moorcroftiana (Wallich ex G.Don) Airy Shaw; sie kommt in Afghanistan, Pakistan, Indien, Kaschmir, Nepal und China (Xizang)[2] in Höhenlagen um 4500 Metern vor
  • Zwergenzian (Gentianella nana (Wulfen) N. M. Pritch.)
  • Haar-Kranzenzian (Gentianella pilosa (Wettst.) Holub)
  • Böhmischer Enzian (Gentianella praecox (A. Kern. & Jos. Kern.) E. Mayer, Syn.: Gentianella bohemica Skalický)
  • Gentianella pygmaea (Regel & Schmalhausen) Harry Smith; sie kommt in Tadschikistan, Kirgisistan, Sikkim, Indien und China (Qinghai, Sichuan, Xinjiang, Xizang) in Höhenlagen von 3600 bis 5300 Metern vor
  • Ästig-Kranzenzian (Gentianella ramosa (Hegetschw.) Holub)
  • Rätisch-Kranzenzian, oder irreführend Deutscher Kranzenzian, (Gentianella rhaetica (A.Kern. & Jos.Kern.) Á.Löve & D.Löve)
  • Gentianella quinquefolia (L.) Small: Heimat Nordamerika (Kanada und USA)[2]
  • Steirischer Kranzenzian (Gentianella styriaca nom. nud.)
  • Zarter Enzian (Gentianella tenella (Rottb.) Börner)
  • Gentianella turkestanorum (Gandoger) Holub; sie kommt in Kasachstan, Tadschikistan, Russland, in der Mongolei und in China (Xinjiang) und hier in Höhenlagen zwischen 1500 und 3100 Metern vor.

Bilder[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  • Ting-nung Ho & James S. Pringle: Gentianaceae in der Flora of China, Volume 16, 1995, S. 136 ff.: Gentianella - Online. (Abschnitt Beschreibung, Systematik)
  • Eintrag bei der Gentianaceae-Website.
  • Klaus Bernhard von Hagen & Joachim W. Kadereit: The phylogeny of Gentianella (Gentianaceae) and its colonization of the southern hemisphere as revealed by nuclear and chloroplast DNA sequence variation, In: Organisms Diversity Evol., 1 2001, S. 61–79.
  • Lena Struwe, Joachim W. Kadereit, Jens Klackenberg, Siwert Nilsson, Mike Thiv, Klaus Bernhard von Hagen, & Victor A. Albert: Systematics, character evolution, and biogeography of Gentianaceae, including a new tribal and subtribal classification., S. 21-309, In: Lena Struwe & Victor A. Albert (Herausgeber), Gentianaceae: Systematics and Natural History, Cambridge University Press, Cambridge, 2002.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gentianella bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis
  2. a b c d Gentianella im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.

Ergänzende Literatur für europäische Arten[Bearbeiten]

  • M. A. Fischer, W. Adler & K. Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol, Linz, 2005, ISBN 3-85474-140-5

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kranzenziane (Gentianella) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien