Kaschmir

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Dieser Artikel behandelt die Region Kaschmir, bzw. den ehemaligen Fürstenstaat Kashmir. Weitere Bedeutungen werden unter Kashmir (Begriffsklärung) aufgeführt.
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Karte (2004)
Talmarg (Indien)

Kaschmir (Devanagari: कश्मीर, Urdu: کشمیر, Kaśmīr, Kashmir) ist ein ehemaliger Fürstenstaat in Südasien, der heute von Indien, Pakistan und der VR China gleichermaßen beansprucht wird.

Geographie[Bearbeiten]

Der indische Bundesstaat Jammu und Kashmir

Heute teilt sich das im Himalaya gelegene Kaschmir in den indischen Bundesstaat Jammu und Kashmir mit 101.000 km² und 10,1 Mio. Einwohnern, die pakistanische Region Gilgit-Baltistan und das teilautonome pakistanische Azad Kashmir mit zusammen 84.000 km² und ca. 5 Millionen Einwohnern, sowie einige chinesische Gebiete (u.a. Aksai Chin mit 37.000 km² und einigen Tausend Bewohnern) auf. Die Gesamtfläche Kaschmirs beläuft sich auf rund 222.000 km². Die größte Provinz des indischen Kaschmirs ist Ladakh.

Geologie[Bearbeiten]

Die Region liegt an einer 200 Kilometer breiten Bruchzone zwischen der indischen und der eurasischen Kontinentalplatte.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Flagge des Maharaja bis 1936
Briefmarke der Kashmir-Post (1869)

Kaschmir hat seinen Ursprung im Kaschmir-Tal mit dem alten Handelsplatz Srinagar im Hochgebirgsraum des Vorderen Himalaya. In seiner langen, wechselvollen Geschichte hat es sich als Kreuzungspunkt von Karawanenstraßen (historische Seidenstraße) zwischen Vorder-, Zentral- und Südasien entwickelt. Zugleich war und ist es auch heute noch Schnittpunkt ausgedehnter buddhistischer, kaschmirisch-hinduistischer und ab dem 13. Jahrhundert zunehmend islamischer Herrschaftsbereiche. Kaschmir hat von alters her eine Brücken- und Knotenfunktion zwischen Vorder-, Zentral- und Südasien.

1587 wurde Kaschmir durch Akbar dem Reich der Großmoguln von Delhi einverleibt und 1739 von Nadir Schah erobert. Kaschmir blieb nun eine Provinz des Reiches von Kabul, bis sich 1809 der Statthalter Muhammad Azim Khan für unabhängig erklärte. 1819 besetzte der Sikh Maharaja Ranjit Singh die Hauptstadt Srinagar und weite Teile des Landes. Nach dem Sieg der Briten über die Sikhs wurde Kashmir and Jammu ein britisches Protektorat, dessen erster Maharaja der Raja von Jammu Ghulab Singh (1846–56), ein Hindu aus dem Rajputen-Clan der Jamwal, wurde. 1941 hatte Kaschmir eine Fläche von 218.896 km² und 4,2 Millionen Einwohner. Die Stammesgebiete im Norden standen allerdings nur nominell unter der Hoheit des Maharaja. Insgesamt war der Norden Kaschmirs muslimisch geprägt, der Süden hinduistisch und der Osten buddhistisch. Ein machtpolitisches Ungleichgewicht herrschte jedoch dadurch vor, dass hohe Positionen und öffentliche Ämter fast ausschließlich durch Dogra-Hindus aus Jammu besetzt wurden. Protestbewegungen von Moslems, wie zum Beispiel 1930 gegen die autoritäre Herrschaft des Maharajas wurden immer häufiger und zumeist blutig niedergeschlagen. Als Großbritannien am 18. Juli 1947 die Entlassung Indiens in die Unabhängigkeit und die Bildung der Dominions Indien und Pakistan beschloss, wurde Kaschmir zunächst unter dem Maharaja Hari Singh (1925–52) unabhängig.

Kashmir und Jammu hatte 1866–94 eine Staatspost mit eigenen Briefmarken, 1867–77 mit separaten Ausgaben für die Provinzen Kashmir und Jammu. Der Fürstenstaat Punch hatte 1876–94 ebenfalls eine eigene Post.

Kaschmirkonflikt[Bearbeiten]

Hauptartikel: Kaschmir-Konflikt
Gebietsansprüche in Kaschmir

Die Ursache für das heutige Spannungsverhältnis in Kaschmir ist einerseits begründet durch den Eroberungsfeldzug 1819 der Sikhs von Punjab (Indien) aus, die das muslimische Kaschmir mit dem hinduistischen Jammu vereinigten und andererseits im Teilungsprozess Britisch-Indiens im Jahr 1947, in dessen Folge die Staaten Pakistan und Indien gegründet worden waren. Die Teilung in das muslimisch dominierte Pakistan (einschließlich Ostpakistan, dem heutigen Bangladesch) und in die hinduistisch geprägte Indische Union nach dem Mountbattenplan folgte der so genannten „Zwei-Nationen-Theorie“.

Danach sollten die Distrikte Britisch-Indiens, die nach der letzten verfügbaren Volkszählung von 1941 eine mehrheitlich muslimische Bevölkerung aufwiesen, Pakistan zufallen. Im umgekehrten Falle sollten muslimische Minderheitengebiete in der Indischen Union verbleiben. Dieses Kriterium traf nicht für die semi-autonomen Fürstenstaaten und damit auch nicht für Kaschmir zu. Das entsprechende britische Gesetz (Indisches Unabhängigkeitsgesetz von 1947) besagte, dass die Herrscher der Fürstenstaaten die Entscheidungsfreiheit haben, sich entweder Indien oder Pakistan anzuschließen (oder unabhängig zu sein).

Kaschmir blieb nach der Teilung Britisch-Indiens zunächst unabhängig, wurde aber bald zu einer militärischen Konfliktregion. Der damalige Maharadscha Hari Singh versuchte durch Verzögerungen in der Entscheidung, sich auf die pakistanische oder indische Seite zu schlagen, die Souveränität zu wahren. Nach Beginn der Invasion von durch Pakistan unterstützten paschtunischen Stammeskriegern und der fortlaufenden Rebellion gegen seine Herrschaft (besonders im Bezirk Punch) bat der Herrscher Indien um militärischen Beistand. Um diesen zu erhalten, erklärte er am 26. Oktober 1947 den Anschluss seines Fürstenstaates an die Indische Union[2]. Binnen weniger Tage verlegte Indien massiv Truppen in die Krisenregion, um Aufständischen und eingesickerten Kämpfern zu begegnen. Pakistan akzeptierte den Beitritt zu Indien nicht. Darüber hinaus wurde der bereits in der Kolonialperiode schwelende Hindu-Moslem-Konflikt immer weiter auf die Ebene der Staatspolitik übertragen, der dadurch kontinuierlich an Brisanz gewann, obwohl die Mehrheit der Bewohner Kaschmirs eine gemäßigte religiöse Einstellung besaß. Die Eskalation führte letztlich zum Ersten Indisch-Pakistanischen Krieg, der 1949 mit der De-facto-Zweiteilung Kaschmirs unter Vermittlung der Vereinten Nationen endete. Seitdem existiert im Süden der indische Bundesstaat Jammu und Kashmir (etwa zwei Drittel des Territoriums), während der Norden mit Asad Kaschmir und Gilgit-Baltistan – bis 2009: Northern Areas (Nordgebiete) – unter pakistanischer Verwaltung steht. Die Grenzlinie zwischen dem pakistanischen und indischen Teil bildet die Waffenstillstandslinie („Line of Control“) von 1949. Sie ist etwa 750 km lang und steht unter dem Mandat der Vereinten Nationen.

Die vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen im April 1948 geforderte Volksabstimmung über den Beitritt Kaschmirs zu Indien oder Pakistan[3] hat bis heute nicht stattgefunden. Indien und Pakistan führen die folgenden Gründe an:

  • Der Beitritt nach Indien sei zulässig, weil gesetzeskonform. Pakistan wendet ein, dass der Maharaja zu diesem Zeitpunkt nicht mehr die Regierungsgewalt innehatte, da Bürgerkrieg herrschte und Aufständische aus der Region Punch bereits eine eigene Republik, Azad Kashmir, verkündet hatten.
  • Die von den Bürgern gewählte konstituierende Versammlung des Staates von Jammu und Kashmir habe einmütig den Vertrag zum Antritt des Maharajas (im Jahre 1954) bestätigt. 1957 habe die Versammlung eine Verfassung für den Staat beschlossen, der die dauerhafte Zugehörigkeit zu Indien festschrieb. Ein spezieller Status sei Jammu & Kashmir in der indischen Verfassung (Artikel 370) gegeben worden, um seine speziellen Interessen zu schützen. Pakistan bestreitet die Legitimität der Wahlen, da diese unter den illegitimen Umständen der indischen Besatzung stattgefunden hätten und nicht die gesamte Bevölkerung Kaschmirs daran teilgenommen hätte.
  • Der erste Artikel der Resolution der Vereinten Nationen besage, dass Pakistan die Gegenden sofort räumen müsse, die es mit Hilfe der sog. Tribals (lokale Stammesgruppen) und der Armee im Jahre 1948 besetzt hatte. Pakistan habe jene Gegenden nie geräumt. Stattdessen habe Pakistan einen sehr großen Teil der besetzten Provinz („Nordgebiete“) in sein Territorium integriert. Pakistan wendet ein, dass Indien keine neutrale Ordnungsmacht sei, wie in der Resolution vorgesehen, sondern dass es einen Abzug der pakistanischen Truppen zu seinem Vorteil nutzen und gesamt Kaschmir annektieren würde.
  • Die UNO-Resolution besage, dass Indien und Pakistan das Schicksal von Kaschmir entsprechend den Wünschen der Bevölkerung Kaschmirs entscheiden müssen. Durch die Teilnahme an mehreren demokratischen Wahlen zum Regionalparlament Jammu & Kaschmirs (vergleichbar mit den Landtagen in Deutschland) habe die dortige Bevölkerung ihre Zugehörigkeit zu Indien bekundet. Pakistan wendet ein, dass die Wahlen nicht im ungeteilten Kashmir, sondern nur im indisch kontrollierten Teil, in dem die indische Armee Systemgegner zum Schweigen gebracht habe, stattgefunden haben. Außerdem seien bei den ersten Wahlen über 90 % der pro-indischen Kandidaten ohne Gegenkandidaten angetreten, da die Opposition die Wahlen boykottierte. Das in der UNO-Resolution festgeschriebene Referendum hätte nie stattgefunden und Indien hätte auch kein Interesse daran.
  • Pakistan trainiere und entsende Freiheitskämpfer in den indischen Teil Kaschmirs. Viele dieser Freiheitskämpfer seien pakistanische und sogar afghanische Staatsbürger und führten einen Krieg gegen Indien.

Pakistan betrachtet vor allem einen muslimisch geprägten Nationalismus und leitet daraus den Souveränitätsanspruch über ein Land mit 77 % muslimischer Bevölkerung ab:

  • Verbunden damit sei der Anschluss Kaschmirs an Pakistan sowie die uneingeschränkte Kontrolle über den Oberen Indus (Jammu und Kashmir) und dessen Nebenflüsse für die Bewässerung der zentralen Ebenen Pakistans. Indien und die zuständige Grenzkommission 1947 führte ebenfalls wirtschaftliche Gründe für den Beitritt Kaschmirs zur Indischen Union an.
  • Die indische Armee verletze zudem die Menschenrechte der Einwohner Kaschmirs, schrecke auch vor Folter und Mord an unbeteiligten Einwohnern nicht zurück.
  • Infolgedessen hätten die Einwohner Kaschmirs auf den bewaffneten Kampf gegen die illegitime indische Besetzung zurückgreifen müssen.

Aus indischer Sicht steht vor allem die Vermeidung eines Präzedenzfalles durch Loslösung aus dem Staatsverbund Indiens und die Sicherung der Verkehrswege in das Hochtal von Kaschmir im Vordergrund. Das Regierungsprinzip des säkularen Nationalismus, das heißt keine Abhängigkeit der Regierung von Religionen, sollte für ganz Kaschmir gelten und somit auch für die muslimisch dominierten Bereiche. Indien sieht in der Kaschmirfrage daher keinen Diskussionsbedarf.

Aus pakistanischer Sicht stellt die Kaschmir-Frage einen Präzedenzfall für die Rolle des Landes als selbstproklamierte „Heimat der indischen Muslime“ dar. Indien versuchte durch die Annexion Kaschmirs diesen Anspruch und so das gesamte Gründungsprinzip des pakistanischen Staates infrage zu stellen. Der Kaschmir-Konflikt stellt so einen wichtigen identifikativen Bezugspunkt des pakistanischen Staates dar, der sich über einen gemeinsamen Feind gegenüber Systemkritikern legitimieren will.

Neben Indien und Pakistan ist die Volksrepublik China als dritte Partei indirekt am Kaschmirkonflikt beteiligt. Nach der gewaltsamen Besetzung des im Osten Kaschmirs gelegenen Aksai-Chin-Plateaus durch chinesische Truppen (1956 und 1962) näherte sich Indien verstärkt der Sowjetunion an. Aufgrund der gleichgerichteten Interessenlage gegen Indien wurde Pakistan zum Verbündeten Chinas. Es trat 1963 seinerseits einen schmalen Streifen um die K2-Gipfelregion an China ab. Dieses ehemals zu China gehörende Gebiet wurde seit der britischen Kolonialzeit von Pakistan kontrolliert. Im Gegenzug erhielt Pakistan chinesische Hilfe beim Bau des Karakorum Highway.

Das Gebiet von Aksai Chin war bis 1956 ein autonomes Fürstentum, das sich an der Politik des Maharajas von Kaschmir orientierte. Die Chinesen sahen die Besetzung als Rückeroberung eines von Britisch-Indien 1846 unrechtmäßig besetzten Gebietes. Außerdem planten sie eine Straße von Westtibet durch Aksai Chin weiter nach China, welche ab 1958 auch gebaut wurde.

Sowohl die indische als auch die pakistanische Regierung nehmen sowohl auf internationaler Ebene als auch in Südasien für sich in Anspruch, die rechtmäßigen Vertreter der kaschmirischen Interessen zu sein. Während die indische Seite einen multikulturellen und Minderheiten tolerierenden Staat propagiert, der aber keinerlei Separationsbestrebungen der einzelnen Bundesstaaten akzeptiert, erhebt Pakistan den Anspruch, alle südasiatischen Muslime in einem (pakistanischen) Staat zu vertreten, da deren Interessen in einer Minderheitensituation unter indischer Verwaltung letztlich nicht gesichert seien. Multikulturalität sei nur die äußere Rhetorik einer impliziten Politik der Bevormundung und Benachteiligung.

Bereits 1947 zeichnete sich jedoch eine weitere Option ab. Kaschmirische Nationalisten forderten die Gründung eines von Indien und Pakistan unabhängigen Binnenstaates Kaschmir, der sich idealerweise aus dem pakistanisch-kontrollierten Asad Kaschmir und dem indisch-kontrollierten Jammu und Kashmir zusammensetzen sollte. Diese Lösungsvariante wird bis heute nicht nur von Indien und Pakistan aus strategischen, ökonomischen und sozio-kulturellen Erwägungen abgelehnt, sondern auch von einer Mehrheit der kaschmirischen Bevölkerung, welche einen unabhängigen muslimischen Staat Kaschmir fordert.

Pakistan verlangte die Lösung der Kaschmir-Frage auf der Basis der entsprechenden Resolutionen der Vereinten Nationen und des Selbstbestimmungsrechts des kaschmirischen Volkes, insbesondere der Muslime.

1965 kam es im Streit um die Region zum Zweiten Indisch-Pakistanischen Krieg. 1999 brach auf Grund des Eindringens von Pakistan unterstützter bewaffneter Einheiten in die Region um Kargil der Kargil-Krieg aus.

Im Zuge des einsetzenden Entspannungsprozesses Ende 2003 schlug der pakistanische Präsident Pervez Musharraf einen völligen Truppenabzug (des indischen und des pakistanischen Militärs) aus der umstrittenen Himalaya-Region vor. Indien lehnt dies mit Hinweis auf die instabile, komplexe Sicherheitslage und wegen der Gefahr des Einsickerns von Extremisten aus Pakistan ab. Der zentrale Streitpunkt zwischen beiden Ländern, wonach sie beide den alleinigen Anspruch auf ganz Kashmir erheben, wurde in dem bisherigen Annäherungsprozess ausgeklammert.

Kurzübersicht[Bearbeiten]

  • circa 250 v. Chr.: Ashoka besetzt Kaschmir und führt den Buddhismus ein
  • um 530: Weiße Hunnen unter Mirihakula, Buddhistenverfolgung in Kaschmir
  • circa 625–855: Karkota-Dynastie: Staatsbildung und weitreichender politisch-kultureller Einfluss Kaschmirs
  • circa 725–754: König Lalitaditya, der Eroberer
  • 855–939: erneute Blütezeit Kaschmirs unter der Utpala-Dynastie
  • circa 950–1003: Königin Didda aus Lohara
  • 1003–1171: Lohara-Dynastie
  • 1101: Sturz König Harshas (reg. 1089–1101) - in der Folge verfällt das Königtum zugunsten des Landadels
  • 12. und 13. Jahrhundert: langsames Vordringen des Islam
  • 1339: Shah Mir, ein muslimischer Abenteurer und Ex-Minister zwang die letzte Hindu-Königin Kota Devi zur Heirat und brachte sie anschließend um
  • 1389–1413: Sultan Sikandar Shah, Zwangsmaßnahmen gegen Hindus
  • 1585 und 1586: der Mogulkaiser Akbar gliedert Kaschmir seinem Staat an, wiederholte Besuche der Mogulkaiser
  • 1846: Kaschmir wird nach dem Ersten Sikh-Krieg unter Maharaja Ghulam Singh Teil von Britisch-Indien
  • 1947: Großbritannien entlässt Britisch-Indien nach dem Mountbattenplan in die Unabhängigkeit, wonach ca. 8,4 Mio. Menschen flüchten oder zwischen den beiden Staaten Indien und Pakistan umgesiedelt werden, über 1 Mio. Menschen sterben bei Pogromen und auf der Flucht, pakistanische Freischärler sickern in Kaschmir ein, Maharaja Hari Singh erklärt den Anschluss Kaschmirs an Indien und ruft indische Truppen ins Land, Erster Indisch-Pakistanischer Krieg
  • 1949: Waffenstillstand, Festlegung der Waffenstillstandslinie („Line of Control“), Teilung von Kaschmir (2-Nationen-Theorie), Forderung eines Referendums über einen eigenen Staat Kaschmir durch die Vereinten Nationen
  • 1956: Absetzung aller indischen Fürsten
  • 1957: Jammu und Kashmir wird Bundesstaat von Indien
  • 1960: Indus-Wasservertrag zwischen Pakistan und Indien, über die Nutzung der in das Indus-Tal mündenden Flüsse
  • 1962: Indisch-Chinesischer Grenzkrieg, China besetzt Aksai Chin (westlicher Teil der indischen Region Ladakh)
  • 1965: Pakistan greift indischen Bundesstaat Jammu und Kashmir an, Zweiter Indisch-Pakistanischer Krieg und Waffenstillstand
  • 1966: Frieden von Taschkent und offizielle Anerkennung der „Line of Control“
  • 1971 und 1972: Dritter Indisch-Pakistanischer Krieg, Niederlage Pakistans, Verlust von Ost-Pakistan und Gründung des neuen Staates Bangladesch
  • 1974: Absetzung des letzten Mirs (Fürst) von Azad Kashmir und Angliederung des Gebietes an Pakistan
  • 1984: Beginn der Kämpfe auf dem Siachen-Gletscher zwischen Pakistan und Indien um den von Indien kontrollierten Zugang zum Tal von Leh
  • 1986 und 1987: China und Indien ziehen Truppen im Ladakh-Grenzgebiet zusammen, erste Anschläge moslemischer Extremisten auf indische Einrichtungen, die einen autonomen Kaschmirstaat fordern oder den Anschluss an Pakistan
  • 1988: Schiitische Revolte in Gilgit
  • 1990: Terror im Kaschmir-Tal erreicht Höhepunkt, Flucht von über 100.000 Hindus (Kashmiri Pandits) aus dem Tal nach Jammu; Indien und Pakistan verstärken ihre Truppen an den Grenzen, Ermordung des höchsten religiösen Moslem-Führers (Mirwait Mohammed Farooq)
  • 1999: Freischärler dringen vom pakistanischen in den indischen Teil um die Stadt Kargil ein, Vierter Indisch-Pakistanischer Krieg
  • 2000: Bundesstaat Jammu und Kashmir fordert von Indien weitgehende Autonomie, was vom indischen Staatspräsidenten abgelehnt wird
  • 2001: Selbstmordanschlag islamischer Extremisten auf das Parlament in Srinagar und in Neu-Delhi, im Gegenzug sperrt Indien alle Verkehrsverbindungen nach Pakistan
  • 2002: Beiderseits der „Line of Control“ Aufmarsch von großen militärischen Verbänden und Einheiten, einzelne Gefechte, Pakistan droht im Falle eines Krieges mit einem nichtkonventionellen Gegenschlag: Atomwaffen
  • Seit Anfang 2004: Entspannung der Situation in Kaschmir, trotzdem kommt es laut dem Heidelberger Institut für Konfliktforschung und dem Südasieninstitut der Universität Heidelberg immer noch nahezu wöchentlich zu Anschlägen in Kaschmir, denen zahlreiche Zivilisten zum Opfer fallen.
  • 2005: Indien und Pakistan haben im April in der umkämpften Grenzregion Kaschmir erstmals seit fast 60 Jahren wieder eine direkte Busverbindung aufgenommen. Die Reisemöglichkeit gilt als wichtiger Schritt in den Friedensbemühungen der bislang verfeindeten Atommächte.
  • 2007: Die Terrororganisation al-Qaida erklärt Indien den Heiligen Krieg in Bezug auf Kaschmir.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Pashmina-Schals aus Kaschmirwolle und Seide, hergestellt in Nepal

Nach der Region benannt ist die kostbare Kaschmirwolle, die zum Ende des Winters durch Kämmen aus dem Unterfell der Kaschmirziege gewonnen wird. Pro Tier werden ca. 150 Gramm gesammelt, die dann (von Hand) von den einzelnen Oberhaaren (Grannen) gereinigt werden müssen. Der Verkaufspreis der Wolle richtet sich nach deren Qualität; die Haare sollten möglichst fein (dünn), lang und hell (weiß) sein.

Literatur[Bearbeiten]

  • Andreas Birken: Philatelic Atlas of British India, CD-ROM, Hamburg 2004.
  • Ian Copland: The princes of India in the endgame of empire 1917–47. Cambridge 1997, ISBN 0-521-57179-0.
  • Karl-Heinz Golzio: Der Konflikt um Kaschmir – seine Wurzeln, sein Ausbruch, seine Entwicklung. In: Stephan Conermann (Hg.): Asien heute: Konflikte ohne Ende ... (= Bonner Asienstudien 2). Hamburg-Schenefeld 2007, S. 19–37.
  • Imperial Gazetteer of India, 2. A., 26 Bde., Oxford 1908-1931.
  • Alistair Lamb: Kashmir. A disputed legacy 1846-1990. Hertingbury, Hertingfordshire 1991.
  • Mridu Rai: Hindu Rulers, Muslim Subjects: Islam, Community and the History of Kashmir. C. Hurst & Co Publishers 2004, ISBN 1-85065-701-7
  • Frits Staal: The Stamps of Jammu & Kashmir. Collectors Club, New York 1983, ISBN 0-912574-37-X (formal falsche ISBN).
  • Oliver Uhrig, Vera Kudlinski: Das Kaschmir-Tal, Leben zwischen Paradies und Abgrund. Horlemann Verlag 2007, ISBN 978-3-89502-245-6
  • Brigid Keenan: Travels in Kashmir: A Popular History of its People, Places and Crafts. Permanent Black Pub & Himalayana 1989, ISBN 81-7824-165-X
  • K. Warikoo (Hrsg.): The Other Kashmir. Society, Culture and Politics in the Karakoram Himalayas. Institute for Defense Studies and Analyses. Pentagon Press, Neu Delhi 2014

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kaschmir – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dagmar Röhrlich: Seismische Gefahr im Kaschmir-Tal. In: dradio.de, Deutschlandfunk, Forschung Aktuell, 9. Januar 2012 (14. Januar 2012)
  2. Instrument of Accession executed by Maharajah Hari Singh on October 26, 1947
  3. RESOLUTION 47 (1948) ON THE INDIA-PAKISTAN QUESTION SUBMITTED JOINTLY BY THE REPRESENTATIVES FOR BELGIUM, CANADA, CHINA, COLUMBIA, THE UNITED KINGDOM AND UNITED STATES OF AMERICA AND ADOPTED BY THE SECURITY COUNCIL AT ITS 286TH MEETING HELD ON 21 APRIL, 1948.