Lars Gustafsson

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Lars Gustafsson (2008)

Lars Gustafsson (* 17. Mai 1936 in Västerås) ist ein schwedischer Schriftsteller und Philosoph.

Leben[Bearbeiten]

Lars Gustafsson studierte Literatur, Philosophie und Soziologie an den Universitäten von Uppsala/Schweden und Oxford. Seit den 1960er Jahren tritt er als Lyriker, Philosoph und Romancier in Erscheinung. Neben seinem literarischen Schaffen war er anfangs zeitweilig Chefredakteur einer Literaturzeitschrift. Schon bald knüpfte er internationale Kontakte, auch in der Welt der Literatur, z. B. zur deutschen Autorengemeinschaft Gruppe 47.

Durch ein DAAD-Stipendium für einen einjährigen Arbeitsaufenthalt in West-Berlin gelangte er 1972 nach Deutschland,[1] wo er für zwei Jahre lebte. In diese Zeit fielen ausgedehnte Reisen, u. a. nach Australien, Singapur, Tokio, Israel und in die USA. 1961 wurde er im Fach Philosophie promoviert, 1979 schloss er seine Habilitation ab. 1981 konvertierte Gustafsson zum Judentum. 1983 bis 2006 war er Professor für Germanistische Studien und Philosophie an der University of Texas in Austin/Texas. Seit Mai 2006 lebt er in Södermalm, Stockholm. Die Sommermonate verbringt er regelmäßig in Västmanland.

Sein jüngster Aufenthalt in Deutschland stand in Zusammenhang mit der Tübinger Poetik-Dozentur, an der sich Gustafsson 2005 als Dozent beteiligte. Seine Vorlesungen sind unter dem Titel Augenblick und Gedicht veröffentlicht. Im Jahre 2009 machte er anlässlich der Europawahl 2009 Schlagzeilen, als er mit einem Wahlaufruf offiziell die schwedische Piratenpartei unterstützte. Zur Begründung sagte der Autor:

„Letztlich geht es um das Bürgerrecht auf Information. Das ist wichtiger als das Urheberrecht.“

Lars Gustafsson[2]

Mit der Verleihung der Goethe-Medaille 2009 wird Gustafsson für sein umfangreiches literarisches Werk und dem darin enthaltenen starken Deutschlandbezug geehrt. Das Goethe-Institut hebt in seiner Begründung hervor, der Autor habe „seit den 70er Jahren das deutsche Schwedenbild jenseits der großen Kinderbuchtradition und der populären schwedischen Kriminalliteratur geprägt.“[3] Besonders in seiner Pentalogie Risse in der Mauer schicke er den Leser auf eine Zeitreise durch die 60er und 70er Jahre Schwedens, die präzise und kritisch den Wandel im gesellschaftlichen Wertesystem verfolgt.

Am 25. August 2010 verließ Gustafsson die schwedische Piratenpartei aus Protest gegen die Zusammenarbeit mit dem Portal WikiLeaks, welchem er vorwirft Todeslisten für die Taliban zu liefern.[4]

Werke[Bearbeiten]

Beim Signieren 2009

1957 gab er sein literarisches Debüt mit dem Roman Vägvila (Wegesrast), der eine Mischung aus Prosa und Lyrik darstellt.

In der Romanreihe Risse in der Mauer geht es um die späten 60er und frühen 70er Jahre. Der Band umfasst die Autobiographie Herr Gustafsson persönlich (1972), das Jugenddrama Wollsachen (1974) sowie Familientreffen (1976), Sigismund (1977) und Tod eines Bienenzüchters (1978).

Bei dem kurzen Roman Nachmittag eines Fliesenlegers (En kakelsätteres eftermiddag, 1991) handelt es sich eher um eine philosophische Parabel über Sinn und Sinnlosigkeit des Lebens, dessen Geheimnisse vom Menschen nie wirklich entschlüsselt werden können.

Bezeichnenderweise sagt der Autor über sich selbst: “I tend to regard myself as a philosopher who has turned literature into one of his tools.” Umgekehrt spiegelt aber auch sein philosophisches Werk seine literarischen Interessen, hat er sich doch besonders mit Sinn und Bedeutung, mit Mehrsprachigkeit und Kreativität auseinandergesetzt.

In dem 1993 veröffentlichten Roman Historien med hunden (deutsch 1994 Die Sache mit dem Hund) verarbeitet der Autor die posthum aufgedeckten Artikel des Wissenschaftlers Paul de Man.

In Geheimnisse zwischen Liebenden (Tjänarinnan. En kärleksroman, 1996) geht es um einen erfolgreichen Mann von Ende 50, der sich nicht recht traut, der Liebe, die er für seine kolumbianische Putzfrau empfindet, Ausdruck zu verleihen.

Die Verfilmung des Romans Wollsachen im Jahre 2003 unter dem Titel Sprickorna i muren beweist, dass Gustafsson in seiner Heimat ein noch immer gern gelesener Autor ist.

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten]

2009 erhielt Gustafsson in Weimar die Goethe-Medaille, die am Geburtstag von Johann Wolfgang Goethe, dem 28. August, verliehen wurde.

Liste der Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Sprache und Lüge (Habil., Philosophie)
  • Poeten Brombergs sista dagar och död, Roman (1962, Letzte Tage und Tod des Poeten Bromberg – nicht ins Deutsche übersetzt)
  • Bröderna, Roman (Die Brüder - nicht ins Deutsche übersetzt)
  • Der eigentliche Bericht über Herrn Arenander, Erzählung (1966, Den egentliga berättelsen om herr Arenander)
  • Die Maschinen, Gedichte (1967)
  • Bakunins Reise / Thorn, Erzählungen (1968)
  • Utopien, Essays (1970)
  • Herr Gustafsson persönlich, Roman (1972)
  • Wollsachen, Roman (1973, Yllet)
  • Die unnötige Gegenwart, Essays (1974, Den onödiga Samtiden zusammen mit Jan Myrdal)
  • Världsdelar, Reiseberichte (1975, Erdteile - nicht ins Deutsche übersetzt)
  • Das Familientreffen, Roman (1975, Familjefesten)
  • Sigismund, Roman (1976)
  • Die Tennisspieler, Erzählung (1977, Tennisspelarna)
  • Eine Liebe zur Sache, Prosastücke (1977, Auswahl aus Den Lilla Världen und I Mikroskopet)
  • Der Tod eines Bienenzüchters, Roman (1978)
  • Erzählungen von glücklichen Menschen, Erzählungen (1981)
  • Die Stille der Welt vor Bach (Gedichte, 1982, Världens tystnad före Bach)
  • Trauermusik, Roman (1983, Sorgemusik för frimurare)
  • Die dritte Rochade des Bernard Foy, Roman (1986)
  • Die Kunst den November zu überstehen und andere Geschichten, Erzählungen (1988)
  • Das seltsame Tier aus dem Norden und andere Merkwürdigkeiten, Science Fiction (1989, Det sällsamma djuret fran norr)
  • Nachmittag eines Fliesenlegers (1991, En kakelsätteres eftermiddag)
  • Die Sache mit dem Hund, Roman (1993, Historien med hunden)
  • Palast der Erinnerung, Roman (1994, Ett Minnespalats, Vertikala Memoarer)
  • Geheimnisse zwischen Liebenden, Roman (1996, Tjärnarinnan. Ein kärleksroman.)
  • Windy erzählt, Roman (1999, Windy berätter)
  • Blom und die zweite Magenta, Jugendbuch (2001)
  • Auszug aus Xanadu, Gedichte (2003, En tid i Xanadu)
  • Der Dekan, Roman (2004, Dekanen)
  • Augenblick und Gedicht. Tübinger Poetik-Dozentur 2005. (2006)
  • Die Sonntage des amerikanischen Mädchens, Verserzählung (2006, Den amerikanska flickans söndagar) ISBN 978-3-446-20927-5.
  • Alles, was man braucht. Ein Handbuch für das Leben. (2006, Herr Gustafssons familjebok - zusammen mit Agneta Blomqvist), aus dem Schwedischen von Verena Reichel; Hanser Verlag, München 2010, ISBN 978-3-446-23550-2.
  • Die Logik der Toleranz. Essay, 17. Februar 2007, auch online
  • Frau Sorgedahls schöne weiße Arme. Roman, (2008, Fru Sorgedahls vackra vita armar) ISBN 978-3-446-23273-0.
  • Das Lächeln der Mittsommernacht. Bilder aus Schweden. zusammen mit Agneta Blomqvist (2012), Hanser Verlag, München 2013, ISBN 978-3-446-23978-4.
  • Der Mann auf dem blauen Fahrrad, Roman (2012, Mannen på den blå cykeln. Drömmar ur en gammal kamera), Hanser Verlag, München 2013, ISBN 978-3-446-24335-4.
  • Die Übersetzungen aus dem Schwedischen erfolgten für die frühen Werke z. T. durch Hans Magnus Enzensberger, ab Herr Gustafsson persönlich wurden die Bücher von Verena Reichel ins Deutsche übertragen.

Film[Bearbeiten]

  • 1977: Lars Gustafsson. Eine Produktion des Saarländischen Rundfunks/Fernsehen (45 Minuten). Buch und Regie: Klaus Peter Dencker

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eintrag zu Gustafsson, Lars beim Berliner Künstlerprogramm des DAAD.
  2.  Reine Hysterie!. In: Der Spiegel. Nr. 27, 2009, S. 113 (29. Juni 2009, online).
  3. Goethe-Institut, Pressemitteilung vom 24. Juni 2009 (PDF; 221 kB)
  4. Süddeutsche Zeitung Online, vom 25. August 2010 10:06MEZ

Weblinks[Bearbeiten]