Levensauer Hochbrücke

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Mit Levensauer Hochbrücke werden die Hochbrücken bezeichnet, die den Nord-Ostsee-Kanal zwischen dem Stadtteil Suchsdorf der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt Kiel auf der Südseite und dem Ortsteil Levensau der Gemeinde Neuwittenbek auf der Nordseite des Kanals überspannen.

Name[Bearbeiten]

Die Brücke hat ihren Namen von einer kleinen Ansammlung von etwa zehn Häusern, die nordwestlich der Brücke liegt. Diese wiederum hat ihren Namen von dem Fluss Levensau, der bis 1784 hier entlang floss und dann zum Eider-Kanal ausgebaut wurde. Der Eider-Kanal wiederum wurde 1893 zum Kaiser-Wilhelm-Kanal ausgebaut.

Erste Brücke von 1893[Bearbeiten]

Die Straßen- und Eisenbahnbrücke wurde 1893/1894 über dem damals an dieser Stelle noch nicht vollendeten Kanal errichtet, um die Eisenbahn-Strecke Kiel–Flensburg und die Chaussee Kiel–Eckernförde über den Kanal zu führen. Sie hat mit ca. 163 Metern die größte Spannweite der ursprünglichen Kanalbrücken, die lichte Höhe über dem Kanal beträgt in der Mitte der Brücke ungefähr 42 Meter. Kaiser Wilhelm II. lobte das Bauwerk als die schönste Brücke über den unter ihm erbauten Kaiser-Wilhelm-Kanal. Ursprünglich bildeten vier Türme über den Widerlagern zwei Tore, die architektonische Gestaltung dieser Massivbauten entwarf der Architekt und preußische Baubeamte Hermann Muthesius[1]. Auf der Brücke selbst gab es dadurch Raum für eine Schänke und sogar für einen kleinen Bahnhof, an dem bis in die 1960er Jahre hinein Züge hielten.

Beim Trennen von Fahrbahn und Eisenbahngleis 1954 wurden die Türme mit ihren Torbögen und das aufgeständerte, horizontal über dem Gleis und der Fahrbahn angeordnete Fachwerk entfernt. Von der ursprünglichen Brücke blieben die Brückenköpfe mit den Widerlagern und die eisernen Bögen erhalten. Es sind genietete, zweigelenkige Fachwerkbögen aus Schweißeisen mit senkrechten Pfosten und sich kreuzenden Diagonalen zwischen den Gurten. Die Fachwerkbögen haben eine Konstruktionshöhe von 3,20 m am Scheitel und von 5,60 m an den Kämpfern. Die Überbaukonstruktion für die Fahrbahn der Kreisstraße und das eine Bahngleis sowie für den einseitigigen Geh- und Radweg ist auf den Fachwerkbögen aufgeständert. Die Fahrbahnebene liegt auf 42 m Länge unterhalb des Scheitels der Bögen.[2]

In den beiden Widerlagern der alten Brücke überwintern jedes Jahr mehrere tausend Fledermäuse. Die größte Gruppe stellen dabei die Großen Abendsegler. Für diese Art ist die Levensauer Hochbrücke das größte derzeit bekannte Winterquartier in Mitteleuropa.[3]

Die Brücke soll 2014 rückgebaut werden[4] und eine neue Brücke unter Nutzung des Südpfeilers der alten Brücke auf der vorhandenen Trasse errichtet werden.[5][6]

Zweite Brücke von 1984[Bearbeiten]

Für den Kraftfahrzeugverkehr wurde 1984 zusätzlich eine neue vierspurige Brücke eröffnet. Sie befindet sich östlich der alten Brücke und löste diese als Teil der B 76 ab.[4] Sie verfügt je Fahrtrichtung über zwei Fahrstreifen und einen Standstreifen. Die Geschwindigkeit darauf ist auf 100 km/h begrenzt. Im Jahr 2010 wurde in einer mehrmonatigen Bauphase der gesamte Fahrbahnbelag sowie die Geländer und Leitplanken erneuert.

Neue Brücke, geplant ab 2012[Bearbeiten]

Wegen des fortgeschrittenen Alters der zu ersetzenden alten Levensauer Hochbrücke wurde zunächst ein Neubau zwischen den beiden bisherigen Brücken erwogen. Die Kosten dazu wurden mit 47 Millionen Euro beziffert.[4] Die Gründe für den Neubau sind vielfältig: Eine neue Brücke ist wirtschaftlicher als die Ertüchtigung der alten Brücke für weitere zwanzig Jahre. Die erforderliche Durchfahrtshöhe von 42 Metern über dem Wasserspiegel wird nur in der Mitte der alten Brücke erreicht, weshalb sie zur Zeit die engste Stelle im Nord-Ostsee-Kanal definiert.[4] Im Rahmen des Brückenneubaus soll das Habitat der oben genannten Fledermaus-Population erhalten bleiben.[4] Da die Gründungsarbeiten und Dammschüttungen für den Neubau zwischen den bestehenden Brücken Setzungsprobleme ergeben würde, war auch ein Neubau auf der bisherigen Brückentrasse im Gespräch.[7]

Nach Entscheidung des Bundesverkehrsministeriums soll nun auf der Trasse der alten Brücke unter Nutzung des zu ertüchtigenden südlichen Widerlagers ein neues Brückenbauwerk errichtet werden.[6]

Bilder[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Some Notable German Arch Bridges. In: Scientific American, Vol. LXXX, No. 12 (March 25th, 1899)

Weblink[Bearbeiten]

 Commons: Levensauer Hochbrücke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatKieler Kanalbrücken: Verlorene Wahrzeichen einer Ostseestadt 1800/2000. Abgerufen am 20. April 2011 (MS Word; 29 kB).
  2. Friedrich Standfuß, Joachim Naumann: Brücken in Deutschland II. Deutscher Bundes-Verlag, Köln 2007, ISBN 3-935064-46-2, S. 56
  3. Der NABU Schleswig-Holstein über die Fledermäuse in der Levensauer Hochbrücke
  4. a b c d e Pressemitteilung des Wasser- und Schifffahrtsamts Kiel-Holtenau: Alte Levensauer Hochbrücke wird neu gebaut (PDF, 61 KB), abgerufen am 15. Juli 2009
  5. Kieler Nachrichten: Die Tage der Levensauer Hochbrücke sind bereits gezählt
  6. a b Planungsstart für neue Brücke. In: Täglicher Hafenbericht vom 25. Juli 2012, S. 3
  7. Kieler Nachrichten: Brücke über der Brücke als neues Wahrzeichen (Version vom 15. Juli 2010 im Internet Archive)

54.36777777777810.075833333333Koordinaten: 54° 22′ 4″ N, 10° 4′ 33″ O