Little Shell Tribe

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Der Little Shell Tribe oder Little Shell Tribe of Chippewa Indians of Montana ist ein Indianerstamm bei Great Falls in Montana, der sich aus Angehörigen der Chippewa und der Cree zusammensetzt. Er ist zwar von Montana, jedoch nicht von der Bundesregierung als Indianerstamm (tribe) anerkannt. Zu ihm gehören mehr als 4.000 Menschen, die sich partiell auf Métisvorfahren zurückführen. Daher wurden sie lange als Halbblut (Half-Breeds) angesprochen.

Der Name des Stammes geht auf Häuptling Esens oder Thomas Little Shell († 1901) zurück.

Geschichte[Bearbeiten]

Frühgeschichte[Bearbeiten]

siehe bei Ojibwa

Vorfahren[Bearbeiten]

Der Stamm führt sich einerseits auf die Métis genannten Nachfahren von Cree- oder Ojibwafrauen zurück, wobei bei ihnen die letzteren überwogen. Die Väter waren meist französischer Abstammung. Die Métis waren überwiegend katholisch. Die Vorfahren der Little Shell lebten allerdings nicht im kanadischen Red-River-Distrikt, sondern in Nord-Dakota im Pembina District.

1870 zog ein Teil von ihnen westwärts und lebte neun Jahre am Milk River in Montana. Nachdem Chief Joseph 1877 seinen Kampf gegen die US-Armee hatte aufgeben müssen, halfen sie Flüchtlingen über die kanadische Grenze. Im Mai 1879, als das überlebensnotwendige Kleinwild ausblieb, zogen 25 Métis-Familien an den oberen Missouri. Sie zogen über Fort Benton zu den Judith Mountains. Dort bauten sie Hütten und nach wenigen Jahren war Lewistown entstanden.

1883 flüchtete Louis Riel nicht zufällig nach Montana, nachdem der Métisführer in einem Aufstand gegen die kanadische Regierung unterlegen war. 1885 kam Gabriel Dumont aus Saskatchewan zur St. Peter's Mission unweit von Cascade, und überzeugte Riel von der Notwendigkeit, den Aufstand ein zweites Mal zu wagen. Gabriel Dumont floh nach der neuerlichen Niederlage für einige Jahre nach Montana, Louis Riel wurde in Regina hingerichtet. Eine unbekannte Zahl von Cree-Métis (im Gegensatz zu den ortsansässigen Ojibwa-Métis) kam ebenfalls nach Montana. Bald galten alle örtlichen Métis als „kanadische“ Métis, und damit als Abkömmlinge von Franzosen und Cree, nicht von Ojibwa.

Andererseits existierte in der Pembina-Gegend eine Chippewa-Gruppe, die sicherlich in Verwandtschaftsbeziehungen zu den Métis stand. Diese kleine Gruppe beanspruchte Land nördlich des Devils Lake, zu dem auch die Turtle Mountains gehörten. Ihr Führer hieß Little Shell, „kleine Muschel“, ebenso wie sein Sohn und sein Enkel, die ihm als Häuptlinge folgten. Diese Gruppe wurde als Pembina band anerkannt. 1863 schlossen sie einen Vertrag. Doch am 4. Oktober 1882 öffnete die Regierung ihr Land für die Besiedlung. Nur im Südosten der Turtle Mountains entstanden zwei stark verkleinerte Reservate. Der zuständige Indianeragent berichtete 1884 von „31 Chippewas and 1,200 mixed bloods“ im Reservat. Am 19. August 1890 beauftragte der Kongress Indianeragenten, das Reservat aufzulösen, zumal die Bewohner nach dem endgültigen Verschwinden der Bisons nicht wussten, wovon sie leben sollten.

Die Entstehung des Stammes[Bearbeiten]

1892 kam der zuständige Indianeragent John Waugh in die Turtle Mountain Reservation in North Dakota, als Häuptling Thomas Little Shell (Esens) mit 112 Familien auf der Jagd war. In seiner Abwesenheit kam es zu einem Vertrag, durch den der Stamm 9.500.000 Acre Land für eine Million Dollar verkaufte. Weil dies einen Kaufpreis von 10 Cent pro Acre bedeutete, wurde der Vertrag auch als 10 Cent Treaty bekannt. Esens weigerte sich, den Vertrag anzuerkennen, zumal 112 Familien mit 525 Angehörigen nicht mehr in der Stammesrolle auftauchten, die jedoch die einzige Möglichkeit war, Landansprüche und staatliche Hilfe zu wahren. Esens beauftragte John Bottineau für den Stamm zu klagen, doch er konnte sich nicht durchsetzen. Am 21. April 1904 ratifizierte der Kongress den fingierten Vertrag.

Die plötzlich Landlosen zerstreuten sich. 1896 wurden 600 von ihnen von der Armee unter dem Befehl von John J. Pershing aufgelesen, auf Autos verladen und bei Lethbridge in Kanada wieder abgeladen.[1] Während des Winters gingen sie jedoch zurück und schlugen sich in winzigen Hütten und Zelten durch. Dabei wurden sie sowohl von Weißen, als auch von den indianischen Stammesangehörigen abgewiesen. 1906 versuchten 549 Stammesmitglieder wenigstens an Indianern zustehendes Land für eine Ansiedlung zu kommen, doch ohne Erfolg.

Im Gegensatz zu den 11 Stämmen, die in Montana durch die Bundesregierung anerkannt, und für die 7 Reservate eingerichtet wurden, lebten die nicht Anerkannten in kleinen Papphütten und Zelten dort, wo sie geduldet wurden. Sie arbeiteten auf Rinderfarmen, und auch die Kinder verdingten sich dort, wobei sie von Farm zu Farm zogen und während der warmen Jahreszeit keine Schule besuchten. Zudem hatten sie keinen Zugang zur Gesundheitsvorsorge, so dass ihnen im Alter oftmals Zähne oder Brillen fehlten. Vielfach boten die Crow ihnen medizinische Hilfe an.

Dem Führer des Stammes, Joseph (Joe) Dussome, gelang es trotz der widrigen Umstände, den Stamm über mehr als vier Jahrzehnte zusammenzuhalten. Doch viele von ihnen lagerten auf einem Hügel bei Great Falls, der später Hill 57 genannt wurde, während andere nach Choteau, Augusta, Dupuyer, in die Orte am Milk River zogen, wie Havre, Chinook, aber auch Malta und Glasgow. 1927 gründete er einen Stamm mit dem Namen The Abandoned Band of Chippewa Indians (der aufgegebene Stamm der Chippewa-Indianer, wie man übersetzen könnte), 1934 hieß er The Landless Indians of Montana - die landlosen Indianer von Montana. 1930 hatte die Regierung versprochen, Land bei Box Elder für den Stamm zu erwerben, doch das Land ging an die Rocky Boy's Agency, deren Cree-Bewohner, Nachkommen der Riel-Métis, davon profitierten. Ein weiterer Versuch der Regierung, einige Dutzend Acre bei Great Falls zu erwerben, scheiterte am Widerstand der Stadtbewohner. Als Anfang der 40er Jahre ein Gebiet im Phillips County zum selben Zweck gekauft werden sollte, kam der Zweite Weltkrieg dazwischen.

Nach dem Tod von Thomas Little Shell (Ayabiwewidang), einem Enkel des Gründungshäuptlings, ging die Häuptlingschaft an Louie Delorme über, einen Nachkommen eines der Unterzeichner des Vertrages von 1892. 1974 zwang er den United States Claims Court anzuerkennen, dass nicht einmal die 10 Cent pro Acre gezahlt worden waren, die 1892 vereinbart worden waren. Erstmals erkannte ein Gericht zudem an, dass die Turtle Mountain Band of Chippewa Indians nicht mit der Little Shell Band of Chippewa Indians identisch war, geschweige denn, dass sie „kanadische Cree“ seien. Dennoch wurde es immer schwieriger, 109 Jahre der Landlosigkeit mittels Abstammungsnachweisen vor Gericht anerkennen zu lassen, wie man es 1991 verlangte. Montana hat den Stamm inzwischen anerkannt, die Bundesregierung noch immer nicht.

Nach den Versuchen von 1978 und 1985 beantragte der Stamm 1996 erneut seine Anerkennung und erhielt 2000 eine vorläufige Anerkennung.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Marga Lincoln: Little Shell Tribe has sought federal recognition for over a century, in: helenair.com 14. Oktober 2007