Ludwig VIII. (Hessen-Darmstadt)

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Landgraf Ludwig VIII.
„Jagdtagebuch“ Ludwig VIII., Seite vom 10. November 1756 (Zeichnung von Georg Adam Eger, Text von Oberförster Rautenbusch)

Ludwig VIII. von Hessen-Darmstadt (* 5. April 1691 in Darmstadt; † 17. Oktober 1768 ebenda) war von 1739–1768 Landgraf von Hessen-Darmstadt.

Leben[Bearbeiten]

Familie[Bearbeiten]

Ludwig VIII. war der älteste Sohn des Landgrafen Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt (1667–1739) aus dessen Ehe mit Dorothea Charlotte (1661–1705), Tochter des Markgrafen Albrecht von Brandenburg-Ansbach.

Ludwig heiratete am 5. April 1717 im Schloss Philippsruhe Charlotte (1700–1726), Tochter und Erbin des Grafen Johann Reinhard III. von Hanau, die als einziges überlebendes Kind eine reiche Mitgift in die Ehe einbrachte. Im Jahr 1736 erbte sein Sohn, Ludwig IX. die Grafschaft Hanau-Lichtenberg, welche das Herrschaftsgebiet deutlich erweiterte. Im Streit mit Hessen-Kassel um das Amt Babenhausen aus der Hanauer Erbschaft konnte sich Hessen-Kassel nach einem langen Rechtsstreit vor dem Reichskammergericht den größten Teil des Amtes sichern.

Als Großvater von Friederike Caroline Luise von Hessen-Darmstadt und Friederike Luise von Hessen-Darmstadt ist Ludwig VIII. gleich über zwei Stammeslinien Urgroßvater König Friedrich Wilhelms III..

Regierung[Bearbeiten]

Er stand im Siebenjährigen Krieg auf Seiten des Kaisers und erreichte den militärischen Rang eines Generalfeldmarschalls. Infolgedessen wurden vor allem Gießen und Oberhessen zum Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen. Im Jahr 1764 fand eine Zusammenkunft zwischen Ludwig und Kaiser Joseph II. in einem Wald bei Heusenstamm statt, die der Landgraf zu den Höhepunkten seines Lebens zählte.

Ludwig zeichnet für die Darmstädter Straßenbeleuchtung verantwortlich, für die 1767 eine erste Verordnung erging, aber auch für Verordnungen gegen das Kaffee trinken, wobei es schon unter Strafe stand, mit Kaffeegeschirr angetroffen zu werden.

Daneben galt Ludwig VIII. auch als ein großer Freund der Künste. Er gilt als Förderer der Maler Johann Christian Fiedler, Johann Conrad Seekatz und Christian Ludwig von Löwenstern. Ludwig fuhr gelegentlich an die Darmstädter Oper, an der Christoph Graupner und Ernst Christian Hesse wirkten. Ludwig komponierte auch selbst. Er verstarb schließlich in der Darmstädter Oper während einer Aufführung in seiner Loge.

Seine Fürsorge für sein Land ist dokumentiert durch die Errichtung eines Spinnhauses im Jahr 1742 und eines Landeswaisenhauses 1746. Allerdings stieg die Schuldenlast unter Ludwig dramatisch, insbesondere wegen seiner aufwendigen Hofhaltung und Jagdleidenschaft. Die Bildung einer kaiserlichen Umschuldungskommission konnte nur vermieden werden, indem die Landstände finanzielle Mittel bewilligten. Auch die Berufung und das Wirken des Friedrich Karl von Moser, der unter Ludwigs Sohn Ludwig IX. zum Ersten Minister aufstieg, wirkte sich positiv auf die Finanzlage des Landes aus.

Bis 1766 führte Ludwig für den unmündigen Friedrich IV., gemeinsam mit dessen Mutter die Regentschaft in Hessen-Homburg. Mit Hessen-Homburg lag Ludwig seit 1747 in Streit um die Herrschaft Braubach, der erst 1768 beigelegt werden konnte.

Der Jagdlandgraf[Bearbeiten]

Wie schon sein Vater, war Ludwig ein leidenschaftlicher Parforcejäger. Diese Vorliebe machte ihn nicht nur als Jagdlandgraf bekannt, sondern führte auch zu langen Abwesenheiten von seiner Residenz. Zur Belohnung seiner Jäger prägte Ludwig so genannte Hirschgulden und Saudukaten. Einer seiner Oberförster sah sich veranlasst, ein Buch zu veröffentlichen, das „alle raren Schüsse welche S. H. D. Ludwig VIII. [...] gethan hat“ beinhaltet. Die Regierungsgeschäfte führte Ludwig vornehmlich auf seinem Jagdschloss Kranichstein. Der Landgraf ließ, gleich seinem Vater, zahlreiche Jagdgebäude errichten, darunter Jagdschloss Dianenburg und das Griesheimer Haus. Für die zahlreichen Pferde, die für die Parforcejagd benötigt wurden, errichtete Ludwig den Marstall am Paradeplatz in Darmstadt. Für seine Ausfahrten benutzte der Landgraf eine Kutsche, die von weißen Hirschen gezogen wurde.

Nachkommen[Bearbeiten]

  • Ludwig IX. (1719–1790), Landgraf von Hessen-Darmstadt
∞ 1. 1741 Pfalzgräfin Henriette Karoline von Zweibrücken-Birkenfeld (1721–1774)
∞ 2. 1775 (morg.) Marie Adélaïde Cheirouze, “Gräfin von Lemberg” 1775
  • Charlotte Wilhelmine Friederike (1720–1721)
  • Georg Wilhelm (1722–1782)
∞ 1748 Gräfin Luise zu Leiningen-Dagsburg (1729–1818)
∞ 1751 Großherzog Karl Friedrich von Baden (1728–1811)
  • Auguste (1725–1742)
  • Johann Friedrich Karl (1726–1746)

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinrich Künzel: Geschichte von Hessen insbesondere Geschichte des Grossherzogthums Hessen [...]. Scriba, Friedberg 1856, S. 654 ff. (Digitalisat)
  • Karl von Rotteck, Carl Welcker: Staats-Lexikon oder Encyclopädie der Staatswissenschaften. Band 10. Altona, 1840, S. 781 f. (Digitalisat)
  • Philipp Alexander Ferdinand Walther: Darmstadt wie es war und wie es geworden. Jonghaus, Darmstadt 1865, S. 179 ff. (Digitalisat)
  • Philipp Alexander Ferdinand Walther: Der Darmstädter Antiquarius. Jonghaus, Darmstadt 1857, S. 215 ff. (Digitalisat)
  • Steven David Zohn: Music for a mixed taste. Style, genre, and meaning in Telemann's instrumental works. Oxford University Press, Oxford 2008, ISBN 978-0-19-516977-5, S. 94
  • Rouven Pons: Die Kunst der Loyalität. Ludwig VIII. von Hessen-Darmstadt (1691 - 1768) und der Wiener Kaiserhof, Marburg 2009 (Untersuchungen und Materialien zur Verfassungs- und Landesgeschichte 25)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ludwig VIII. von Hessen-Darmstadt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


Vorgänger Amt Nachfolger
Ernst Ludwig Landgraf von Hessen-Darmstadt
1739–1768
Ludwig IX.