Luftangriff auf Belgrad

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Propagandameldung der deutschen Wehrmacht über den erfolgten Angriff der Luftwaffe auf Belgrad vom 6. April 1941.
Der Adler No. 9, 29. April 1941

Mit den Luftangriffen auf Belgrad (Unternehmen Strafgericht) durch die Wehrmacht begann am 6. und 7. April 1941 der deutsche Balkanfeldzug.

Hintergründe[Bearbeiten]

Hitler hatte der Luftwaffe am 27. März 1941 in der „Weisung Nr. 25“ befohlen, zu Beginn des Jugoslawien-Feldzuges die Hauptstadt Belgraddurch fortgesetzte Tag- und Nachtangriffe… zu zerstören.“ Ohne vorherige Kriegserklärung oder Ultimatum griffen am Morgen des 6. April 1941 um 5:15 Uhr die Armeen des nationalsozialistischen Deutschlands und seiner Verbündeten Italien und Ungarn den Staat Jugoslawien an.

Verlauf[Bearbeiten]

Am 31. März 1941 hatte der Oberbefehlshaber der Luftflotte 4, Alexander Löhr, den „Befehl für die Luftkriegsführung Jugoslawien“ erlassen. Fliegerverbände in Zwölfaxing, Wiener Neustadt, Wien-Aspang, Graz und Arad erhielten darin den Auftrag, die „Zerstörung Belgrads durch Großangriff“ durchzuführen. Am 6. und 7. April bombardierten 484, nach anderen Angaben 611 Stukas und Bomber in fünf Wellen die Hauptstadt, die keine Flugabwehrgeschütze besaß und zur offenen Stadt erklärt worden war.[1][2] Die Aktion lief unter dem Codenamen „Unternehmen Strafgericht“. Die erste Welle der Angriffe sollte die Stadt verwüsten und die Bevölkerung treffen. Sie sollte Großbrände verursachen, um für den geplanten folgenden Nachteinsatz die Zielauffindung zu erleichtern. Die zweite Welle sollte dann militärische Anlagen und Verwaltungszentren treffen.[2]

Luftangriffe einiger weniger Bristol Blenheim-Bomber der jugoslawischen Luftwaffe auf Ziele in Österreich hatten strategisch gesehen nur symbolischen Charakter, so warfen zwei dieser Maschinen am 6. April einige Bomben auf Versorgungseinrichtungen in Graz ab, die ein Todesopfer forderten und geringen Sachschaden anrichteten.[3][4][5]

Folgen[Bearbeiten]

Zerstörungen in Belgrad, 1941

Durch den Abwurf von insgesamt 382 Tonnen Sprengstoff, 448 Brand- und Splitterbomben[6]kamen tausende Menschen ums Leben. Die genaue Anzahl der Opfer ist bis heute umstritten, die Schätzungen gehen weit auseinander und reichen von 1.500 bis 17.000 bzw. sogar 30.000.[7] Nach dem Krieg veröffentlichte offizielle jugoslawische Angaben sprechen von mindestens 2.271 Opfern.[8] Von den etwa 20.000 Häusern Belgrads wurden 9.000 zerstört oder beschädigt.[2] Zerstört wurden weite Teile der historischen Innenstadt von Belgrad, darunter zahlreiche Kirchen wie die 1835 erbaute Markuskirche auf dem Tašmajdan-Plateau, Synagogen in dem jüdischen Viertel Dorćol und das Belgrader Regierungsviertel. Die von Löhr schon bei der Bombardierung Warschaus angewandte Strategie der Zerstörung des administrativen und logistischen Zentrums eines Landes war auch in Jugoslawien erfolgreich. Die jugoslawische Luftwaffe war ausgeschaltet, die Regierung musste aus Belgrad flüchten und war nicht mehr in der Lage, Verbindungen zu ihren militärischen Stäben und Dienststellen aufzunehmen. Am Abend des 12. April übergab der Bürgermeister Belgrads den ohne Gegenwehr einmarschierten deutschen Truppen die Stadt.

Der kommandierende General (seit 3. Mai 1941 Generaloberst) Alexander Löhr wurde nach Kriegsende von einem jugoslawischen Gericht zum Tode verurteilt und am 16. Februar 1947 hingerichtet.

Belgrad wurde während des Zweiten Weltkriegs noch mehrfach von alliierten Bomberverbänden angegriffen. Der erste Angriff wurde am 16. und 17. April 1944 (orthodoxes Osterfest) von 600 Bombern der US-Luftwaffe und der RAF durchgeführt und forderte etwa 1200 zivile Todesopfer. Der letzte Angriff fand am 3. September 1944 statt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bombing of Belgrade in 1941 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Janusz Piekałkiewicz: Luftkrieg, 1939–1945. Südwest-Verlag, München 1978, ISBN 3-517-00605-X, S. 138.
  2. a b c Walter Manoschek: „Serbien ist judenfrei“: militärische Besatzungspolitik und Judenvernichtung in Serbien 1941/42. Band 38 von Beiträge zur Militär- und Kriegsgeschichte. Oldenbourg, München 1995, ISBN 3-486-56137-5, S. 18 f.
  3. BRISTOL BLENHEIM The Yugoslav Story 1937 - 1958, Herausgeber Aleksandar M. Ognjević - Zemun, Serbien, Seite 57 bis 70, ISBN 978-86-917625-0-6
  4. Luftangriffe der jugoslawischen Luftwaffe am 6. und 7. April 1941, Webseite regiowiki.at, abgerufen am 6. Dezember 2014
  5. Notlandung einer Bristol Blenheim bei Markt Allhau, Webseite regiowiki.at, abgerufen am 6. Dezember 2014
  6. Erwin Pitsch: Alexander Löhr. Österreichischer Milizverlag, Salzburg. Band 2: Der Luftflottenchef. 2006, ISBN 978-3-901185-22-9, S. 247.
  7. Rolf-Dieter Müller: Der Bombenkrieg 1939–1945. Links Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-86153-317-0, S. 86.
    Gerhard Schreiber, Bernd Stegemann, Detlef Vogel: Germany and the Second World War. Band 3: The Mediterranean, South-East Europe, and North Africa 1939–1941 (From Italy's Declaration of Non-Belligerence to the Entry of the United States into the War.) Militärgeschichtliches Forschungsamt, Oxford University Press, 1995, ISBN 0-19-822884-8, S. 498.
    Günter Bischof, Fritz Plasser (Hrsg.): New perspectives on Austrians and World War II. Band 17 von Contemporary Austrian studies. Transaction Publishers, New Brunswick, NJ 2009, ISBN 978-1-4128-0883-5, S. 41.
  8. Historisches Archiv Belgrad: Bombardovanje Beograda u drugom svetskom ratu. Belgrad 1975, S. 1–5.