Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg

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Die Buchreihe Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg ist ein zehnbändiges geschichtswissenschaftliches Gesamtwerk über das nationalsozialistische Deutschland in der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Es wurde in den Jahren zwischen 1979 und 2008 vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt der Bundeswehr herausgegeben. Das Werk, welches auf über 12.000 Gesamtseiten vollständig auf eine photographische Illustration verzichtet und auf eine mittlerweile 30-jährige Forschungsarbeit zurückblicken kann, gilt als eines der größten Projekte der deutschen Geschichtswissenschaft.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits beim Aufbau der Bundeswehr wurden 1952 im Amt Blank (Vorgänger des Bundesverteidigungsministeriums) Überlegungen angestellt, eine militärgeschichtliche Forschungsstelle innerhalb der Streitkräfte einzurichten. Diese entstand schließlich am 1. Januar 1957 mit dem Militärgeschichtlichen Forschungsamt (MGFA) in Freiburg im Breisgau. Obwohl die Stelle vorerst Einzeluntersuchungen und Monographien herausgab, war bereits in den 1950er Jahren klar, dass eine zentrale Aufgabe der Einrichtung die Erforschung und Darstellung des Zweiten Weltkrieges sein sollte, „um der Nachwelt, der Geschichte überhaupt, ein möglichst objektives Bild der Vorgänge und Zusammenhänge dieser Zeit zu geben.“[2] Nach dem Ende des Krieges waren die deutschen Aktenbestände größtenteils nach Großbritannien und die USA gebracht worden. Erst mit Beginn der 1960er Jahre wurden diese Stück für Stück zurückgeführt. Damit wurde es endlich möglich, sie zur Erarbeitung eines deutschen Gesamtwerkes zu nutzen.[3] Außerdem erwartete man auch aus der Deutschen Demokratischen Republik eine Darstellung, welche die westdeutsche Seite „in Zugzwang“ brachte. Noch unter der Leitung des ersten Amtschefs Oberst Hans Meier-Welcker (1906–1983) begannen deshalb 1962 in einem eigens dazu eingerichteten „Arbeitsausschuß Geschichte des Zweiten Weltkrieges“ erste Überlegungen zu einer Konzeption des Werkes. Es existierten bereits offizielle militärische Geschichtswerke, wie die vom Reichsarchiv herausgegebene Reihe zu den Schlachten des Ersten Weltkrieges.[4] Doch dieses betrachtete nur rein militärische Fragen und ließ politische, wirtschaftliche, soziale und weltanschauliche Perspektiven außen vor. Da dies nicht mehr den Vorstellungen einer modernen Militärgeschichte entsprach, konnte man sich daran nicht orientieren. Das britische oder amerikanische Generalstabswerk hingegen waren hinsichtlich ihrer Systematik wenig geeignete Vorbilder und eine ideologische Ausrichtung, wie in dem sowjetischen Werk, verbot sich von selbst. Bereits Anfang 1963 kam der Ausschuss zu dem Schluss, dass es darum gehe, „das Militär in all seinen Bezogenheiten im Krieg zu betrachten und zu beschreiben.“ Die Erarbeitung eines ganzheitlichen Konzeptes zog sich anschließend noch einige Jahre hin, bevor schließlich zu Beginn der 1970er Jahre die eigentlichen Forschungsarbeiten begannen.[5]

Literatur[Bearbeiten]

  • Klaus-Dietmar Henke: Die Endphase des Alles oder Nichts. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. Nr. 208, 5. September 2008, S. 8. (Online)
  • Karl-Heinz Janßen: Zweiter Weltkrieg — Ein großer Wurf der Forschung. In: Die Zeit. 47/1979 16. November 1979. (Online)
  • Friedhelm Klein: Militärgeschichte in der Bundesrepublik Deutschland. In: Militärgeschichte in Deutschland und Österreich vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Mittler & Sohn, Herford, Berlin, S. 183–214. (= MGFA (Hrsg.): Vorträge zur Militärgeschichte. Band 6.)
  • {{Der Spiegel|ID=56479827|Titel=Schandfleck der Geschichte|Autor=|Jahr=2008|Nr=15|Seiten=}}

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Fazit im Spiegel, Nr. 15/2008 → Artikel online
    eines der größten Unternehmen der modernen Geschichtswissenschaft“ → Rezension des Band 8 bei FAZ.netArtikel online
    eine der großen Leistungen der Geschichtswissenschaft unserer Zeit“ → Rezension des Band 10 bei FAZ.net → Artikel online
  2. Internes Schreiben vom 20. Juli 1959, zit. nach: Friedhelm Klein: Militärgeschichte in der Bundesrepublik Deutschland. in: Militärgeschichte in Deutschland und Österreich vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Herford, Berlin, S. 190
  3. Bernd Wegner: Erschriebene Siege. Franz Halder, die »Historical Division« und die Rekonstruktion des Zweiten Weltkrieges im Geiste des deutschen Generalstabes. in: Gerhard Schreiber, Bernd Wegner (Hrsg.): Politischer Wandel, organisierte Gewalt und nationale Sicherheit. München 1995, S. 299
  4. Siehe dazu: Markus Pöhlmann, Kriegsgeschichte und Geschichtspolitik: Der Erste Weltkrieg. Die amtliche deutsche Militärgeschichtsschreibung, 1914-1956, Paderborn 2002
  5. Friedhelm Klein: Militärgeschichte in der Bundesrepublik Deutschland. S. 191–193