Lutherrose

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Die Lutherrose
Darstellung an der Friedenskirche in Leipzig

Die Lutherrose ist ein Symbol der evangelisch-lutherischen Kirchen. Sie war das Siegel, das Martin Luther ab 1530 für seinen Briefverkehr verwendete. Das Vorbild für dieses Siegel findet sich im Löwen- und Papageien-Fenster der Augustinerkirche des Augustinerklosters zu Erfurt[1], in dem Martin Luther zwischen 1505 und 1512 als Augustinermönch gelebt hat.

Es wurde 1530 im Auftrag des Prinzen und späteren Kurfürsten von Sachsen, Johann Friedrich des Großmütigen, für Luther erstellt, als dieser sich während des Reichstags zu Augsburg 1530 in der Veste Coburg aufhielt. Lazarus Spengler schickte Luther eine Zeichnung des späteren Siegels zu. Luther betrachtete es als Ausdruck bzw. Zusammenfassung seiner Theologie und seines Glaubens. Am 15. September 1530 teilte Luther Philipp Melanchthon mit, dass Prinz Johann Friedrich ihn in der Veste Coburg besucht und ihm einen Siegelring geschenkt habe.

Vor 1530 von Luther verwendete Symbole[Bearbeiten]

1519 veröffentlichte Wolfgang Stöckel in Leipzig eine Rede von Luther mit einem Holzschnitt des Reformators, dem ersten von ihm überlieferten Bild. Seitdem war eine einfache Rose Luthers Zeichen. Auf seinem Doktorring war ein herzförmiger Schild dargestellt, Symbol des Heiligen Geistes.

Luthers Interpretation des Siegels[Bearbeiten]

LutherRose.jpg

In einem Brief vom 8. Juli 1530 schrieb Luther an Lazarus Spengler, die Lutherrose sei

„ein Merkzeichen meiner Theologie. Das erst sollt ein Kreuz sein, schwarz im Herzen, das seine natürliche Farbe hätte, damit ich mir selbst Erinnerung gäbe, daß der Glaube an den Gekreuzigten uns selig machet. Denn so man von Herzen glaubt, wird man gerecht. Ob’s nun wohl ein schwarz Kreuz ist, mortifizieret und soll auch wehe tun, dennoch läßt es das Herz in seiner Farbe, verderbt die Natur nicht, das ist, es tötet nicht, sondern erhält lebendig … Solch Herz aber soll mitten in einer weißen Rosen stehen, anzuzeigen, daß der Glaube Freude, Trost und Friede gibt, darum soll die Rose weiß und nicht rot sein; denn weiße Farbe ist der Geister und aller Engel Farbe. Solche Rose stehet im himmelfarben Felde, daß solche Freude im Geist und Glauben ein Anfang ist der himmlische Freude zukünftig, jetzt wohl schon drinnen begriffen und durch Hoffnung gefasset, aber noch nicht offenbar. Und in solch Feld einen goldenen Ring, daß solch Seligkeit im Himmel ewig währet und kein Ende hat und auch köstlich über alle Freude und Güter, wie das Gold das höchste, köstlichste Erz ist.“

WA, Luthers Briefwechsel, 5. Band, S. 444f (Nr. 1628): [2]

Wappenverwendung[Bearbeiten]

Die Lutherrose wird in vielen Wappen verwendet, woraus aber nicht geschlossen werden kann, dass Luther sich an diesen Orten aufgehalten hat. Sie ist in der Heraldik eine gemeine Figur.

In der Herrschaft Friedrich Hermann zu Solms-Baruth führte die Familie als Herrschaft Wildenfels die Lutherrose. Der Ring Evangelischer Gemeindepfadfinder nutzt die Lutherrose als Verbandsabzeichen.

Verbreitet ist die Lutherrose auch in Wappen ungarischer Gemeinden, wie zum Beispiel im Wappen von Bezi, Dunaegyháza, Kajárpéc, Kemeneshőgyész, Malomsok, Mórichida und Tényő.

Preis[Bearbeiten]

Die Internationale Martin Luther Stiftung zeichnet mit der Luther-Rose Persönlichkeiten aus, die „die reformatorische Tradition von Freiheit und Verantwortung für das Gemeinwohl eingesetzt haben". Erster Preisträger war 2008 der Unternehmer Heinz-Horst Deichmann.[3]

Sonstiges[Bearbeiten]

Die Lutheriden-Vereinigung, der Verein der Verwandtschaft Martin Luthers, verwendet die Lutherrose als Vereinssymbol.

Zur Erinnerung an die Einführung der Reformation im Kirchspiel (Unna-) Lünern vor 450 Jahren, „eine der ersten Kirchen mit lutherischem Bekenntnis im Lande“, pflanzte die Umweltgruppe der Gemeinde am 1. Advent 1995 gegenüber dem Eingang ihrer mittelalterlichen Kirche eine „Luther-Rose“. Ein Schild neben dem inzwischen mächtig gewordenen Strauch an einem Kletterpfahl informiert hierüber. Bei der Rose, die an meist überhängenden biegsamen Jahrestrieben eine Fülle von weißen Blüten hervorbringt und die auf Rat des Deutschen Rosariums in Dortmund ausgewählt wurde, handelt es sich um die Sorte „Paul’s Himalayan Musk Rambler“.

In Sachsen gibt es mit dem Reformationsbrötchen ein Gebäck, welches der Lutherrose nachempfunden ist. Es ist immer im Zeitraum vor dem Reformationstag in Konditoreien erhältlich.

Quellen[Bearbeiten]

  1. Pressemeldung der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland vom 8. November 2009: Spendenaktion für Chorfenster der Erfurter Augustinerkirche startet am 10. November
  2. Aus: http://www.evlka.de/halloluther/content.php3?contentTypeID=329&id=3422
  3. http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/deichmann-luther-und-die-finanzkrise;2085643

Literatur[Bearbeiten]

  • Barbara Cornelissen: Luther-Eiche, Lutherin-Baum, Luther-Rose – Die Umweltgruppe der Lünerner Kirche hält Traditionen wach. In: ’’Naturreport – Jahrbuch der Naturförderungsgesellschaft für den Kreis Unna e.V.’’ Bd. 7, Unna 2003, S. 89–93, ISBN 3-9803244-6-8 (formal falsche ISBN).
  • Luther, Martin. D. Martin Luthers Werke, Kritische Gesamtausgabe. Briefwechsel. 18 Bände. Weimar: Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, 1930-85.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lutherrose – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien