Joachim Gauck

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Joachim Gauck (2014)
Unterschrift von Joachim Gauck

Joachim Gauck (* 24. Januar 1940 in Rostock) ist der elfte Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland. Zuvor war er als evangelisch-lutherischer Pastor und Kirchenfunktionär, Volkskammerabgeordneter für Bündnis 90, Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen sowie als Publizist tätig. Am 18. März 2012 wählte ihn die Bundesversammlung mit großer Mehrheit zum Bundespräsidenten; am 23. März wurde er vereidigt.[1] Gauck gehört keiner Partei an.

Er leitete die Vorbereitung und Durchführung der beiden evangelischen Kirchentage 1983 und 1988 in Rostock. Während der friedlichen Revolution (Wende) in der Deutschen Demokratischen Republik wurde Gauck ein führendes Mitglied des Neuen Forums in Rostock. Am 18. März 1990 wurde er in die Volkskammer der DDR und von dieser am 21. Juni 1990 zum Vorsitzenden des Sonderausschusses zur Kontrolle der Auflösung des ehemaligen MfS/AfNS gewählt.

Gauck war ab dem 3. Oktober 1990 erster Leiter der Stasi-Unterlagen-Behörde (zeitweise auch „Gauck-Behörde“ genannt), die den Nachlass des Staatssicherheitsdienstes verwaltet und zugänglich macht. Nachdem ihn im Oktober 2000 Marianne Birthler abgelöst hatte, engagierte sich Gauck gesellschaftspolitisch mit Vorträgen und Medienaktivitäten, so etwa von 2003 bis 2012 als Vorsitzender der Vereinigung „Gegen Vergessen – Für Demokratie“. Er ist einer der Initiatoren der Prager Erklärung und der Erklärung über die Verbrechen des Kommunismus. Gauck wurde mehrfach für Verdienste und Publikationen geehrt und ausgezeichnet (siehe unten).

Werdegang

Herkunft und Kindheit (1940–1951)

Gauck wurde 1940 in Rostock geboren. Sein Vater Wilhelm Joachim Gauck war Kapitän der Handelsmarine und Oberleutnant zur See der Reserve,[2][3] die Mutter Olga, geb. Warremann, gelernte Bürofachfrau. Sie arbeitete als Bürovorsteherin in einem Anwaltsbüro. Die Eltern hatten 1938 geheiratet. Gaucks Vater absolvierte 1940 sein Kapitänsexamen mit Auszeichnung. Er war im Zweiten Weltkrieg u. a. für das Aufspüren von Minen zuständig und verbrachte die Kriegszeit überwiegend in Kasernen z. B. in Stralsund. Ein halbes Jahr lebte die Familie gemeinsam mit dem Vater in Gdynia (deutsch Gdingen bzw. damals "Gotenhafen"), wo dieser stationiert war.[4] Bei Kriegsende unterrichtete er an der Marine-Kriegsschule Flensburg den Offiziernachwuchs in Navigation und Gesetzeskunde.[5] Beide Eltern waren NSDAP-Mitglieder, die Mutter ab 1932, der Vater ab 1934.[6] Sie hatten drei weitere Kinder: Marianne, Sabine und Eckart († 23. August 2013).

Vom Bombenkrieg war der bei Kriegsende fünfjährige Gauck in Wustrow auf dem Fischland kaum betroffen. Das unmittelbar an der Ostsee gelegene Haus von Gaucks Großmutter väterlicherseits wurde von der Roten Armee zu militärischen Zwecken requiriert und musste nach Gaucks Erinnerung später zu einem sehr niedrigen Mietzins an einen Großbetrieb verpachtet werden.[7]

Ende 1945 zog die Mutter mit ihren drei Kindern zu den eigenen Eltern nach Rostock. Dort besuchte Gauck eine Grundschule, dann die Oberschule bis zum Abitur 1958. Der Vater kehrte im Sommer 1946 kurz vor Gaucks Einschulung aus britischer Kriegsgefangenschaft zurück.

Schulzeit (1951–1958)

Gaucks Vater arbeitete nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft als Arbeitsschutzinspektor für Schifffahrt auf der Rostocker Neptun-Werft. Bei einem Verwandtenbesuch in Wustrow wurde er am 27. Juni 1951 von zwei Männern aufgesucht und unter dem Vorwand, es habe auf der Werft einen schweren Unfall gegeben, bei dem er helfen müsse, mit einem Auto abgeholt.[8] Seither war er für die Familie zunächst spurlos verschwunden. Alle Nachforschungen bei der Volkspolizei, der Kriminalpolizei und der Staatssicherheit blieben ergebnislos.[9] Dieses zwangsweise „Verschwindenlassen“ von Menschen – heute im internationalen Recht als Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingestuft – wurde damals systematisch und vielfach angewendet.[10]

Auch von dem Prozess vor einem sowjetischen Militärtribunal in Schwerin habe, so Gauck, niemand erfahren. Das Urteil lautete auf zweimal 25 Jahre Freiheitsentzug, zum einen wegen angeblicher Spionage,[11] zum anderen wegen „antisowjetischer Hetze“. Als Beweisstück für den zweiten Anklagepunkt habe eine bei Gaucks Vater gefundene nautische Fachzeitschrift westlicher Herkunft gedient. Der Vater kam in ein sibirisches Arbeitslager. Bereits nach einem Jahr habe er als „invalidisiert“ eingestuft werden müssen.[12] Eingaben an staatliche Stellen und Gesuche an Wilhelm Pieck seien erfolglos geblieben, so Gauck in seinen Erinnerungen.

Er und seine beiden Geschwister seien zur totalen Ablehnung jener staatlichen Obrigkeit erzogen worden, der das spurlose Verschwinden des Vaters angelastet wurde:

„Das Schicksal unseres Vaters wurde zur Erziehungskeule. Die Pflicht zur unbedingten Loyalität gegenüber der Familie schloss auch die kleinste Form der Fraternisierung mit dem System aus. Das machen wir nicht, vermittelte uns die Mutter unmissverständlich. Ich hatte dieses Gebot so verinnerlicht, dass ich nicht einmal mehr durch die Freizeitangebote der FDJ in Versuchung geriet. Dafür lebte ich in dem moralisch komfortablen Bewusstsein: Wir sind die Anständigen. Intuitiv wehrte ich das Werben des Regimes für die Akzeptanz seiner moralischen und politischen Ziele ab, denn über uns hatte es Leid und Unrecht gebracht.“[13]

Den Volksaufstand vom 17. Juni 1953 beschrieb Gauck in seinen autobiographischen Aufzeichnungen als „elektrisierendes Erlebnis“. Auch auf der nahen Neptun-Werft streikten 5000 Arbeiter und forderten den Rücktritt der Regierung. Trotz der Niederschlagung des Aufstands zeigte sich für Gauck im Schulalltag vorübergehend eine Lockerung des streng „klassenkämpferischen“ Kurses.[14]

Im September 1953 erfuhr die Familie, dass der Vater noch lebte und in einem sibirischen Arbeitslager interniert war; es war möglich, Briefkontakt mit ihm aufzunehmen. Im März 1953 war der russische Diktator Josef Stalin gestorben; danach begann eine Phase der Entstalinisierung.

Der Vater kam im Oktober 1955 ausgehungert und extrem geschwächt aus dem Gulag zurück. Es dauerte ein ganzes Jahr, bis er wieder als Lotse arbeiten konnte.[15] Seine Rückkehr war eine Folge der Moskauer Verhandlungen von Bundeskanzler Konrad Adenauer; sie änderte nichts an der ablehnenden Haltung der ganzen Familie gegenüber dem SED-Regime. Gauck resümierte später, er sei „mit einem gut begründeten Antikommunismus aufgewachsen“.[16]

Studium und Pastorenamt (1958–1989)

Bis zum Mauerbau 1961 nutzte Gauck diverse Gelegenheiten zu Reisen in den „Westen“, sah als Fünfzehnjähriger Paris, war auf Fahrradtour in Schleswig-Holstein unterwegs und besuchte häufig West-Berlin. Nach eigenen Angaben habe er jedoch nicht ernsthaft an ein „Rübermachen“ gedacht.[17]

„Meine Heimat liebte ich seriös, meinen Westen wie eine Geliebte.“[18]

Ein Jahr nach dem Abitur heirateten Joachim Gauck und seine Schulfreundin Gerhild „Hansi“ Radtke. Die kirchliche Trauung vollzog 1959 sein Onkel, der damalige Güstrower Domprediger Gerhard Schmitt. Gaucks Berufschancen waren in der DDR beschränkt. Sein Wunschberuf Journalismus schied unter DDR-Bedingungen für ihn von vornherein aus. Gauck entschied sich, von seinem Onkel bestärkt, gegen eine Lehre und für ein Theologiestudium, das er von 1958 bis 1965 in Rostock absolvierte.[19] Dabei ging es ihm nach eigenem Bekunden anfänglich nicht um die Qualifizierung für eine Pfarrstelle, sondern vornehmlich um philosophischen Erkenntniszuwachs und Argumente gegen den obrigkeitlich verordneten Marxismus-Leninismus. Dafür boten die theologischen Fakultäten in der DDR einen Freiraum.

„Mein Weg zur Theologie war in der DDR nicht ungewöhnlich. Vor und nach mir haben sich viele aus ähnlichen Motiven für diesen Beruf entschieden – was das starke Engagement vieler Pastoren beim politischen Aufbau 1989 erklärt. […] Anders als die elterliche oder die staatliche Autorität bot der Glaube die Möglichkeit, sich einer Wahrheit anzuvertrauen, die von niemandem befohlen und von niemandem genommen werden konnte. Er vermittelte eine geheimnisvolle Kraft, die uns befähigte, den Minderheitenstatus durchzuhalten, mutig zu bleiben, wo andere sich schon angepasst hatten, und Anständigkeit, Treue und Glauben für wichtiger zu halten als Wohlstand, Karriere oder öffentlichen Erfolg.“[20]

Aufgrund seiner überwiegend nicht herangezogenen Altersgruppe und seines bereits 18-jährig begonnenen und immer noch fortdauernden Studiums musste er keinen verpflichtenden Grundwehrdienst von 18 Monaten in der 1956 aufgestellten Nationalen Volksarmee (NVA) leisten. Nach seiner Heirat und den Geburten seiner Söhne 1960 und 1962, aber auch aufgrund von Schwierigkeiten im Studium, geriet Gauck in eine Orientierungskrise. Eine Studienverlängerung wurde ihm 1964 erst nach nervenärztlicher Begutachtung bewilligt.[21] Auch nach Abschluss des Studiums hatte sich Gauck noch nicht für den Pfarrberuf entschieden. Erst während seines Vikariats in Laage stellte sich bei Gauck nach eigenen Angaben im Kontakt mit den Gemeindemitgliedern das Zutrauen ein, dem Pastorenamt als Person und im Glauben gewachsen zu sein.

„In der Begegnung mit den Gemeindemitgliedern aber habe ich die Angst verloren, vom Zweifel verschlungen zu werden. Ich konnte geistlich wachsen und selbst etwas ausstrahlen. Ich lernte, dass Glaube eigentlich ein Dennoch-Glaube ist, ein Glaube auch gegen den Augenschein; und dass es erlaubt ist, mit dem Zweifel in den Kreis der Glaubenden einzutreten, auch mit dem Zweifel zu leben und zu predigen. Ohne diese Erfahrung hätte ich das Leben als Pastor wohl nicht ausgehalten, denn oft gelangte ich an die Grenzen meiner theologischen Möglichkeiten.“[22]

Nach seiner Ordination arbeitete er ab 1967 in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs als Pastor im ländlichen und vergleichsweise religiös geprägten Lüssow[23] und ab 1971 in Rostock-Evershagen, wo Gauck nach eigenen Angaben erfolgreich in der Missionsarbeit und als Kreis- und Stadtjugendpfarrer tätig war.

Seit 1974 beobachteten Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) die Aktivitäten Gaucks. Demnach hatte er einem Inoffiziellen Mitarbeiter (IM) gegenüber zum Beispiel im Mai 1974 die Regierung der DDR als „Clique“ bezeichnet, „die gemeinsam mit dem MfS und der NVA das Volk unterjocht“. Über einen Friedensgottesdienst 1982 heißt es: „G. zog in seiner Predigt zum Thema Wahrheit, Wahrhaftigkeit, Frieden Vergleiche zum Faschismus in Deutschland und unserer sozialistischen Entwicklung in der DDR.“[24] Die Stasi-Offiziere empfahlen die „Einleitung von gezielten Zersetzungsmaßnahmen“.[25] Über die tatsächliche Durchführung von Zersetzungsmaßnahmen gegen Gauck ist nichts bekannt. Zu dem guten Dutzend fundamentaloppositioneller Gruppen, die sich seit Mitte der 1980er Jahre in Mecklenburg und Vorpommern zusammenfanden, hatte er keinen Kontakt.[26]

Kirchentag 1988

Zwischen 1982 und 1990 war Gauck Leiter der Kirchentagsarbeit in Mecklenburg. Der Kirchentag 1988 (Motto: „Brücken bauen“) stand bereits unter dem Eindruck der Reformen des sowjetischen Parteichefs Michail Gorbatschow. Man wollte nach Gaucks Angaben die SED mit der Forderung zu einem Dialog ohne Beschränkung zwingen, die Parteispitze sollte sich zu den in Kirchenkreisen intensiv diskutierten Umwelt-, Friedens- und Menschenrechtsthemen äußern. Ein Höhepunkt auf diesem Kirchentag war nach hürdenreicher Einladung eine Ansprache des Altbundeskanzlers Helmut Schmidt von der Kanzel der Rostocker Marienkirche.[27]

Stasi-Hauptmann Terpe suchte nach dem Kirchentag Gauck zu einem längeren Gespräch auf, worüber der sich angeblich „angenehm überrascht“ zeigte. Terpe notierte anschließend, dieses Gespräch werde Gauck dazu veranlassen, „seine Haltung zum MfS zu überdenken“, konstatierte aber auch, dass Gauck „zu einem ständigen regelmäßigen Kontakt nicht bereit ist, da es seiner Grundauffassung widerspreche und es zu viele Dinge gibt, die zwischen uns stehen“.[28] Im November 1988 beschloss die Stasi die Einstellung des gegen Gauck gerichteten Operativen Vorgangs Larve: „Im Rahmen der Vorgangsbearbeitung wurde ein maßgeblicher Beitrag zur Disziplinierung von Larve erreicht. Aufgrund des Bearbeitungsstandes kann eingeschätzt werden, dass von ihm derzeit keine Aktivitäten ausgehen werden, die eine weitere Bearbeitung im OV erforderlich machen.“[29]

Peter-Michael Diestel und Gauck in der Volkskammer (1990)

Gaucks eigene Aussagen zu seinem damaligen Verhältnis zu den staatlichen Organen der DDR und speziell zum MfS wurden im Jahr 2000 von Peter-Michael Diestel, dem letzten DDR-Innenminister im Kabinett de Maizière, in Frage gestellt. Diestel brachte in die Debatte eidesstattliche Erklärungen ehemaliger MfS- und SED-Funktionäre ein, wonach Gauck ein Begünstigter des DDR-Regimes gewesen sei. In der Folge kam es zu juristischen Auseinandersetzungen; diese wurden mit einer gütlichen Einigung vor dem Oberlandesgericht Rostock beendet.[30][31][32][33]

Dagegen bestritt der DDR-Bürgerrechtler und der Freitag-Mitherausgeber Wolfgang Ullmann (1929-2004) jegliche Form der Zusammenarbeit Gaucks mit der Stasi; er schrieb: „Gauck hat sich an die in der Landeskirche Mecklenburg geltende Regelung gehalten, Gespräche mit dem MfS der Kirchenleitung mitzuteilen und damit jede Konspiration zu unterbinden. Wenn Diestel das bestreiten will, trägt er dafür die Beweislast, nicht etwa Gauck.“ Auch die Bestimmungen des Stasiunterlagengesetzes über Begünstigte des MfS träfen auf Gauck nicht zu.[34]

Laut Akten des Staatssicherheitsdienstes soll Gauck gesagt haben, dass er für Rostock keinen oppositionellen „Kirchentag von unten“ wolle, wie er 1987 von ca. 600 Teilnehmern am Rande des offiziellen Kirchentages der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg veranstaltet wurde: „Der gesamte Kirchentag ist ein Kirchentag von unten, aber Missbrauchshandlungen läßt er nicht zu … Rostock ist nicht Berlin – Gäste haben sich zu fügen und einzuordnen.“ Der teilnehmende oppositionelle Theologe Heiko Lietz sagte, er sei während des Kirchentages in seinen Entfaltungsmöglichkeiten „massiv eingeschränkt“ worden. Laut einem Zwischenbericht des MfS vom 26. August 1987 sei Gauck „an keinen Themen interessiert […], die sich offen gegen die staatlichen Verhältnisse in der DDR richten. Aus diesem Grund hat er den Lietz, Heiko … anfangs nicht mit in den Vorbereitungskurs für den Kirchentag 1988 einbezogen. Erst auf Drängen von Lietz wurde dieser nachträglich in eine Themengruppe integriert und als Themenleiter eingesetzt.“ Lietz erklärte, er sei als Vorsitzender der landeskirchlichen Arbeitsgruppe für konziliare Prozesse nicht in den Vorbereitungskurs eingeladen und wenige Tage vor Kirchentagsbeginnn als Vorsitzender abberufen worden.[35]

Bürgerrechtler beim Mauerfall (1989)

Als der Bürgerprotest gegen die DDR-Obrigkeit in der zweiten Oktoberhälfte 1989 auch im Norden des Landes zur Massenbewegung wurde, hielt Gauck am 19. Oktober in Rostock eine Predigt zum Propheten Amos, in der er „tötende Selbstgerechtigkeit“ der „rettenden Gerechtigkeit“ gegenüberstellte. Im Ergebnis plädierte er auch für ein Bleiben in der DDR: „Die, die uns verlassen, hoffen nicht mehr.“[36] Gauck sah in der Revolution von 1989 ein ihn prägendes Erlebnis und bezeichnete die Losung „Wir sind das Volk!“ als Übersetzung der in der Französischen Revolution angelegten Ideale von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit in den Protest gegen das SED-Regime. Die Parole habe Bürgersinn geweckt. Sie habe bewusst gemacht, dass Menschen nicht die Verfügungsmasse einer scheinbar ewig sicheren Macht seien, „sondern dass wir es sind, die das Sagen haben“. Man habe sich gefragt: „Bin ich das? Sind wir das? Sind wir tatsächlich so mutig, wir landläufigen Feiglinge?“[37]

Der DDR-Oppositionelle Hans-Jochen Tschiche kritisierte die Betitelung als „Bürgerrechtler“ in den Medien[38] und sagte in einem Gastbeitrag der Süddeutschen Zeitung, dass Gauck nicht zu den Vätern dieser Gründung gehöre und in ihr nicht aufgefallen sei: „Er sprang erst später auf den fahrenden Zug auf. Wenn ich heute die veröffentlichte Meinung wahrnehme, wird er immer als Lokomotivführer der Oppositionsbewegung beschrieben.“[39] Heiko Lietz, ebenso Mitbegründer des Neuen Forums, sagte, er sei zur Kunstfigur aufgebaut worden, wofür man ihn nicht verantwortlich machen könne. Gauck „lehnte diesen Staat ab. Er war verlässlich“, aber als sich landesweit die Opposition vernetzte, illegal, mit Risiken, da sei Gauck nie dabei gewesen. Er führte weiter aus: „Er war in der Friedensbewegung nicht verwurzelt, es war wohl nicht sein Thema.“ Auch sei Gauck nicht unter den Aktivisten, die das Neue Forum gründeten, vorne dabei gewesen. Er sei dort spät aufgetaucht und habe sich nach Berlin wählen lassen, „als der Zug schon längst abgefahren und das Tor weit auf war“.[40][41] Die ehemalige Dissidentin Vera Lengsfeld erwiderte dagegen, dass auf alle, die im Herbst 1989 Widerstand gegen das SED-Regime leisteten, der Begriff „Bürgerrechtler“ angewandt worden sei, und widersprach insbesondere Tschiche deutlich. Insofern trage „Gauck ihn mit Recht“.[42] Die Times beschrieb ihn als ehemaligen Dissidenten: „a former east German dissident priest, regarded by many as a moral authority.“[43]

Abgeordneter in der Volkskammer der DDR (1990)

Gauck trat bei der Volkskammerwahl am 18. März 1990 im Bezirk Rostock für die Listenverbindung Bündnis 90 an, zu der das Neue Forum (NF) gehörte, und wurde knapp gewählt.[44] Als Abgeordneter beschäftigte er sich vorrangig mit der Rolle der Stasi in der DDR. Innerhalb des NF setzte sich der seit Oktober 1989 vom täglichen Kirchendienst freigestellte Gauck für eine staatliche Einheit Deutschlands ein. Am 31. Mai 1990 begründete Gauck in der Volkskammer den Antrag „zur Einsetzung des Sonderausschusses zur Kontrolle der Auflösung des MfS/AfNS“. Vertreter der Bürgerkomitees wurden mit beratender Stimme in die Ausschussarbeit einbezogen. In der konstituierenden Sitzung des Sonderausschusses wurde Gauck am 21. Juni 1990 zum Vorsitzenden gewählt.[45]

Eines der zentralen Probleme in der Zuständigkeit des Ausschusses war nach Gaucks Darstellung die personelle Zusammensetzung des seit Februar 1990 bestehenden staatlichen Komitees zur Auflösung des MfS/AfNS. Er habe sich bemüht, ehemaligen MfS-Angehörigen als Kennern der Materie vertrauenswürdige Vertreter aus den Bürgerkomitees an die Seite zu stellen[46] und sich gegen westdeutsche Forderungen nach Überführung des Stasi-Aktenmaterials ins Koblenzer Bundesarchiv gestellt, auch die erwogene Vernichtung dieser Unterlagen unterband er. Gauck sah die Akten als wichtiges Gut für die künftige Gestaltung der Demokratie wie auch als unverzichtbare Grundlage für den Rechtsanspruch der geschädigten Bürger auf Rehabilitation und die Nachweismöglichkeit von erlittenem Unrecht.[47] Er wurde so zu einem der Initiatoren des Gesetzes über die Sicherung und Nutzung der personenbezogenen Daten des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit/Amtes für Nationale Sicherheit, das am 24. August 1990 von der Volkskammer beschlossen wurde.[48]

Am 28. September wurde Gauck in der letzten Arbeitssitzung der Volkskammer zum Sonderbeauftragten für die personenbezogenen Unterlagen des ehemaligen Staatssicherheitsdienstes der DDR gewählt und am 3. Oktober 1990, dem Tag des Beitritts der DDR zur Bundesrepublik Deutschland, von Bundespräsident Richard von Weizsäcker und Bundeskanzler Helmut Kohl als Sonderbeauftragter der Bundesregierung für die personenbezogenen Unterlagen des ehemaligen Staatssicherheitsdienstes in dieser Funktion bestätigt.

Beauftragter für die Stasi-Unterlagen (1990–2000)

Joachim Gauck im Dezember 1990

Sein Mandat als einer der 144 Abgeordneten, die die Volkskammer gemäß Art. 42 des Einigungsvertrages zur Entsendung in den 11. Deutschen Bundestag gewählt hatte, legte Gauck daraufhin am 4. Oktober 1990 nieder. Aus dem Dienst als Pastor in der mecklenburgischen Landeskirche wurde er im November 1990 auf seinen eigenen Antrag hin entlassen.[49][50] Als Sonderbeauftragter residierte Gauck zunächst mit nur drei Mitarbeitern im frei gewordenen Komplex des SED-Zentralkomitees in der Behrenstraße, bevor die Behörde in einen vor 1989 vom Innenministerium der DDR genutzten Gebäudekomplex in der Glinkastraße umzog.[51]

Bei der Übernahme der Stasi-Angestellten, auf die sich bereits das staatliche Auflösungskomitee gestützt hatte, verfolgte man laut Gauck einen pragmatischen Kurs: „Auf einige konnte man aufgrund ihrer Spezialkenntnisse nicht verzichten, andere hatten sich in der Übergangszeit nicht arrogant und gehässig, sondern kooperativ und freundlich gegen die Bürgerrechtler verhalten. Ich bat also meine Vertrauenspersonen in Berlin und in den Bezirken, mir die Namen derjenigen zu nennen, die für eine Übernahme in Frage kämen, und zwar Archivfachleute und Techniker. Diese Bitte sollte später wiederholt Gegenstand heftiger Polemiken werden.“[52]

Seine Hauptzuständigkeit sah Gauck als Nicht-Jurist in einer politischen Richtlinienkompetenz, nicht aber im konkreten Behördenaufbau. Zu seinem Stellvertreter machte Gauck den vormaligen Referatsleiter beim bayerischen Landesbeauftragten für den Datenschutz und späteren Verfassungsschutz- und BND-Präsidenten Hansjörg Geiger. Anfang 1991 begann die ausländische Presse, Gauck wahrzunehmen. Die New York Times widmete ihm am 20. Januar einen ersten Artikel:

„Mr. Gauck ist der offizielle Wächter über Millionen von Akten, die über die letzten vierzig Jahre von Agenten der inzwischen aufgelösten Ostdeutschen Geheimpolizei, der Stasi, gesammelt worden waren. Sein ruhiges Beharren, dass die Deutschen sich der Wahrheit über die Stasi stellen müssen, machte ihn für manche zum Helden, speziell für die Opfer der kommunistischen Führer, die Ostdeutschland bis zum letzten Jahr regierten. Andere jedoch, darunter auch einige prominente Politiker in Bonn, wünschen ihm nichts Gutes.“

New York Times: „Germany’s New Custodian of Stasi Secrets Insists on Justice“ von Stephen Kinzer, 20. Januar 1991. Übersetzt aus dem Englischen.

Mit Inkrafttreten des Stasi-Unterlagengesetzes am 2. Januar 1992 wechselte die Bezeichnung dieses Amtes noch einmal: Gauck war jetzt Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR. Am gleichen Tag wurde interessierten Betroffenen auf Antrag erstmals Akteneinsicht durch die Gauck-Behörde[53] gewährt. In den ersten hundert Tagen wurden nach seinen Angaben 420.000 Anträge auf private Akteneinsicht und 130.000 Anträge auf Überprüfung von Personen im öffentlichen Dienst gestellt.[54]

In seiner Amtszeit kam es zu einem Rechtsstreit zwischen der von Gauck geführten Behörde und dem Ministerpräsidenten von Brandenburg, Manfred Stolpe. Das Verwaltungsgericht Berlin entschied am 3. Juni 1993, dass Gauck nicht länger behaupten darf, Stolpe sei ein wichtiger inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit gewesen. Die Forderung Stolpes, Gauck alle bisher wertenden Äußerungen zu verbieten, lehnte das Gericht ab.[55]

Erfolglos wandte sich Gauck dagegen, die am 31. Dezember 1997 auslaufende Verjährungsfrist für mittelschwere Straftaten aus DDR-Zeiten zu verlängern. Die bisherige Verlängerung hatte aus seiner Sicht keinen hinreichenden Erfolg gehabt. Ein Jahr später sprach er sich aber auch dagegen aus, die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit zu beenden, da noch immer eine große Zahl von Anträgen auf Akteneinsicht in seiner Behörde unbearbeitet geblieben waren.

Gaucks erste Amtszeit dauerte bis 1995. Am 21. September wurde er vom Deutschen Bundestag mit großer Mehrheit für weitere fünf Jahre als Bundesbeauftragter bestätigt. Da für diese Funktion per Gesetz nur zwei Amtszeiten vorgesehen sind, räumte Gauck seinen Platz als Behördenchef am 10. Oktober 2000 für seine Nachfolgerin Marianne Birthler.[56] Die Kurzform „Gauck-Behörde“, hernach auch „Birthler-Behörde“, bürgerte sich aufgrund des sperrigen offiziellen Titels ein.

Kritisiert wurde Gauck für die Beschäftigung von Stasi-Mitarbeitern in seiner Behörde. Damit setzt sich ein vertrauliches „Gutachten über die Beschäftigung ehemaliger MfS-Angehöriger bei der BStU“ auseinander, das von Hans H. Klein und Klaus Schroeder 2007 im Auftrag des Kulturstaatsministers Bernd Neumann erstellt und durch Wikileaks publiziert wurde.[57] Für 1991 rechneten sie mit mindestens 79 ehemaligen Stasimitarbeitern, darunter fünf ehemaligen sogenannten Inoffiziellen Mitarbeitern: „Nahezu alle ehemaligen MfS-Bediensteten hatten in den ersten Jahren des Aufbaus der Behörde die Möglichkeit des Missbrauchs. Sie konnten Akten vernichten, verstellen oder herausschmuggeln, denn sie hatten als Wachschützer, als Archivare, als Magazinmitarbeiter oder als Rechercheure zum Teil ungehinderten und unbeaufsichtigten Zugang zu erschlossenem, aber auch zu unerschlossenem Material.“ Aussagen Gaucks und des damaligen Direktors Busse gegenüber der Bundesregierung, „beim Bundesbeauftragten wurden am 1. Januar 1997 noch 15 ehemalige hauptamtliche Mitarbeiter des MfS als Angestellte bzw. als Arbeiter beschäftigt“, wiesen die Gutachter Klein und Schroeder als „falsch“ zurück, da zu dieser Zeit mindestens 46 solche Personen beschäftigt gewesen seien, darunter ehemalige Wach- und Personenschützer des MfS, drei frühere Mitglieder des MfS-Wachregiments sowie weitere 16 ehemalige Hauptamtliche, die unerwähnt blieben. Die Behördenleitung wies den Vorwurf mit Blick auf die damalige Praxis anderer Behörden zurück. Roland Jahn, der zweite Nachfolger Gaucks als Behördenchef, betrieb die Trennung von solchen Mitarbeitern und nannte die Beschäftigung ehemaliger Stasi-Angehöriger einen „Schlag ins Gesicht der Opfer“.[58]

Im Wintersemester 1999/2000 gab Gauck im Rahmen einer Gastprofessur Vorlesungen zum Thema „1989 – Vom Untertan zum Bürger“ an der Medizinischen Universität zu Lübeck.[59]

Nach dem Ausscheiden aus der „Gauck-Behörde“ (2000–2012)

Journalistische Tätigkeit und politisches Engagement

Gauck bei einer IGFM-Pressekonferenz (2002)
Joachim Gauck bei der Eröffnung des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten 2008 in Nordrhein-Westfalen
Rede am Vorabend des Nationalfeiertages in der Paulskirche in Frankfurt am Main im Jahre 2009

Gauck trat in den zehn Jahren bis zu seiner Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten als Redner und Diskussionsteilnehmer bei verschiedenen Veranstaltungen und Talkshows auf. Von Januar bis November 2001 moderierte er in der ARD die 14-täglich ausgestrahlte WDR-Sendung Joachim Gauck.

Gauck war von 2003 bis zu seiner Wahl zum Bundespräsidenten Vorsitzender des Vereins „Gegen Vergessen – Für Demokratie“. Nach seiner Wahl trat er von diesem Ehrenamt zurück.[60] Er plädiert für die Errichtung eines Zentrums gegen Vertreibungen in Berlin.[61]

Er ist einer der Erstunterzeichner der Prager Erklärung von 2008[62] und der Erklärung über die Verbrechen des Kommunismus von 2010.[63]

Gauck ist Mitglied des Vereins Atlantik-Brücke[64] und Mitglied im Senat der Deutschen Nationalstiftung.[65]

Von 2001 bis 2004 war Gauck als Vertreter Deutschlands ehrenamtliches Mitglied des Verwaltungsrates der Europäischen Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in Wien.[66] Er gehört zu den Referenten des Studienzentrums Weikersheim sowie des Veldensteiner Kreises.

Seit 2007 war er ehrenamtlich als Vorsitzender des Unabhängigen Gremiums zur Klärung von Stasi-Fragen des Deutschen Olympischen Sportbundes tätig.[67] Mit dem Amtsantritt als Bundespräsident ist er aus dieser Tätigkeit ausgeschieden.[68]

Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten 2010

Gauck wurde auf Vorschlag der Vorsitzenden von SPD und Bündnis 90/Die Grünen für die Bundespräsidentenwahl am 30. Juni 2010 nominiert. Bereits zur Wahl des deutschen Bundespräsidenten 1999 war er als Kandidat diskutiert worden, damals allerdings nur innerhalb der CSU und auch nicht über das Stadium von „Vorüberlegungen“ hinaus.[69]

Die Kandidatur 2010 stieß bei einigen früheren Mitstreitern Gaucks auf Kritik.[70] Gleichzeitig warb eine Initiative für die Wahl von Joachim Gauck: „Keiner verkörpert den Geist der Freiheit mehr als Joachim Gauck.“[71] Von den Medien wurde Gauck, der in Umfragen viel Zustimmung erfuhr, öfters als „Kandidat des Volkes“[72] porträtiert. Es wurde herausgestellt, dass er mit seiner Vita und seiner politischen Einstellung ebenso gut Kandidat des konservativ-liberalen Lagers hätte sein können. Tatsächlich äußerten sich auch CDU- und FDP-Politiker wie Jörg Schönbohm und Holger Zastrow positiv zum Kandidaten Gauck.[73] Dennoch wurden ihm, da CDU/CSU und FDP mit ihrem Kandidaten Christian Wulff 644 von den 1244 Mitgliedern der Bundesversammlung stellten, nur geringe Erfolgschancen eingeräumt. Allerdings erreichte Wulff erst im dritten Wahlgang mit 625 Stimmen knapp die absolute Mehrheit, während Gauck jeweils mehr als 30 Stimmen über die 462 Sitze von SPD und Grünen hinaus erhielt.

Privatleben und Familie

Gauck ist seit 1959 mit Gerhild Gauck verheiratet und hat mit ihr vier Kinder. Diese waren in der DDR Repressionen ausgesetzt. Seinen beiden Söhnen wurde das Abitur in der Erweiterten Oberschule bzw. ein Studium versagt. Sie reisten Ende 1987 mit ihren Ehefrauen und Kindern aus der DDR in die Bundesrepublik aus.[74] Christian Gauck studierte in Hamburg Medizin und ist dort als Arzt tätig. Die älteste Tochter reiste im Sommer 1989 nach Bremen aus.[75]

Seit 1991 lebt Gauck von seiner Frau getrennt; die Ehe wurde nicht geschieden.[76] Frau Gauck betreibt in Rostock gemeinsam mit anderen die Begegnungsstätte Drehscheibe Marientreff.[6] Gaucks Lebensgefährtin ist seit 2000 die Journalistin Daniela Schadt, von 1990 bis 1998 war es die ZEIT-Journalistin Helga Hirsch.[77] Diese ist auch jetzt noch seine Vertraute und Beraterin.

Ursprünglich beabsichtigte Joachim Gauck, auch als Bundespräsident in seiner Wohnung in Berlin-Schöneberg wohnen zu bleiben. Um Unannehmlichkeiten für seine Nachbarn durch die Sicherheitsanforderungen zu vermeiden, zogen er und Schadt im Juli 2012 in die Dahlemer Dienstvilla.[78]

Am 8. August 2012 bekam Gauck in der St.-Marien-Kirche den Ehrenbrief der Stadt Rostock und ist somit Ehrenbürger der Hansestadt.[79]

Politische Positionen

Joachim Gauck 2009

Gauck nennt sich selbst einen „linken, liberalen Konservativen“,[80] bezeichnet sich als „aufgeklärter Patriot“[81] und als „Liebhaber der Freiheit“.[82] Seinen Freiheitsbegriff orientiert er unter anderen an dem Dichter und Politiker Václav Havel sowie am Werk Die Furcht vor der Freiheit des Sozialpsychologen Erich Fromm.[83] Die besondere Rolle des Freiheitsmotivs im eigenen politischen Denken erklärt Gauck mit den Erfahrungen in der DDR. Das gemeinsame Unterdrücktsein habe zu intensiven Erfahrungen und zu einer Gegenkultur im Glauben, in der Musik und in Gedichten geführt, die versteckte Botschaften enthielten und das Bewusstsein stärkten: „Wir behaupten einen Freiraum gegen sie. […] Zu begreifen, dass das Leben in Freiheit auf eine einfache Weise Zugang zu den wesentlichen Dingen verschafft, hat auch etwas Entzauberndes. Freiheit, normal geworden, scheint dann ganz banal.“[84]

Als die rot-rote Koalition in Berlin 2005 „Lebenskunde, Ethik, Religion“ (LER) als Pflichtfach zusätzlich zum fakultativen Religionsunterricht an Berliner Schulen einführen wollte, unterzeichnete Gauck eine Liste, in der zum Erhalt des Religionsunterrichts als Wahlpflichtfach alternativ zu LER aufgefordert wurde.[85] In einem 2010 veröffentlichten Interview in der Süddeutschen Zeitung nahm Gauck unter anderem Stellung zu den Themen Patriotismus und Kapitalismus, zur Integrationspolitik sowie zur Rolle der Medien in der Demokratie.[86]

Zur Totalitarismusdebatte

Bei der Beurteilung von Herrschaftssystemen des 20. Jahrhunderts vertritt Gauck einen totalitarismustheoretischen Standpunkt. So schreibt er 1998 im Schwarzbuch des Kommunismus:

„Eine nüchterne Betrachtung der politischen Verhältnisse wird dennoch zu einem Urteil gelangen, das den Kommunismus ebenso als totalitär einstuft wie den Nationalsozialismus. […] Die Unterschiedlichkeit der Ideologien fällt zwar sofort ins Auge. Auch der Vergleich der Staatsformen, der Staatsorgane und des geschriebenen Rechts ergibt größere Differenzen als Übereinstimmungen. Wer jedoch die konkrete Herrschaftstechnik vergleicht, die dienstbare Rolle des Rechts und den permanenten Einsatz von Terror, der findet genauso Ähnlichkeiten wie bei der Untersuchung der Folgen staatsterroristischer Herrschaft auf die Bürger.“[87]

Gaucks Auffassungen sind auf Kritik gestoßen. So bekräftigte der Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik zwar, dass Nationalsozialismus und Stalinismus moralisch gleichzusetzen seien. Gaucks politische Urteilskraft sei jedoch „durch persönliche Betroffenheit verständlicherweise beeinträchtigt“, wenn er sämtliche Regime des Ostblocks vor 1989 zu Fällen von Totalitarismus erkläre. Brumlik verwies darauf, dass die politische Theoretikerin Hanna Arendt, auf die sich auch Gauck berufen hatte, ausschließlich den Stalinismus in der Sowjetunion und in deren Satellitenstaaten nach 1945, nicht aber die Nach-Stalin-Ära nach 1953 als totalitär bezeichnet habe.[88][89]

In einem Interview der Wochenzeitung Die Zeit betont Gauck seinen Generalverdacht als Heranwachsender in Bezug auf die NS-Vergangenheit der Elterngeneration, sein bohrendes Interesse auch an der Rolle seines Vaters in der NS-Zeit und seine nur psychologisch erklärbare Wut darüber, „dass er so wenig verstrickt war.“ Der antifaschistischen Ausrichtung der frühen DDR spricht Gauck die Konsequenz ab und urteilt: „es war stalinistischer Terror mit nur selektivem Antifaschismus.“[90]

Einstellung zu einzelnen Parteien

Zur Vereinigung von Bündnis 90, dessen aktives Mitglied er war, mit den Grünen im Jahre 1993 äußerte sich Gauck im Tagesspiegel 2003 kritisch.[91]

Eine 2007 zum Tag der Deutschen Einheit im Sächsischen Landtag von Gauck gehaltene Rede wurde durch die Fraktion der Partei Die Linke boykottiert.[92] Im Zuge seiner Kandidatur als Bundespräsident 2010 sprach sich Gauck für die Beobachtung der Partei durch den Verfassungsschutz aus und betonte, er könne „noch immer keine Bindung der Linkspartei an das europäische Demokratieprojekt erkennen“.[93] Gauck begrüßte die Distanzierung der SPD von der Linken im Anschluss an seine Präsidentschaftskandidatur von 2010; er erkenne bei den Radikalen der Partei Die Linke – Gauck nannte hierzu Ulla Jelpke und Sahra Wagenknecht – „viele Bezüge zu altem, bolschewistischem Gedankengut. Das sind teilweise nicht nur marxistische, sondern auch leninistische Anklänge“.[94]

Die jüngsten Erfolge der Piraten im bundesdeutschen Parteiensystem betrachtet Gauck als ein „sehr interessantes Phänomen“: Aus einer Befindlichkeit werde dort politisch relevante Aktion. Da wollten Leute mitmachen, indem sie sich in Parlamente wählen lassen. Das freue ihn. „Wir werden sehen, wann sie welche Antworten in den politischen Diskurs einbringen.“[95]

Sozialpolitik, Agenda 2010

Joachim Gauck am 29. November 2010 in München

Gauck umriss 1990 den mehrheitlichen Wunsch im Neuen Forum nach einer sozial gestalteten Marktwirtschaft gemäß der Grundaussage: „Wir wollen soziale Sicherheit und der Markt soll gelten, aber er soll nicht alles bestimmen.“[96]

2010 sagte er mit Bezug zur Sozialpolitik: „Wir stellen uns nicht gern die Frage, ob Solidarität und Fürsorglichkeit nicht auch dazu beitragen, uns erschlaffen zu lassen.“ Es würde „immer noch der Traum von der Obrigkeit geträumt, die es gut mit uns meint und in deren Obhut wir uns gefahrlos begeben können“. Gauck gilt als Unterstützer der Reformpolitik Gerhard Schröders (Agenda 2010), die er in einem Interview mit der Welt lobend erwähnte: „Als Bundeskanzler Schröder einst die Frage aufwarf, wie viel Fürsorge sich das Land noch leisten kann, da ist er ein Risiko eingegangen. […] Solche Versuche mit Mut brauchen wir heute wieder.“[97][98] In der Berliner Zeitung nannte er den Begriff Montagsdemonstration im Zeichen von Sozialprotesten gegen Hartz IV „töricht und geschichtsvergessen“. Dabei unterstützte er ausdrücklich die Wahrnehmung des Demonstrationsrechts; doch wer mit guten Gründen demonstriere, brauche dafür kein falsches Etikett.[98][99] Im Juni 2010 erklärte Gauck zur Rente mit 67: „Wenn die Bevölkerung immer älter wird, müssen wir uns Gedanken über eine Beteiligung der Generationen machen.“ Für die Rente mit 67 sprächen viele gute Gründe.[100]

Nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten sagte Gauck, dass er nicht möchte, „dass der Sozialstaat beschädigt wird.“ Er schätze eine Sozialpolitik, die mit den gesellschaftlich Abgehängten trainiere, wieder in Arbeitsprozesse zu kommen, und „nicht nur Beruhigungsmittel“ abgebe. Zum Solidarpakt für die neuen Bundesländer äußerte er, dass Geld verstärkt an bedürftige Regionen verteilt werden sollte und nicht nur nach geografischen Kriterien. Bei seinen Reisen etwa nach Nordrhein-Westfalen habe er „Zustände gesehen, die ich aus Ostdeutschland nicht mehr kenne“.[101]

Vorratsdatenspeicherung, Wikileaks, Whistleblower

Hinsichtlich der Vorratsdatenspeicherung äußerte Gauck im Dezember 2010 im Wiener Burgtheater, er teile die Sorgen über die anlasslose Speicherung der elektronischen Kommunikationsdaten aller Bürger, sehe aber die Bundesrepublik nicht in der Gefahr, zu einem Spitzelstaat zu werden.[102][103] Während Gaucks Äußerungen zur Vorratsdatenspeicherung insbesondere den Arbeitskreis (AK) Vorratsdatenspeicherung beunruhigten,[104] kam von anderer Seite dafür Unterstützung. So lobte ihn etwa der Sicherheitsforscher Dr. Sandro Gaycken von der Freien Universität Berlin für seine „recht beruhigte und vernünftige Haltung“.[105]

Die Veröffentlichung von „gestohlenem Material“ auf der Online-Whistleblower-Plattform Wikileaks wurde von Gauck kritisiert:[106] „Das kann ich nicht akzeptieren, dass das gefeiert wird, das ist ein elementarer Verlust von Recht.“[102] Wikileaks hatte 2007 unter anderem einen vertraulichen Bericht über Stasi-Mitarbeiter in der Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen veröffentlicht.[57]

PRISM

Nach Bekanntwerden des US-amerikanischen Überwachungsprogramms PRISM Mitte 2013 sagte Gauck im ZDF-Sommerinterview 2013: „Wir wollen keine Gesellschaft, bei der wir das, was so mühsam errungen ist, nämlich unsere Freiheitsrechte, in der diese ausgehöhlt werden. Und deshalb bin ich hellwach, wenn es darum geht, Gefahrenabwehr zu organisieren. Ich möchte nicht, dass meine Familie, dass irgendjemand im Land sehenden Auges einer Gefahr überlassen wird. Ich will Abwehr – aber sie muss verhältnismäßig sein.“ Zu Vergleichen der National Security Agency mit dem Ministerium für Staatssicherheit erklärte Gauck: „Wir wissen zum Beispiel, dass es nicht so ist wie bei der Stasi und dem KGB, dass es dicke Aktenbände gibt, in denen unsere Gesprächsinhalte alle aufgeschrieben und schön abgeheftet sind […] einstweilen dulden wir – das ist nach unserem Recht auch möglich –, dass nach bestimmten Suchbegriffen dann auch gecheckt werden kann – der Verkehr über Handys. Tauchen bestimmte Begriffe auf, die Gefahren andeuten, dann ist es auch in Deutschland möglich, hier einzugreifen und Informationen zu sichern.“ Gefragt, ob er Verständnis oder gar Sympathie für den Prism-Enthüller Edward Snowden habe, er brauche dazu noch mehr Informationen. Für Snowden würde er dann Sympathie und Respekt haben, „wenn eine Regierung dabei ist, das Recht zu beugen, und derjenige, der sich aufgerufen fühlt, diese Rechtsbeugung öffentlich zu machen, […] auch bereit ist, dafür die Verantwortung zu tragen“, wogegen er für „puren Verrat“ oder für die Überschreitung von selbsteingegangenen Verpflichtungen kein Verständnis habe.[107]

Bundeswehr und deutscher Afghanistan-Einsatz

Bei seinem Antrittsbesuch als Bundespräsident äußerte sich Gauck im Juni 2012 vor der Führungsakademie der Bundeswehr auch allgemein zu Auslandseinsätzen deutscher Soldaten. Seine Worte stießen in Medien und politischer Öffentlichkeit teils auf Kritik. Eingedenk der diversen Vergangenheitserfahrungen mit der Organisation des Militärs in Deutschland sagte er:

„Welch ein Glück, dass es gelungen ist, nach all den Verbrechen der nationalsozialistischen Diktatur und nach den Gräueln des Krieges, in diesem Land eine solche Armee zu schaffen: eine Armee des Volkes, im besten, eigentlichen Sinne, kein Staat im Staate, keine Parteienarmee, sondern eine „Parlamentsarmee“, an demokratische Werte gebunden, an Grundgesetz und Soldatengesetz; eine Armee unter Befehlsgewalt eines Zivilisten, rekrutiert aus eigenverantwortlichen Bürgern und heute auch Bürgerinnen, die zu kritischen Geistern gebildet werden in Institutionen wie dieser; eine Armee, deren Einsätze unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch unsere Volksvertreter stehen und – wenn auch nicht genügend – öffentlich diskutiert werden. […] Wir wollen nicht behelligt werden mit dem Gedanken, dass es langfristig auch uns betreffen kann, wenn anderswo Staaten zerfallen oder Terror sich ausbreitet, wenn Menschenrechte systematisch missachtet werden. Wir denken nicht gern daran, dass es heute in unserer Mitte wieder Kriegsversehrte gibt. Menschen, die ihren Einsatz für Deutschland mit ihrer körperlichen oder seelischen Gesundheit bezahlt haben. Und dass es wieder deutsche Gefallene gibt, ist für die Gesellschaft schwer zu ertragen. […] Freiheit und Wohlergehen sehen viele als Bringschuld von Staat und Demokratie. Manche verwechseln Freiheit mit Gedankenlosigkeit, Gleichgültigkeit und Hedonismus. Andere sind sehr gut darin, ihre Rechte wahrzunehmen oder gegebenenfalls auch vehement einzufordern. Und vergessen dabei allzu gern, dass eine funktionierende Demokratie auch Einsatz erfordert, Aufmerksamkeit, Mut, und manchmal auch das Äußerste, was ein Mensch geben kann: das Leben, das eigene Leben. […] Hier, in der Bundeswehr, treffe ich auf Menschen mit der Bereitschaft, sich für etwas einzusetzen – gewissermaßen auf „Mut-Bürger in Uniform“!“[108]

2010 vertrat Gauck die Ansicht, die in Afghanistan eingesetzten deutschen Soldaten kämpften dort im Auftrag der Vereinten Nationen gegen Terroristen und leisteten zudem Gutes für die afghanische Bevölkerung.[109] Auf Kritik aus der Partei Die Linke hin stellte er klar, dass er den Einsatz „nicht gut, aber erträglich und gerechtfertigt“ finde und warf Gegnern des Afghanistan-Einsatzes wegen der früheren Unterstützung von Befreiungskämpfen seitens der politischen Linken vor, einen taktischen, aber keinen ethischen Pazifismus zu pflegen.[110]

Energiepolitik

Im Oktober 2011 kritisierte Gauck die Novelle des Atomgesetzes, mit der als Reaktion auf die Reaktorkatastrophe von Fukushima eine Stilllegung aller Kraftwerke bis spätestens 2022 beschlossen – und die von der christlich-liberalen Regierungskoalition zuvor 2010 angesetzte Laufzeitverlängerung zurückgenommen wurde: Man könne derart wichtige politische Entscheidungen nicht von der Gefühlslage der Nation abhängig machen. Genau dies aber habe die Regierung unter Angela Merkel getan, weil die Angst vor der nächsten Wahlniederlage das politische Handeln geleitet habe.[111]

Am 5. Juni 2012 warnte Gauck, dass die Energiewende nicht allein mit „planwirtschaftlichen Verordnungen“ gelingen werde, noch mit einem „Übermaß an Subventionen“; stattdessen forderte er „überzeugende Innovationen“ im Rahmen eines fairen Wettbewerbs. Dies bezog sich auf die geplante Kürzung der Solarförderung angesichts stark gefallener Modulpreise, die vom Bundesrat zunächst gestoppt und an den Vermittlungsausschuss verwiesen worden war.[112]

Zugleich sprach er sich angesichts der Globalen Erwärmung sowie anderer Umweltschäden deutlich für die Energiewende aus, für die ein verlässlicher politischer Rahmen gebraucht werde, um Schädliches zu vermeiden und Gewünschtes erreichen zu können. Marktwirtschaftliche, wachstumsfreundliche Umweltpolitik heiße für ihn, die Kosten für Umweltbelastungen und Umweltrisiken den Verursachern in Rechnung zu stellen, nicht den Steuerzahlern. Dagegen solle sich umweltfreundliche Produktion für Unternehmen im Wettbewerb auszahlen. Gauck warnte davor, die Kosten für die Umweltpolitik nachfolgenden Generationen aufzubürden, da eine solche Haltung „schlicht verantwortungslos“ wäre. Jedes Leben auf der Erde könne sich nur „im Einklang mit der Natur“ entfalten; deshalb sei langfristig nur das ökologisch Vernünftige ökonomisch sinnvoll.[113] Anlässlich der Ernennung Peter Altmaiers zum neuen Bundesumweltminister forderte Gauck ein verbindliches, globales Klimaabkommen.[114]

Bürgerbeteiligung und -proteste

Im Rückblick auf die politischen Entwicklungen des Jahres 2010 betonte Gauck in einem Gespräch mit dem Tagesspiegel die Notwendigkeit eines stärkeren politischen Engagements der Bürger. Er befürwortete Debatten über mehr plebiszitäre Elemente auf Bundesebene und über die Direktwahl des Bundespräsidenten. Im Rahmen einer Rede vor Stipendiaten des Deutschen Akademischen Austauschdiensts beklagte er eine in Deutschland herrschende „Unkultur des Verdrusses“.[115] Die Bürgerproteste gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 bewertete er zunächst positiv: „Egal, wie man die Proteste über Stuttgart 21 inhaltlich bewertet, muss man sich darüber freuen, dass sich Bürger von ihren Sofas erheben und an der demokratischen Willensbildung teilnehmen.“[116] Im weiteren Verlauf warnte er allerdings auch vor einer Protestkultur, die lediglich „aufflammt, wenn es um den eigenen Vorgarten geht“.[117]

Kapitalismusdebatte, Occupy Wall Street

In der DDR stand Gauck dem Sozialismus zeitweise wohlwollend gegenüber, aufgrund der Nähe zu christlichen Ideen und des Versuches, eine emanzipatorische Gesellschaft zu entwickeln. Während der Wendezeit bemängelte er dagegen, die DDR hafte an „marxistischen Dogmen“ und es gebe keine „Weiterentwicklung einer effektiven Ökonomie“. Im Namen einer Mehrheit des Neuen Forums ging Gauck davon aus, „dass es nicht eine sozialistische und eine kapitalistische Wirtschaft gibt, sondern dass es Wirtschaftsgesetze gibt, die gelten“.[96]

Seitdem gilt Gauck als ein Befürworter der Marktwirtschaft: Wer wolle, „dass es allen gut geht, dass es eine Streuung des Eigentums gibt, Vermögensbildung in Arbeitnehmerhand“ und „ein soziales Netzwerk, was diesen Namen verdient“, muss sich nach Gaucks Überzeugung „einen sehr gut funktionierenden Kapitalismus wünschen“. „Wer die Freiheit liebt, wird sich dahin bequemen müssen, Freiheit auch in den Wirtschaftsprozessen zu wollen”, fordert er. Die Neoliberalen und andere hätten gespürt, „dass zu dieser Freiheit in der Wirtschaft Gestaltungswille und Gestaltungselemente aus dem politischen Raum hinzutreten können, ohne aber dieses Prinzip zu vernichten.“ Einen „dumpfen unaufgeklärten Antikapitalismus“ lehnt Gauck ab, weil dessen Konzepte nicht wirkten.[118][119] Gleichwohl müssten kapitalistische Wirtschaftssysteme ebenso kritisch beurteilt werden wie die verschiedenen politischen Richtungen: „Es soll und muss debattiert werden, ob konservative, liberale oder linke Vorstellungen einer sozialen Marktwirtschaft eher gerecht werden oder bessere Lösungen für künftige Krisen anbieten.“ Das System sei lernfähig und habe Vorbildcharakter, selbst die Ostdeutschen und die linken Professoren seien „darauf gekommen, dass wir keinen neuen, dritten Weg ersinnen konnten“.[120]

Mit Skepsis begegnete er der Bewegung Occupy Wall Street. Ebenfalls am 16. Oktober 2011 in den Hamburger Kammerspielen übte er Kritik an der Anti-Banken-Bewegung. Unter anderem äußerte er, die Antikapitalismusdebatte sei „unsäglich albern“. Gauck zweifelte an den Erfolgschancen und der Dauerhaftigkeit der Proteste gegen das Finanzsystem. Er fügte hinzu: „Ich habe in einem Land gelebt, in dem die Banken besetzt waren.“ Mit Bezug zu den Occupy-Protesten bezeichnete Gauck es als eine „romantische Vorstellung“, für eine Welt einzutreten, „in der man sich der Bindung von Märkten entledigen könne“.[111] Wissenschaftler wie Hubertus Buchstein und Dieter Rucht äußerten Kritik an Gaucks Einschätzung.[121]

Islam in Deutschland

In einem Interview mit der ZEIT im Mai 2012 distanzierte sich Gauck von der Äußerung seines Vorgängers Wulff, der Islam gehöre zu Deutschland. Diesen Satz könne er so nicht übernehmen,

„aber seine Intention nehme ich an. Die Absicht war die, zu sagen: Leute, bitte einmal tief durchatmen und sich der Wirklichkeit öffnen. Und die Wirklichkeit ist, dass in diesem Lande viele Muslime leben.

ZEIT: Wie hätten Sie den Satz formuliert, haben Sie sich das gefragt?

Gauck: Ich hätte einfach gesagt, die Muslime, die hier leben, gehören zu Deutschland. Ich habe in meiner Antrittsrede von der Gemeinsamkeit der Verschiedenen gesprochen. Dahinter steckt eine Vorstellung von Beheimatung nicht durch Geburt, sondern der Bejahung des Ortes und der Normen, die an diesem Ort gelten. Jeder, der hierhergekommen ist und nicht nur Steuern bezahlt, sondern auch hier gerne ist, auch weil er hier Rechte und Freiheiten hat, die er dort, wo er herkommt, nicht hat, der gehört zu uns, solange er diese Grundlagen nicht negiert. Deshalb sind Ein-Satz-Formulierungen über Zugehörigkeit immer problematisch, erst recht, wenn es um so heikle Dinge geht wie Religion.[122]

Wulffs Äußerungen hatte 2010 eine lange Debatte in Deutschland ausgelöst.[123] Gaucks Position fand in Medien und Öffentlichkeit viel Zustimmung.[124][125][126][127]

Sarrazin-Debatte

Gauck äußerte sich im Rahmen einer kontroversen Debatte um das Buch Deutschland schafft sich ab des ehemaligen Berliner Finanzsenators Thilo Sarrazin. Er attestierte Sarrazin „Mut“ und äußerte sich zu dessen Aussagen: „Da weist er [Sarrazin] auf ein Problem hin, das nicht ausreichend gelöst ist. Das andere sind seine biologistischen Herleitungen.“[128] Er urteilte über Sarrazin: „Er hat über ein Problem, das in der Gesellschaft besteht, offener gesprochen als die Politik.“ Die politische Klasse könne aus dem Bucherfolg Sarrazins lernen, dass „ihre Sprache der politischen Korrektheit bei den Menschen das Gefühl weckt, dass die wirklichen Probleme verschleiert werden sollen“.[116] In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung führte er bezugnehmend auf das Buch aus, dass das Integrationsproblem nicht darin bestehe, „dass es Ausländer oder Muslime gibt – sondern es betrifft die Abgehängten dieser Gesellschaft. Darum erscheint es notwendig, und das ist meine Kritik an Sarrazin, genauer zu differenzieren und nicht mit einem einzigen biologischen Schlüssel alles erklären zu wollen. Und plötzlich wird aus einem Hype eine nüchterne Debatte.“ „Zu solchen Debatten“ gehöre „auch die populistische Übertreibung“.[128]

Unternehmertum

Gauck wirbt für einen verantwortungsvollen Kapitalismus (Rede vom 15. November 2012). Man dürfe nicht der Wirtschaft nur aus Angst die Freiheit nehmen. Gerade im Finanzsektor sieht Gauck weiterhin Bedarf für Veränderungen. Dafür brauche es nicht nur neue Regeln – die Menschen müssten ihre Haltung überdenken. In der aktuellen Wirtschaft seien zwei Dinge getrennt worden, die zusammengehörten: „die Freiheit, etwas zu tun, und die Verantwortung, dafür gerade zu stehen.“ Gerade Verantwortung dürfe aber kein Geschäft zu Lasten Dritter sein. Gauck sagte, er habe lange zu denen gehört, die beim Stichwort Regulierung vor allem glaubten, dass weniger mehr sei. Nun aber sage er: „Freies Unternehmertum braucht Grenzen.“ Denn er habe erkannt, dass ohne Grenzen Freiheit und Verantwortung nicht überall gleichermaßen berücksichtigt würden. Verantwortlich handeln, das hieße für ihn jetzt „aus Freiheit ein Freund von Grenzen zu sein“, denn die Wenigen, die sich die Freiheit nähmen, für nichts Verantwortung zu tragen, „zerstören die Voraussetzungen der Freiheit“. Zwar könne Grenzenlosigkeit „unerhörte Höhenflüge“ schaffen. „Aber für viele andere schafft Grenzenlosigkeit keinen Lebensraum, sondern eine Wüste.“[129][130]

Bundespräsident (2012)

Joachim Gauck (2012)

Die Wahl zum Bundespräsidenten und deren Vorgeschichte

Nach dem Rücktritt des Bundespräsidenten Christian Wulff am 17. Februar 2012 infolge der Wulff-Affäre kündigte Bundeskanzlerin Merkel einen Vorschlag für dessen Nachfolge an, der auch die Zustimmung der Oppositionsparteien SPD und Grünen finden sollte; Gespräche mit der Partei Die Linke schloss sie aus.[131] Joachim Gauck wurde zuerst wieder von der SPD und Bündnis 90/Grüne als Kandidat ins Gespräch gebracht. Am 19. Februar bekam Gauck zunächst die Unterstützung der FDP, später auf ihren Druck hin auch die der Union. Am Abend trafen sich die Parteispitzen von CDU/CSU, FDP, SPD und den Grünen im Kanzleramt und präsentierten Joachim Gauck als gemeinsamen Kandidaten.[132][133] Am 20. Februar 2012 ergab eine Umfrage bei 1122 Befragten eine Zustimmung von 69 % für Gauck als Bundespräsidenten (16 % Ablehnung, Rest: keine Meinung).[134]

Gaucks Stellungnahmen zu Sarrazin, Occupy Wall Street, Stuttgart 21, Hartz IV und Vorratsdatenspeicherung führten zu einer kurzen Kontroverse über seine Eignung für das Amt. Diese Debatte wurde insbesondere in sozialen Netzwerken im Internet geführt.[135] Einzelne Politiker der Grünen kündigten daraufhin an, sich eine Ablehnung von Gauck vorzubehalten.[136] Es wurde in einigen Medien die These geäußert, die Kritik reiße Gaucks Aussagen aus dem Kontext und dichte ihm Positionen an, die er nicht vertreten habe.[98][137][138]

Am 18. März 2012 wurde Gauck von der 15. Bundesversammlung zum 11. Bundespräsidenten Deutschlands gewählt. Er erhielt 991 von 1228 gültigen Stimmen. Seine Amtszeit begann gemäß § 10 BPräsWahlG, als er nach der Verkündung des Wahlergebnisses in der Bundesversammlung dem Präsidenten des Bundestages Norbert Lammert die Annahme der Wahl erklärte.

Im Juli 2012 wurde bekannt, dass die Journalistin und Autorin Ferdos Forudastan neue Sprecherin von Bundespräsident Gauck wird. Forudastan gilt als Expertin für Migrations- und Integrationsfragen.[139]

Auslandsbesuche als Bundespräsident

2012

Datum Ort Hauptgrund
26. und 27. März Warschau (PolenPolen Polen) Treffen mit Präsident Bronisław Komorowski, Ministerpräsident Donald Tusk und Parlamentspräsidentin Ewa Kopacz
16. und 17. April Brüssel (BelgienBelgien Belgien) Treffen mit NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen, dem belgischen Ministerpräsidenten Elio Di Rupo, dem Präsidenten des Europäischen Rates Herman Van Rompuy und dem Präsidenten der Europäischen Kommission José Manuel Barroso
Straßburg (FrankreichFrankreich Frankreich) Treffen mit dem Präsidenten des Europäischen Parlamentes Martin Schulz
4. Mai Stockholm (SchwedenSchweden Schweden) Treffen mit König Carl XVI. Gustaf und mit Königin Silvia von Schweden
5. und 6. Mai Breda und Amsterdam (NiederlandeNiederlande Niederlande) Während seines Besuchs hielt er am 5. Mai anlässlich der Feierlichkeiten zum Jahrestag der Befreiung von der deutschen Besatzung in Breda als erstes ausländisches Staatsoberhaupt die zentrale Rede. Unter dem Titel „Befreiung feiern – Verantwortung leben“[140] betonte er das Bewusstsein für die deutsche Schuld und erinnerte an die mehr als 100.000 getöteten niederländischen Juden.[141] Gauck äußerte sich auch zu dem (kurz darauf verstorbenen) niederländischstämmigen Kriegsverbrecher Klaas Carel Faber, der seit 1952 in Deutschland gelebt hatte und als deutscher Staatsangehöriger nicht ohne seine Zustimmung ausgeliefert werden durfte: „Wir haben kein Interesse daran, Verbrecher zu schützen.“ Er sagte aber auch, die Rechtsordnung müsse natürlich respektiert werden: „Ich bin kein König.“[142]
11. und 12. Mai Jalta und Krim (UkraineUkraine Ukraine) Am 25. April 2012 wurde bekannt, dass Gauck die geplante Reise in die Ukraine abgesagt hat. Dort – in Jalta auf der Krim – sollten sich zentraleuropäische Präsidenten treffen. Als auch die Präsidenten Österreichs, Tschechiens und Sloweniens das Treffen boykottierten, wurde dieses abgesagt. Hintergrund war die tiefe Besorgnis über das Schicksal der früheren Ministerpräsidentin Julija Tymoschenko.[143]
28. bis 30. Mai Tel Aviv, Jerusalem und Rehovot (IsraelIsrael Israel), Ramallah und Burin (Palastina AutonomiegebietePalästinensische Autonomiegebiete Palästinensische Autonomiegebiete) [144] In Israel sprach sich Gauck für eine Zweistaatenlösung und eine Änderung der israelischen Siedlungspolitik aus. Die „berechtigten Anliegen des palästinensischen Volkes“ müssten Berücksichtigung finden, ebenso wie Israels Recht, in Frieden und in gesicherten Grenzen leben zu können. „Das Eintreten für die Sicherheit und das Existenzrecht Israels“ sei „für die deutsche Politik bestimmend“. Gauck erklärte, das iranische Atomprogramm sei „eine Bedrohung nicht nur für Israel, sondern eine potenzielle Gefahr auch für Europa“, warnte jedoch vor einer militärischen Lösung des Konflikts.[145][146] In Ramallah traf Gauck den Palästinenser-Präsidenten Mahmoud Abbas.[147]
11. Juni Chur (SchweizSchweiz Schweiz) Gespräche mit dem österreichischen Bundespräsidenten Heinz Fischer, dem Erbprinzen Alois von Liechtenstein und der Schweizer Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf am Treffen der deutschsprachigen Staatsoberhäupter
15. Juni Rom (ItalienItalien Italien) Treffen mit dem italienischen Staatspräsidenten Giorgio Napolitano und dem italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti
2. Juli Paris (FrankreichFrankreich Frankreich) Treffen mit dem französischen Staatspräsidenten François Hollande
27. und 28. Juli London (Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich) Besuch der Olympischen Sommerspiele 2012
2. August Küstrin (PolenPolen Polen) Treffen mit dem polnischen Präsidenten Bronisław Komorowski
16. August Wien (OsterreichÖsterreich Österreich) Treffen mit dem österreichischen Bundespräsidenten Heinz Fischer und dem österreichischen Bundeskanzler Werner Faymann
29. und 30. August London (Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich) Besuch der Sommer-Paralympics 2012
11. September Kopenhagen (DanemarkDänemark Dänemark) Treffen mit Königin Margarethe von Dänemark
10. Oktober Prag (TschechienTschechien Tschechien) Treffen mit dem tschechischen Präsidenten Václav Klaus und dem tschechischen Ministerpräsidenten Petr Nečas
13. November London (Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich) Treffen mit Königin Elisabeth II. und Prinz Philip
19. und 20. November Neapel (ItalienItalien Italien) Trilaterales Treffen mit dem italienischen Staatspräsidenten Giorgio Napolitano und dem polnischen Präsidenten Bronisław Komorowski
5. und 6. Dezember Vatikanstadt (VatikanstadtVatikanstadt Vatikanstadt) und Rom (ItalienItalien Italien) u. a. Privataudienz bei Papst Benedikt XVI.
7. und 8. Dezember Zagreb (KroatienKroatien Kroatien) u. a. Treffen mit dem kroatischen Präsidenten Ivo Josipović
17. bis 19. Dezember Masar-e Scharif und Kabul (AfghanistanAfghanistan Afghanistan) Besuch Deutscher Truppen und Treffen mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karzai

2013

Datum Ort Hauptgrund
15. Februar Genf (SchweizSchweiz Schweiz) Gauck hielt eine Rede vor dem Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen, besichtigte das Museum des Internationalen Roten Kreuzes und besuchte die Deutsche Schule Genf, um dort mit Schülern über Menschenrechte zu diskutieren.
17. bis 20. März Addis Abeba und Lalibela (AthiopienÄthiopien Äthiopien) u.a. Treffen mit dem äthiopischen Premierminister Hailemariam Desalegn, dem äthiopischen Präsidenten Girma Wolde-Giorgis und der Kommissionsvorsitzenden der Afrikanischen Union Nkosazana Dlamini-Zuma
24. März Sant'Anna di Stazzema (ItalienItalien Italien) Treffen mit dem italienischen Staatspräsidenten Giorgio Napolitano
22. April Straßburg (FrankreichFrankreich Frankreich)
8. bis 12. Mai Bogotá und Medellín (KolumbienKolumbien Kolumbien)
13. bis 16. Mai São Paulo und Rio de Janeiro (BrasilienBrasilien Brasilien)
30. Mai Den Haag (NiederlandeNiederlande Niederlande) Besuch des Internationalen Strafgerichtshofes, des Internationalen Strafgerichtshofes für das ehemalige Jugoslawien sowie des Internationalen Gerichtshofes
5. und 6. Juli Savonlinna und Turku (FinnlandFinnland Finnland)
6. bis 8. Juli Riga (LettlandLettland Lettland)
8. und 10. Juli Valmiera und Tallinn (EstlandEstland Estland)
10. bis 13. Juli Vilnius, Palanga, Klaipėda und Nida (LitauenLitauen Litauen)
19. Juli Salzburg (OsterreichÖsterreich Österreich)
3. bis 5. September Paris, Oradour-sur-Glane und Marseille (FrankreichFrankreich Frankreich) 5. Staatsbesuch: FrankreichFrankreich Frankreich[148][149] Dort besuchte Gauck Oradour-sur-Glane, wo Soldaten der Waffen-SS am 10. Juni 1944 642 von 648 Dorfbewohnern ermordeten.[150] Davor war Gauck schon in Sant’Anna di Stazzema (Toskana)[151], Lidice (Tschechien) und Breda (Niederlande).
9. September Innsbruck (OsterreichÖsterreich Österreich) Teilnahme am Treffen der deutschsprachigen Staatsoberhäupter
7. und 8. Oktober Krakau (PolenPolen Polen) Unter anderem Teilnahme an einem trilateralen Treffen mit den Staatsoberhäuptern Polens und Italiens
18. Oktober Słubice (PolenPolen Polen)
10. Dezember Johannesburg (SudafrikaSüdafrika Südafrika) Teilnahme an der Gedenkfeier für den ehemaligen südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela

2014

Am 8. Dezember 2013 meldete DER SPIEGEL, Gauck habe der russischen Regierung in der vergangenen Woche mitteilen lassen, dass er im Februar 2014 nicht zu den Olympischen Winterspielen in Sotschi reisen werde. Die Absage sei „nach Informationen des SPIEGEL als Kritik an den Menschenrechtsverletzungen und der Drangsalierung der Opposition in Russland zu verstehen“.[152] Demgegenüber erklärte eine Sprecherin Gaucks, seine Entscheidung, die Spiele nicht besuchen, sei nicht als Boykott zu verstehen. So habe auch 2010 der damalige Bundespräsident Horst Köhler auf die Reise zu den Winterspielen in Vancouver verzichtet.[153]

Datum Ort Hauptgrund
4. bis 8. Februar Neu-Delhi und Bangalore (IndienIndien Indien)
9. bis 12. Februar Rangun und Naypyidaw (MyanmarMyanmar Myanmar)
5. bis 7. März Athen und Ioannina (GriechenlandGriechenland Griechenland) Staatsbesuch
1. bis 2. April Bern und Genf (SchweizSchweiz Schweiz) Treffen mit dem Schweizer Bundespräsidenten Didier Burkhalter und Besichtigung des CERN

Weblink

Kritik

Anlässlich des 60-jährigen Jubiläums des Walter Eucken Instituts hielt Joachim Gauck am 16. Januar 2014 in Freiburg im Breisgau eine Ansprache und würdigte den neoliberalen Ökonomen Walter Eucken.[154] Der Vorsitzende der Linkspartei Bernd Riexinger kritisierte daraufhin Gaucks Plädoyer für mehr marktwirtschaftliche Freiheit als „eine sehr parteiliche Einmischung“. Der Neoliberalismus sei in Deutschland keine Staatsräson, so Riexinger. „Das Grundgesetz schützt den Sozialstaat und nicht den Alle-gegen-Alle-Kapitalismus.“[155][156]

Werk

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • 1991: Die Stasi-Akten. Das unheimliche Erbe der DDR. (rororo 13016) Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1991, ISBN 3-499-13016-5.
  • 1992: Von der Würde der Unterdrückten (Aufsatz)
  • 1993: Verlust und Übermut. Ein Kapitel über den Untertan als Bewohner der Moderne. (Aufsatz)
  • 1994: Das Erbe der Stasi-Akten. In: German Studies Review 17, Totalitäre Herrschaft – totalitäres Erbe. (1994), S. 187–198 (online).
  • 1997: Verfassungsverständnis in Ostdeutschland. In: Stephan Detjen (Hrsg.): In bester Verfassung?! 50 Jahre Grundgesetz. Begleitband zur Wanderausstellung der Bundeszentrale für politische Bildung und der Bundesrechtsanwaltskammer. O. Schmidt, Köln 1999, ISBN 3-504-10003-6, S. 213–217.
  • 1998: Mitautorenschaft an der deutschsprachigen Ausgabe von Das Schwarzbuch des Kommunismus – Unterdrückung, Verbrechen und Terror, Piper Verlag, München 2004, ISBN 3-492-04053-5.
  • 2002: Mentalität und Mentalitätswandel in posttotalitären Gesellschaften. Die Situation der Deutschen nach 1945 und 1989. In: Ibrahim Özkan, Annette Streeck-Fischer, Ulrich Sachsse (Hrsg.): Trauma und Gesellschaft. Vergangenheit in der Gegenwart. 1. Aufl., Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2002, ISBN 978-3-525-45893-8, S. 12–33.
  • 2007: Reite Schritt, Schnitter Tod! Leben und Sterben im Speziallager Nr. 1 des NKWD Mühlberg/Elbe (Aufsatz), hrsg. von Elisabeth Schuster, Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, ISBN 978-3-936592-02-3.
  • 2007: Diktaturerfahrungen der Deutschen im 20. Jahrhundert und was wir daraus lernen können (= Schriftenreihe zu Grundlagen, Zielen und Ergebnissen der parlamentarischen Arbeit der CDU-Fraktion des Sächsischen Landtages; Band 42), Dresden 2007.
  • 2009: Winter im Sommer – Frühling im Herbst: Erinnerungen. Siedler Verlag, München 2009, ISBN 978-3-88680-935-6.
  • 2009: Die Flucht der Insassen. Freiheit als Risiko (Weichenstellungen in die Zukunft. Eine Veröffentlichung der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V.). Sankt Augustin/Berlin 2009, ISBN 978-3-941904-20-0.
  • 2010: Gerechtigkeit, Versöhnung und Strafe als gesellschaftliche und politische Herausforderungen. In: Versöhnung, Strafe und Gerechtigkeit: das schwere Erbe von Unrechts-Staaten (Kontexte; 40). Hrsg. von Michael Bongardt, Göttingen 2010, ISBN 978-3-7675-7132-7, S. 17–28.
  • 2012: Freiheit. Ein Plädoyer. Kösel, München 2012, ISBN 978-3-466-37032-0.

Vorträge (Auswahl)

Auszeichnungen und Ehrungen (Auswahl)

Gauck bei der Verleihung des Geschwister-Scholl-Preises (2010)

Ehrendoktorwürden wurden ihm unter anderem 1999 von der Theologischen Fakultät der Universität Rostock,[167] 2001 von der Philosophischen Fakultät der Universität Jena[168] sowie 2005 von der Philosophisch-Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Augsburg[169][170] verliehen. Er wurde mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse sowie 2000 mit dem Großen Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.[171] Mit Amtsantritt an seinem ersten Tag in Schloss Bellevue hat Bundespräsident Gauck die Sonderstufe des Großkreuzes als Amtsinsignie angelegt.[172]

Literatur

Weblinks

 Commons: Joachim Gauck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Antrittsrede im Wortlaut (www.bundespraesident.de)
  2. Stefan Karner: Die MGB-Akte Joachim Gauck senior, FAZ vom 12. März 2012, S. 7.
  3. Focussiert: Linke Internet-Angriffe auf Gaucks Vater, Focus 11/2012 vom 12. März 2012. Gauck schreibt in seinem Buch Winter im Sommer – Frühling im Herbst: „Mein Vater hat in Wustrow die Seefahrtsschule besucht und sie zunächst mit dem Steuermanns-, 1940 mit dem Kapitänspatent A 6 beendet: Kapitän auf großer Fahrt. Als Kapitän ist er im Krieg allerdings nicht mehr gefahren.“
  4. Herkunft von Joachim Gauck, auf: www.der-bundespraesident.de. Abgerufen am 19. November 2012.
  5. Norbert Robers: Joachim Gauck – Vom Pastor zum Präsidenten. Die Biografie, Leipzig 2012, S. 15.
  6. a b Das Geheimnis um den Onkel. Focus Online. 28. Juni 2010. Abgerufen am 6. März 2012.
  7. Gauck 2009a, S. 27.
  8. Robers 2000, S. 23.
  9. Gauck 2009a, S. 35.
  10. Miloš Vec: Spurlos verschwunden, FAZ, Nr. 241 vom 17. Oktober 2007, S. 38.
  11. „Die ersten 25 Jahre wegen Spionage für einen Brief, den er von Fritz Löbau erhalten hatte, seinem ehemaligen Vorgesetzten auf der Rosslauer Werft, mit dem er 1947 Schnellboote für die Sowjets erprobt hatte. Löbau hatte sich in den Westen abgesetzt und meinen Vater zu einem Besuch nach West-Berlin eingeladen, fünfzig Mark Reisegeld lagen dem Brief bei. Obwohl mein Vater nicht reagiert hatte, wurde ihm die Einladung beziehungsweise diese Bekanntschaft zum Verhängnis; Löbau soll mit dem französischen Geheimdienst zusammengearbeitet haben.“ (Gauck 2009a, S. 36)
  12. Gauck 2009a, S. 37.
  13. Gauck 2009a, S. 41.
  14. „Erst einmal fiel für einen Tag Schule aus. Dann wurde das Fach Gegenwartskunde – später Staatsbürgerkunde – vorübergehend gestrichen. Lehrer, die bis dahin besonders ideologiefest aufgetreten waren, machten einen verschüchterten und verklemmten Eindruck, einige ließen sich zu selbstkritischen Äußerungen hinreißen. Und ältere Schüler, die von der Schule geworfen worden waren, weil sie sich als Christen nicht von der Jungen Gemeinde getrennt hatten, kamen zurück und durften das Abitur nachholen.“ (Gauck 2009a, S. 47)
  15. Frank: Gauck. Eine Biographie. 2013, S. 68.
  16. Eckhard Jesse: Eine Revolution und ihre Folgen: 14 Bürgerrechtler ziehen Bilanz. Ch. Links Verlag, 2000, S. 253.
  17. „Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit.“ (PDF; 14,5 MB) SPECTARIS – Verband der Hightech-Industrie. 7. November 2011. Abgerufen am 6. März 2012.
  18. Gauck 2009a, S. 60.
  19. Siehe dazu den Eintrag der Immatrikulation von Joachim Gauck im Rostocker Matrikelportal
  20. Gauck 2009a, S. 104 f.
  21. Robers 2000, S. 37 ff.
  22. Gauck 2009a, S. 117.
  23. Robers 2000, S. 43.
  24. Zit. n. Robers 2000, S. 10 f.
  25. Zit. n. Robers 2000, S. 12.
  26. Robers 2000, S. 74.
  27. Gauck 2009a, S. 134–137.
  28. Akte zeigt Gaucks Distanz zur Stasi (Faksimile) Die Welt, Nr. 94. 23. April 1991. Abgerufen am 6. März 2012.
  29. Zit. n. Robers 2000, S. 56. Anmerkung: dies kann man rezipieren als eine MfS-interne Rechtfertigungsfloskel, warum man den OV einstellte.
  30. Pack und Gesindel. Spiegel Online. 4. September 2000. Abgerufen am 6. März 2012.
  31. Etappensieg für Diestel im Rechtsstreit gegen Gauck. RP Online. 22. September 2000. Abgerufen am 6. März 2012.
  32. Gauck und Diestel wollen Rechtsstreit gütlich beilegen. Welt Online. 1. März 2001. Abgerufen am 6. März 2012.
  33. Streit beigelegt. Berliner Kurier. 5. April 2001. Abgerufen am 6. März 2012.
  34. Ein verrutschtes Plädoyer. der Freitag. 5. Mai 2000. Archiviert vom Original am 19. Juni 2006. Abgerufen am 1. Januar 2013.
  35. Jana Hensel, Jakob Augstein: Pastor der Unfreiheit. der Freitag. 8. März 2012. Abgerufen am 1. Januar 2013.
  36. Zit. n. Robers 2000, S. 68.
  37. Joachim Gauck: Freiheit – Verantwortung – Gemeinsinn. Wir in unserem Staat. Rede vom 22. Juni 2010 im Deutschen Theater Berlin.
  38. Hans-Jochen Tschiche: „Gauck ist die falsche Person“, der Freitag, 22. Februar 2012.
  39. Joachim, der Lokomotivführer?. Süddeutsche Zeitung. 27. Februar 2012. Abgerufen am 20. März 2012.
  40. Streit um Joachim Gauck – Auf der Suche nach dem verlorenen Freund. Süddeutsche Zeitung. 28. Februar 2012. Abgerufen am 20. März 2012.
  41. Ehemaliger Pfarrer kritisiert Joachim Gauck. Die Welt. 7. März 2012. Abgerufen am 1. Januar 2013.
  42. Der Bürgerrechtler als Denunziant, achgut.com vom 27. Februar 2011.
  43. zu Deutsch: Gauck als „ehemaliger ostdeutscher Dissident und Pfarrer, der von vielen als moralische Autorität angesehen wird.“ The Times, 17. Juni 2010.
  44. Zit. n. Robers 2000, S. 79 f.
  45. Die Auflösung des Ministeriums für Staatssicherheit. Deutsches Rundfunkarchiv. Abgerufen am 25. Februar 2012.
  46. Robers 2000, S. 123.
  47. Zit. n. Robers 2000, S. 126.
  48. Siehe dazu das Gesetz (PDF; 331 kB) und das Protokoll der Volkskammersitzung (PDF; 2,1 MB). An die Stelle des Volkskammergesetzes trat nach der Wiedervereinigung das vom Deutschen Bundestag beschlossene Stasi-Unterlagen-Gesetz. Vgl. auch Beschreibung zu BArch DA 1/16631 – Digitalisierung und Onlinestellung des Bestandes DA 1 Volkskammer der DDR, Teil 10. Wahlperiode (Bundesarchiv).
  49. Pressemeldung Landesbischof Dr. von Maltzahn zur Nominierung von Joachim Gauck, Pressestelle der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs, 20. Februar 2012.
  50. Mit Vertrauensvorsprung. domradio.de. 20. Februar 2012. Abgerufen am 1. Januar 2013.
  51. Gauck 2009a, S. 252 f.
  52. Gauck 2009a, S. 253.
  53. Diese Kurzform – hernach auch „Birthler-Behörde“ – bürgerte sich wohl wegen des sperrigen offiziellen Titels ein.
  54. Gauck 2009a, S. 270 f.
  55. ARD-Tagesschau am 3. Juni 1993, 20 Uhr
  56. Chronologie der BStU zum Jahr 2000.
  57. a b Stasi verwaltet noch immer Stasi-Akten. In: Internet Archive, archiviert von Wikileaks, 4. Oktober 2007. Abgerufen am 23. Februar 2012.
  58. Benedict Maria Mülder: Lichtgestalt mit Schattenseite, Der Tagesspiegel vom 27. Dezember 2011.
  59. Joachim Gauck Gastprofessor der MUL: Vorlesungsreihe „1989 – Vom Untertan zum Bürger“, Pressemitteilung, abgerufen am 25. Februar 2012.
  60. „Gegen das Vergessen“ – Gauck gibt Vorsitz ab. Die Welt. 19. März 2012. Abgerufen am 1. Januar 2013.
  61. z-g-v.de: Menschen an unserer Seite. Abgerufen am 7. Juni 2010.
  62. Prague Declaration – Declaration Text. 3. Juni 2008. Abgerufen am 28. Januar 2010.
  63. Declaration on Crimes of Communism. 25. Februar 2010. Abgerufen am 3. Juni 2010.
  64. A Message to the People of the United States of America. Atlantik-Brücke. 16. Februar 2003. Archiviert vom Original am 13. Juni 2010. Abgerufen am 1. Januar 2013.
  65. Gremienmitglieder der deutschen Nationalstiftung. Abgerufen am 7. Juni 2010.
  66. Aktivitäten der Europäischen Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Jahresbericht 2003, S. 43 (PDF; 313 kB)
  67. Homepage DOSB Abgerufen am 1. Mai 2012
  68. PM des DOSB vom 25. April 2012. Abgerufen am 25. April 2012.
  69. Bundespräsidenten-Kür: Oppositionskandidat Gauck spaltet Schwarz-Gelb, Spiegel Online, 5. Juni 2010. Abgerufen am 21. Februar 2012.
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  71. Initiative für die Wahl von Joachim Gauck zum Bundespräsidenten, Webseite von Markus Meckel.
  72. Newsticker. In: Berliner Zeitung, 26. Juni 2010. Abgerufen am 21. Februar 2012.
  73. Gauck-Kandidatur spaltet die Koalition. Handelsblatt. 5. Juni 2010. Abgerufen am 30. März 2012.
  74. Joachim Gauck. Dieter Wunderlich Buchtipps & Filmtipps. Abgerufen am 30. März 2012.
  75. Wenn Vater sagt „Gesine, steh doch mal auf!“. Welt Online. 25. Februar 2012. Abgerufen am 12. März 2012.
  76. Hansi Gauck will von Scheidung nichts wissen. Welt Online. 22. Februar 2012. Abgerufen am 11. Juni 2012.
  77. Frank: Gauck. Eine Biographie. 2013, S. 259.
  78. Bundespräsident Gauck zieht in Wulffs altes Zuhause. Die Welt. 23. Juli 2012. Abgerufen am 26. Juni 2013.
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  81. Kompetenter Freigeist ohne Chance. Zeit Online. 4. Juni 2010. Abgerufen am 12. März 2012.
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  84. „Meine Seele hat Narben“, Interview Joachim Gaucks in Die Zeit, 31. Mai 2012, S. 3 (Online-Version).
  85. Ethikunterricht: Ideologischer Glaubenskrieg in Berlin. Spiegel Online. 8. April 2005. Abgerufen am 12. März 2012.
  86. „Die Leute müssen aus der Hängematte aufstehen“. Süddeutsche Zeitung. 19. Februar 2012. Abgerufen am 12. März 2012.
  87. Schwarzbuch des Kommunismus, zitiert nach Joachim Gauck: Potemkinsche Dörfer, in: Der Spiegel Nr. 22, 25. Mai 2012 (Auszug).
  88. Pathos statt Analyse. taz.de. 24. Februar 2012. Abgerufen am 19. Oktober 2012.
  89. Hannah Arendt: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. Antisemitismus, Imperialismus, totale Herrschaft. Piper, München/Zürich 1986 (TB), 12. Aufl. 2008, beispielsweise S. 629 ff.
  90. Meine Seele hat Narben. Zeit Online. 31. Mai 2012. Abgerufen am 19. Oktober 2012.
  91. Wie weit darf man gehen, Herr Gauck? Der frühere Stasi-Unterlagenbeauftragte über die Grenzen öffentlicher Neugier, das Gedächtnis der Nation und die Vertriebenen. Der Tagesspiegel. 21. September 2003. Abgerufen am 12. März 2012.
  92. Der Wanderprediger. Sächsische Zeitung. 5. Juni 2010. Abgerufen am 9. März 2012.
  93. Gauck giftet gegen Linkspartei. Süddeutsche.de, 26. Juni 2010, abgerufen am 20. Februar 2012.
  94. Distanzierung von Linkspartei. Gauck begrüßt Haltung der SPD. n-tv.de, 11. Juli 2010, abgerufen am 20. Februar 2012.
  95. „Meine Seele hat Narben“, Interview Joachim Gaucks in der ZEIT, 31. Mai 2012, S. 3. (Online-Version)
  96. a b Gerd Spilker: Menschen zum gemeinsamen Handeln zusammenführen, Interview mit Joachim Gauck, Ostsee-Zeitung Nr. 31, 6. Februar 1990.
  97. „Es bricht nicht gleich alles zusammen“. Welt Online. 7. Juni 2010. Abgerufen am 9. März 2012.
  98. a b c Umstrittene Äußerungen über Occupy und Sarrazin – Was Gauck wirklich gesagt hat. Süddeutsche Zeitung. 20. Februar 2012. Abgerufen am 9. März 2012.
  99. „Wer gute Gründe für Demos hat, braucht kein falsches Etikett“. Berliner Zeitung. 9. August 2004. Abgerufen am 9. März 2012.
  100. Gegenüber der Bild am Sonntag, Onlineausgabe, 20. Juni 2010; zit. nach Merkel fordert Geschlossenheit bei Wulff-Wahl. Focus Online. 20. Juni 2010. Abgerufen am 20. Juni 2010.
  101. „Was für ein schöner Sonntag“, Deutschlandradio vom 18. März 2012.
  102. a b Diskussion im Burgtheater: Der Staat darf nicht zum Spitzel werden. Der Standard. 5. Dezember 2010. Abgerufen am 9. März 2012.
  103. Video: Europa im Diskurs am 5. Dezember 2010 im Wienerburgtheater
  104. Gegner der Vorratsdatenspeicherung wollen mit Gauck sprechen, Heise online, 24. Februar 2012. Abgerufen am 16. März 2012.
  105. Sicherheitsforscher Gaycken: Der Bundespräsident sollte ein offenes Ohr haben, Netzwelt.de, 15. März 2012. Abgerufen am 16. März 2012.
  106. Peter Mühlbauer: Gauck gegen Wikileaks und für Vorratsdatenspeicherung, Telepolis vom 21. Februar 2012.
  107. ZDF-Sommerinterview 2013, abgerufen am 15. Juli 2013.
  108. Nordwestzeitung (NWZ) online, 12. Juni 2012
  109. Präsidentschaftskandidat: Gauck warnt vor Rot-Rot-Grün. Interview mit Spiegel Online. 15. Juni 2010. Abgerufen am 9. März 2012.
  110. Gauck wehrt sich gegen Linke. n-tv.de. 27. Juni 2010. Abgerufen am 9. März 2012.
  111. a b Joachim Gauck: Antikapitalismusdebatte ist unsäglich albern. Pressemitteilung der ZEIT. 16. Oktober 2011. Abgerufen am 9. März 2012.
  112. Wahltaktik – Opposition feiert Blockade-Festival im Bundesrat, Spiegel Online, 11. Mai 2012.
  113. Rede Joachim Gaucks zur Eröffnung der Woche der Umwelt 2012. Bundespräsidialamt, abgerufen am 6. Juni 2012.
  114. Gauck entlässt und ernennt Umweltminister. Röttgen sagt zum Abschied leise „danke“. In: Süddeutsche Zeitung, 22. Mai 2012. Abgerufen am 6. Juni 2012.
  115. Gauck beklagt „Unkultur des Verdrusses“. Märkische Oderzeitung. 12. Juni 2010. Abgerufen am 9. März 2012.
  116. a b Gauck attestiert Sarrazin „Mut“. Der Tagesspiegel. 30. Dezember 2010. Abgerufen am 9. März 2012.
  117. Joachim Gauck: Antikapitalismusdebatte ist unsäglich albern. ptext.de. 16. Oktober 2011. Abgerufen am 9. März 2012.
  118. Joachim Gauck, Zwischen Furcht und Neigung – die Deutschen und die Freiheit, Berlin, 21. April 2009 (3. Berliner Rede zur Freiheit am Brandenburger Tor der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit), Online-Version (hier Minute 50:46–52:40).
  119. Gauck: Der neue Bundespräsident ist kein Freund der Kapitalismus-Kritik. Deutsche Mittelstands Nachrichten. 20. Februar 2012. Abgerufen am 9. März 2012.
  120. Gauck-Buch: Plädoyer für Freiheit und Menschenrechte. Westfälische Nachrichten. 20. Februar 2012. Abgerufen am 9. März 2012.
  121. Wissenschaftler widersprechen Gauck-Kritik an „Occupy“-Protest – „Alles andere als albern“. Süddeutsche Zeitung. 17. Oktober 2011. Abgerufen am 9. März 2012.
  122. „Meine Seele hat Narben“. Zeit Online. 31. Mai 2012. Abgerufen am 11. Juni 2012.
  123. Gauck rückt von Positionen Merkels und Wulffs ab. Zeit Online. 31. Mai 2012. Abgerufen am 11. Juni 2012.
  124. Gauck stellt die Integrationsdebatte auf die Füße. Zeit Online. 1. Juni 2012. Abgerufen am 11. Juni 2012.
  125. Integrationsdebatte: Grünen-Chef kritisiert Gaucks Islam-Äußerungen. Spiegel Online. 1. Juni 2012. Abgerufen am 2. März 2013.
  126. Gauck in der Falle. Frankfurter Rundschau. 4. Juni 2012. Abgerufen am 2. März 2013.
  127. Gehört der Islam zu Deutschland? – Joachim Gauck löst mit seinem Islam-Kommentar eine Debatte aus. Deutschlandfunk. 8. Juni 2012. Abgerufen am 2. März 2013.
  128. a b Gauck-Gespräch von 2010 – „Die Leute durchschauen Medienmacht weniger als politische Macht“. Süddeutsche Zeitung. 19. Februar 2012. Abgerufen am 9. März 2012.
  129. Vorab veröffentlichtes Redemanuskript, abgedruckt auf Süddeutsche.de, 15. November 2012. Abgerufen am 17. November 2012.
  130. „Führungstreffen Wirtschaft 2012“ der Süddeutschen Zeitung, auf: www.bundespraesident.de, 15. November 2012.
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  133. Union akzeptiert Gauck als Präsidenten-Kandidaten. Frankfurter Allgemeine Zeitung. 19. Februar 2012. Abgerufen am 12. März 2012.
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  138. Verzerrte Zitate: Gauck und die Stille Post im Netz. Spiegel Online. 21. Februar 2012. Abgerufen am 13. März 2012.
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  141. Gauck lobt Geschichtsbewusstsein der Deutschen. Welt Online. 5. Mai 2012. Abgerufen am 4. Juni 2012.
  142. Gauck zum Tag der Befreiung in den Niederlanden: «Ich bin kein König». europeonline magazine. 6. Mai 2012. Abgerufen am 4. Juni 2012.
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  145. Gauck rückt von Merkels Staatsräson-Formel ab. Welt Online. 29. Mai 2012. Abgerufen am 4. Juni 2012.
  146. Gauck warnt in Israel vor Krieg mit dem Iran. Zeit Online. 29. Mai 2012. Abgerufen am 4. Juni 2012.
  147. Der Bundespräsident in Palästina: Gauck trifft den Ton, Rheinische Post, 1. Juni 2012.
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  150. Gedenken an SS-Verbrechen: Gauck in Oradour Hand in Hand mit Hollande, Spiegel Online, 4. September 2013. Abgerufen am 4. September 2013.
  151. Gedenken im italienische Sant’Anna di Stazzema, Webseite des Bundespräsidenten vom 24. März 2013. Abgerufen am 4. September 2013.
  152. spiegel.de: Kritik an Russland: Gauck boykottiert Olympische Spiele in Sotschi
  153. (SID): http://www.zeit.de/news/2013-12/08/sport-allgemein-spiegel-bundespraesident-gauck-boykottiert-sotschi-08083013
  154. Festveranstaltung des Walter Eucken Instituts Freiburg, 16. Januar 2014
  155. Linken-Chef Riexinger kritisiert Rede des Bundespräsidenten, Mitteldeutsche Zeitung, 17. Januar 2014
  156. Wirbel um Gauck-Rede: Was die Linke zum Schäumen brachte, Augsburger Allgemeine, 18. Januar 2014
  157. David Grossman. Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V. Abgerufen am 25. Februar 2013.
  158. Majid Sattar: Gaucks Grundsatzrede: Die Gedanken sind frei, FAZ, 22. Juni 2010.
  159. Festrede auf den Seiten der Salzburger Landesregierung (PDF; 40 kB), abgerufen am 27. Juli 2011.
  160. Gauck-Rede zu Europa: Der wohltemperierte Präsident. Spiegel Online. 22. Februar 2013. Abgerufen am 23. Februar 2013.
  161. Herausforderung für die Euroskeptiker. Süddeutsche Zeitung. 23. Februar 2013. Abgerufen am 23. Februar 2013.
  162. Gauck weist Ängste vor „deutschem Europa“ zurück. Zeit Online. 22. Februar 2013. Abgerufen am 13. April 2013.
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