Unterbreizbach

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Unterbreizbach
Unterbreizbach
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Unterbreizbach hervorgehoben
50.81759.9783333333333240Koordinaten: 50° 49′ N, 9° 59′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Wartburgkreis
Höhe: 240 m ü. NHN
Fläche: 30 km²
Einwohner: 3579 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 119 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 36414,
36404 (Sünna)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text
Vorwahl: 036962
Kfz-Kennzeichen: WAK, SLZ
Gemeindeschlüssel: 16 0 63 078
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Heinrich-Heine-Str. 3
36414 Unterbreizbach
Webpräsenz: www.unterbreizbach.de
Bürgermeister: Roland Ernst (parteilos)
Lage der Gemeinde Unterbreizbach im Wartburgkreis
Kaltennordheim Bad Liebenstein Bad Salzungen Barchfeld-Immelborn Berka/Werra Berka vor dem Hainich Bischofroda Brunnhartshausen Buttlar Creuzburg Dankmarshausen Dermbach Diedorf Dippach Krayenberggemeinde Ebenshausen Empfertshausen Ettenhausen an der Suhl Kaltennordheim Frankenroda Frauensee Geisa Gerstengrund Gerstungen Großensee Hallungen Hörselberg-Hainich Ifta Barchfeld-Immelborn Kaltennordheim Kaltennordheim Kaltennordheim Krauthausen Lauterbach Leimbach Marksuhl Vacha Krayenberggemeinde Mihla Moorgrund Nazza Neidhartshausen Oechsen Ruhla Schleid Bad Liebenstein Seebach Stadtlengsfeld Bad Liebenstein Tiefenort Treffurt Unterbreizbach Urnshausen Vacha Vacha Weilar Wiesenthal Vacha Wolfsburg-Unkeroda Wutha-Farnroda Zella ThüringenKarte
Über dieses Bild
Gemeindegliederung
Ortsansicht von Norden (2012)

Unterbreizbach ist eine Gemeinde im Wartburgkreis in Thüringen.

Geografie[Bearbeiten]

Unterbreizbach liegt im unteren Ulstertal. In der Gemeinde mündet als linker Zufluss der namensgebende Breizbach, von den Einwohnern umgangssprachlich als „die Bach“ bezeichnet. Markante Erhebungen sind der Lohberg (322,6 m ü. HN) im Osten und der Ulsterberg (487,2 m ü. HN) im Süden sowie die riesige Kalihalde zwischen Hattdorf und Unterbreizbach.[2] Die südlichen Ortsteile befinden sich im Einzugsgebiet der Oechse mit dem linken Zufluss Sünna. Der Dietrichsberg (668,9 m ü. HN) und der Sattelsberg (464,1 m ü. HN) begrenzen dieses Seitental.

Philippsthal (Werra) (Hessen)
Hohenroda (Hessen) Nachbargemeinden Vacha
Buttlar

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Gemeindeverwaltung im OT Räsa

Die Gemeinde hat folgende Ortsteile:

Die Einwohnerzahlen der Ortsteile (am 30. Juni 2009): Deicheroda – 57 Einwohner, Hüttenroda – 51 Einwohner, Mosa – 67 Einwohner, Mühlwärts – 48 Einwohner und Poppenberg 0 Einwohner/unbewohnt.[6]

Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals wurde die Gemeinde 1390 als Gut zu Nieder-Breyzbach urkundlich erwähnt. Das Dorf im Weichbild der Stadt Vacha (im hessischen Amt Vacha) war bis zum beginnenden 20. Jahrhundert landwirtschaftlich geprägt. Die im Ort ansässigen Ortsadeligen und ihre Nachfolger aus den Umlandgemeinden Rasdorf, Mansbach, Völkershausen und Buttlar haben im Ort keine baulichen Spuren hinterlassen. Die Unterbreizbacher Kirche ist eine evangelische Filialkirche der Vachaer Stadtkirche und wurde 1773 geweiht. Im historischen Ortskern um die Kirche dominieren regionaltypische Fachwerkhäuser das Ortsbild. 1816 kam der Ort von Kurhessen zum Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach.

1879 wurden, basierend auf der Volkszählung von 1875, statistische Angaben zum Ort Unterbreizbach publiziert, der Ort hatte demnach am Stichtag 83 Wohnhäuser und 484 Einwohnern. Die Größe der Flur betrug 580,3 ha – davon Höfe und Gärten 9,2 ha, Wiesen 91,5 ha, Ackerfläche 287,2 ha. Wald 156,2 ha, Teiche, Bäche und Flüsse 5,7 ha. Auf Wege, Triften, Ödland und Obstbauplantagen entfielen 30,4 ha. Der Viehbestand betrug 18 Pferde, 265 Rinder, 360 Schafe, 126 Schweine und 33 Ziegen sowie 56 Bienenvölker zu erwähnen.[7]

Wappen[Bearbeiten]

Unterbreizbach[Bearbeiten]

Beschreibung: „Schräggeviert von Gold und Rot. Feld 1: eine rote Lutherrose mit goldenem Butzen, Feld 2: ein silberner linksgewandter Pferdekopf, Feld 3: eine silberne Butte mit drei goldenen Fassreifen und zwei silbernen Trageriemen, Feld 4: ein schwarzes Schlägel und Eisen.“

Ortsteilwappen Unterbreizbach[Bearbeiten]

Das Wappen wurde vom Heraldiker Uwe Reipert gestaltet. Blasonierung: „Gespalten von Rot und Gold, vorn eine silberne Butte mit drei goldenen Fassreifen und zwei goldenen Trageriemen, hinten drei schwarze, ins Schächerkreuz gesetzte Jagdhörner.“

Ortsteilwappen Sünna[Bearbeiten]

Das Wappen wurde vom Heraldiker Uwe Reipert gestaltet und wurde am 25. Mai 1993 genehmigt.

Blasonierung: „Von Silber und Grün schrägrechts gespalten; oben eine rote fünfblättrige Rose, in deren Mitte ein goldenes, mit einem schwarzen Hochkreuz belegtes Herz; unten eine halbierte silberne Radachse.“[8]

Die Gemeinde Sünna liegt an einer der bedeutendsten alten Handelsstraßen, an der einstigen Hauptachse Mainz bzw. Frankfurt – Erfurt bzw. Leipzig. Diese entwicklungsgeschichtlich prägende Besonderheit findet im Wappen durch die Darstellung einer halben Radachse ihren Ausdruck. Die im Wappen erscheinende Rose versinnbildlicht mit ihren fünf Blütenblättern die Verbundenheit der fünf Ortsteile der Gemeinde. Sie ist eine Form der Lutherrose. Darüber hinaus weist sie auf die konfessionelle evangelische Bindung des Ortes hin. Bereits 1525 wurde der erste evangelische Pfarrer in das Sünnaer Kirchenamt eingeführt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Bergbau[Bearbeiten]

Die Wirtschaft in der Gemeinde wird durch die Kaliindustrie geprägt. Im Kernort Unterbreizbach ist die chemische Fabrik der K+S AG angesiedelt. Hier wird das Rohsalz aus dem Grubenbetrieb zu Düngemitteln verarbeitet. Zwischen Sünna und Buttlar an der B84 befindet sich bei Mühlwärts der zum Werk Unterbreizbach gehörende Schacht II, welcher vorwiegend für die Seilfahrt der Kali-Kumpel genutzt wird. Die Standorte Hattorf, Wintershall, Unterbreizbach und das Besucherbergwerk Merkers bilden zusammen seit 1997 das Verbundwerk Werra im Werra-Kalirevier. Ihre untertägige geografische Ausdehnung ist mit dem Stadtgebiet von München vergleichbar.[9] Bei einer Gewinnungssprengung in 900 Metern Tiefe kam es am 1. Oktober 2013 zu einem Kohlendioxidausbruch, wobei drei Bergleute starben.[10]

Bis 2001 stand in Unterbreizbach ein 200 Meter hoher Kamin, der Bestandteil des Kraftwerks und der Kieseritanlage des örtlichen K+S-Werkes war. Dieser Kamin wurde, nachdem die Anlage auf Erdgasfeuerung umgestellt wurde, 2001/2002 mit Hilfe eines Spezialbaggers auf 94 Meter Höhe verkürzt, um die Gefahr von Kondenswasserbildung, die zu Korrosionsschäden führen kann, in der Kaminröhre zu verhindern.

Gewerbegebiete[Bearbeiten]

  • Das Gewerbegebiet Im Wolfsgraben befindet sich nördlich von Unterbreizbach an der Landesgrenze zu Hessen. Es verfügt über eine Gesamtfläche von 7,8 ha (Stand 2009), weitere 35 ha sind als Erweiterungsfläche reserviert.[11]
  • Das Gewerbegebiet An der B84 befindet sich am nördlichen Ortsrand von Sünna. Es verfügt über eine Gesamtfläche von 5,7 ha (Stand 1998).[12]

Abwasserbehandlung[Bearbeiten]

Der Ort Unterbreizbach verfügt über eine zentrale Kläranlage, an welche auch die Ortsteile Räsa und Pferdsdorf angeschlossen sind. Der Ortsteil Sünna ist an die Kläranlage in Vacha angeschlossen. Auf Grund der geringen Einwohnerzahlen in den Ortsteilen Deicheroda, Mosa, Hüttenroda, Mühlwärts und Poppenberg kann für diese Siedlungen dauerhaft kein Anschluss an die zentrale Abwasserbehandlung erfolgen.[13]

Verkehr[Bearbeiten]

  • Unterbreizbach besitzt einen Bahnhof, der einst an der Ulstertalbahn lag. Ein Gleisanschluss besteht jedoch nur noch über die von K+S betriebene Grubenanschlussbahn nach Heimboldshausen an die Werratalbahn. Die Strecke wird ausschließlich im Güterverkehr genutzt.
  • Der Ortsteil Sünna verfügte über einen Haltepunkt an der zur Umgehung der einstigen innerdeutschen Grenze errichteten und inzwischen stillgelegten Bahnstrecke nach Vacha, welcher zwischen 1954 und 1956 im Personenverkehr bedient wurde.
  • Die Bundesstraße 84 verläuft durch Sünna. Über die thüringische Landesstraße 2604 und die Kreisstraße 8 im osthessischen Landkreis Hersfeld-Rotenburg besteht Anschluss an die Bundesstraße 62 und von dort weiter an die Bundesautobahn 4.

Galerie[Bearbeiten]

Radwanderwege[Bearbeiten]

Durch das Gemeindegebiet verlaufen folgende Radwanderwege:

Bildung[Bearbeiten]

Im Ortsteil Räsa befindet sich die Staatliche Regelschule am Ulsterberg, die zugehörige Grundschule ist in Sünna zu finden. In Unterbreizbach, Sünna und Pferdsdorf befinden sich kommunale Kindertagesstätten.

Vereine[Bearbeiten]

Wichtigster Sportverein ist der SV Kali Unterbreizbach, dessen Hauptaktivitäten beim Fußball liegen. Die Herrenmannschaft spielt in der Kreisoberliga Westthüringen des Thüringer Fußballverbandes, die Frauenmannschaft in der Kreisliga.

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2009[14][15]
Wahlbeteiligung: 62,3 % (2004: 61,7 %)
 %
50
40
30
20
10
0
42,1 %
30,2 %
17,3 %
10,5 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2004
 %p
 16
 14
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-5,6 %p
+14,3 %p
-0,1 %p
-8,5 %p
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
c 2004: PDS

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat von Unterbreizbach setzt sich aus 16 Ratsmitgliedern zusammen:

(Stand: Kommunalwahl am 25. Mai 2014)[16]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der hauptamtliche Bürgermeister Roland Ernst (parteilos) wurde am 22. April 2012 mit 84,9 Prozent der Stimmen wiedergewählt.

Partnerschaft[Bearbeiten]

Eine Partnerschaft besteht mit Haltern am See in Nordrhein-Westfalen.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Unterbreizbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2.  Thüringer Landesvermessungsamt (Hrsg.): Amtliche topographische Karten Thüringen 1:10.000. Wartburgkreis, LK Gotha, Kreisfreie Stadt Eisenach. In: CD-ROM Reihe Top10. CD 2, Erfurt 1999.
  3. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1996
  4. Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit dem 1. Januar 1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  5. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1996
  6.  Landratsamt Wartburgkreis (Hrsg.): Information. In: Amtsblatt des Wartburgkreises vom 10. August 2010. Bad Salzungen 2010, S. 14.
  7.  C. Kronfeld: Landeskunde des Großherzogthumes Sachsen-Weimar-Eisenach. Zweiter Theil. Topographie des Landes, Hermann Böhlau, Weimar 1879, Beuernfeld, S. 31.
  8. Neues Thüringer Wappenbuch Band 3 Seite 105; Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft Thüringen e.V. 1998 ISBN 3-9804487-3-8
  9. www.kali-gmbh.com
  10. Osthessen News: Explosion bei K+S: Drei Vermisste tot gefunden vom 1. Oktober 2013
  11. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatGewerbegebiete in der Wartburgregion. In: Wartburgkreis-Online. Abgerufen am 18. Februar 2010.
  12. Landratsamt Wartburgkreis (Hrsg.) Der Wirtschaftsstandort Wartburgkreis – Stadt Eisenach. Info-Mappe Bad Salzungen/Eisenach 1998. S.20
  13. (m): "Verpulverte Millionen" und „goldene Deckelchen“ – Unterbreizbach und das Thema Abwasser. Südthüringer Zeitung (Redaktion Bad Salzungen), 25. März 2010, abgerufen am 30. September 2012: „Ein Gesamtkonzept für das Entsorgungsgebiet müsse beschlossen werden, … auch die Förderung von Kleinkläranlagen in den Gebieten, die jetzt von der Abwasserbeseitigungspflicht befreit wurden. Früher oder später werde die Untere Wasserbehörde in diesen Gebieten den Bau von vollbiologischen Anlagen fordern. Innerhalb der Kommune Unterbreizbach betreffe die dauerhafte Befreiung Mühlwärts und Poppenberg. Deicheroda, Hüttenroda und Mosa verfügten über einen Ortskanal und blieben öffentliche Bereiche. Allerdings sei es dort wirtschaftlicher, wenn die Grundstückseigentümer eine vollbiologische Anlage mit Anschluss einer Weiterleitung in den öffentlichen Kanal bauten.“
  14. http://www.wahlen.thueringen.de/datenbank/wahl1/wahl.asp?wahlart=GW&wJahr=2009&zeigeErg=GEM&wknr=063&gemnr=63078
  15. http://www.wahlen.thueringen.de/datenbank/wahl1/wahl.asp?wahlart=GW&wJahr=2004&zeigeErg=GEM&wknr=063&gemnr=63078
  16. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatGemeinderatswahl 2014 in Thüringen - vorläufiges Ergebnis. Der Landeswahlleiter, abgerufen am 17. Juni 2014.