Mandan (Volk)

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Ehemaliges Stammesgebiet der Mandan und heutige Reservation in North Dakota

Die Mandan sind ein kleines, ursprünglich halbnomadisches Indianervolk Nordamerikas aus der Sioux-Sprachfamilie, das um das Jahr 1800 am Missouri und an seinen beiden Nebenflüssen Heart und Knife River lebte. Archäologische Funde deuten darauf hin, dass die Mandan aus dem Tal des Ohio River kamen, bevor sie an die Ufer des Missouri zogen. 1838 fiel ein Großteil einer Pockenepidemie zum Opfer. Die letzte vollblütige Mandan-Frau starb am 6. Januar 1975. Im Zuge des Indian Reorganization Act im Jahr 1934 verbanden sich die Mandan offiziell mit den Arikara und Hidatsa und bildeten die Three Affiliated Tribes („Drei verbundene Stämme“). Die Hälfte aller Nachkommen dieser drei Stämme lebt heute gemeinsam in der Fort-Berthold-Reservation in North Dakota, während der Rest in den USA und Kanada verstreut ist. Einige ältere Mandan sprechen noch die traditionelle Stammessprache.

Kultur[Bearbeiten]

Im Gegensatz zu anderen Plains-Stämmen lebten die Mandan in permanent bewohnten Dörfern anstelle der semi-nomadischen Lebensweise ihrer Nachbarn auf den Großen Ebenen. Im 19. Jahrhundert wohnten die Mandan in kuppelförmigen, erdbedeckten Hütten, die in palisadenbewehrten Dörfern errichtet wurden. Sie pflanzten Mais, Bohnen, Kürbis und Sonnenblumen, jagten den Bison in der Jagdsaison und betrieben Töpferei und Korbmacherei. Sie hatten kunstvolle Zeremonien, darunter den Sonnentanz und das Okipa, ein vier Tage dauerndes Fest mit einer langen Vorbereitungszeit. Daneben gab es viele andere, von kleineren Gruppen veranstaltete Zeremonien. Die Bären-Zeremonie war zum Beispiel mit der Heilung von Krankheiten und der Stärkung der Kampfkraft bei Kriegern verbunden.

Mandan-Dörfer bestanden aus 12 bis 100 Hütten. Es gab mehrere Häuptlinge in jeder Gruppe. In der sozialen Organisation gab es dem Alter nach abgestufte Kriegervereine, deren Mitgliedschaft durch Kauf erworben wurde. Außerdem hatten die Mandan Sozial-, Schamanen- und Frauen-Vereinigungen. Mandan-Künstler bemalten Büffel-Roben und stellten heroische Taten des Stammes und einzelner Krieger dar.

Authentischer Nachbau eines Erdhauses der Mandan
Das Innere der Hütte eines Mandan-Häuptlings (Karl Bodmer)
Mato Tope, Häuptling der Mandan
Mandan in Bullboats
Sha-kó-ka (Minze), eine Mandan-Frau

Geschichte[Bearbeiten]

Wie bei allen anderen nordamerikanischen Stämmen ist die genaue Herkunft und Frühgeschichte der Mandan unbekannt. Linguistische Studien weisen nach, dass die Sprache mit dem Idiom der Winnebago eng verwandt ist. Nach ihrer Ankunft am Heart River, etwa zwischen dem 10. und 13. Jahrhundert, errichteten sie neun Dörfer, zwei an der Ostseite und sieben an der Westseite des Flusses. Zur gleichen Zeit erreichten auch die Hidatsa diese Region, damals allerdings ein nomadisches Volk. Als sie auf die Mandan trafen, übernahmen sie deren Lebensweise mit festen Dörfern und Agrikultur und siedelten in der Folge nördlich von ihnen am Knife River.

Die erste Begegnung mit Europäern ereignete sich 1738, als französische Händler die Mandan besuchten. Zu dieser Zeit schätzten sie die Mandan-Bevölkerung auf etwa 15.000 Stammesangehörige, die in neun Dörfern am Heart River lebten. In der Mitte des 18. Jahrhunderts erwarben die Mandan ihre ersten Pferde, die sie für Transporte und die Jagd benutzten. Die Begegnung mit den Franzosen führte dazu, dass die Mandan die Rolle von Vermittlern beim Handel mit Fellen, Getreide und Büffelfleisch gegen Gewehre und Pferde übernahmen.

Da nach Berichten etwa 20 Prozent der Angehörigen der Mandan deutlich aufgehellte Haare und blaue Augen hatten, entstanden im 18. und 19. Jahrhundert Theorien einer europäischen Abstammung. Der amerikanische Maler George Catlin besuchte 1832 die Mandan und lebte einige Monate bei ihnen, um Zeichnungen und Skizzen anzufertigen, die zum Teil blonde Personen zeigen. Er war überzeugt, dass die Mandan von angenommenen walisischen Siedlern um Prinz Madoc des 12. Jahrhunderts abstammen. In ihren Mythen verehrten die Mandan einen „weißen Mann“ als Urvater.[1] So widmeten sich zum Beispiel John Evans, George Rogers Clark, William Clark und Meriwether Lewis dem Stamm. Andere Autoren vermuteten unter den Mandan Abkömmlinge früher Vinland-Fahrten der Wikinger. Wissenschaftliche Belege für diese Thesen gibt es nicht.

Im Jahre 1750 gab es neun große Mandan-Dörfer, doch wiederkehrende Pocken- und Cholera-Epidemien reduzierten sie um 1800 auf zwei. Nach einer erneuten Pockenepidemie 1837 überlebten nur noch 100–150 Mandan. Einige davon gingen 1845 zu den Hidatsa nach Fort Berthold und die meisten anderen folgten später. Die Volkszählung aus dem Jahr 2000 ergab 369 Stammesangehörige für die Mandan.

Ein nach Funden rekonstruiertes Dorf der Mandan kann im Fort Abraham Lincoln State Park besichtigt werden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Raymond J. DeMallie (Hrsg.): Handbook of North American Indians. Bd. 13: Plains. Smithsonian Institution Press, Washington D.C. 2001. ISBN 0-16-050400-7
  • Maximilian zu Wied-Neuwied: Reise in das innere Nord-Amerika in den Jahren 1832 bis 1834, Originalausgabe in 2 Bänden mit Illustrationen von Karl Bodmer, Koblenz, 1840–1841. Reprint in 2 Bänden vom L. Borowsky-Verlag, München, 1979. Siehe Kapitel 13 und 25 und Anhang.
  • Maximilian zu Wied-Neuwied: Reise in das innere Nord-Amerika in den Jahren 1832 bis 1834, Reprint der Tableaus und Vignetten in guter Farbdruckqualität mit sehr stark gekürztem Text, preiswert. Taschen Verlag Köln 2001. Hier finden sich zahlreiche Abbildungen der Mandan.
  • George Catlin: Die Indianer Nordamerikas, Bände 1–2. Verlag Kiepenheuer, Leipzig/Weimar, 1979; DNB 800140680. Neue Auflage: Paderborn: Salzwasser Verlag, 2012; ISBN 978-3-86444-236-0
  • Wolfgang Büscher: Hartland. Zu Fuß durch Amerika. Rowohlt, Berlin 2011, Seite 46-58. ISBN 9783871346859

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mandan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Manfred Reitz: Kleine Kulturgeschichte der Haut – Weiße Indianer in Nordamerika. In: Aktuelle Dermatologie 2006, 32; S. 334–338 (pdf; 847 kB)