Manfred Schoof

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Manfred Schoof (1984 in Hamburg)

Manfred Schoof (* 6. April 1936 in Magdeburg) ist ein deutscher Jazztrompeter (auch Flügelhorn, Kornett) und gilt als „der große Romantiker unter den in Deutschland wirkenden Jazz-Avantgardisten“ (Hans Kumpf)[1]. Er ist auch als Komponist hervorgetreten. Ab 1990 war er als Professor an der Hochschule für Musik Köln tätig.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Schoof studierte von 1955 bis 1957 an der Musikakademie Kassel, von 1958 bis 1963 an der Hochschule für Musik in Köln, wo er Kompositionsschüler von Bernd Alois Zimmermann wurde. Er spielte zunächst bei Fritz Münzer und Gunter Hampel sowie bei Harald Banter. Sein erstes Quintett gründete er 1965; diese nur bis 1967 bestehende Gruppe war richtungsweisend und maßgeblich an der Entwicklung des Free Jazz in Europa beteiligt. „Getragen von einem elaborierten kompositorischen Bezugsrahmen und einer großen Sorgfalt für formale Details“ ist dessen auf drei Alben dokumentierte Musik „durchaus im Gleichgewicht von Konstruktion und kompositorischer Freiheit.“[2] Schoof arbeitete weiterhin mit Künstlern wie Albert Mangelsdorff, Peter Brötzmann, Mal Waldron, Irène Schweizer, der Kenny Clarke/Francy Boland Big Band, dem Gil Evans Orchester, den German Allstars und dem George Russell-Sextett zusammen. Außerdem wirkt er seit Gründung 1966 im Globe Unity Orchestra mit. Als Arrangeur und Solist war er auch für Kurt Edelhagen tätig.

Auch Schoofs Interpretationen verschiedener Werke der Neuen Musik (etwa Die Soldaten von Bernd Alois Zimmermann oder von Johannes Fritsch) sorgten für Aufsehen.[1][3] Nachdem er Anfang der 1970er Jahre mit seinem New Jazz Trio auftrat, das er auch mit einem gekonnt improvisierenden Streichquintett kombinierte, gründete er 1975 sein zweites Quintett, zu dem neben dem Luxemburger Bassklarinettisten Michel Pilz und dem niederländischen Keyboarder Jasper van’t Hof die Rhythmusgruppe des klassischen Albert-Mangelsdorff-Quintetts (Günter Lenz und Ralf Hübner) gehörte. Die mit diesem Quintett eingespielte Platte Scales wurde 1977 als „eine virtuose und zugleich farbige Musik, in der in besonderer Weise Intellektuelles und Emotionales zusammenspielen,“ mit dem Großen Deutschen Schallplattenpreis ausgezeichnet. 1980 erhielt Schoof den 1. Preis der Union Deutscher Jazzmusiker. In jenem Jahr gründete er das Schoof-Orchester und begann 1982 eine mehrjährige Zusammenarbeit mit dem Pianisten Rainer Brüninghaus. Seit 1987 ist er Mitglied der George Gruntz Concert Jazzband und des European Jazz Ensemble. Von 1996 an spielte er mit Albert Mangelsdorff, Klaus Doldinger, Wolfgang Dauner und Eberhard Weber in der Allstarformation Old Friends.

Obwohl Pionier des freien Jazz hat er stets auch die Bindung an Formmodelle und Akkordmaterial der Tradition betont und auf die Zweckmäßigkeit auskomponierter Partien gesetzt. „Seiner Neigung zur Chromatik im harmonisch-melodischen Bereich entspricht im Rhythmischen eine Vorliebe für Rubati, die mit sicherem Gefühl für Spannung eingesetzt werden“ (Martin Kunzler). Jenseits des Jazz komponierte er Chor- und Orchesterwerke, darunter ein 1969 mit den Berliner Philharmonikern uraufgeführtes Trompetenkonzert, und schrieb 1975 eine Auftragskomposition für die Donaueschinger Musiktage. Auch verfasste er zahlreiche Film- und Fernsehmusiken, unter anderem zur WDR-Erfolgsserie Der Spatz vom Wallrafplatz. Außerdem ist er an der musikalischen Gestaltung der Sendung mit der Maus beteiligt.

Seit 1972 ist Manfred Schoof musikpädagogisch tätig. Er war seit 1981 Dozent für Trompete und Jazz-Geschichte an der Kölner Musikhochschule. Weiter ist er Mitglied im Aufsichtsrat der GEMA. Er ist im Vorstand der Union Deutscher Jazzmusiker.

Im Dezember 2006 wurde Manfred Schoof das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.

Auswahldiskografie[Bearbeiten]

als Interpret Neuer Musik

  • Bernd Alois Zimmermann: Requiem für einen jungen Dichter. Wergo

Lexigraphische Einträge[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b W. Kampmann Reclams Jazzlexikon. Stuttgart 2003
  2. Ekkehard Jost, Europas Jazz. 1960–1980. Fischer, Frankfurt a. M. 1987, S. 62
  3. Vgl. auch Jörn Peter Hiekel Bernd Alois Zimmermans Requiem für einen jungen Dichter S. 197 sowie Zeiten auf Grund. Der Spiegel 43/1968