Marcus Klingberg

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Abraham Marcus (Marek) Klingberg (* 1918 in Warschau, Polen) ist der höchstrangige KGB-Spion, der jemals in Israel enttarnt und verhaftet wurde. Der Fall Klingberg gilt als einer der größten Spionageskandale in Israel.

Leben[Bearbeiten]

Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs floh der damalige Medizinstudent vor den Nazis in die UdSSR, wo er in Minsk sein Studium beendete. Bis zu seiner Verwundung diente er im Anschluss in der Roten Armee als Feldarzt. Anschließend begann er in Perm/Ural seine epidemiologischen Forschungen. Mit Auszeichnung absolvierte er 1943 seine Fortbildungen in Epidemiologie in Moskau. Gegen Ende des Jahres 1943, nach der Befreiung erster Teile Weißrusslands, wurde Klingberg zum Chefepidemiologen der Weißrussischen Republik ernannt. Unmittelbar nach der Befreiung Polens kehrte er in seine Heimat zurück. Dort musste er feststellen, dass sowohl seine Eltern als auch sein Bruder im August 1942 von den Nazis in Treblinka ermordet worden waren. In Polen arbeitete er als oberster Epidemiologe im polnischen Gesundheitsministerium.

1948 emigrierte er nach Israel. Er diente im medizinischen Korps der israelischen Armee, ab 1950 im Rang eines Oberstleutnants. Er wurde zum Abteilungsleiter für Präventivmedizin ernannt, gründete und leitete zudem die zentralen Forschungslaboratorien für Militärmedizin in Israel. 1957 wurde er dann in das streng geheime militärische Forschungszentrum für biologische Forschung, (IIBR) Ness Ziona (bei Tel Aviv) berufen, in dem er stellvertretender Direktor wurde. Zudem wurde er Direktor der Abteilung für Epidemiologie.

Akademische Karriere[Bearbeiten]

Klingberg war Professor für Epidemiologie und Leiter der Abteilung für Präventiv- und Sozialmedizin der medizinischen Fakultät der Universität Tel Aviv. Er war Präsident der European Teratology Society (1980–1982) sowie Mitbegründer und Vorsitzender (1979–1981) der International Clearinghouse for Birth Defects Monitoring Systems (ICBDMS). Darüber hinaus war er bis 1984 Präsident der International Steering Committee for the Seveso Accident (Italien). 1981 war er Mitbegründer der International Federation of Teratology Societies und wurde 1982 beim Kongress der internationalen Epidemiologenvereinigung in Edinburgh, Schottland, in den Vorstand gewählt.

Er lehrte von 1962 bis 1964 am Henry Phipps Institut der Universität von Pennsylvania, Philadelphia, USA (1962 bis 1964), 1972 am nationalen Institut für Gesundheitswesen in Oslo, Norwegen, am Department of Medical Statistics and Epidemiology der London School of Hygiene and Tropical Medicine, London, UK (1973) und 1978 am Department of Social and Community Medicine, University of Oxford fungierte als Gastprofessor am Wolfson College, Oxford (1978).

Tätigkeit für den KGB und Inhaftierung[Bearbeiten]

Klingbergs Kontakte zum KGB datieren zurück bis 1950, anschließend begann er seine Spionagetätigkeit. Die israelischen Auslands- und Inlandsgeheimdienste, Mossad und Shin Bet, verdächtigten ihn schon seit den sechziger Jahren, aber alle Nachforschungen und Beschattungen lieferten keine Beweise für die Spionage. Klingberg absolvierte sogar erfolgreich einen Lügendetektortest.

Im Januar 1983 informierten Shin Bet-Agenten Klingberg, dass er als Experte zu einem Chemieunfall nach Singapur reisen müsse. Klingberg wurde in ein abgelegenes Appartement gebracht, wo er tagelang verhört wurde. Nach zehn Tagen gestand Klingberg. Im Anschluss wurde er zu 20 Jahren Haft verurteilt. Die ersten zehn Jahre verbrachte er unter falschem Namen und mit einer erfundenen Legende in Einzelhaft eines Hochsicherheitsgefängnisses.

1988/89, arbeitete der israelische Staatsanwalt Amnon Zichroni einen Handel mit der Sowjetunion aus, in dessen Rahmen Klingberg gegen des israelischen Kampfpiloten Ron Arad ausgetauscht werden sollte, der vermutlich im Libanon gefangengehalten wurde. Auch die Stasi war in diesen Handel einbezogen. Das Austausch kam nicht zustande.

1997 forderte Amnesty International, Klingberg aus medizinischen Gründen aus der Haft zu entlassen. Nach einigen Herzinfarkten wurde er 1998 in den Hausarrest überstellt. Seine Bewacher hatte Klingberg aus eigener Tasche zu bezahlen, seine Wohnung wurde permanent videoüberwacht.

Im Januar 2003 wurde Klingberg nach 20 Jahren Haft entlassen. Er verließ Israel umgehend und lebt heute in Paris.

Publikationen[Bearbeiten]

Klingberg veröffentlichte seine Memoiren Hameragel Ha'akharon ("The Last Spy"), die er zusammen mit seinem Anwalt Michael Sfard 2007 verfasste. Auch in seiner Haftzeit fungierte Klingberg als Herausgeber wissenschaftlicher Publikationen, so der "Contributions to Epidemiology and Biostatistics". S. Karger – Basel-Paris-London-New York, und als Mitherausgeber der Zeitschrift Public Health Reviews (an International Quarterly. International Scientific Publications, Tel Aviv, Israel).

Ehrungen[Bearbeiten]

Um 1950 wurde Klingberg der Orden des Roten Banners der Arbeit für seine Verdienste für die UdSSR verliehen.

Referenzen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]