Perm (Stadt)

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Stadt
Perm
Пермь
Flagge Wappen
Flagge
Wappen
Föderationskreis Wolga
Region Perm
Stadtkreis Perm
Gegründet 1723
Frühere Namen Molotow (1940–1957)
Stadt seit 1780
Fläche 798 km²
Bevölkerung 991.162 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Bevölkerungsdichte 1242 Einwohner/km²
Zeitzone UTC+6
Telefonvorwahl (+7) 342
Postleitzahl 614xxx
Kfz-Kennzeichen 59, 81, 159
OKATO 57 401
Website http://www.perm.ru
Geographische Lage
Koordinaten 58° 0′ N, 56° 15′ O5856.25Koordinaten: 58° 0′ 0″ N, 56° 15′ 0″ O
Perm (Stadt) (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Perm (Stadt) (Region Perm)
Red pog.svg
Lage in der Region Perm
Liste der Städte in Russland

Perm (russisch Пермь) ist eine Stadt in Russland mit 991.162 Einwohnern (Stand 14. Oktober 2010).[1] Die Stadt liegt im Uralvorland an der Kama, etwa 1150 Kilometer Luftlinie nordöstlich von Moskau.

Perm ist seit 2012 wieder die östlichste Millionenstadt Europas.

Geschichte[Bearbeiten]

Perm wurde nach Kupfererzfunden 1723 von Wassili Tatischtschew gegründet. Der Name der Stadt ist finnischen Ursprungs und war ursprünglich eine Landschaftsbezeichnung (vgl. Groß-Perm). Der Name ist aus dem Wepsischen abgeleitet und bedeutet „fernes Land“. Die Siedlung profitierte insbesondere von der Lage des am 1763 angelegten Sibirischen Trakts, eine der ersten großen West-Ost-Achsen Russlands, die von Moskau über Perm nach Sibirien führte. 1780 erhielt Perm das Stadtrecht; 1781 wurde es Hauptstadt einer Statthalterschaft, des späteren Gouvernements Perm. Von 1781–98 und 1807–31 war hier der Hauptsitz der uralischen Hüttenindustrie ansässig. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts galt Perm als das bedeutendste Handelszentrum des Urals. Ermöglicht wurde diese Entwicklung durch den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur. Seit 1846 bestanden regelmäßige Schifffahrtverbindungen zwischen dem Zentrum des Landes und Perm, dem größten Kama-Hafen. Seit 1878 existierte eine Schienenverbindung nach Jekaterinburg, seit 1905 auch nach St. Petersburg. Perm wurde auch als das Tor in den Ural und nach Sibirien bezeichnet. Ein berühmter Besucher der Stadt im 19. Jahrhundert war Alexander von Humboldt. 1916 wurde hier die erste Hochschule des Urals gegründet. Perm war im 19. Jahrhundert Verbannungsort für politische Häftlinge wie z. B. den Staatsmann Michail Michailowitsch Speranski (1812–14) sowie die Schriftsteller Alexander Iwanowitsch Herzen (1835) und Wladimir Galaktionowitsch Korolenko (1880–81).

Im 20. Jahrhundert entwickelte sich Perm zu einem bedeutenden Industriezentrum, vorrangig der Schwerindustrie, während die übrige städtische Entwicklung vernachlässigt wurde. Nach der Eingemeindung (1938) von Molotow, wie der heutige Stadtteil Motowilicha seit Verleihung des selbstständigen Stadtrechts 1931 hieß, hieß auch die ganze Stadt zwischen 1940 und 1957 Molotow (Молотов; nach Wjatscheslaw Molotow).

In Perm befand sich das Kriegsgefangenenlager 207, Molotow, für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs.[2] Später in der Nachkriegszeit gab es ein großes Gulag-Lager. Das Molotow-ITL (Besserungsarbeitslager) bestand von Oktober 1950 bis April 1953. Die maximale Insassenzahl im Lager betrug 12.300 Personen, die beim Bau eines erdölverarbeitenden Werks, im Straßen-, Industrie- und Zivilbau eingesetzt wurden.[3]

Mit den politischen und wirtschaftlichen Transformationen seit Beginn der 1990er Jahre erfolgte im Ural – wie auch in anderen polyzentrischen Verdichtungsgebieten – eine funktionale Spezialisierung der großen Zentren. Perm konnte in diesem Rahmen seine Position als Industriezentrum leicht ausbauen.

Bis 1991 war Perm wegen seiner Rüstungsbetriebe eine für Ausländer ohne Sondergenehmigung geschlossene („verbotene“) Stadt. Die Durchfahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn war jedoch möglich.

Aus einer kriminologischen Studie aus dem Jahr 2008 ging hervor, dass Perm die höchste Kriminalitätsrate Russlands aufwies.[4]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohner
1897 45.205
1939 255.236
1959 629.118
1970 850.324
1979 999.157
1989 1.090.944
2002 1.001.653
2010 991.162
2014 1.026.477

Anmerkung: Volkszählungsdaten

Klima[Bearbeiten]

Das Klima in der Stadt Perm ist durchwegs kontinental. Die Durchschnittstemperatur in der Stadt Perm ist höher als in der Umgebung, da sich die Großstadt wärmefördernd auswirkt.

Die Winter in Perm sind meist kalt und frostig, die Durchschnittstemperaturen liegen bei −15 Grad bis −20 Grad Celsius. Durchschnittlich liegen 55 Zentimeter Schnee.

Im Sommer liegen die Durchschnittstemperaturen bei 18 bis 23 Grad Celsius; es kann aber aufgrund des vorherrschenden Kontinentalklimas an einigen Tagen auch bis zu 35 Grad Celsius warm werden.

Perm
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
39
 
-11
-19
 
 
27
 
-8
-16
 
 
27
 
-1
-9
 
 
36
 
8
-1
 
 
53
 
17
5
 
 
68
 
22
10
 
 
75
 
24
13
 
 
67
 
20
10
 
 
68
 
14
6
 
 
59
 
4
-1
 
 
49
 
-3
-8
 
 
41
 
-8
-15
Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: Roshydromet
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Perm
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) −11,2 −8,3 −0,6 8,3 16,5 21,6 23,9 20,3 13,7 4,4 −2,8 −8,1 Ø 6,5
Min. Temperatur (°C) −18,7 −16,3 −9,2 −1,2 5,0 10,0 13,0 10,4 5,8 −1,0 −8,3 −14,7 Ø −2
Niederschlag (mm) 39 27 27 36 53 68 75 67 68 59 49 41 Σ 609
Regentage (d) 12 8 8 8 9 10 10 11 11 13 13 12 Σ 125
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
−11,2
−18,7
−8,3
−16,3
−0,6
−9,2
8,3
−1,2
16,5
5,0
21,6
10,0
23,9
13,0
20,3
10,4
13,7
5,8
4,4
−1,0
−2,8
−8,3
−8,1
−14,7
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
e
d
e
r
s
c
h
l
a
g
39
27
27
36
53
68
75
67
68
59
49
41
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Quelle: Roshydromet

Stadtbezirke (Rajony)[Bearbeiten]

Rajon Russischer Name Namensgeber Einwohner
1. Januar 2004
Einwohner
1. Januar 2009
Dserschinski Дзержинский район Felix Dserschinski 152.500 149.559
Industrialny Индустриальный район Industrialisierung der Sowjetunion 159.700 160.403
Kirowski Кировский район Sergej Kirow 123.105 125.338
Leninski Ленинский район Wladimir Lenin 56.400 50.670
Motowilichinski Мотовилихинский район Fluss Motowilicha, Nebenfluss der Kama 176.000 179.117
Ordschonikidsewski Орджоникидзевский район Grigori Ordschonikidse 111.300 112.274
Swerdlowski Свердловский район Jakow Swerdlow 212.600 210.666

Wirtschaft und Verkehr[Bearbeiten]

Zentrale des Energieversorgers TGK-9

Lukoil, das derzeit größte Ölunternehmen Russlands, ist in Perm ansässig. In der Stadt werden Flugzeugturbinen (Perm Engine Company) produziert, daneben Telefone, Textilien, Fahrräder und Motorsägen. Weiterhin gibt es große Industriebetriebe in den Bereichen Chemie, Holzverarbeitung und Elektronik.

Perm ist an die Transsibirische Eisenbahn angeschlossen und hat einen eigenen Flughafen. Wichtige Fernstraßen führen von hier nach Jekaterinburg, Kasan und Kirow. Der öffentliche Nahverkehr der Stadt wird durch die Permawtotrans durchgeführt. Sie betreibt Straßenbahn-, Oberleitungsbus- und Autobus-Linien in der Stadt.

Bildung und Kultur[Bearbeiten]

Die Stadt besitzt eine Oper, ein Theater und ein berühmtes Puppentheater. Weitere kulturelle Einrichtungen in der Stadt sind die Gorki-Bücherei (etwa zwei Millionen Bücher), der staatliche Permer Zirkus (mit etwa 2.000 Plätzen), ein Planetarium und ein Zoologischer Garten.

Permer Oper[Bearbeiten]

Permer Opernhaus und Balletttheater

Die Oper, die neben dem Bolschoi-Theater und dem Mariinski-Theater sowie dem Theater in Nowosibirsk zu den bedeutendsten Russlands zählt, beheimatet eine international bedeutende Balletttruppe, an der zahlreiche in ganz Russland bekannte Tänzerinnen und Tänzer ausgebildet wurden bzw. unterrichten. Hier wurde sehr extravagantes und modernes Tanztheater geschaffen.

Staatliche Kunstgalerie Perm[Bearbeiten]

Weiterhin existiert seit 1922 die Staatliche Kunstgalerie Perm in der ehemaligen Kathedrale der Stadt, in der vor allem wertvolle Holzskulpturen, aber auch Malerei des 15. bis 18. Jahrhunderts ausgestellt sind (unter anderem Bilder der Maler Ilja Jefimowitsch Repin, Iwan Iwanowitsch Schischkin und Iwan Nikolajewitsch Kramskoi).

Heimatmuseum[Bearbeiten]

In einem großen Heimatmuseum befinden sich 360.000 Exponate aus der Geschichte der Stadt Perm, vor allem Urkunden aus dem 16. und 17. Jahrhundert.

Doktor-Schiwago-Haus[Bearbeiten]

Ein ländliches Anwesen nahe der Stadt diente als Vorbild für einen wichtigen Handlungsschauplatz des Romans Doktor Schiwago von Boris Pasternak. Wegen des praktisch identischen Aussehens und der Popularität des Romans ist es mittlerweile eine bekannte Touristenattraktion.

Museum für zeitgenössische Kunst PERM[Bearbeiten]

Von 2008 bis 2013 leitete der Moskauer Galerist Marat Gelman in der Stadt das Museum für zeitgenössische Kunst (Музей современного искусства). Die dort ausgestellten Kunstwerke und insbesondere die im öffentlichen Raum der Stadt aufgestellten Skulpturen führten zeitweise zu sehr kontroversen Debatten.[5]

Freilichtmuseum für Holzarchitektur[Bearbeiten]

Gut 40 km nördlich der Stadt befindet sich am rechten Ufer des Kamastausees das 1980 eröffnete Volkskunde- und Freilichtmuseum Chochlowka.

Weiterführende Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

Staatliches Institut für Kunst und Kultur in Perm
  • Fakultät des Juristischen Instituts des Innenministeriums Russlands Perm
  • Filiale der Russischen Akademie für Malerei, Bildhauerei und Baukunst
  • Geisteswissenschaftliches Institut des Uralgebiets
  • Institut für Ökonomie und Recht des Westuralgebiets
  • Permer Filiale der Akademie für Staatsdienst des Uralgebiets
  • Permer Militärinstitut für Raketentruppen
  • Permer Staatliches Handelsinstitut der Staatlichen Handelsuniversität Moskau
  • Staatliche Landwirtschaftliche Akademie Perm
  • Staatliche Medizinakademie Perm
  • Staatliche Pädagogische Universität Perm
  • Staatliche Pharmazeutische Akademie Perm
  • Staatliche Technische Universität Perm
  • Staatliche Universität Perm
  • Staatliches Institut für Kunst und Kultur Perm

Die 1916 gegründete Staatliche Universität von Perm ist die älteste Universität in der Uralregion. Die größte Bildungseinrichtung in der Stadt ist jedoch die Technische Universität mit über 11.000 Studenten.

Sport[Bearbeiten]

Der Basketballverein Ural Great Perm spielte in der höchsten russischen Spielklasse, bis er nach der Saison 2008/09 aufgrund finanzieller Probleme aufgelöst wurde.[6] Seine größten Erfolge waren der Gewinn der russischen Basketballmeisterschaft in den Jahren 2001 und 2002, der Sieg im russischen Basketballpokal im Jahre 2004 sowie der Gewinn des FIBA EuroCup Challenge 2006. Heimspielstätte war der 7000 Zuschauer fassende Universal Sports Palace Molot.

Der Eishockeyverein Molot-Prikamje Perm spielt in der zweithöchsten russischen Spielklasse.

Die junge Frauenfußballmannschaft Swesda 2005 Perm, die 2005 gegründet wurde, spielte bereits drei Jahre nach der Gründung im UEFA Women's Cup und erreichte im Frühjahr 2009 das Finale. Der 1993 gegründete Fußballverein Amkar Perm spielt seit 2003 in der höchsten russischen Spielklasse Premjer-Liga.

Des Weiteren etabliert sich die Lateintanz-Formation Duet Perm in der Weltspitze. Bei der Weltmeisterschaft am 14. Dezember 2013 in Bremen erreichten sie einen fünften Platz mit ihrer Chereographie „High School“.

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Louisville, Kentucky (USA), seit 1994
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Oxford, England (Großbritannien), seit 1995
DeutschlandDeutschland Duisburg (Deutschland), seit 2007
ItalienItalien Agrigento (Italien), seit 2005
China VolksrepublikChina Qingdao (China), seit 2003
UkraineUkraine Tschernihiw (Ukraine), seit 2003

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Tom 1. Čislennostʹ i razmeščenie naselenija (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Band 1. Anzahl und Verteilung der Bevölkerung). Tabellen 5, S. 12–209; 11, S. 312–979 (Download von der Website des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Erich Maschke (Hrsg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkrieges. Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962–1977.
  3. Molotow-ITL im Internetportal GULAG des MEMORIAL Deutschland e. V. .
  4. http://www.kp.ru/daily/24123/344867/
  5. Das ist nicht russisch, weg damit! Artikel aus Die Zeit vom 28. Juni 2012
  6. Interview mit Vereinspräsident Andrei Agischew (russisch)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Perm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Perm – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen