Marian Anderson

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Marian Anderson 14. Januar 1940
Fotografie von Carl van Vechten, aus der Van Vechten Collection der Library of Congress
Marian Anderson bei ihrem Konzert am Lincoln Memorial

Marian Anderson (* 27. Februar 1897 in Philadelphia, Pennsylvania; † 8. April 1993 in Portland, Oregon) war eine US-amerikanische Opernsängerin in der Stimmlage Alt.

Leben[Bearbeiten]

Marian Anderson, Tochter eines Stückeis- und Kohlenhändlers sowie einer Lehrerin, sang schon als Sechsjährige im baptistischen Kirchenchor von Philadelphia mit. Sie erhielt aber erst ab ihrem 17. Lebensjahr eine richtige musikalische Ausbildung. 1925 gewann sie unter 300 Bewerbern den ersten Preis eines Gesangswettbewerbes und durfte daraufhin mit dem New York Philharmonic Orchestra auftreten. Anfang der 1930er Jahre ging sie auf Europatournee, und trat in Orten wie Berlin, London, Paris, Spanien, Polen, Italien, Lettland und Russland auf. Unter anderem auch vor Monarchen von Norwegen, Schweden, England und Dänemark. Der Komponist Jean Sibelius und der Dirigent Arturo Toscanini, der einige Konzerte für sie dirigierte, priesen ihre Stimme als Jahrhundertbegabung.

1939 verhinderte die konservative Frauenvereinigung Daughters of the American Revolution (‚Töchter der Amerikanischen Revolution‘) einen geplanten Bühnenauftritt von Anderson in der Constitution Hall von Washington, D.C. wegen ihrer Hautfarbe. Daraufhin trat Eleanor Roosevelt, Ehefrau des damaligen Präsidenten Franklin D. Roosevelt, aus Protest gegen diese Rassendiskriminierung aus der Organisation aus. Die Roosevelts organisierten in der Folge am Ostersonntag, dem 9. April 1939, vor dem Lincoln Memorial ein Open-Air-Konzert, an dem rund 75.000 Menschen teilnahmen.

Am 7. Januar 1955 trat Marian Anderson als Ulrica in Verdis Oper Un ballo in maschera als Solistin der Metropolitan Opera in New York City als bis dahin erste afroamerikanische Sängerin auf.

1958 vertrat Marian Anderson als Abgesandte die USA bei den Vereinten Nationen. 1961 sang sie während der Amtseinführung John F. Kennedys als Zeichen der beabsichtigten Gleichstellung der Afroamerikaner die Nationalhymne.[1] 1963 verlieh ihr Kennedy die Presidential Medal of Freedom (Freiheitsmedaille). 1965 beendete Marian Anderson ihre Karriere und lebte zurückgezogen mit ihrem Ehemann, dem Architekten Orpheus Fischer, auf einer Farm in Connecticut. 1970 wurde sie mit der Ehrendoktorwürde der Michigan State University ausgezeichnet.[2] 1978 bekam sie die Goldmedaille des US-Kongresses. 1991 erhielt sie den Grammy Lifetime Achievement Award für ihr Lebenswerk.

Marian Anderson war auch eine bemerkenswerte Liedsängerin. Ihr Klavierbegleiter war in den Jahren 1940 bis 1965 der deutsch-amerikanische Pianist Franz Rupp.

Literatur[Bearbeiten]

  • Marian Anderson: My Lord, What a Morning. An Autobiography. University of Illinois Press, Urbana, Ill. 2002, ISBN 0-252-07053-4, (Nachdruck der Ausgabe New York, 1956).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Marian Anderson – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Robert Dallek: John F. Kennedy. Ein unvollendetes Leben. Sonderausgabe der Deutschen Verlagsanstalt, München 2006, ISBN 3-421-04233-0, S. 279
  2. Liste der Ehrendoktoren der Michigan State University